Kindeswohl – Ian McEwan

Über dieses Buch haben wir im Buchladen durchaus leidenschaftlich debattiert. Ich würde mich definitiv als McEwan-Fan bezeichnen, meine Kollegin auch. An diesem Buch haben wir uns aber entzweit ;-) Während für mich der rote Faden nicht richtig herauskam, ich die beiden Hauptthemen jeweils als nur halbherzig behandelt empfand, ging es meiner Kollegin genau andersherum. Sie fand gerade diese Zerissenheit zwischen Privatem und Beruflichem der Hauptperson reizvoll. Zwischendrin, Passagen, die uns beide begeistert haben. Diese konnten es für mich zum Schluss, allen Gegenargumenten zum Trotz nicht mehr rausreißen…

Die Middlesteins – Jami Attenberg

Wäre die ein oder andere Bloggerkollegin nicht so hartnäckig in ihrem Lob gewesen, ich hätte das Buch vielleicht doch wieder zur Seite gelegt. So stolperte ich über den für mich eher schwierigen Anfang hinweg: und verstand, was die positiven Besprechungen so lobten. Die Middlesteins sind eine spezielle Familie, ein Geflecht, was hier Schicht für Schicht enthüllt und seziert wird. Das ganze gespickt mit Witz und ein wenig Skurrilität: so entsteht dann ein Roman, dem ich verzeihe, dass wir am Anfang nicht zueinander fanden und den ich gerne gelesen habe.

Wovon wir reden, wenn wir von Liebe reden – Raymond Carver

Das Jahr begann mit Kurzgeschichten – und was für welchen! Carver und Murakami werden oft in einem Atemzug genannt und das nicht von ungefähr, weshalb ich das Buch auch vor Jahren kaufte. Während ich seine Geschichten nun endlich las fragte ich mich: warum habe ich so lange gewartet?! Kurzgeschichten haben mich noch nicht oft überzeugen können, aber dieser Band hat mich umgehauen und begeistert, diese verdichtete Atmosphäre, die wenigen Striche mit denen Carver hier Szenarien entwirft, er packt mich, er rüttelt mich wach, kurz: ganz, ganz große Kurzgeschichtenempfehlung!

Die Sonne war der ganze Himmel – Kevin Powers

Nichts für schwache Nerven – und es handelt sich bei diesem Buch nicht um einen Thriller. Powers verarbeitet im Roman seine eigenen Erfahrungen im Irakkrieg. Und das ist mehr als einmal beklemmend und erschütternd. Ein Buch, was ich aufgrund der heftigen Ereignisse mehrfach zur Seite legen musste – und doch immer wieder zur Hand nehmen wollte. Der Krieg verändert Menschen, die Helden sind schon lange keine Helden mehr, Soldaten stoßen an ihre Grenzen. Ein wichtiges Buch!

Eleanor & Park – Rainbow Rowell

Ach, was habe ich dieses Buch gemocht. Weil es mehr ist, als die typische Aussenseiter-verlieben-sich-ineinander-Geschichte. Die schwierigen Verhältnisse, in denen Eleanor lebt und aus denen sie alleine nicht ausbrechen kann, haben mich sehr berührt. Und auch, dass Rowell darauf verzichtet, dem ganzen ein einfaches Happy End zu verpassen. Für mich ein Stück Jugendliteratur, was eindrucksvoll vor Augen führt, wie aus einer kleinen Geste nicht nur Freundschaft werden kann, sondern auch der Mut zu einem anderen Leben. Ganz und gar fabelhaft!

Ein ganzes Leben – Robert Seethaler

Über dieses Buch ist soviel gesagt und geschrieben worden, da kann ich mich kurz fassen: ja, die Empfehlungen sind gerechtfertigt. Seethaler macht nicht viele Worte, ist ein genauer Beobachter und lässt hier ein ganzes Leben auf wenigen Seiten entstehen. Ein Buch, dessen Verkaufszahlen absolut gerechtfertigt sind. Mich hat es nicht zu 100% überzeugt, was ich in diesem Fall aber meiner mangelnden Begeisterung für die Berge zuschreibe ;-)