Immer wieder Ghandi – Vikar Swarup

Ich habe auf dieses Buch gewartet. Habe hohe Erwartungen reingesetzt. Hab mich fast nicht getraut anzufangen, vor Angst enttäuscht zu werden. Zum Glück hält mich sowas nicht zu lange ab: den dies ist für mich die Entdeckung des Frühjahrs – bei der ich mich nicht eine Minute gelangweilt habe!

Swarup (bekannt durch „Rupien, Rupien“) beschreibt diesmal die geniale Geschichte rund um den Mord an Vicky Rai – 6 Personen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, kommen für den Mord in Frage. Jede hat ihre Geschichte, ein mögliches Motiv, ein Alibi, eine Verbindung zum Opfer…nacheinander deckt der Autor für uns die Zusammenhänge auf. Was dieses Buch absolut fantastisch macht ist nicht nur das Feuerwerk an Ideen, Wendungen und Zusammentreffen der Figuren – es ist auch die Lust am Fabulieren, die einen sofort nach Indien katapultiert. Bis zum Schluss habe ich mir immer wieder die Hände gerieben weil ich dachte, NUN hätte ich den Autor durchschaut – aber er hielt mich bis zur letzten Seite gespannt wie einen Flitzebogen!

So etwas tolles habe ich lange nicht gelesen! Absoluter Tipp, hier lohnt das Hardcover zu 100%!

Die Känguru-Chroniken – Marc-Uwe Kling

Nachdem dieses Buch ja dank Jürgen von der Lippe zu einem Überraschungshit wurde, habe ich es mehr zufällig in die Hand genommen, reingelesen und – blieb hängen! Hatte das Buch innerhalb kürzester Zeit durch und die meiste Zeit schallend gelacht – das Känguru ist die perfekte Mischung aus „Hartmut“ (einer Figur von Oliver Uschmann) und dem „Sams“.  Ein Känguru mit politischen Ideen und chronischer Pleite als Mitbewohner ist so abwegig, das es schon wieder gut ist! Ich bin sicher, das der Humor einigen absolut nicht gefällt – mir dafür umso mehr ;-)

Geschichte einer Ehe – Andrew Sean Greer

Eine Dreiecksgeschichte der ganz anderen Art, angesiedelt in den USA der 50ger Jahre. Eine sehr dichte Sprache, unheimliche viele Gedanken, Erinnerungen, wunderschöne, traurig-ziehende Beschreibungen über die Ehe, die Liebe, das Leben. Die Geschichte tritt, obwohl sie wirklich von Anfang an Neugier und Spannung erzeugt, oft etwas in den Hintergrund, aufgrund dieser intensiven Beschreibungen, aber da diese so mitreissen, tut das keinen Abbruch. Ein toller Roman über die Liebe, vielleicht grade für diejenigen, die von der großen, perfekten Liebe mal eine Pause brauchen.

Zehn Tipps das Morden zu beenden und mit dem Abwasch zu beginnen – Hallgrimur Helgason

Ein Auftragskiller aus New York City findet sich in einem Flugzeug nach Island wieder. In dem verzweifelten Versuch, abzuhauen, bevor die lange Hand derer, die das Sagen haben, ihn erreicht, schlägt er einen Pfarrer nieder und entkommt mit dessen Identität. Was er nicht weiss: Father Friendly soll in Island im Fernsehen auftreten – als Gast in einem geistlichen TV-Format…herrlich schräg, mit wunderbaren Einschüben über das ungewöhnliche Island, vermengt mit den Lebensweisheiten eines Auftragskillers. Ein bisschen abgehoben, ein bisschen zuviel an manchen Stellen aber auch – endlich mal etwas anderes! Mir hats jedenfalls Spaß gemacht.

Erscheint im Februar 2010

Familienalbum – Jools Oliver

Ein pinkes Buch, noch dazu von einer sympathischen Frau geschrieben die zufällig mit Jamie Oliver verheiratet ist. Jools beschreibt dort die Zeit ihrer zwei Schwangerschaften und das Leben zu dritt, bzw. zu viert. Das Buch war toll geschrieben, sehr lebensnah und ehrlich, nicht „perfekt“ und unecht. Die Olivers wirken wie eine klasse Familie mit den üblichen Sorgen und Nöten, die das Leben aber so nehmen wie es kommt. Ich hatte großen Spaß mit dem Buch, was vorallem auch daran liegt, das man das Gefühl hat, Jools Oliver nach den ersten Seiten zu kennen und das sie über sich selbst und so einigen Unsinn, den sie während der Schwangerschaft anstellt, lachen kann. Bin sehr positiv überrascht, oftmals sind die Bücher der „Stars“ ja doch eher seicht – dieses hier nicht!

Der Koch – Martin Suter

Mal wieder ein Geniestreich von Suter – ich bin hingerissen und begeistert. Dieses Buch war viel zu schnell gelesen, zum Schluss hin dachte ich: Mensch, da könnten doch ruhig noch 100 Seiten kommen…oder auch 300…es hätte mich nicht gestört. Wie der Titel schon vermuten lässt, dreht sich diesmal alles um einen Koch. Nur das dieser leider als Küchenhilfe schuftet, weil sein wahres Talent in der Schweiz nicht erkannt wird – dort ist er in der langen Hierachie der Küche als Einwanderer ganz unten. Suter vermischt meisterhaft Rezepte und sinnliche Beschreibungen des Kochens mit der Weltwirtschaftskrise, der unhaltbaren Situation in Sri Lanka und einigen ganz persönlichen Schicksalen im Kreise der Menschen rund um „den Koch“… eine ungewöhnliche Geschäftsidee und der gewohnte Witz von Suter runden das Menü zu einem 5-Sterne Buch ab…!

Erscheint im Februar 2010

House of Night: Gezeichnet – P.C. Cast/Kristin Cast

Schon lange bevor das Leseexemplar eintraf, wurde hier die Werbetrommel gerührt – der einzig wahre Bis(s)-Nachfolger, DIE Vampirserie überhaupt – verständlich das die Erwartungen dementsprechend hoch gesteckt waren – ist die Reihe doch in den USA ein absoluter Renner.

Wie gewohnt halte ich mich nicht mit den großen Inhaltsangaben auf, die kann man überall zur Genüge nachlesen. Mein Eindruck ist: Internatsgeschichte (ob nun Harry Potter oder Hanni und Nanni..;-)) trifft Biss, trifft amerikanische Klischees und tiefere Wurzeln in Indiandertradition und nicht zuletzt natürlich: Vampirgeschichte.

Was mir so gut gefällt – das Buch macht einem nichts vor, das es nicht ist. Es ist keine hohe Literatur, es lässt sich leicht weglesen, auch durch das sehr gewollte „jugendliche“, es macht definitiv viele Anleihen bei den großen dieses Genres. Das Mutter-Tochter-Gespann kann man durchweg erkennen – aber hey – es ist spannend, mitreissend und es vermischt alles schon dagewesene mit einer neuen Idee (eine große Faszination ist für mich dabei durchaus die äußere Gestaltung, die auch im Buch eine Rolle spielt) . Ich fühlte mich einfach gut unterhalten und statt nur zu schmachten, hat die Story definitiv Potential, die Charaktere werden soweit angerissen, das man sich auf die nächsten Bände stürzen möchte.

Und für mich fast der größte Vorteil und Hauptgrund, das ich das Buch gut bewerte – die Heldin hat was im Kopf und wirkt durchweg sympathisch. Weiter so, Zoey!

Es wird mir fehlen, das Leben – Ruth Picardie

Zu diesem Buch kann ich eigentlich nur sagen, das es mich sehr tief berührt hat. Ruth Picardie war Journalistin, frischgebackene Mutter von Zwillingen und hatte eine so wunderbare Schreibe. Sie nahm den Kampf gegen den Krebs an, schrieb gegen ihn an, schrieb über das Leben mit ihm und die Angst vorm Sterben und das ganze so entwaffnend ehrlich, so berührend, das ich das ganze Buch über immer wieder Tränen wegwischen musste. In diesem Buch sind ihre Kolumnen und viele Mails und Briefe versammelt, die sie in dieser Zeit schrieb. Das Buch hat mich bewegt und ist etwas, was ich immer wieder aus dem Schrank holen werde…

Die Hüter der Rose – Rebecca Gablé

Nachdem ich das Jahr mit „Das Lächeln der Fortuna“ begann, erschien es mir nur logisch, es auch mit einer Gablé zu beenden – der Fortsetzung der Waringham-Trilogie nämlich. Hatte mir der erste Teil schon gut gefallen und mich durchaus vom historischen Roman überzeugt, so hat es dieser zweite Teil ehrlich gesagt noch viel besser geschafft. Die Hauptfigur war mir von Anfang an sympathisch, die Nebenfiguren und Akteure, rund um die Waringhams waren so bunt, so vielfältig aufgebaut, das es eine reine Freude war. Für mich, die sich in englischer Geschichte nicht so gut auskennt, kamen die Wendungen auch immer wieder sehr überraschen *hüstel*. Ich fühlte mich extrem gut unterhalten und der sehr dicke Wälzer hielt nur lange vor, weil ich in der Weihnachtszeit immer wenig Lesezeit habe…ich kann und werde Gablé also weiterhin empfehlen und freue mich jetzt schon auf den dritten Teil der Waringhams…

Was mich so fasziniert ist: trotz sehr vieler Namen und komplizierten Handlungssträngen verliert Gablé nicht einmal den Faden, ich musste das Personenregister nur 2 mal benutzen. Das sich im Leben die Hochs und Tiefs die Hand geben und sich auch durchaus wiederholen, ist auch hier nicht anders – aber so gut geschildert, das es einem vorkommt, wie eine lange Reise, mit liebgewonnenen Figuren. Und am Ende der Reise schaut man wehmütig auf das Buch in seiner Hand und fragt sich: Wie wird es wohl weitergehen..?

Frau Gablé, falls Sie dies übrigens irgendwann mal lesen sollten: ihr treuester Fan, der mich und viele, viele andere in unserer Lesegruppe erst dazu brachte, etwas von Ihnen zu lesen, ist Karolin aus Berlin…