Das wahre Leben von Milena Moser

Mein erstes Buch von Milena Moser und definitiv nicht mein letztes – ich bin sehr positiv überrascht worden. Sie schreibt so offen und ehrlich, dass es mich sofort für sie einnahm, noch dazu über zwei Frauen, deren Leben ganz und garnicht so verläuft, wie sie es erwartet haben. Beide wählen unterschiedliche Wege für ihr Weiterkommen, beide sind spannende, kantige Figuren, die mir beim Lesen unter die Haut gingen. Hat mich sehr beeindruckt, fand ich richtig klasse!

Honig – Ian McEwan

Ein Agententhriller zählt eigentlich nicht zu meinem Leser-Beuteschema. Aber hier zählten gleich zwei Dinge – zum einen ist es ein McEwan, zum anderen dreht sich dieser Roman um Agenten im Dienste der Literatur. Hier und da hält sich das Buch leider zu sehr an den Titel – ein bisschen zähflüssig… ;-) Und doch ist die Operation Honig schmökerig gut zu lesen, die Idee ist konsequent durchdacht und für ein Ende, was mich vom Sofa aufspringen lässt, verzeihe ich ein paar kleinere Längen dann doch gern.

Das Licht zwischen den Meeren – M.L. Stedman

Eine Liebesgeschichte, die soviel mehr ist als das. Es ist die Geschichte eines Leuchtturmes und seiner Bewohner. Eines Paares, dass sich nichts sehnlicher wünscht als ein Kind. Und als das Schicksal zuschlägt, vor einer weitgreifenden Entscheidung steht. Stedman spielt mit moralischen Fragen, eingebettet in eine Geschichte voller Fragen, Schuld und unendlichem Glück. Was darf sein? Was kann ein Kartenhaus zum Einsturz bringen? Und wie weit darf man für sein Glück und die Liebe gehen? Für mich eine der berührendsten Neuheiten im Herbstprogramm.

Shotgun Lovesongs – Nickolas Baker

Spontan würde ich einfach gerne rufen: „Tolles Buch! Nehmen Sie es mit! Machen Sie es sich in der Sonne gemütlich und genießen Sie ihre Reise nach Wisconsin, ins Herz Amerikas“ Von einer Kleinstadt und ihren Bewohnern, von Freunden, die ihr ganzes Leben miteinander teilen. Von Erfolg, Verlusten, Liebe, Entscheidungen und besonderen Momenten lebt dieses Buch. Ich habe richtiggehend mitgefiebert und auch mitgelitten, mit jeder einzelnen Person, was nicht oft passiert. Also, ich rufe: Tolles, tolles Buch!

 

Der Mann im Park – Pontus Ljunghill

Ein sehr langsamer, ruhiger Krimi, der sich in Schweden, Ende der 20ger Jahre spielt. Ich bin ja nun bekanntermaßen kein großer Krimifan, dieser hier sprach mich aber aufgrund der Zeitspanne an. Und tatsächlich war es eine kleine Zeitreise, in eine so ganz andere Polizeiarbeit, als wir sie heute kennen. Aber auch in ein bedrückendes, eher trübes Schweden, zu einem ruhigen, sehr in sich ruhenden Kommisar. Das wurde hier und da ein wenig lang und doch hat es mir gut gefallen, mich ganz in diese Welt versinken zu lassen, ebenso wie die Aufklärung des Falles.

Jimmy, Jimmy: Die Geschichte wie mein Vater wieder 10 Jahre alt wurde – Mark O’Sullivan

Der Titel verrät eigentlich schon die Geschichte: eine Familie setzt sich mit den Unfallfolgen des Vaters auseinander, der nun geistig auf dem Stand eines 10jährigen ist. Die Familie leidet unter den Auswirkungen, rückt zusammen, fällt auseinander. Ein ernsthafter Ton und eine sehr unverklärte Sicht der Dinge machen dieses Buch recht traurig, dafür aber auch zu einem ehrlichen Zeugnis und einer besonderen Lektüre ohne Weichzeichner.

Der zerbrochene Schmetterling – Yoko Ogawa

Die erste, klitzekleine Anmerkung, die ich zu dieser Autorin mache: auch dieser Kurzgeschichtenband ist wieder ein Guter. Aber er hat mich nicht ganz so berührt, wie die vorherigen, was für mich aber keine Abwertung darstellt, auf keinen Fall. Es hat nur (wie es ja so oft in Büchern ist) einfach aus persönlichen Gründen nicht so Klick gemacht, wie bei anderen Geschichten, die sich in meinem Kopf festgesetzt haben. Aber kein Grund, nicht noch alle anderen Bücher dieser Autorin zu kaufen, nein, nein.

Das Leben natürlich – Elisabeth Strout

Ich hatte mich sehr auf die neue Strout gefreut, kenne ich sie als Menschenkennerin mit einem Gespür für die Untiefen der Seele. Diese hat sie in ihrem neuen Roman auch wieder ausgelotet: allerdings nur von zwei der drei Hauptfiguren. Während sie es schafft, eine auseinandergebrochene Familie in all ihrem Versagen, Wünschen, Lastern und Sehnsüchten zu portraitieren, bleibt der Vorfall, um den sich das Buch dreht nebst der dritten Hauptfigur, blass. Bis zum Schluss waren die Beweggründe im Dunkeln, was mich irritiert hat. Nun stellt sich die Frage: soll man dem Klappentext die Schuld geben, weil er in mir eine Erwartung geweckt hat, die das Buch nicht erfüllen konnte? Oder sich freuen, dass es trotzdem ein lesenswerter Roman geworden ist?