Ich habe schon länger immer mal wieder nach einem gemütlichen Beziehungsroman gesucht, etwas fürs Sofa, den Urlaub, mit einem gewissen Witz, ohne dabei platt zu sein, wie das ja leider oft passiert. Bei Juli Rautenberg wurde ich fündig: eine frische Schreibe mit Wortwitz, sympathische Protagonisten und der ganz normale (schonungslos ehrlich betrachtete) Beziehungswahnsinn. Hat mir Spaß gemacht!
Autor: Sarah
Die Kunst des Feldspiels – Chad Harbach
Ein oft bemühter Ausdruck ist ja „der große, amerikanische Roman“. Aber hier passt er einfach so unheimlich gut. Es ist erstaunlich, wie Harbach rund um den Sport Baseball eine ganz eigene Welt aufgebaut hat, in der die Figuren zwischen Macht, Erfolg, Versagensängsten,persönlichen Krisen und der Liebe hin und hergeworfen werden. Teilweise waren die Spiele so anschaulich beschrieben, dass ich das Buch, ohne besonders bewandert in der Sportart zu sein, kaum weglegen konnte, so spannend war es. Ein sauberer Querschnitt durch eine ganz eigene Welt, die mich völlig absorbierte und ja – es ist wirklich der nächste, große, amerikanische Roman!
Suna – Pia Ziefle
Eine Familiengeschichte, eine Suche nach Antworten, durchwachte Nächte, starke Figuren und Schicksale, Eintauchen in andere Lebenswelten und Kulturen – dieses Buch ist wahrlich etwas Besonderes und ihr könnt euch darauf freuen. Habe ich mit großem Genuß gelesen!
Leben – David Wagner
Literarisch gesehen fand ich es durchaus lesenswert, die Umsetzung ist gut, die Spitzen da, Sprache etc, das stimmt alles. Aber ich werde mit Wagner nicht warm. Ich meine: das MUSS ich ja auch nicht, ich mag ja nicht jeden. Aber irgendwie schaue ich mir sein Leben an und meines und denke: naja, uns trennen zwar ein paar Jahre, aber sag mal: hattest Du mal ein Ziel im Leben? Wieviele Frauen gab es da – worum ging es Dir? Wo ist dein Rück-Halt? Irgendwie weiss ich nicht wofür und warum er lebt, woran sein Herz hängt. Vielleicht kann/will er das dann nicht öffentlich machen, aber ich finde keinen Bezug zur Person, was ich schade finde, weil ich die Idee des Buches mag, auch die Fragen rund um so eine Organspende spannend finde. Ich hab das Lesen nicht bereut, aber es hat mich nicht berührt.
Die Eulersche Formel – Yoko Ogawa
Was haben japanische Autoren an sich, was mich so glücklich macht? Ich bin total froh darüber, diese Autorin entdeckt zu haben und werde noch mehr von ihr lesen! Mit ganz feiner Tinte zeichnet sie das Portrait eines aussergewöhnlichen Mathematikprofessors und seiner neuen Haushälterin. Eine ungewöhnliche Freundschaft nimmt ihren Lauf – alle 80 Minuten neu. Ein Kleinod und wahrlich ein Buch, was man auch nochmal aus dem Regal ziehen wird.
Der Liebhaber meines Mannes – Bethan Roberts
Ich kannte bereits ein anderes Buch von ihr, was mir soweit ganz gut gefiel. Bei diesem Roman gab es auch eine Gemeinsamkeit: die Autorin hat die Gabe, eine bestimmte Zeitspanne, die Stimmung einer Epoche sehr plastisch und authentisch rüberzubringen. Trotzdem wirkt ihr Schreiben und ihre Figuren manchmal sperrig, obwohl die Geschichten gut durchdacht sind und sich auch entfalten, bleibt so ein bisschen das Gefühl, hier und da ein wenig ins Straucheln zu geraten. Trotzdem, allein für das Aufgreifen eines Tabu-Themas habe ich das Lesen dieses Romanes nicht bereut.
Logbuch eines unbarmherzigen Jahres – Connie Palmen
Ganz schön harter Tobak, für mein erstes Connie Palmen Buch. Ich wusste ehrlich gestanden nicht viel über sie, mein Verlagsvertreter legte mir aber dieses Buch ans Herz. Ganz klar ist: ich muss unbedingt noch I.M. lesen. Zudem glaube ich, wenn man andere Werke und ihre Geschichte kennt, kann man dieses Buch noch mehr schätzen. Es ist manchmal wie ein Dolchstoß in Herz, die Trauer, die Wut, die Regungslosigkeit. Ein Logbuch sehr dunkler Gefühle und doch immer wieder eine so ausdrucksstarke Liebeserklärung. Nicht leicht zu lesen und doch lohnt sich jede Seite.
Herr Klee und Herr Feld – Michel Bergmann
Ich liebe die Teilacher! Und diesen dritten Teil…Hach, was für ein Roman! Ich habe zu Anfang soviel gelacht, über die beiden ungleichen Brüder, die sich im Alter eigentlich nur noch mehr in ihren eigenen Sturheiten, Ritualen und Leben festgefahren haben. Das führt zu so einigen fast auswegslosen Situationen, nicht zu vergessen die neue Angestellte im jüdischen Haushalt, die junge Palästinenserin Zamira – Bergman hat hier ein paar unvergessliche Dialoge und Gedanken niedergeschrieben. Und zum Ende hin hat mich das Buch weinen lassen, weil ich das Gefühl hatte, hier gute Freunde zu verlieren. Ganz große Empfehlung, am besten gleich alle drei Bände kaufen!
Je schneller ich gehe, desto kleiner bin ich – Kjersti A. Skomsvold
Was wird aus einem selbst, wenn der geliebte Mann stirbt? Diese Erfahrung muss Mathea Martinsen machen, die hochbetagt nun plötzlich wieder auf sich allein gestellt ist. Ihre Versuche, sich wieder ein Stück der Welt zurückzuerobern, wirken verletzlich und manchmal anrührend, ein wenig spröde, fast eingerostet erscheinen ihre Bemühungen – kein Wunder, war sie doch über Jahrzehnte einzig mit ihrem Liebsten in engerem Kontakt. Dieser kurze Roman, fast mag ich es eine Novelle nennen, hält zudem ein paar feinfühlige Sätze parat, die im Ohr bleiben.
33 Cent um ein Leben zu retten – Louis Jensen
Ein wenig in der Tradition von Janne Tellers „Nichts“ erschien im gleichen Verlag nun dieses Buch, ebenfalls eine Art von Experiment, dem der Leser folgt. Jensen hat es verstanden, durch seine Geschichte zu führen und den Leser aufzurütteln, ihn von seinem bequemen Sofa zu holen. Man fragt sich: wo führt diese moderne Robin Hood Geschichte hin? Denn auch, wenn die besten Gedanken hinter der Idee stehen, so stellt sich doch die Frage: wieviel kann der einzelne tun? Ganz sicher nicht nur für Jugendliche interessant, eine zukünftige Schullektüre und ein Buch zum Darüber-Sprechen.