Zürich ruft – Zürich liest 2016!

So langsam wird es aufregend, denn gerade ist das Programm von Zürich liest 2016 ins Haus geflattert. Erstmals wird dieses Lesefestival von fünf Literaturblogs begleitet. Der Kaffeehaussitzer, Die Buchbloggerin, Kapri-ziös, Buzzaldrins Bücher und ich werden in das volle Literaturerlebnis eintauchen. Lesungen besuchen, Autoren erleben, Veranstaltungen der anderen Art kennenlernen und vieles mehr.

Zu sagen, dass wir uns freuen, wäre noch untertrieben. Gefühlt ist der Koffer bei uns allen schon gepackt und das Programm hat die Vorfreude nochmal um einige Grad ansteigen lassen! Auf 96 Seiten finden sich hier über 180 Veranstaltungen rund um Literatur. Wow!

Also saß ich gestern mit spitzem Bleistift, einem Stadplan und dem Programmheft auf meinem Teppich und scheiterte. Woran? Daran, dass ich mich unmöglich vierteilen kann, was eigentlich nötig wäre, um all die tollen Veranstaltungen mitnehmen zu können! So einiges werde ich notgedrungen verpassen, aber ich tröste mich damit, dass meine Mitstreiterinnen und Mitstreiter ja auch unterwegs sind und wir uns gegenseitig berichten können.

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Auf auf der schönen Veranstaltungsliste für Freitag:

Am Samstag muss man natürlich erstmal eine ordentliche Grundlage für einen langen Literaturtag schaffen. Was würde sich da besser eignen, als ein ausgiebiges Frühstück? Es trifft sich gut, dass sich von 10:30 – 12 im Café Odeon bei der Buchtaufe von „Der Eskimo stirbt sowieso. Heitere Sprachunfälle, Unsitten und Bräuche“ mit Urs Bühler & Live-Zeichner André Sandman auch Gelegenheit bietet, lecker zu tafeln. Bühler ist einer der meistgelesensten Kolumnisten der Neuen Zürcher Zeitung und ich stelle mich auf ein Prusten und Kichern in meinen Orangensaft ein!

Weiter geht es dann mit den folgenden Veranstaltungen:

  • 14-14:30  Spoken Word & Comic Liv, Live Performance 
  • Dann geht es zum Stöbern zum Nachmittag der offenen Verlage bei Dörlemann, Unionsverlag und Nagel & Kimche … in den Verlagsalltag schnuppern finde ich ja immer sehr interessant und spannend, auch aus meiner buchhändlerischen Perspektive heraus.
  • 16:30 – 20:30 Living Library – Ein spannendes Konzept, gefällt mir, mal was anderes als die klassische Wasserglas-Lesung.
  • 18-19:30 Teresa Präauer liest aus „Oh Schimmi“ im Literaturhaus
  • 20:00  Salonpalaver im Strauhof  u.a. mit Claudia Vamvas, vielen bekannt als @akkordeonistin auf Twitter! Ihr Buch erscheint am 17. September im Frohmann Verlag . Nicht nur, dass Vamvas eine Buchhandelsvergangenheit hat und ich ihre Tweets sehr schätze, nein, das Akkordeon ist für mich auch ganz wichtig – sind doch in meiner Familie gleich zwei Akkordeonspielerinnen vertreten.

Der Sonntag steht zu Beginn ein wenig im Zeichen des Kinderbuches:

  • 11-12  Bilderbuchlesung mit Torben Kuhlmann,
  • 13:30 – 14:30 Die Raupe Nimmersatt feiert Geburtstag
  • Im Verlauf des Tages  möchte ich mich dann der Ausstellung Gomringer & Gomringer widmen – für mich eines der Highlights!
  • Den Tag ausklingen lasse ich dann bei einer Veranstaltung der Agentur für Gehkultur – dem Weggehen – Ein Abschiedsspaziergang.

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Folgen könnt ihr uns allen auf unseren jeweiligen Kanälen via Twitter, Instagram, Facebook und natürlich in den nächsten Wochen auf unseren Blogs. Der Hashtag zur Veranstaltung lautet: #zl16 .

Und nun noch eine Frage an euch: Welche Zürcher Buchhandlungen darf ich mir nicht entgehen lassen? Natürlich will ich wenn möglich auch die Schweizer Kolleginnen und Kollegen kurz besuchen! Und außerdem: sehen wir uns?

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Literarisches Trüffelschwein spielen oder So war es in Mainz!

Mainz also. Ein Jahr lang wurde von Petra Seitzmayer und Stefan Weidle geplant und hinter den Kulissen gewerkelt, damit es am 1. und 2. Juli 2016 heißen konnte: Willkommen zur ersten Mainzer Buchmesse der unabhängigen Verlage! Die Atmosphäre in der Altmünsterkirche war angenehm ruhig, das unausgesprochene Motto Klein aber Fein zog sich für mich durch die gesamte Veranstaltung. Eine tolle Gelegenheit, das Programm vieler unabhängiger und kleinerer Verlage in Ruhe zu sichten und mit Verlegerinnen und Verlegern ins Gespräch zu kommen.

Für mich ein langer Tag, gefühlt im Schlaraffenland. Der große Vorteil solcher Veranstaltungen ist, dass Zeit ist. Zeit für engagierte Branchendiskussionen, Zeit, kleine Schätze aus der Backlist zu bergen, Zeit, sich treiben zu lassen. An jedem Stand wieder ein Hallo, ein Sich-Wiedersehen, ein Neu-Kennenlernen. Empfehlungen, Querverweise, gemütliches Reinlesen in den Kirchenbänken. Das Notizbuch füllt sich, die Hände stapeln Bücher auf, der Kopf ist beschwingt.

Natürlich sind solche Messen ein enormer Aufwand für die beteiligten Verlage. Gerade daher finde ich es umso wichtiger, dass wir diese Messen innerhalb der Branche kommunizieren, unterstützen und verbreiten. Denn für jeden ist hier etwas dabei, ob Fachpublikum oder leidenschaftlicher Leser und jede Veranstaltung, die für Bücher und das Lesen wirbt, kann doch nur in unserem Sinne sein. Wenn ich im Buchladen stehe, kann ich Bücher, die mir der Verleger selbst empfohlen hat, ganz anders in einer Beratung rüberbringen und schmackhaft machen. Ich möchte den Menschen Geschichten erzählen und das Reservoir ist nach so einem Messetag wieder mehr als gefüllt. Auch für uns Literaturblogger bietet eine kleinere Messe wertvolle Angebote, denn auch wir wollen ja gerne mal abseits der ausgetretenen Pfade „literarisches Trüffelschwein“ spielen.

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Was wäre ein Messebesuch ohne Empfehlungen? Durch Gespräche mit vielen genauso literaturverliebten Menschen habe ich eine ganze Kiste voller Empfehlungen mitgebracht, die ich euch heute gerne ans Herz legen möchte.

Weiter als der Himmel von Pippa Goldschmidt (Weidle Verlag): Spontan sprach mich der Titel an, das erste Reinlesen verfestigte den positiven Eindruck nur noch weiter, zumal ich für alle Physik-Themen eine kleine Vorliebe hege. Bei Frank Rudkoffsky habe ich außerdem eine tolle Besprechung gefunden!

Donner überm Meer von Heinrich Hauser (Weidle Verlag): Dieses Buch möchte ich lesen, seitdem die Buchhändlerin Maria-Christina Piwowarski aus der Ocelot-Buchhandlung in Berlin es von Herzen empfohlen hat. Hach!

Pulang von Leila S. Chudori: Diese Empfehlung wurde mir aus dem Hause Weidle ganz besonders ans Herz gelegt. Bereits auf den ersten Seiten wird die Atmosphäre des Buches fast mit Händen greifbar – für mich ein Kriterium, das mich sofort für sich einnimmt.

Die Liebe ist ein Schmetterling von Lena Elfrath (weissbooks.w): Ich liebe es, wenn Bücher eine spannende Entstehungsgeschichte haben. Wenn Anya Schutzbach, die Verlegerin von weissbooks erzählt, wie dieses spezielle Manuskript auf ihren Schreibtisch gelangt ist, dann hört man ihr fast atemlos zu. Und weiss, dass man das Buch nun unbedingt haben möchte.

Mit Britta Jürgs, der Vorsitzenden der Kurt-Wolff-Stiftung und Verlegerin des Aviva Verlages möchte man gerne einmal länger Tee trinken und über Bücher, Frauen und die 20ger Jahre sprechen. Auch bei ihr notiere ich mir einige Titel und bleibe besonders an diesen beiden Büchern hängen.

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Zehn Tage im Irrenhaus von Nelly Bly: Undercover im Irrenhaus, unter bedrohlichen Bedingungen für Körper und Seele. Durch diese Empfehlung wurde ich auf eine enorm spannende Frau aufmerksam.

Mädchenhimmel von Lili Grün: Die „20ger Jahre und Neue Sachlichkeit“ waren mein Literaturprüfungsthema und haben mich nie ganz losgelassen – schon 2014 landete das Buch nachdem ich es auf der Hotlist gesehen hatte, auf meinem Wunschzettel. Schön, wieder etwas aus dieser Epoche entdecken zu dürfen.

Bei Axel Dielmann entdecke ich die zwei Bände aus dem Buchhändleralltag von Sounds&Books-Redakteur Gérard Otremba. Herrliche Beobachtungen für Branchenkenner – ein Muss in meiner Sammlung!

Mischpoke von Marcia Zuckerman: Auf diese wild-verschlungene Neuerscheinung der Frankfurter Verlagsanstalt freue ich mich enorm. Da die Welt ja bekanntlich ein Dorf ist, haben die Autorin und ich gemeinsame Freunde und deren Vorfreude schürt meine eigene auf dieses Buch nochmal mehr!

Der Peter Hammer Verlag ist bekannt für ungewöhnliche und liebevoll gemachte Kinder und Jugendbücher. Auch hier bleibt mein Blick wieder an einem Buch hängen: 33 Bogen und ein Teehaus  von Mehrnousch Zaeri-Esfahani. Ein Jugendbuch, das die momentan sehr aktuellen und präsenten Themen Flucht, Vertreibung, Ankommen und Heimat behandelt.

Meine Kollegin Anja liebt Platten, ihre Plattensammlung und das Auflegen der Scheiben. Was könnte da besser passen als Plattenkisten aus dem Ventil Verlag?

Beim Verlag Hermann Schmidt kann ich mich gar nicht satt sehen. Ob Typografie, Kreativität, Kunst machen, Kunst leben – dieser Verlag atmet Schönheit und jedes Buch ist ein kleines Kunstwerk für sich. Als nächstes bei mir einziehen werden wohl Kreativität aushalten von Frank Berzbach und Kreativität und Selbstvertrauen von David & Tom Kelleg.

Bereits begeistert besprochen habe ich Formbewusstsein von Frank Berzbach, außerdem möchte ich nochmal auf Die kleine Serifee von René Siegfried hinweisen. Ein Geschenkbuch-Muss, für alle die mit Sprache, Schrift und Design zu tun haben.

Kaum macht man mal was falsch ist das auch wieder nicht richtig von Kirsten Fuchs: Die Autorin lese ich ausgesprochen gerne auf Twitter, also ist es nur logisch und konsequent, wenn ich meinem Bücherrregal ihren Kurzgeschichtenband, erschienen bei Voland&Quist auch mal gönne ;-)

Spontan hätte ich ganz sicher nicht zu Der Briefwechsel – Reich-Ranicki/Peter Rühmkorf  gegriffen. Doch der Tipp des Wallstein-Mitarbeiters macht mich neugierig und ich verziehe mich auf einer der Kirchenbänke und lese einige Seiten. Und noch ein paar Seiten. Am Ende muss ich mich wirklich losreissen, weil dieser scharfsinnige und dabei so pointierte Briefwechsel einen sofort fesselt. Hier spielen sich zwei die Bälle zu, die Spaß am Austausch haben, ihre Revier dabei aber sorgfältig abstecken und verteidigen. Netterweise empfahl ich einige Tage später ebendieses Buch meiner Kollegin, die es mittlerweile fast durchhat, absolut begeistert ist und es bereits erfolgreich unter die Leute bringt. Ich freue mich nun also doppelt darauf, es bald zu lesen.

Zuletzt schlendere ich zum Verbrecher Verlag und es wird sich herzlich gedrückt und mit einem Kaffee in der Hand parliert. Über Bücher, das Verlegen, die Branche und alles, was so um uns herum passiert. Am Ende verlasse ich den Stand, einen Stapel Bücher in der Hand, die sich, jedes für sich so anfühlen, als wüssten sie, dass sie in einem großartigen Verlag erschienen sind. Bereits mit großer Begeisterung habe ich Fotzenfenderschweine von Almut Klotz gelesen und wiedereinmal für mich festgestellt, dass ich den Verbrecher Verlag sehr schätze. Weil sie Stoffe machen, die sie selbst interessieren und hinter denen sie zu 100% stehen und es damit immer wieder schaffen, am Puls der Zeit zu sein. Weiter so, liebe Verbrecherei!

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Noch viele weitere Verlage und Verlagsmenschen habe ich an diesem Tag angetroffen, ein herzlicher Dank für Empfehlungen und Gespräche geht an Danube Books, Transit, Pendragon, Klöpfer&Meyer, Kunstanstifter Verlag , Verlag das Wunderhorn und den Gonzo Verlag.

Die Veranstaltung endet mit einer spannenden Podiumsdiskussion, moderiert von Katrin Seibold (3sat Kulturzeit) zum Thema „Das allmähliche Verschwinden älterer Titel aus dem Buchhandel – was kann man tun?“ bei der ich als Buchhändlerin meine Sicht der Dinge beisteuerte. Mal sehen, was sich aus diesem Austausch noch alles ergibt, mir hat diese Diskussion großen Spaß gemacht und ich glaube, es gab auch den ein oder anderen Impuls für die Anwesenden. U.a. haben das Börsenblatt , der BuchMarkt und das Wiesbadener Tageblatt berichtet.

Sehen wir uns also nächstes Jahr in Mainz? Ich werde dort sein :-) .

Titelbild mit freundlicher Genehmigung von Kai Mühleck/Redaktion des Börsenblatts. Merci!

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Furiously Happy – Jenny Lawson

Ich habe „Das ist nicht wahr, oder?“ wirklich sehr geliebt und auch „Furiously Happy – A funny book about horrible things“ konnte mich wieder überzeugen. Jenny Lawson ist wirklich „one of a kind“ – eine außergewöhnliche Frau! Sie ist geistreich, hat einen großartigen (Galgen)-Humor und nicht zuletzt kann ich nur sagen „She’s fucking great!“ weil sie sehr offen über mentale Krankheiten und Depressionen spricht, in einer Zeit, in der diese Themen unverständlicherweise noch viel zu oft verschwiegen werden. Wir brauchen mehr davon! Die Welt wäre ein besserer Ort, wenn wir beginnen würden, über diese Dinge zu sprechen – denn sie sind da. Ich bin dankbar für Autoren wie Lawson, die uns zeigen – es gibt immer einen Weg. Auch wenn Du denkst alles und vorallem Du selbst und dein Leben ist einfach nur ein Schlachtfeld aus Versagen und schwarzen Gedanken – dieses Buch flüstert Dir zu: Du bist großartig. Vielleicht schräg, vielleicht ungewöhnlich, vielleicht ein*e Aussenseiter*in – aber liebenswert und einzigartig. Und es wird wieder Zeiten geben, in denen DU das auch sehen kannst.

Thank you Jenny, for writing this!

(Die deutsche Ausgabe erscheint am 17. Oktober)

#ThePowerofBlogs

Sonntagmorgen. Verschlafen scrolle ich mich durch Facebook und Twitter. Rege Diskussionen sind mal wieder im Gange. Ich wäge meine Argumente im Kopf ab, während ich mich mit einem Artikel, der heute viele (Buch)-Blogger beschäftigt, auseinandersetze. Und ahne, wie der Tag verlaufen wird. Am Ende jeglicher Diskussionen werden alle ausgiebig in die ein oder andere Richtung gewettert haben. Einige werden sich an konstruktiver und sachlicher Kritik versuchen. Und ein Sonntagvormittag geht dafür drauf, vor allem empört, verärgert, entrüstet oder auch nur leicht genervt gewesen zu sein. Vielleicht sogar davon, dass einmal mehr ein Sturm im Wasserglas ausgebrochen ist.                                      Das reicht mir nicht. Und euch?

An meiner Wand hängt einer meiner Lieblingssprüche.

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Promote what you love instead of bashing what you hate.

Obwohl ich das Zitat insofern abschwächen möchte, dass ich Hass für ein zu starkes Wort in diesem Zusammenhang halte, so steckt für mich doch viel Wahres darin. Warum nicht eine Kritik (völlig egal, wie sie gestaltet ist) nutzen, um die Sache zu drehen? Und zwar zu unseren Gunsten!

Der große Vorteil des Internets ist es, dass sich Impulse in rasender Eile verbreiten und dass wir hier die Möglichkeit haben, das, was wir lieben und was uns auszeichnet, schnell mit anderen zu teilen. Ich bin keine Gegnerin von Kritik, auch die kann anstacheln und uns zu besserer Leistung anspornen. Aber ich bin ein echter Fan von gemeinsamer Power und einem gesunden Selbstbewusstsein. Vom Verbreiten guter Nachrichten und von Erfolgen. Das sind die Momente, die motivieren, die uns Menschen und ihre Talente entdecken lassen und die uns tragen, wenn wir Unterstützung brauchen. Die andere zu Vorbildern werden lassen und die kreative Kräfte freisetzen.

Und nun schreiten wir zur Tat! Der Hashtag lautet #thepowerofblogs . Erzählt unter diesem Hashtag, welche Stärken euer Blog hat. Was ihr schon geschafft habt und was ihr mit dem Bloggen noch erreichen wollt . Warum ihr andere Blogs schätzt!  Lasst uns Twitter und eure Blogs mit positiven Vernetzungen füllen!

Seid ihr dabei? 

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Formbewusstsein – Frank Berzbach

Dieses Buch ist kein Ratgeber. Es ist auch keine Anleitung zum Glück. Es ist besser – denn es ist eine Einladung, sich mit den vorherrschenden Themen in unserem Leben zu beschäftigen und ihre Formen auszuloten. Ganz oft fühle ich mich von Frank Berzbach in meinem Alltag abgeholt. Nehmt euch Zeit für dieses Buch, legt ein Notizbuch neben euch und lasst euch darauf ein.

Ich mag den intensiven Blick, den er auf das vermeintlich „nicht so wichtige“ Alltägliche legt, denn das ist, was wir in unserem Leben bewusst gestalten sollten. Wenn er sich fragt, warum wir uns nicht die Zeit nehmen, für uns zu sorgen und unseren Frühstücksteller schön anzurichten, die Farben und verschiedenen Geschmacks13653181_10209956380376715_2014204786138074506_orichtungen zu genießen? Für uns allein – einfach, weil wir bei jedem Essen auch entscheiden, wie wir uns selbst behandeln? Oder welchen Einfluss Ordnung, Besitz und auch Smartphones auf unser heutiges Leben haben. Das klare und bibliophile Design des Buches schafft es, die Aussagen noch klarer hervorstechen zu lassen, bei vielen Zitaten krame ich das Notizbuch hervor, um sie schriftlich zu verinnerlichen.

Auch Dinge, die ich instinktiv bereits tue, werden hier aufgegriffen. Zum Beispiel, am Morgen einige Zeit darauf zu verwenden, mich dem Tag entsprechend anzuziehen, eine Aussage über mich und meinen Anspruch an diesen Tag durch meine Kleidung zu treffen. Erfrischend, dass er das nicht als Oberflächlichkeit abtut, sondern sehr viel tiefer in seiner Deutung geht, Kleidung unter anderem auch als „nonverbale Kommunikation“ versteht. Eine weitere Gemeinsamkeit lässt mich lächeln – wir schreiben beide gerne mit der Hand und genießen diese bewusste Langsamkeit, die das Schreiben mit einem Füllfederhalter mit sich bringt. IMG_20160404_155136

Besonders sticht heraus, dass er in jedem Kapitel eine Vielzahl an Gedanken zusammenträgt und eigene Schlüsse daraus zieht, sich aber so weit zurücknimmt, dass der/die LeserIn beginnt, eigene Gedanken zu entwickeln und für sich zu philosophieren. Das Buch ist herrlich frei von strikten Vorgaben oder Verteufelungen, es bildet zunächst einmal den heutigen Zeitgeist ab und fragt sich – wie kann uns das, was wir jeden Tag erleben, bereichern? Oftmals spielt allein die Dosierung die entscheidende Rolle. Die Vernetzungen die in diesem Buch entstehen, spinnen mühelos neue Fäden in meinem Kopf weiter und lassen mich nachdenken und innehalten. Und was, frage ich euch, muss ein Buch mehr können?

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Fotzenfenderschweine – Almut Klotz

Dies ist ein Buch über Liebe. Über Liebe, für die hart geackert wird. Die nicht einfach ist und kein Hollywoodklischee bedient. In der endlose Nächte lang gestritten wird, in der die Unterschiede oft stärker klingen als die Gemeinsamkeiten. Das klingt nicht nach Liebe, sagt ihr? Oh doch – und es beeindruckt mich um vielfaches mehr. Mit Wucht bekommen wir ungeschönte Szenen serviert, um gleich darauf wieder eine kleine Zärtlichkeit zwischen den Zeilen zu spüren. Gerade dieser so ehrliche und unverstellte Blick auf ihr Leben, ihre Beziehung mit Rev. Christian Dabeler und ihren künstlerischen Werdegang ist es, der mich das Buch in einem Zug durchlesen lässt.

Es ist ein Fragment, ein Text der nicht fertiggestellt werden konnte, aufgrund des Todes von Almut Klotz im August 2013. Dem Verbrecher Verlag gebührt großer Respekt dafür, dass er diesen Text, dessen Veröffentlichung der unbedingte Wunsch der Autorin war, nicht verändert hat, auch nicht die Stellen, in denen sie selbst auch mal nicht gut abschneiden. Und der Titel? sehe ich noch ein Fragezeichen in euren Augen aufleuchten. Der ist großartig. Wer dieses Buch liest (und dazu rate ich euch dringend) wird verstehen, warum.

 

 

Pinker Buchladenbesuch in Hamburg!

Der Norden rief, der Urlaub war endlich in Sichtweite! Im speziellen riefen Hamburg und im Anschluss ein kleiner Campingurlaub in Dänemark. Das hIMG_20160625_191429ieß natürlich – Lesetasche packen! In „The Right to Write“ von Julia Cameron stecke ich noch mittendrin, ich nutze aber bereits intensiv meinen Textmarker. Es hat mir großen Spaß gemacht, die Klassikerlücke Bartleby von Herman Melville zu schließen – diese Lektüre lohnt sich! Mein Urlaubslesehighlight war definitiv Amanda Palmer mit „The Art of Asking“ – witzig, mit einer unverwechselbaren Erzählstimme und ganz viel Herz und Power – Inspiration und Motivation in einem, genau das, was ich mir von einem guten Urlaubsbuch wünsche!

 

20160627_104136Und dann dürfte ich einen Tag lang kreuz und quer durch Hamburg fahren und geschätze Kolleginnen und Kollegen besuchen. Am Ende des Tages war meine Tasche deutlich schwerer, denn in einigen Buchläden konnte ich schlicht nicht anders, als unbedingt etwas zu kaufen, und sei es nur eine Postkarte ;-)

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Bei Buchhandlung im Schanzenviertel stieß ich auf ein Buch von meiner Wunschliste „The Coffeemonster Book“ und es ist schlicht und ergreifend herrlich! Wer würde diese charmanten Kaffeekleckse nicht sofort ins Herz schließen? Das Buch verführt sofort zum Blättern… In dieser Buchhandlung fühlte ich mich sehr wohl, eine typische Kiezbuchhandlung, genau abgestimmt auf ihr Publikum, mit reizvollem Sortiment, politisch und einer gut sortierten Graphic Novel Abteilung.  Auch der Postkartenständer wurde von mir um einiges erleichtert.

Weiter ging es20160627_110733, frisch versorgt mit leckerem Kaffee zu den Kollegen von cohen & dobernigg, die ein ungewöhnliches Ladendesign haben, was ich mir gerne mal vor Ort anschauen wollte. Hier kann ich einfach nur alle Punke vergeben, die man so zu vergeben hat. Ein ausgesuchtes, gut durchgemischtes Sortiment, das zum Stöbern einlädt und eine ziemlich große Schnittmenge mit meinen persönlichen Favoriten aufwies, gemütliche Sitzecke, feine Auslagen und Ideen und eine sehr offene Atmosphäre. Individuelle Beratung und die gespürte Freude am Tun – hier hätte ich noch länger bleiben können. In meine Tasche gehüpft sind dann Hold your own von Kate Tempest (Gedichte, die mich beim Blättern sofort ansprachen) und ein weiteres Buch Verdammt gute Tipps – für Leute mit Talent! von George Lois – passte irgendwie gut zu Amanda Palmer.

Die Buchhandlung Stolterfoht konnte ich leider nur kurz fotografieren, aber – ist das nicht entzückend? Das nächste Mal… 20160627_141738

 

Bei stories! konn20160627_144251te ich endlich die beiden Moka-Hefte auftreiben, die in Hessen schwerlich aufzutreiben waren, was mich sehr gefreut hat. Das Frontal-Konzept dieser Buchhandlung ist wahrlich eine Schau – am langen Tisch hat man dann auch mal die Muße, in aller Ruhe einen großen Bildband durchzusehen.

 

Ein weiteres Highlight bildete der Besuch der Buchhandlung & Antiquariat Lüders, die mir Mara noch kurzfristig empfiehl. Auch hier, schon beim Betreten ein Heimat-Gefühl. Egal, welche Beratung ich mithörte – alle waren sie kompetent, freundlich und auf den Kunden zugeschnitten. Herrlich, diese Bücherstapel bis unter die Decke, wirklich so, wie man sich den klassisch-verwunschen Buchladen vorstellt.

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Und der Reiz, sowohl Neues als auch Altes nebeneinander zu finden, ein bißchen die Zeit zwischen den Regalen aus den Augen zu verlieren. Und dann stand ich am Belletristik-Regal vor dem Buchstaben M und da war es – Kafka am Strand von Haruki Murakami – in der Erstausgabe. 20160627_153451Mittlerweile dürfte bekannt sein, wie ich dieses Buch verehre. Nicht so bekannt ist, dass ich es vor Jahren mit einem großen Stapel anderer Bücher verlieh – und bis heute nicht zurückbekam. Natürlich – ich hätte es jederzeit nachkaufen können, doch, die BücherliebhaberInnen unter uns werden mich verstehen – es bleibt n20160627_155050icht dasselbe. Sollte ich es je ersetzen, sollte es eine besondere Gelegenheit sein. Man kann sich vorstellen, wie das Glücksgefühl bei diesem Fund in mir hochblubberte. Beseelt schritt ich zur Kasse, um auch im Gespräch mit dem Buchhändler nochmal mehr zu merken – diese Buchhandlung hat alles, was es braucht – da schlägt das Buchhändlerinnenherz höher. Danke dafür!

 

Den krönenden Abschluss bildete das Büchereck Niendorf-Nord. Eine klassische Stadtteil-Buchhandlung, die man beim nächsten HH-Besuch unbedingt aufsuchen sollte – der Trip lohnt sich! Hell und freundlich, ausgestattet mit bequemer Sitzecke und sehr einladenden Regalen – hier wäre meine gesamte Famil20160627_162405ie inkl. des Nachwuchses fündig geworden. Während ich hier länger verschnaufte, hörte ich mit halbem Ohr den Gesprächen zu und fühlte mich wohlig an den eigenen Laden erinnert – hier kennt man sich, im Büchereck. Hier gibt es Auskünfte, Hilfestellung, Service und Beratung, hier wird gelacht und gescherzt. Eine Anlaufstelle – nicht nur für Bücher. Auch hier darf ein Buch in die Tasche (For the next life von Atticus Lish), was mich spontan im englischen Regal anlacht. Ich bin gespannt!

So endet ein Tag voller Literaturfreuden und dabei gibt es noch einige Kolleginnen und Kollegen mehr in Hamburg zu besuchen. Ich danke für die Empfehlungen, die für mich genommene Zeit, die Entdeckungen die ich machen durfte und das gute Wetter – wem auch immer ich es zu verdanken hatte ;-) Hamburg – ich komme wieder!

Ps: Dieses Buch habe ich mir verkniffen.

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PPs: Meinen Hamburger Doppelgängerfisch gefunden!

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PPPs: Nach Hamburg sah es dann so aus, mit dem Lesen:

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PPPPs: Nein, das Titelbild zeigt nicht Hamburg. Aber den dänischen Regen und den muss schließlich auch mal jemand würdigen.

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Warum ich lese? 15 gute Gründe!

Sandro von novelero fragte sich in einem Blogbeitrag „Warum ich lese„. Seitdem haben einige Blogger ihm auf diese Frage geantwortet und dabei sind ganz unterschiedliche Beiträge entstanden.

Je mehr ich darüber nachdenke, warum ich lese, desto mehr wird mir bewusst, dass es nicht das eine, herausstechende Erlebnis gab. Es war eine Entwicklung, die sich in vielen kleinen Schritten vollzogen hat und die aufeinander aufbaute. Obwohl ich von Kindesbeinen an sehr viel las, habe ich mich langsam herangetastet – vom Lesefutter über sogenannte Frauenromane bis hin zu Klassikern. Ich war ein Bibliothekskind, das sich stets die Ausweise der gesamten Familie lieh, um das Ausleihvolumen zu erhöhen. Ein Frühstück mit Buch vor der Nase war ein gelungenes Frühstück, sehr zum Leidwesen meiner Mutter. Aber was waren die Gründe für diese Lesebegeisterung? Wer könnte es besser erklären, als die Bücher selbst?

Ich lese wegen

  • Ralf und die Semmel, dem ersten Pixi-Buch, an das ich mich bewusst erinnern kann.
  • Jeglichem Lesefutter von Enid Blyton, weil es mir sämtliche Ferien und langweilige Schulstunden versüßt hat. Ob Fünf Freunde, Hanni und Nanni oder Dolly – ungezählte Male wurden diese Reihen von mir verschlungen.
  • Romeo und Julia von William Shakespeare – und die Adaption im Lustigen Taschenbuch, die mich dazu brachte, das ganze Stück in einer eigenen Version als Zehnjährige zum Abschluss der 4. Klasse aufzuführen.
  • Den langen Wartezeiten und Zugfahrten während einer vierjährigen Fernbeziehung – die Bahnhofsbuchhandlung bot immer neuen Lesestoff und Maeve Haran & Marian Keyes begleiteten mich lange.
  • Per Anhalter durch die Galaxis von Douglas Adams, weil es in mir die Freude an Ironie und Komik weckte und mich oftmals wissend „42“ sagen lässt.
  • Das Urteil von John Grisham war für mich die erste Begegnung mit Krimis, nachdem ich es mir von meiner älteren Schwester ausgeliehen hatte.
  •  Die Stadt der träumenden Bücher von Walter Moers, weil es die Lust am Lesen und Fabulieren feierte, wie kein Buch das je zuvor für mich getan hatte.
  • Die Bibel, die mich über Jahre hinweg immer wieder aufs Neue fasziniert hat, ob in den Bilderbuchausgaben illustriert von Kees de Kort oder später im Schriftstudium während meiner Teenager-Jahre.
  • Wegen Harry Potter von J.K. Rowling, zigmal gelesen, zuletzt alle sieben Bände in 11 Tagen, als ich ganze Nächte mit meinem neugeborenen Sohn zugange war und sowieso nicht zum Schlafen kam.
  • Kafka am Strand von Haruki Murakami , das Buch, mit dem ich mich in die Literatur verliebte und zum ersten Mal in die Arbeit eines Autoren – und die Liebe hält bis heute an.
  •  Ein Zimmer für sich allein von Virginia Woolf, weil sie mich nachhaltig beeindruckte, mit ihren klugen Gedanken zum Schreiben und ihren Betrachtungen darüber, warum ein eigenes Zimmer soviel mehr ist als „nur ein Raum“.
  • Glückskind von Steven Uhly, das mich auf eine verrückte Reise mitnahm, die im Lesen des Buches mit der gesamten Stadt mündete und mir zeigte, wie weit Begeisterung für ein Buch reichen kann.
  • Tonspuren von Elliot Perlman, weil es mir vor Augen führte, wie die Literatur zeigt, was Menschen Menschen antun können. Ein Buch, das Gänsehaut hinterlässt und bis heute zum intensivsten gehört, was ich je gelesen habe.
  • Wer die Nachtigall stört von Harper Lee, weil es mir gezeigt hat, das Literatur soviel mehr ist als „nur ausgedachte Fantasiegebilde“ – weil Lee Figuren schuf, die Geschichte schrieben und eine Auseinandersetzung über eines der wichtigsten Themen unserer Gesellschaft in Gang brachte.
  • Bitte nicht lesen oder Der aufregendste Sommer im Leben von Nelson Jaqua von Monte Merrick, weil es mittlerweile auseinanderfällt, so oft habe ich es gelesen. Meine Mutter schenkte es mir zum zwölften Geburtstag, weil „sie den Titel so lustig fand“. Kaum zu glauben, dass dieses Buch einer der vielen Gründe werden sollte, die mich für das Lesen begeisterten. Vielleicht, weil Nelson damals die selben Dinge umtrieben wie mich. Geheimnisse aufdecken. Erwachsen werden. Mit den anstrengenden Eltern umgehen. Versuchen, ein Buch zu schreiben. Freundschaften die sich verändern, die erste Liebe. In wenigen Tagen werde ich dreißig Jahre alt und immer noch würde ich dieses Buch zur Hand nehmen, wenn ich einen Rat suche.

Warum ich lese? Für mich ist Lesen vorallem eine Horizonterweiterung, ein großes Ja zu Bildung und Wissen. Es ist eine Möglichkeit, tief in das Leben der Menschen einzutauchen. Ein Buch kann zur richtigen Zeit Lebensretter sein und ein Buch zu lesen bedeutet auch immer, währenddessen ein Stück mehr über sich selbst zu erfahren. Und: Literatur verbindet. Mit fremden Menschen sofort ein Gesprächthema haben, wenn es um Bücher geht. Und diese stille Freude, zu entdecken, dass jemand das gleiche Buch verehrt wie Du selbst. All diese Dinge bereichern mein Dasein und deshalb entscheide ich mich immer wieder für Literatur und das Lesen in meinem Leben.<img src=“http://vg04.met.vgwort.de/na/a982183033b94ad9af549d95dd1300e6″ width=“1″ height=“1″ alt=““>

Die kleine Bäckerei am Strandweg – Jenny Colgan

Ab und an, brauchen wir da nicht alle mal so eine kleine Buchaffäre? Zwischen dem 800-Seiten-Wälzer und dem Klassiker? Ein winziges Inselnest in Cornwall, eine junge und leicht verzweifelte Protagonistin und natürlich ein Hobby, dass auf wundersame Weise den Umschwung (und die Liebe?) bringt. Die Zutaten für diese Art von Roman sind bekannt – und doch, manchmal lässt man sich mit Freuden darauf ein und weiß am Ende kaum, wo die knapp 500 Seiten schon wieder hin sind…

Die Rückkehr – Rebecca West

Da habe ich Urlaub, und was tue ich? Ich verschanze mich in einer großen Buchhandlung mit Stift, Notizblock und einem guten Dutzend Bücher in einer versteckten Sitzecke. Passioniert, könnte man sagen.

Und da halte ich es in der Hand: Ein schmales Bändchen aus dem verehrungswürdigen Verlag dtv, darauf zu sehen eine Frau von hinten, wie sie die Treppe herabsteigt, die Haare umkränzt vom feinen Gegenlicht. Alles an diesem Bild, die Farbe, die Kleidung, die Haltung, die Vertäfelung der Wände, verrät mir, dass dieses Szene eine Szene aus den 20er Jahren sein muss.

Damit liege ich nicht ganz falsch. Rebecca Wests Roman „Die Rückkehr“ erschien zum ersten Mal 1918 und gilt als einziger Roman einer Frau dieser Zeit, die den ersten Weltkrieg thematisiert.

Kitty und ihre Cousine Jenny sind zwei junge Frauen der gehobenen Mittelschicht im Englischen Süden. Sie bewohnen zusammen ein Herrenhaus. Beide warten darauf, dass Kittys Ehemann Chris wohlbehalten aus dem Krieg zurückkehrt und damit ihr wohlgeordnetes Leben wieder einziehen kann.

Doch Chris kommt nicht wohlbehalten zurück. Er hat bei einem Angriff durch eine Granate sein Gedächtnis verloren und erinnert sich nicht mehr an seine Ehefrau, nicht an Jenny, nicht an das prachtvolle Haus, dafür aber an seine erste große Liebe Margaret.

Margaret wird in das Haus eingeladen, um Chris zu heilen, und ab da verwirren sich die Geschehnisse zu einem Gespinst aus Eifersucht und Drama. Mit welcher Leichtigkeit und wie fast nebenbei Rebecca West in dieser Gemengelage die großen menschlichen Fragen stellt, zeugt von großer Meisterschaft. Was tut der Mensch nicht alles, um dem drohenden Chaos zu begegnen? Und wie wichtig ist die Wahrheit, um seine Würde als Mensch bewahren zu können? Und so treffen zwei der drei Frauen am Ende eine wagemutige Entscheidung. Sehr großes Kino!13041332_10154063603816153_254044038460643117_o

Alte Texte wie dieser üben einen magischen Sog auf mich aus. Diese Empfindsamkeiten und Naturbetrachtungen sind den meinen so ähnlich. Und das bedeutet nichts weiter, als dass, egal welche Sprache wir gebrauchen und welche Spielzeuge uns gefallen, diese Gefühlswelten im Menschen universell sind. Da blühen Pflanzen und vergehen, manches ist wild, anderes gezähmt, um unser Auge zu erfreuen und uns vor der Erkenntnis zu bewahren, dass wir sterblich sind. Immer wirkt die gleiche Antriebsfeder, das Bedürfnis, gegen das Vergessen und Vergehen etwas zu unternehmen. Überall wo der Mensch seiner Umwelt ästhetischen Zwang antut, Worte in Prosa oder Verse fasst, Lieder schreibt, einen Garten anlegt oder versucht, von seiner Umgebung mit Pinsel und Farbe oder einem Fotoapparat ein erträgliches Abbild zu schaffen, ringt er mit der Vergänglichkeit. Und das schon seit Menschen Gedenken.

Wie nebenbei fließen dann Dinge ein, die es so nicht mehr gibt, die man aus der Distanz gerade eben so erkennt, das knatternde Geräusch von Zeppelinen, die über den Himmel fahren, das Klackern billiger Korsettstäbchen, die Tatsache, dass der Chauffeur aussteigen muss, um den Motor des Wagens anzulassen, verschwommen taucht in uns das Bild einer Kurbel auf, die es so seit ewiger Zeit nicht mehr gibt.

Unsere Geräusche sind vielleicht andere, Zeppeline gibt es nicht mehr, auch nicht die Antriebskurbel am Kühler eines Autos. In Zukunft werden Autos nicht nur keine Geräusche mehr machen, sondern auch noch selber fahren. Die Menschen in diesem Roman sind schon seit geraumer Zeit tot, genauso wie ihre Autorin. Aber ihre moralischen Überlegungen, ihre Eifersucht und ihre Kriege, ihre Liebe und ihre Hingabe waren zu allen Zeiten die gleichen wie unsere. Und sie waren, wie unsere, immer modern. Mit Ehrfurcht und Zittern erkenne ich darin meine eigene Vergänglichkeit und klappe das Buch zu mit dem Gefühl, in einen tiefen Brunnen geschaut zu haben.

Gastrezensentin ist Anja Wylezol, Wortakrobation und Sprachliebhaberin, außerdem seit ganzen 13 Jahren meine geschätzte Kollegin, deren literarische Sachkenntnis und Begeisterung mich über die Jahre vieles gelehrt haben. Danke, liebe Anja!