Ich habe einen Liebesbrief geschrieben

Diese Woche bin ich zu einem Konzert meiner Lieblingsband gegangen und habe mich verliebt. In die Hingabe. In die Leidenschaft. In die Bereitschaft, für seine Träume Zeit zu investieren und immer weiter zu machen. Die Worte reihten sich in meinem Kopf aneinander, während ich meine Kollegin dort oben stehen sah, ganz eins mit ihrer Gitarre und der Musik. Habe ihre Bandkollegen betrachtet, die verzückt, konzentriert und mit Spaß an der Sache waren. Und mir gedAwomanwithherguitaracht, wie froh ich sein kann, dass all diese Menschen so mutig sind.

Das ist ein Liebesbrief an euch alle, die ihr Kunst schafft. An die Musiker’innen, die stundenlang üben, um den richtigen Anschlag zu finden. An die Maler’innen, die immer wieder vor einer weissen Leinwand sitzen. An die Autor’innen, die jeden Tag aufstehen, sich an den Schreibtisch setzen und ihrem Kopf Geschichten entlocken. Es ist oft hart und anstrengend und sicher die mehr als die Hälfte der Zeit alles andere als glamourös.

Ihr habt Durchhaltevermögen. Ihr gebt zum Teil sichere Verhältnisse auf, um eure Träume zu verwirklichen. Und ihr seid mutig, unfassbar mutig. Jeder, der schon einmal lange auf ein Ziel hingearbeitet hat, kann das bestätigen. Wenn unsereins die ersehnte Marathonzeit nicht gelingt, so ist das durchaus eine Enttäuschung, aber eine, die wir meist nur mit Freunden teilen. Aber mit etwas, dass von uns selbst kommt – und was könnte persönlicher sein als Kunst – an die Öffentlichkeit zu gehen, unsicher, ob die Welt verstehen wird, was ihr sagen wolltet, ob sie es lieben werden oder in der Luft zerreissen – das ist absolut bewundernswert. Denn jedesmal, wenn eine Bühne betreten wird, ein Buch gedruckt, ein Bild auf die Leinwand gezogen wird, verlasst ihr das sichere Ufer, betretet ihr eine wackelige Brücke, ohne genau zu wissen, wohin sie führen wird und ob sie hält.

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Ich danke jedem, der seine Musik, seine Worte, seine Farben in die Welt hinauslässt. Denn wir brauchen diese Menschen. Ihr gebt uns mit euren Songs, Büchern, Bildern Gelegenheit, uns nicht einsam zu fühlen. Den Lieblingssong mit der Freundin zu teilen, uns jemandem nah zu fühlen, der das gleiche Buch liebt wie wir, ein Bild in den Händen zu halten, das uns an einen innigen Moment erinnert. Weil man denen, die das Leben reicher machen, jeden Tag sagen soll, wie sehr wir das schätzen, was sie für uns tun und wir es alle viel zu selten sagen, schreibe ich euch heute diesen Liebesbrief – Danke für alles!

Der schönste Job der Welt

Es ist mir auf Parties noch nie passiert, dass ich meinen Beruf nannte, ohne dass mir ein „Das wollte ich auch immer mal machen!“ erwidert wurde. Buchhändlerin, ein Beruf, der das gewisse Extra zu haben scheint, obwohl er den Irrglauben, man könne den ganzen Tag zwischen den Regalen sitzen und lesen, in keinster Weise erfüllt. Die Vorstellung hält sich trotzdem hartnäckig. Bücher sind für viele Menschen einfach soviel mehr als nur eine Handelsware und die Idee, sich den ganzen Tag damit umgeben zu können, reizt viele – zugegebenermaßen auch mich, jeden Tag wieder aufs Neue. Und auch, wenn ich nicht den ganzen Tag lesen darf, so bleibt doch die tiefe Überzeugung, was für ein Glück ich habe, einen Beruf ausüben zu dürfen, der soviel mehr ist, als reiner Broterwerb – er gehört zu mir, definiert mich und macht mich aus.

Seit 13 Jahren bin ich Buchhändlerin im Buchladen am Freiheitsplatz und ich gehe jeden Tag gerne zur Arbeit, auch, weil ich das Glück habe, seit vielen Jahren mit großartigen Kolleginnen und Kollegen arbeiten zu dürfen. Außerdem habe ich einen Chef, der mir den Raum gibt, viel auszuprobieren und mich in meinen Vorhaben unterstützt. Ich liebe meinen Job und kann mir nicht vorstellen, diesen irgendwann gegen einen anderen einzutauschen. Ich begeistere mich für Bücher, weit über den Feierabend hinaus. Ich habe den Anspruch für mich und meine Arbeit mindestens 120 Bücher im Jahr zu lesen und landete in den letzten Jahren meist bei 150 – und trotzdem habe ich meist das Gefühl, dass ich nicht ansatzweise soviel lesen kann, wie ich gerne würde. Ich mag das Netzwerk unter Kollegen, Literaturbegeisterten, Bloggern. Unsere Stammkunden schaffen es, dass so ein kleiner 75qm Buchladen allen Unkenrufen des Branchenuntergangs zum Trotz weiter besteht. Ein kleines Märchen fast, in der heutigen Zeit und ich darf daran teilhaben und dazu beitragen. Samstage, an denen sich langjährige Kunden im Laden auf einen Schnack treffen, ein großes Hallo und Wiedersehen, ein „Was können wir euch vom Markt mitbringen?“ für die Belegschaft oder Plätzchenpakete für das Team zu Weihnachten: unsere Kunden gehören genauso zum Buchladen dazu wie unsere Bücher und wir schätzen sie sehr.

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Warum ist dieser Beruf für mich auch Berufung? Weil wir Buchhändlerinnen und Buchhändler so viel in unserem ganz normalen Alltag tun, was für den einzelnen Tag nicht viel scheinen mag, in der Summe aber doch so viel ist. Wir sind Rechercheure, Literaturvermittlerinnen, Dienstleister. Wir finden Lösungen für verzwickte Probleme, oft auch solche, die nicht direkt etwas mit Büchern zu tun haben, wir wecken mit unseren Schaufenstern Wünsche, wir kommunizieren online und offline mit unseren Kunden und holen sie dort ab, wo sie sich gerade im Leben befinden. Wir stellen uns hundert Mal am Tag mit einem Lächeln auf die unterschiedlichsten Menschentypen ein. Ich nehme Bestellungen via Mail, Twitter oder Whatsapp entgegen und wühle mich gerne durch Buch-#Hashtags und Branchengruppen, immer auf der Suche nach Buchtipps, Inspiration und interessanten Menschen. Wenn ich morgens zur Ladentür hereinkomme, weiß ich nicht, was der Tag an schönen, kleinen Erlebnissen bringen wird.

Es wird durch die ansteigende Bandbreite an alternativen Medien zur Information und Zeitvertreib noch wichtiger werden, sich ungewöhnliche Maßnahmen einfallen zu lassen, um gerade unsere jungen Kunden zu überzeugen und auch um sie langfristig zu halten. Ein lesefauler Jugendlicher, der nach dem Urlaub zu mir kommt und sich für den Buchtipp bedankt und den nächsten Teil der empfohlenen Reihe kauft – ein Glücksmoment sondergleichen! Ich darf durch den gemeinsamen Einkauf mit unserem Team ein interessantes Sortiment anbieten, kann es mitsteuern und ihm Impulse geben, stoße durch Kundenbestellungen auf spannende Themen und gehe eigentlich nie nach Hause, ohne ein neues Wort für mich entdeckt zu haben. Durch unsere Alltags-Tätigkeiten, das Präsentieren von Büchern, das Empfehlen, das Bestellen und auch die viele Arbeit im Hintergrund, gestalten wir einen Raum, von dem viele sagen, dass sie sich dort gerne eine Nacht einschließen lassen würden (was wir mit unserer „Spätlese“ möglich machen). Das ist schon eine besondere Art von Vergnügen, solch einen Ort lebendig zu halten und einer der Gründe, weshalb dieser Beruf für mich der richtige ist.

Die Buchbranche verändert sich und auch das ist immer wieder eine Herausforderung: Wie können wir die Vorteile nutzen, die das Internet für uns bringt? Wie können wir die Schwärmerei für ein leinengebundenes, illustriertes Buch mit dem Wunsch verbinden, unsere Kunden auch bei eBooks kompetent beraten zu können? Ich als Buchhändlerin sehe meine Aufgabe auch hier darin, unseren Kunden ein Mehr an Service zu bieten, ein Einkaufserlebnis und ein Lächeln beim Verlassen des Buchladens. Wenn unsere Kunden glücklich von „ihrem Buchladen“ sprechen, wenn sie demonstrativ bei uns bestellen, statt bei Amazon, dann macht mich das stolz und zeigt, dass wir mit unserem Konzept und unseren Ideen auf der richtigen Fährte sind. Hier am Ball zu bleiben und sich immer wieder neu auf den Markt und seine Veränderungen einzustellen, das tun wir Buchhändlerinnen und Buchhändler kontinuierlich.

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Als Buchhändlerin in einem kleinen, unabhängigen Laden habe ich kein großes Marketingbudget zur Verfügung. Ich muss kreativ denken und mich jeden Tag fragen: Was will ich heute erreichen? Wen will ich begeistern, für das, was mich gerade umtreibt? Wie kann ich meinen Kunden den Deutschen Buchpreis nahe bringen, meinen Lieblingsautor oder mich noch mehr für Indiebooks und ihre Verlage engagieren? Und wie kann ich meine Projekte effizient planen und eine möglichst große Reichweite generieren, um viele Interessierte zu erreichen und neue Kunden zu gewinnen? Ich betreue mit großer Freude unseren Online-Auftritt, unsere Social Media Kanäle und verfolge die neuesten Entwicklungen im Netz. Die Abwechslung in unserem Berufsalltag, von dem ich hier auch immer noch nur einen kleinen Teil schildere, lässt es nie langweilig werden. So viele Projekte, die noch in meinem Kopf herumschwirren und im Notizbuch festgehalten werden, so viele, die bereits durchgeführt wurden.

Als ich für einen Branchenpreis eine Liste der Veranstaltungen und Aktionen, die ich durchgeführt hatte, einreichte, dachte ich:  Da hat sich in den letzten Jahren sehr vieles angesammelt, was Herzblut und Begeisterung für Literatur zeigt – und sovieles hat einfach unheimlich Spaß gemacht! Über den Beruf hinaus habe ich auch die Arbeit für meinen Literaturblog und die damit einhergehenden Kontakte und Aktionen sehr zu schätzen gelernt. Als ich den Blog begann, waren Blogs noch relativ selten und dort hat sich in den letzten Jahren unheimlich viel getan. Dass Pinkfisch.net mittlerweile 10 Jahre alt ist und es dort mittlerweile über 1000 Leseeindrücke gibt, ist auch Ausdruck dafür, wie wichtig die Konstante Literatur in meinem Leben ist.

Buchhändlerin also! Ich glaube, dass die Branche ohne junge Menschen, die ihren Beruf mit Leidenschaft und Begeisterung ausführen, sehr viel gefährdeter ist, sich zu verkleinern. Aber solange es noch Buchhändlerinnen und Buchhändler gibt, die sich jeden Tag darauf freuen, im Kleinen und Alltäglichen etwas zu bewegen, sich stets etwas Neues einfallen lassen um den Buchladen voranzubringen, bin ich frohen Mutes, dass die Buchbranche noch viel vor sich hat!

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Ein neuer Pfad zum Wasserfall – Raymond Carver

Dieser Gedichtband hat mich in mehrfacher Hinsicht überrascht und ja, er hat mich berührt, mehr, als ich das im Vorhinein gedacht hätte.

Carver schrieb diese Gedichte in dem Wissen, dass er sehr krank war und seine Ärzte ihm nur noch etwa ein Jahr zu leben gaben. Als ich die Einleitung seines Übersetzers Helmut Frielinghaus las, erwartete mich die erste Überraschung, denn dieser hatte sich nicht nur intensiv mit Carvers Werk auseinandergesetzt, sondern teilte Carvers Erleben, denn auch er war schwer krank und verstarb im Januar 2012. Die Übersetzung von Carvers Gedichten war das letzte, woran er gearbeitet hatte.

Die nächste Besonderheit besteht im Aufbau. Carver und seine zweite Frau Tess, die den Band mit ihm gemeinsam zusammenstellte, stellten seinen eigenen Gedichten Werke anderer Autoren, allen voran Tschechow, aber auch Tranströmer und Milosz, an die Seite. Die Inspiration dazu fand Carver bei Czeslaw Milosz. Das hat einen ganz eigenen Reiz, weil die Gedichte auf eigentümliche Weise oft ineinanderzugreifen scheinen und der Leser/die Leserin eigene Entdeckungen macht. Carver las viel in seinem letzten Jahr und die ausgewählten Gedichte und Versatzstücke anderer in einem Guß mit seinen Worten lesen zu können, das hat etwas sehr Intimes. Es ermöglicht uns eine Art zweiten Blick auf seine Gefühlswelt und den Stellenwert von Literatur in seinem Leben.

Seine Gedichte berühren mich, sie lassen mich still werden und ich versinke in den Worten. Es sind kleine Geschichten, kurze Schlaglichter, sie erzählen von Momenten, in denen sich das Leben verändert, sie handeln von Trauer, Verlust aber auch von Zufriedenheit, von Lebenslust und der Liebe. Und sie handeln von Abschied und mehr als einmal muss ich ein paar Tränen wegwischen. Wegen Gedichten wie „Spätes Fragment„.

Spätes Fragment
Und – hast Du bekommen, was
Du haben wolltest von diesem Leben, trotz allem?
Ja, hab ich.
Und was wolltest Du?
Sagen können, dass ich geliebt werde, mich geliebt
fühlen auf dieser Erde.

Die letzte Überraschung liegt in dem liebevollen Nachwort, dass seine Frau Tess diesem Band hinzufügte. Sie schreibt über die letzten Monate mit ihrem Mann, sie beschreibt das Entstehen von einigen Gedichten und die Geschichten dahinter. Das Nachwort ist ungeheuer packend und spannend, ich habe es gleich mehrfach gelesen. Was für ein Geschenk, dieses nochmalige Vertiefen in Carvers Schaffen.

Was bleibt zu sagen? Alles, was ich bisher von Carver gelesen habe, hat mich beeindruckt, ist mir nachhaltig im Gedächtnis geblieben. Ich darf mich glücklich schätzen, einiges noch nicht zu kennen, denn so bleibt immer noch etwas, auf das ich mich freuen darf.

[Zitat aus "Ein neuer Pfad zum Wasserfall" von Raymond Carver, S. 128, S. Fischer Verlag, Fischer Klassik, erscheinen 2013]

 

Das Beste, was wir tun können, ist nichts – Björn Kern

Hier spielt natürlich der Titel eine ganz klare Rolle bei der Entscheidungsfindung, ob das Buch etwas für mich sein könnte. Bereits das großartige Buch von Katrin Passig und Sascha Lobo über das Aufschieben hatte mir eine charmante Gegenposition zu To-Do-Listen und Effizienz aufgezeigt. Kern tut in etwa dasselbe, nur, dass er dabei noch eine ganze Stufe weitergeht. Er schreibt unterhaltsam, man folgt ihm gerne auf seinem Abenteuer des Nichtstuns.

Und die abendliche Bank unter dem Birnbaum, die er auch gerne mal an einem Montag morgen um acht besetzt, die möchte man sich am liebsten auch sofort in den Garten oder auf den Balkon stellen. Ob sein Konzept 1:1 für jeden umsetzbar ist? Ganz sicher nicht. Aber er schafft es, dass man auf angenehme Art hinterfragt – was wird passieren, wenn ich XXX nun nicht tue? Und wieviel muss ich tun, um das Nichts tun noch genießen zu können? Ein Anstoß, der in hektischen und getriebenen Zeiten fast schon altmodisch anmuten mag, aber gerade heutzutage aktueller ist denn je.

Mörder Anders und seine Freunde nebst dem einen oder anderen Feind – Jonas Jonasson

Ein inneres Zwiegespräch

Mich nervt ja selten ein Buch so richtig. Aber hier – ich habe ewig dafür gebraucht, weil es mich beim Lesen so enttäuscht hat und nun will ich eigentlich der Welt mitteilen, was da für mich alles nicht stimmte. Meinste, das kann ich machen? Ich war beim Lesen wirklich entnervt!

Ja dann! Lass es raus!

Aber ich kann doch nun schlecht schreiben: Dieses Buch könnt ihr euch sparen! Oder doch?!

So sehr ich für markige Überschriften bin, vielleicht unterfütterst Du deine Aussage noch mit etwas mehr Argumentation?

Fairer Einwurf. Beim ersten Jonasson fühlte ich mich noch sehr gut unterhalten, beim zweiten war es schon ein Aufguß des ersten, aber immer noch nett zu lesen. Der dritte hingegen…

Ja? Nun bloß nicht schüchtern werden!

Ich habe beim Lesen immer wieder gedacht: Die Idee des Plots reicht nicht! Sie reicht nicht aus!

Wie meinst Du das?

Die Grundidee war einfach zu knapp und wurde dann später noch mehrfach künstlich verlängert, was mich schon ermüden ließ. Nur, weil man einen knackigen Aufhänger hat, rollt sich die Story nicht von alleine aus. Die Figuren wirken holzschnittartig, man symphatisiert wirklich mit niemandem und bei jeder weiteren grotesken Wendung habe ich nur noch geseufzt. Wie bei vielen Dingen im Leben macht es auch in einer guten Geschichte die Dosierung und in diesem Buch ist das Salzfäßchen eindeutig vom Küchenregal in die Suppe gefallen. Die einzige Komponente, die ich nett angedacht fand, war, Mörder Anders unter anderem zu einem Internetphänomen zu machen, aber auch diese Idee wurde in meinen Augen nicht konsequent genug umgesetzt.

Aber in die Ecke geschmissen hast Du es trotzdem nicht, oder?

Nein. Ehrlich gestanden wollte ich wissen, ob er irgendwo noch die Kurve bekommt und fand auch, wenn ich das Buch danach schon kritisch besprechen will, sollte ich es wenigstens zu Ende lesen.

Und, bekam er die Kurve?

Überraschenderweise… Nein, nein, hier gibt es leider kein Happy End. Bis zum Schluß wurden noch einige Klischees ausgewalzt und dreimal in anderen Worten wiederholt und ich fühlte mich wie nach einem sehr, sehr langen Konzertabend mit Zwölftonmusik…

Das klingt als könnte es als französische Komödie funktionieren, aber nicht als Buch…Du rätst also ab?

Wer auf skurrile Figuren ohne größere Substanz, religiöse Kalauer und einen Galopp durch eine leicht löchrige Handlung steht, kommt hier voll auf seine Kosten! Die anderen…

Eher nicht?

Ne. Wirklich nicht. Kauft euch stattdessen lieber einen guten Gedichtband!

Leipzig, deine Indies! Leipzig, deine Blogger*innen!

Im Zug nach Hause flog mir die Überschrift für den diesjährigen Messeartikel wirklich einfach zu: denn für mich war es dieses Jahr einmal mehr wieder eine Aneinanderreihung von schönen Erlebnissen mit Buchmenschen aus allen Sparten, fast alles in Halle 5, wo viele der Unabhängigen Verlage und die Bloggerlounge beheimatet sind.

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Familientreffen mit Felix Wegner und Katharina von textverliebt. Wilder Haufen! (c) textverliebt

Als Reisebegleitung hatte ich die charmant-lässige Textverliebt an meiner Seite, deren Branchenwissen und kluge Betrachtungen von Dynamiken und Entwicklungen im Netz mich mehr als einmal begeistert haben. Noch dazu ist ihr Humor einfach fabelhaft – wie man sieht, hatten wir gemeinsam einfach eine richtig gute Zeit.

In Leipzig bin ich dieses Jahr gefühlt doppelt unterwegs gewesen. Als Buchhändlerin und Bloggerin. Es ist ganz witzig, dass je nach Stand mal das eine, mal das andere mehr im Vordergrund steht. Während ich, gerade bei den größeren Verlagen, ganz klar als Buchhändlerin mit meinen Verlagsvertreter*innen spreche und der Buchladen bekannt ist, verhält es sich bei den Indies oftmals so, dass eben auch der Blog bekannt ist. Ich profitiere aber sehr von dieser Zweigleisigkeit. Im Buchladen kann ich zum Beispiel den #indiebookday so richtig zelebrieren, da habe ich mit Schaufenster und Sortimentsgestaltung ganz andere Möglichkeiten als im Blog. Im Blog hingegen kann ich wunderbar schreiben und (Indie)-Büchern eine Bühne im Netz verschaffen. Ich liebe es, dass ich Beruf und Blog miteinander verbinden kann und das oftmals Synergieeffekte erzeugt. Begeistert hat mich dieses Jahr besonders, wieviel Wertschätzung meiner Arbeit entgegengebracht wurde – sowohl offline als auch online.

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Die berühmten Messeschuhe…

Wenn man charmante Verlegerinnen in den Arm schließen darf (Binooki), bei Open House  in Verzückung geraten darf über „Winternovellen“ (mein liebster Indiebook-Tipp zur Zeit!), wenn ich beim Cass Verlag mit der Verlegerin, (Japanologin) über meine Vorliebe für Japan reden darf und mit einem interessanten Tipp versorgt werde – dann macht mich das glücklich! Auch bei Edition Nautilus, der Frankfurter Verlagsanstalt, Voland & Quist und Wallstein hatte ich herzliche Begegnungen. Imke Schuster vom Dumont nahm sich ebenfalls viel Zeit für mich, dieses Kennenlernen hat mich sehr gefreut! Und nur auf der Buchmesse nimmt Jörg Sundermeier vom Verbrecher Verlag, die ja sowieso einen Stein bei mir im Brett haben, mich ins Schlepptau um mich einer Kollegin vorzustellen und auf dem Rückweg das Du anzubieten und mir noch zwei neue, fabelhafte Verlage gegenüber im Gang vorzustellen. So kam ich zu zwei ganz spannenden Gesprächen bei Hablizel und homunculus verlag – Menschen, die sich Zeit für mich nahmen und spontan Bücher empfohlen, die meinen Geschmack exakt treffen und deren Begeisterung mich ansteckt. Weiter so!) .

Herrlich auch, wenn man dann von Hörensagen bekannt ist und nach dem pinken Kleid Ausschau gehalten wurde, was zu einem sehr netten Gespräch mit Regine Vogel, einer der Vertreterinnen von indiebook.de führte – wieder ein Gesicht mehr, dass man nun nach der Messe kennt. Ebenfalls ein Gespräch, was durch das Pinkfisch-Outfit zustande kam, war das am Pink Ribbon Stand. Die Organisation ist mir aus persönlichen Gründen sehr nah, sie leisten wichtige Arbeit, haben Herzensprojekte und ich trage meine pinken Schleifchen mit Stolz! Ich freue mich, dass ich auch in Deutschland immer mehr davon sehe – Way to go!

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Pinkfisch auf dem pinken Teppich! (c) Punktum Verlag.

Und weil alle guten Dinge drei sind, führten Kleid und Schuhe auch noch zur Entdeckung von Punktum Bücher. Diese hatten nämlich einen sehr ansprechenden Stand – mit pinkem Teppich! Das führte nicht nur zu diesem schönen Bild, ich las mich fest und hatte am Ende quasi das gesamte Verlagsprogramm notiert – solche Entdeckungen sind das Salz in der Messesuppe! Oben drauf gab es ein angenehmes Gespräch und etwas zu lesen – mehr dann bald im Indiebookday-Beitrag!

Für poetische Selfies! (Na gut, Dominik hat geholfen. Merci!)
Für poetische Selfies! (Na gut, Dominik hat geholfen. Merci!)

 

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Dass das beste Sofa der Messe (und diesmal auch die Anlaufstelle für poetisierende Selfies) bei den Rockstars vom Verlagshaus Berlin zu finden ist, dürfte mittlerweile bekannt sein. Meine Secessions-Menschen machten mich mit Infos und einem Buch auf das ich mich sehr freue glücklich – sieht man doch, oder?

Auch das Gespräch mit Stefan Weidle und Petra Seitzmayer war ein Highlight. Die beiden haben die Mainzer Buchmesse der Unabhängigen Verlage gegründet, wo ich am 2. Juli bei einer Podiumsdiskussion den Buchhandel vertreten werde, zur spannenden Frage Das allmähliche Verschwinden älterer Titel aus dem Buchhandel – was kann man tun? Nach diesem angeregten Standgespräch freue ich mich noch mehr auf diese Veranstaltung!

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Danke für das Bild an @textverliebt !

Unbedingt zu den Lieblingsstunden der Messe gehörte ein Event, den die fabelhafte Susanne Bühler von Diogenes für einen kleinen Kreis organisiert hatte. Ein erster Blick auf das wirklich gut gemischte Diogenes-Herbstprogramm (vormerken!) und dann eine ganze Stunde zusammen mit Benedict Wells und einer sehr persönlichen Fragerunde. Nicht umsonst schwärmen soviele von „Vom Ende der Einsamkeit“ – der Roman ist einer meiner Lieblinge im Frühjahr und auch seine älteren Bücher habe ich mit Begeisterung gelesen. Die Möglichkeit dieses Treffens war wirklich etwas Besonderes, Merci an alle die das möglich gemacht haben und diese Runde voller bekannter Gesichter zusammenbrachten.

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Austausch in der Bloggerlounge mit ThatYvo, Lost Pages, Shanty, Textverliebt und Was liest Du?_Team
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Flauschige Blogger? Das vielleicht nicht. Aber Zusammenhalt ist da! Mit Literaturen und Sounds & Books

Fast schon Tradition hat nun das inoffizielle Bloggertreffen von Papiergeflüster, die dann am Ende selbst nicht da war (und sehr fehlte!). Das Klassenfahrtgefühl kehrte zurück, neue Gesichter kennenlernen, zusammenrücken, fachsimpeln, sich in die Arme fallen. Nicht nur in dieser Runde hatte ich über die ganzen zwei Tage der Messe immer wieder ein Wort im Kopf: Vernetzung. Diese Bande, die das Jahr über auf Twitter, Instagram, Facebook und auf unseren Blogs geknüpft werden, diese sind in Messezeiten so stark spürbar und werden von Jahr zu Jahr intensiver. Projekte die gemeinsam angegangen werden, neue Ideen, die da hervorsprudeln, unterschiedliche Herangehensweisen – und all das setzt Kreativität und Motivation frei!

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Eindeutig eines der besten Buchbranche-Teams: Torsten und Maren von „Was liest Du?“

Ich bin Fan von vielen dieser Menschen, oftmals auch gerade von denen, die vielleicht nicht die größte Reichweite haben, aber die kompromißlos sie selbst sind, in dem was sie tun, wofür sie stehen. Das begeistert mich und das ist für mich täglich ein Ansporn. Auch bei immer wiederkehrenden Themen und Diskussionen rund um die Literatur im Netz nehme ich oftmals für mich eher mit, dass ich mich verbessern möchte, mir treu bleiben und mit dem was ich gern tue überzeugen will, statt mich in einem Strudel aus Negativität zu verlieren.

Als Buchhändlerin habe ich das Glück, dass ich jeden Tag Feedback bekomme, dass mein Selbstbewusstsein, dass ich in diesem Bereich einen verdammt guten Job mache, gerechtfertigt ist. Als Bloggerin ist das manchmal ungleich schwerer zu bestehen – soviel gibt es im Netz zu lesen, zu erleben, zu sehen. Und doch – bleibt dran, denn Qualität setzt sich am Ende immer durch! Denn wenn ich mich in der Bloggerlounge (deren Existenz ich sehr befürworte, schönen Gruß nach Frankfurt!) umsah, dann sah ich da Ideen, Kreativität, Menschen die etwas bewegen und die etwas zu sagen haben. Davon kann es nicht genug geben!

Und außerdem auf dieser Messe, spontane Arbeitseinsätze in der Außenzentrale von „Was liest Du?“

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Und plötzlich hat man wichtige Aufgaben für die Mayersche zu erledigen – Profi eben ;-)

Das Schlusswort lasse ich David Wagner und den Verbrecher Verlag sprechen. Am liebsten würde ich mir das mal übers Bett nageln! 20160319_141950

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Der Lesestoff für die nächsten Wochen ist gesichert – vielen Dank an alle Verlage! (Und einen Gruß von meiner Schulter!)

Bonus: Was wäre Leipzig ohne das Klassentreffengefühl? Ich habe mich so gefreut, dieses Jahr Maren und Torsten von Was liest Du?, Buchrevier, Klappentexterin, masuko13, glasperlenspiel13, Literaturen, 54Books, Lustzulesen, Tina Lurz von LB, Felix Wegner, Brasch Buch, Kaffeehaussitzer, Stefanie Leo, Mara von buzzaldrins und textverliebt wiederzusehen. Und genauso sehr darüber, endlich die Gesichter hinter Buchbüchse, Bücher Göre, Nordbreze von LB, Sonja von Lust zu Lesen, Shanty von Influenza Bookosa, lost pages, That Yvo, Studierenichtdeinleben, Sounds & Books, Et Tragalibros, Krimimimi, Frau Pixel und Stephanie von Nur Lesen ist schöner kennenzulernen. Danke für eure Zeit!

Stand Up: Feminismus für Anfänger und Fortgeschrittene – Julia Korbik

Wenn man mich vor fünf Jahren gefragt hätte: Bist Du eigentlich Feministin? ich hätte eher ausweichend reagiert. In meinem Kopf gab es doch einige angestaubte Ideen davon, wie sich die feministische Bewegung inszeniert und ich fand mich dort nicht so recht wieder. In den letzten zwei Jahren hat sich das grundlegend geändert, was einmal mehr zeigt, wie wichtig es ist, sich Sachgebiete selbst zu erobern, sich mit Informationen zu versorgen und Klischees und Vorurteile stets kritisch zu hinterfragen. In letzter Zeit habe ich mich durch einige Literatur zum Thema gelesen und besonders beeindruckt hat mich Stand Up.

Das Buch punktet bei mir gleich in mehrfacher Hinsicht. Klug und unaufgeregt, und mit Spaß an der Sache erklärt Korbik Feminismus und all seine spannenden Facetten. Sie beginnt bei den Basics und führt uns über Imageprobleme der Bewegung bis hin zu unterschiedlichen Strömungen innerhalb der Geschichte des Feminismus. Besonders ansprechend fand ich die eingestreuten Kurzvorstellungen von Feministinnen und Feministen – hier habe ich immer wieder Namen notiert und später recherchiert, habe mir Bücher dieser Autor_innen bestellt oder Youtube-Aufnahmen von ihren Aktionen angesehen (Anspieltipp Amanda Palmer – Dear Daily Mail). Das Buch macht dermaßen Lust darauf, selbst weiterzuforschen und ist eine Quelle der Inspiration für mich gewesen. Ich empfehle es momentan bei jeder sich bietenden Gelegenheit ;-) .

Es beinhaltet auch für die Fans von Fakten, Zahlen und Statistiken reichlich Material, was ich besonders als Untermauerungsstoff für Diskussionen hilfreich finde (ebenso den Anhang mit feministischem Glossar und Literaturempfehlungen). Noch dazu ist oftmals so ein Uff-Moment eingetreten, wenn man Zahlen schwarz auf weiss so geballt sieht (Gender Pay Gap als Beispiel). Im zweiten Teil des Buches widmet sich Korbik der Gleichberechtigung in fünf dicken Kapiteln zum Thema Biologie, Körper, Politik, Popkultur und Los geht’s. Auch hier finden sich wieder viele Aha-Effekte, Tipps zum Andersmachen, Weitermachen, Gedanken machen. Es gibt unzählige tolle Zitate und Fragen, die im Kopf bleiben und zum Nachdenken anregen – denn nach der Lektüre ist klar – es gibt noch viel zu tun!

Mein absolutes Lieblingszitat aus dem Buch ist das folgende:

You’re rooting for gender equality? Congratulations, then you are a feminist!

Und last but not least – Die Aufmachung. Knallbunt, modern und grafisch sehr ansprechend gestaltet ist das Buch ist eine wahre Augenweide!

Ein literarischer Abend mit Alf Mentzer

Wir sind Partnerbuchhandlung von hrInfo. Dort gibt es jeden Donnerstag die Bücherchecker – einer davon ist Alf Mentzer. Und immer wieder freue ich mich, wenn ich die wohlbekannte Stimme im Radio höre und auch im Literaturhaus Frankfurt dürfte ich ihn schon live erleben. Nun hatte unser Buchladen durch die Kooperation die Gelegenheit, einen ganzen Abend mit Gästen und Alf Mentzer zu gestalten. Jeder dürfte Bücher zum Thema Lebenswege mitbringen und man kam in gemütlicher Runde darüber ins Gespräch.

Für mich war das wieder ein Abend, der gezeigt hat, wie facettenreich und2016-03-05 08.35.40 spannend Literatur sein kann. Ehrlich gestanden hätte ich Alf Mentzer noch zwei Stunden länger zuhören können, wie er von Büchern schwärmt, Verbindungen zwischen Romanen knüpft und interessante Aspekte herausstellt.

Gemeinsam haben wir „Vom Ende der Einsamkeit“ von Benedict Wells  vorgestellt und waren beide gleichermaßen begeistert von diesem Roman. Außerdem machte der Literaturredakteur mir große Lust auf „Überläufer“ von Siegfried Lenz und hat mich davon überzeugt, dass ich David Mitchell doch noch einmal versuchen sollte – ich denke, ich werde mir seinen aktuellen Roman „The Bone Clocks“ der dieses Frühjahr auf Deutsch erscheint, im Original zulegen.

Vielen Dank für einen tollen Abend, es hat sehr viel Spaß gemacht!