Endlich wieder neues von Hartmut und seinem Freund! Und dieser Band versprach auch wieder mehr nach meinem Geschmack zu werden: das Chaos-Duo und seine beiden Frauen in Berlin – was willste mehr? Jedenfalls glänzt dieser Band wieder mit einem Haufen schräger Ideen und verrückter (oder doch genialer?) Pläne der beiden, ich habe mehr als einmal laut gelacht und ganze Absätze zitiert. Diese Schreibe ist einfach zu herrlich! Uschmann schlägt aber auch ungewohnt leise Töne an und wagt sich damit auf neues Gebiet. Es ist ihm gelungen – ich kann die Reihe immer wieder nur empfehlen!
Hector und die Suche nach der Liebe – Francois Lelord
Vom Vorgänger war ich ja ziemlich angetan. Auch hier hat Lelord wieder ein nettes kleines Büchlein geschrieben. Ich sage mal: er erfindet das Rad zum Thema Liebe nicht neu, aber er verpackt es eben wieder einfach schön. Ein bisschen mehr Geschichte drumherum ist es diesmal, es zieht mich aber nicht ganz so sehr an, wie sein erstes Werk, wie das manchmal so ist mit Fortsetzungen. Nevertheless – habs gern gelesen.
Wer die Kälte liebt – Tilman Bünz
Spätestens seit mein Mann 2 Auslandssemester in Schweden absolviert hat, bin ich Skandinavien-Fan. Was lag also näher als dieses Buch im Laden mitzunehmen? Und es macht genau das was ein solches Buch tun soll: gut unterhalten, mir einige interessante Einblicke in das Land und das Leben der Menschen dort geben und ein bisschen Fernweh wecken. Wer sich ein bisschen einlesen will in die skandinavischen Länder, ist hiermit sehr gut bedient, aber auch Kenner werden denke ich noch einige Neuheiten entdecken. Bünz hat einen sehr angenehmen Stil und ich würde gerne nochmal mehr von ihm lesen.
Numbers: Den Tod im Blick – Rachel Ward
Jem hat eine Gabe, die sie zur Aussenseiterin macht – sie kann in den Augen ihres Gegenüber sein Todesdatum lesen. Allein diese ungewöhnliche Idee liess mich sofort zu diesem Buch greifen und es dann nach recht atemlosen Lesen wieder absetzen. Hier stimmt einfach alles. Ein packender Plot, spannend und mitreissend, mit Jem und dem Jungen Spinne, den Jem eher widerwillig kennenlernt sind zwei sehr fesselnde Hauptfiguren gefunden worden. Rachel Ward hat hier nicht nur eine verdammt gute Geschichte erzählt sondern auch soviele Gefühle und Situationen geschildert, die Jugendliche meistern müssen – vielleicht nicht auf die komplett gleiche Art wie unsere Helden, aber doch, soviele Gedanken kommen einem bekannt vor. Das Buch gefiel mir einfach verdammt gut, bis zur letzten Seite war ich beeindruckt. Was für ein Debüt! Danke für dieses tolle Jugendbuch, ich kann es nur empfehlen!
Der letzte unsichtbare Junge – Evan Kuhlmann
Finn wird langsam aber sicher unsichtbar. Er hat fast schon Angst, selbst zu verschwinden. Kann diese seltsame Farblosigkeit etwas damit zu tun haben, das sein Vater gestorben ist? In seinem Tagebuch hält Finn die Erinnerungen fest, die er mit seinem Vater verbindet, die neue Struktur der Tage, die ihm so fremd vorkommt und fragt sich immer wieder: wird er irgendwann wieder sichtbar werden? Finn gestaltet sein Tagebuch mit Zeichnungen und schreibt sich die ganzen Dinge, die er weder mit seiner Mutter noch mit seinem Bruder besprechen kann, von der Seele. Das zu lesen, das rührt einen an, man fragt sich zusammen mit Finn, warum manche Dinge so passieren. Es ist schwer ein Buch zu beurteilen, das etwas so individuelles wie Trauer behandelt. Es wählt jedenfalls eine sehr schöne Idee aus, mit der Finn seine Gefühle ausdrückt – vielleicht gibt es irgendwo einen anderen 12jährigen, dem es genauso geht…ich kanns mir jedenfalls vorstellen…
Tödlicher Mittsommer – Viveca Sten
Ein ganz angenehm geschriebener, kurzweiliger Krimi, der eine kleine Insel in den schwedischen Schären, Sandhamn zu ihrem Schauplatz wählt. Spielt im Sommer, fängt die flirrende Atmosphäre Schwedens gut ein und ist nicht ganz so durchsichtig wie man meinen könnte. Ich bin ja keine große Krimi-Leserin und bevorzuge immer Krimis, in denen die Ermittler eine etwas größere Rolle spielen – hier kam ich da voll auf meine Kosten. Habe den Krimi sehr genoßen!
Mein lieber Fisch – Arezu Weitholz
Mal keine Belletristik, sondern Lyrik – in einem sehr niedlichen Format gestaltet in unaufdringlicher, schlichter Schönheit – kleine, feine Fischgedichte. Und die sind so charmant, witzig und anders, das man dieses Buch nicht nur jedem Lyrikfreund, nein auch jedem Aquariumsbesitzer…Sammler von Kuriositäten…der netten Patentante…dem Kollegen…eigentlich…also…ALLEN schenken kann und sollte. Weil jeder von uns ein bisschen Fisch braucht. Und gerne schmunzelt – und das kann man bei diesem Bändchen eigentlich ununterbrochen.
Letzte Nacht in Twisted River – John Irving
Es juckt einen ja in den Fingern, ganz viel zu diesem wieder äußerst epischen Roman von Irving zu schreiben – gibt es doch soviel zu interpretieren, zu bemerken, zu entdecken. Und doch kann ich kurz sagen: Hat mir sehr gut gefallen, las sich schnell und mit Vergnügen! Der Roman hat zwar, irvingtypisch durchaus ein paar kleinere Längen, über diese kann ich jedoch großzügig hinwegsehen. Irving hat hier seine (für mich persönlich) am liebenswertesten Charaktere erschaffen. Seine Spielerei mit Namen und vorallem die Beschreibungen von kulinarischem haben Charme und wecken immer wieder die Lust auf mehr. Trotzdem hat der Roman seine Ecken und Kanten, sein Unangepasstes, einige Schrägheiten und Skurrilitäten, wie man das von Irving gewohnt ist. Ich denke sowohl alte Irving-Fans kommen voll auf ihre Kosten als auch Neueinsteiger – ich jedenfalls war nach diesem Irving wieder absolut von seinem Können überzeugt. Wer mich auf 832 Seiten immer wieder zu überraschen weiss, trotz das einige Motive bereits aus früheren Romanen bekannt sind und mich trotzdem auf hohem, literarischen Niveau unterhält und mich zwischendurch lachen und weinen läßt – der kann es einfach!
Paula Spencer – Roddy Doyle
Wie der Titel vermuten lässt, dreht sich alles in diesem Roman um die Irin Paula Spencer. Hier wird eine Figur gezeichnet, der sonst vielleicht nicht soviel Aufmerksamkeit seitens der Literatur entgegengebracht wird – Doyle gelingt das sehr einfühlsam, das Buch wirkt weder effekthascherisch noch aufgesetzt sondern einfach nur ehrlich. Hart und manchmal fast zu ungeschönt, aber genau das ist es, was diesen Roman abhebt. Paulas täglicher Kampf um trocken zu bleiben, sie die ehemalige Alkoholikerin, die putzen geht um das Geld für sich und ihre 2 noch zuhause lebenden Kinder zu verdienen, die ihren eigenen Dämonen nachjagen. Es ist kein Krimi und dennoch hält man zeitweise fast den Atem an und fragt sich: Schafft Paula es? Wie wird sie weitermachen? Das macht für mich ein wirklich gutes Buch aus!
Und im Zweifel für Dich selbst – Elisabeth Rank
Ein toll gestaltetes Kleinod bei Suhrkamp. Eine ganz junge Autorin, ein schmales, kleines Buch und ein ganz großes Thema: der Tod. Elisabeth Rank hat hier einen ganz wunderbaren Roman geschrieben, mit trauriger, so schöner Sprache, ganzen Sätzen die ich mir herausschreiben wollte, weil sie so sehr den Kern der Sache trafen. Und sie hat es geschafft über ein tiefes, trauriges Thema, den Tod eines geliebten Menschen und die Verzweiflung so berührend zu schreiben, das ich immer mal innehalten musste, weil es mich berührte. Sie hat darüber hinaus aber noch die Generation der jungen Menschen heute so passend gezeichnet und über Freundschaft so intensiv geschrieben, das ich eigentlich nur noch frage: Und was schreiben Sie als nächstes? Ich will es lesen!
Und hier gehts zum ebenfalls tollen Blog: http://mevme.com/lizblog/