Eine kleine Perle. Über koreanische Literatur stolpert man hierzulande selten und so war ich gespannt, wie sich diese Familiengeschichte lesen würde. Als die Mutter einer Familie bei einer Reise spurlos verschwindet, hinterlässt sie eine Lücke, die so nicht geschlossen werden kann. Die Familienmitglieder kommen nacheinander zu Wort und so entsteht eine Bestandsaufnahme des Lebens der Mutter – die doch keiner von ihnen wirklich kannte oder fassen konnte. Zärtlich, traurig, zum Teil behutsam und auch anklagend – ein zu Herzen gehendes Buch, obwohl es ohne das große Drama, den Showdown auskommt – auf stille Art berührt es mehr, als pompöse Ereignisse es tun würden. Empfehlung!
Autor: Sarah
Kleine Biester – Rob Alef
Quasi-Krieg auf dem Schulhof, erbitterter Kampf um Bildung und die begehrten Plätze am Gymnasium. Schauplatz ist Berlin und einige Protagonisten, deren Ehrgeiz schon deutlich ungesunde Züge angenommen hat – als Schüler verschwinden und tot aufgefunden werden, wird es für die Polizei Zeit zu handeln… Ein bissiger Krimi, der mit den Klischees rund um Helikopter-Eltern und Ansprüchen der heutigen Zeit klasse jongliert. Unterhaltsam und mit dem ein oder anderen Seitenhieb herrlich böse.
Die inneren Werte von Tanjas BH – Alex Haas
Unter dem Pseudonym “Alex Haas” verbirgt sich die bekannte Hanauer Kinder- und Jugendbuchautorin Jutta Wilke. Sie hat den perfekten Schmöker für alle Jungs zwischen Stimmbruch und Oberstufe geschrieben: Es geht um Ben, der hauptsächlich an seine Flamme Tanja denkt – denn mal ehrlich, in einem bestimmten Alter dreht sich nun mal alles um die Mädchen… Und obwohl der angekündigte Dänemarkurlaub (Oh Schreck – weit weg von Tanja und kein W-LAN im Ferienhaus!) Langeweile pur verspricht, kommt doch alles ganz anders! Ein witzig-rasanter Lesespaß, denn unser Held Ben tritt, auf der Suche nach der Liebe, in so manches Fettnäpfchen . . .
Stoner – John Williams
Eigentlich sollte Stoner genau zu mir passen: ich mag diese Romane mit Campus-Atmosphäre, denen der Ruf anhaftet, ein Klassiker zu sein. Was mich unterschwellig bei diesem Roman begleitete, war die Hoffnungslosigkeit. Williams beschreibt einen Mann, der eigentlich nur alles richtig machen wollte. Unauffällig leben, tun was er gerne tat. Und dem von allen Seiten Gegenwind entgegenbläst, der leidet, der, statt zu kämpfen, sich einfach seinem Leben ergibt. Das zu lesen, hat mir fast körperlich wehgetan. Und doch muss ich den Autor bewundern. Eine so genaue literarische Zeichnung eines verbrauchten Menschen anzufertigen, der vom Leben nicht gerade gut behandelt wurde, ohne nach den glitzerigen Effekten eines Romanes zu greifen, um das ganze zu glätten – das ist ein schweres Handwerk. Auch wenn mich der Roman schwermütig zurücklies, kann ich doch nicht umhin, genau diese Folge zu bewundern.
Der Fälscher, die Spionin und der Bombenbauer – Alex Capus
Ein Unterhaltsungsroman, der auf leichtfüßige Weise drei Schicksale miteinander verwebt – für mich besonders spannend der Bombenbauer, aber auch der Fälscher, der sich auf einem mir recht unbekannten Feld betätigt. Und es ist ein Buch über Entscheidungen und ihre Folgen, über Lebensläufe, die nicht am Reißbrett entstanden sind. Originell zu lesen.
Die drei Leben der Tomomi Ishikawa – Benjamin Constable
Ein irrwitziges Spiel aus Schein und Sein. Drei Städte, drei Leben, viele Fragen mit Antworten, die nicht dazu zu passen scheinen. Manchmal ein wenig zuviel des Guten und dennoch will man das Rätsel um Tomomi lösen, was sie Benjamin Constable hinterlassen hat. Man muss das Schräge, Unangepasste mögen, dann wird man mit einem ausgefallenem Jugendbuch belohnt.
SuperTex – Leon de Winter
Ein Autor von dem ich schon länger etwas lesen wollte. Nachdem ich dann dieses Buch auf einem der letzten Bücherflohmärkte fand, stand es nun ein Weilchen im Regal – bis jetzt! Und eigentlich bleibt nur zu sagen: die lange Wartezeit hatte es nicht verdient. Definitiv wird das nicht mein letzter Leon de Winter bleiben – fabelhaft geschrieben, man will dranbleiben, will mehr erfahren. Der Autor hat einen Sinn für Szenen, die sich einem wie ein Gemälde im Kopf einprägen und einen Blick für die großen Tragödien im Kleinen.
Die Bestimmung: Tödliche Wahrheit – Veronica Roth
Die Fortsetzung vermochte mich nicht ganz so zu fesseln, wie der erste Band, ist aber ebenfalls gespickt mit Intrige, Drama und der Frage: Wem kann man eigentlich trauen? Spannung ist da, wenn auch niedriger und langsamer dosiert als im ersten Teil. Somit: der dritte Teil wird interessant…
Verschwiegen – William Landay
Solider Krimi, spannend und aus ungewöhnlicher Perspektive, gleichzeitig das Psychogramm einer Familie, die kaum noch Halt findet. Gut!
Raum – Emma Donoghue
Selten hat mich ein Buch so zerissen zurückgelassen. Kein Wunder, hatte ich es doch vor diesem Versuch bereits zweimal begonnen und wieder ins Regal zurückgestellt. Mit dem ersten Abschnitt, in dem eine junge Frau und ihr Sohn, eingesperrt von einem hochgradig gestörten Mann, in „Raum“ versuchen, ihr Leben so gut es geht auf wenigen qm zu bestehen, hatte ich so meine Probleme. Das lag vorallem an der Beschreibung, der sehr kindlichen Sprache, die wohl als Stilmittel dienen sollte, sich für mich aber enorm anstrengend las. Rausgerissen hat es für mich der zweite Teil, nachdem sich die Situation verändert – das fand ich einnehmend zu lesen, ein besonderer Einblick. Insofern – ich frage mich, wem ich dieses Buch empfehlen kann, der eine Teil kann nicht ohne den anderen und doch hält er mich davon ab, das Buch allzu enthusiastisch zu beschreiben.