Ein kleines Werk aus dem wunderbaren Wagenbach Verlag. Beeindruckend, wie Roubaud anhand der Kindheitserinnerungen von Dora und Jaques die im Sommer 1942 auf dem Land untergebracht werden, die vorherrschenden Ereignisse schildert. Die Kinder verleben einen wilden Sommer, gelegentlich vom Murmeln der Erwachsenen und einigen aufgeschnappten Fetzen aus dem Radio unterbrochen. Man spürt unterschwellig, das etwas im Busch sein muss – die ganze Tragweite ist den Kindern aber nicht klar und auch der Leser wird bis zum Schluss nur vage unterrichtet. Diese Atmosphäre zu erzeugen, das ist Kunst – auch die Beschreibungen der Streifzüge durch die Natur sind so wunderbar geschrieben. Für mich ein schönes Kleinod im Bücherwald, selten wird eine so kurze Zeitspanne so trefflich erzählt.
Eve Green – Susan Fletcher
Als ich versuchte, der Kollegin die mir diesen Roman vor Jahren empfahl, meinen Eindruck zu schildern, fiel mir zu Anfang erstmal nur das Wort „sperrig“ ein. Denn obwohl mich die Geschichte von Anfang an fesselte, so hatten einige Absätze doch ihre Tücken, das leichtfüßige fehlte. Obwohl das einem etwas mehr Mühe abverlangt beim Lesen – es lohnt sich. Eve Green verliert in jungen Jahren ihre Mutter und wächst fortan im Geburtsort der Mutter bei ihren Großeltern auf. Doch die Idylle des abgelegenen Dorfes trügt – und als eine Schulfreundin von Eve verschwindet, gerät alles aus den Fugen. Der Roman hat einige wunderbare Stellen und auch die Entwicklung von Eve, ihre Gedankengänge und Ideen sind spannend zu verfolgen, je älter sie wird. Da das Buch den Deutschen Jugendliteraturpreis gewann, findet man es ab und an auch im Jugendbuch, ich würde es aber deutlich mehr den Romanen zuschreiben. Insgesamt hat mich die Geschichte überzeugt, nicht unbedingt der Schreibstil.
Das Haus an der Bunker Street – Helen Garner
Klang eigentlich gut – eine „ganz normale“ Familie trifft auf eine eher exzentrische Familie, das ganze verstrickt sich, Patchwork ist das Stichwort und die Entwicklungen geraten aus dem Ruder. Es war schnell gelesen, aber so einen richtig bleibenden Eindruck hat es bei mir nicht hinterlassen. Trotzdem sind die Ereignisse gut erzählt und stimmig – vorallem gefällt mir ihre unaufgeregte Art, die Menschen und ihre Beweggründe zu schildern. Ich mochte ja „Das Zimmer“ sehr, hier handelt es sich um ein deutlich früheres Werk (1984). Vielleicht lag da meine Erwartungshaltung auch etwas verkehrt.
Die Akte Rosenherz – Jan Seghers
Der mittlerweile 4. Marthaler-Krimi von Jan Seghers alias Matthias Altenburg ist da – und wieder ist es ihm gelungen, mich, den nicht-so-sehr-Krimi-Fan zu fesseln. Ich finde es hier sehr schwer, nicht vorweg zu greifen, daher nur so viel: ein spannender Fall der auf einem echten Kriminalfall beruht, verknüpft mit der Kunst-Szene – und Marthaler bricht ein wenig aus der gewohnten Routine aus und grade das verleiht dem Fall eine ganz eigene Qualität.
Mir hat dieser Marthaler wieder sehr gefallen, tolle Figuren und Szenerien, nicht zu durchsichtig, intelligent und mit Verve geschrieben – besonders beeindruckend fand ich einige Schilderungen aus dem Privatleben Marthalers – wers gelesen hat, wird mich verstehen.
Kam in den Genuß einer Lesung bei uns und kann nur wieder betonen, das Jan Seghers durch und durch ein sympathischer und angenehmer Zeitgenosse ist. Auch war es wieder ein Vergnügen, einige Aspekte des Buches mit dem Autor durchzudiskutieren! Ich kanns jedenfalls allen Krimi-Fans empfehlen, nicht nur die Hessen werden ihren Spaß haben!
Gargoyle – Andrew Davidson
Ein schwer zu beschreibendes Buch. Keine wirkliche Fantasy, aber auch nicht „real“ genug um rein als normaler Roman gehandelt zu werden. Davidson vermischt die Lebensgeschichte seines Protagonisten, einem Brandopfer das sein Schicksal kaum zynischer bewerten könnte, mit der Geschichte einer ungewöhnlichen Bildhauerin, Marieanne Engel. Diese steht eines Tages am Krankenbett und behauptet, beide würden sich schon lange kennen – aus früheren Leben, wo beide ein Liebespaar waren. Der Autor benutzt Rückblenden, Rauschzustände und Erzählungen um so nach und nach ein irrwitziges Konstrukt zu bauen – und nicht nur der Leser fragt sich – wieviel davon ist „wahr“? Ist Marieanne Engel wirklich so alt oder hat sie einfach nur eine wahnsinnige Vorstellungskraft, vermischt mit Geisteskrankheit?
Ich habe mich etwas schwer getan, dennoch zu Ende gelesen, was für mich bei fast 600 Seiten durchaus ein Merkmal dafür ist, das es mir stellenweise sehr gefallen hat. Allerdings ist die Geschichte zeitweise wirklich sehr abgedreht und nicht jedermanns Sache – auch die einzelnen Erzählperspektiven haben unterschiedliches Kaliber.
Wer gern ungewöhnliches liest, eine Vorliebe für Sagen und Historisches hat und viel Sarkasmus, dem sei Gargoyle durchweg empfohlen. Wer eine innige Liebesgeschichte erwartet, wie es zum Teil beworben wird, dem würde ich eher etwas anderes in die Hand drücken.
Das Gespenst von Canterville – Oscar Wilde
Ein feines, kleines Buch von Großmeister Oscar Wilde. Dieses las ich im Zuge einer „Wir lesen Klassiker“-Gruppe – schadet ja nie, sowas mal einzustreuen. Zumal ich großer Wilde-Fan bin. Und auch hier wieder: ich liebe die Sprache, die Beschreibungen der Umgebung, Wildes Gabe, mit feinen Strichen die Charaktere der Familie nachzuzeichnen – und ein ungewöhnliches Gespenst bei dem man zwischen Lachen und Mitleid schwankte. Zwar war ich zum Schluß hin etwas erstaunt über das gewählte Ende, jedoch, nachdem es sich setzen konnte, kann ich Wilde verstehen – so hat er dem ganzen doch noch die Prise „geheimnisvoll“ verliehen.
Das Buch wartet mit wundervollen Sätzen wie „aber sonst ereignete sich nichts von besonderer Bedeutung“ auf und Worten wie „Butterrutschbahn“ und einem in Filzpantoffeln spukenden Gespenst..was will man mehr?
Danke an Christine fürs Gründen der Klassiker-Gruppe!
Hectors Reise oder Die Suche nach dem Glück – Francois Lelord
Dieses Buch stand seit über einem Jahr harmlos im Regal herum. Nun hatte es mich gefunden und auch genau die richtige Zeit um es zu lesen…mir hat es sehr gefallen. Ich denke vieles was Hector, der Psychater auf seiner Reise herausfindet, wussten wir im tiefsten Inneren schon, aber wie wir Menschen so sind – wir schauen gerne anderen dabei zu, wie sie etwas herausfinden und haben Erkenntnisse gerne schön verpackt. Wenn man danach geht hat dieses Buch aber eine doppelte Schleife und schönes Geschenkpapier gehabt.Die Schreibweise ist gekonnt naiv, aber nie zu einfach – aber gerade durch diesen Kunstgriff wirken die Glückslektionen von Hector nur noch mehr. Auch wenn ich Hector an wenigen Stellen aus eigener Erfahrung innerlich widersprach, so habe ich dieses Buch doch innig ans Herz gedrückt und so einige Menschen, denen ich dieses Buch gerne schenken möchte.
Der Untergang des Hauses Usher – Edgar Allan Poe
Grandios! Ich kannte bisher sehr wenig von Poe, aber diese kleine Novelle hat mein Herz erobert. Gruselig, toll geschrieben, ich will mehr von Poe…! Gut das ich hier noch gesammelte Werke habe…
Märchenprinz – Marian Keyes
Mir war mal wieder nach einem echten, sogenannten „Frauenroman“ – da bietet sich Marian Keyes als eine meiner liebsten Autorinnen in diesem Sektor ja an und dieses Buch war mit etwas über 850 Seiten ja auch ein echter Schmöker. Es ist nicht mein liebstes von ihr geworden, aber für graue Februartage auf dem Sofa und zum Abschalten war es genau das richtige und dank ihrer immer schön ausgefallenen Figuren und der netten irischen Atmosphäre hebt es sich doch angenehm von anderen Büchern ab. Besonders gefällt mir, das Keyes immer wieder Themen wie Gewalt, Drogen oder Alkoholismus einfliessen lässt und dabei nicht auf „Eitel Sonnenschein“ besteht.
Ein geschenkter Tag – Anna Gavalda
Gavalda ist zurück und zwar so, wie wir sie lieben. Mit leiser Ironie, herrlich französisch und es bringt schonmal einen Hauch von Sommer…. Dieses Buch erzählt von einem geschenkten, ich mag fast sagen, einem geklauten Tag. Schon die ersten Seiten offenbaren den wundervollen Stil Gavaldas und das Buch verzaubert mit der Geschichte der 4 unterschiedlichen Geschwister und ihrem Leben. Ein Geschenk für die beste Freundin, die Schwester, die Mutter, die liebenswerte Arbeitskollegin – ach was, alle sollten in den Genuß dieses Buches kommen…!!!