Von einer, die losging, sich mit 13 Jahren an den eigenen wunderschönen langen Haaren aus dem Sumpf ihrer Kindheit zu ziehen. So heisst es auf dem Klappentext. Treffender kann man eigentlich kaum beschreiben was dieses Buch ausmacht. Fast wünscht man sich eigentlich, das dieses Buch nicht auf einer wahren Geschichte fußt…den diese hat es in sich. Eine Mutter die immer wieder an die falschen Männer gerät, zusammengewürfelte Geschwister und stets ein Leben im Umbruch – alles aus der Sicht eines aufwachsenden Kindes. Das Buch lässt einen betroffen zurück, machte mich wütend und traurig. Und doch, es hatte einen starken Sog, weil die Hauptperson eines nie verlor – ihre Hoffnung, unerschütterlich, auf ein besseres Leben. Könnte ich ihr heute die Hand schütteln und ihr all meinen Respekt darbieten, für das was sie durchgestanden hat – ich würde es gerne tun.
Schrödinger, Dr. Linda und eine Leiche im Kühlhaus – Jan de Leeuw
Der Titel lässt erahnen, das wir es hier nicht gerade mit dem üblichen 0815-Jugendbuch zu tun haben. Und auch beim Lesen kann ich mich nicht dem Eindruck verwehren, das es ein Buch ist, das ich schwer „einfach so, als nettes Geschenk“ empfehlen kann. Nicht weil es nicht gut wäre (das ist es!), sondern weil hier ein so schwieriges Thema auf sehr unkonventionelle Weise angegangen wird. Es ist eines dieser Bücher, das die Jugendlichen selbst aus dem Regal ziehen sollten, wenn sie bereit dafür sind. An uns Erwachsenen liegt es, das Regal das für diese Jugendlichen zur Verfügung steht, mit solchen Titeln zu füllen.
Tarmac: Apokalypse für Anfänger – Nicolas Dickner
Eines von den Büchern, die einem vielleicht durchrutschen – der Autor in Deutschland nicht allzubekannt, der Titel etwas seltsam. Das ich es lesen konnte liegt an einer netten eMail der Kollegen von der Frankfurter Verlagsanstalt in der sie dieses Buch so witzig und treffend beschrieben, das ich es sofort lesen wollte. Thanx for that! Wie man sich nach der Einleitung denken kann, bin ich sehr angetan. Ein atmosphärisch so dichtes Buch mit verrückten Einfällen, zwei Helden die man sofort liebgewinnt und nicht zuletzt ein schräges Roadmovie. Wenn man dann noch auf skurrile Ereignisse, ein bisschen nerdige Naturwissenschaft und Weltuntergangsszenarieren steht – Treffer! Dieses Buch hat soviel, was ihm einen Platz im Regal der Bücher sichert, die man gerne als Geheimtipp weiterempfiehlt.
Town: Irgendwo in Australien – James Roy
Nominiert für den deutschen Jugendliteraturpreis 2011, spielt in Australien, erschienen bei Gerstenberg – sprich, ich musste es haben. Und meine Erwartungen wurden nicht enttäuscht! Was mir an diesem Querschnitt aus dem Leben von 13 Jugendlichen die in der gleichen Kleinstadt aufwachsen so gut gefiel war das es verdammt ehrlich wirkte. Manche Einblicke waren miteinander verwoben, manche Handlungsfäden wurden auch nicht aufgeklärt. So entsteht aber ein ganz besonderes Geflecht einer Erzählung darüber, wie schwierig, großartig und spannend es sein kann, in der heutigen Zeit erwachsen zu werden. Speziell der Aspekt des „Es ist nicht alles unbedingt so, wie es scheint“ und das der erste Eindruck oft doch täuschen kann, ist meisterhaft eingefangen.
Tu Dir gut: Das Wohlfühlbuch für Frauen – Jennifer Louden
Der Name ist Programm – ein Buch gespickt mit Ideen, Vorschlägen und Ritualen um sich richtig wohlzufühlen. Wie das so ist mit Ratgebern – es muss für einen selbst passen. Mein Exemplar jedenfalls ist gepflastert mit Post-Its, vieles habe ich angestrichen und probiert. Gerade im Bezug auf die praktische Ausführung bietet sie viele Anregungen, Schreibübungen, Rituale, Affirmationen. Was ich an diesem Buch besonders mag ist, das man das Gefühl hat, die Autorin meint es wirklich gut mit einem und möchte einfach einen kleinen Beitrag dazu leisten, das man auf sich achtet, sich selbst etwas Gutes tut. Sollten wir schliesslich alle machen …;-)
Zeitweiliger Orientierungsverlust – Michal Viewegh
Hier kann ich mich kurzfassen: die besten Kurzgeschichten zum Thema Liebe, die ich seit Jahren gelesen habe? Hier, Hier, Hier! Wundervoller Stil, was für herrliche Ideen, was für ein Herzblut steckt in diesem schmalen Bändchen. Ich bin nicht unbedingt Fan von Kurzgeschichten, für dieses Buch mache ich aber eine Ausnahme – hier stimmt einfach alles!
Emerald: Die Chroniken von Anbeginn – John Stephens
Hier finden wir einen Auftakt zu einer neuen Fantasy-Trilogie. Insgesamt macht der Band schon Lust auf mehr, wartet mit fantasievollen Ideen und sympathischen Charakteren auf. Allerdings ist er auch sehr vollgepackt – ich frage mich, was in den nächsten Bänden noch alles kommen soll, passiert doch hier schon extrem viel. Trotzdem: spannend, süffig geschrieben – für Fantasy-Fans einen Blick wert!
Die Ameisenkolonie – Jenny Valentine
Wieder hat Jenny Valentine es geschafft: sie hat ein Händchen für Figuren die einem nahegehen, die einem noch lange nach dem Buch im Gedächtnis bleiben. Diese Autorin ist fürs Jugendbuch eine große Bereicherung, sie erzählt Geschichten mit Seele die man einfach lieben muss. Man hat das Gefühl, das sie den 17jährigen Sam und die 10jährige Bohemia, die in diesem Buch unter widrigen Umständen aufeinandertreffen einfach nur begleitet – auf ihrem Weg, ihr Leben zu meistern. Da sind keine moralischen Vorhaltungen, da entsteht kein Vorstadtidyll – bei Jenny Valentine wird einfach gelebt – in jeglichen Facetten!
Die Einsamkeit der Primzahlen – Paolo Giordano
Wie oft liest man einen Roman, der einen zusammenzucken lässt, der einen mitleiden lässt – obwohl man die Protagonisten nichtmal unbedingt mag? Noch dazu im Kontrast zur recht düsteren Handlung in einer klaren Sprache und einem guten Stil. Das Buch ist keine leicht-lockere Urlaubslektüre. Und sicherlich auch nicht in jeder Lebenssituation passend, kein Buch das man als Geschenk mit ins Krankenhaus bringen würde. Ein schwieriges, ein kantiges und anstrengendes Buch. Aber gerade deshalb wirklich lesenswert!
1Q84 – Haruki Murakami
Ich musste ein wenig warten, bevor ich diesen Leseeindruck schreiben konnte, ich wollte diesem Buch so unbedingt gerecht werden und mir genug Zeit geben, alles setzen zu lassen. Murakami ist ja so ein Thema bei mir, ich lese ihn generell nur im Urlaub und habe so fast ein halbes Jahr gewartet, bis ich diesen wundervollen Roman gelesen habe. Die letzten 550 Seiten von über 1000 habe ich übrigens an einem absolut perfekten Saunatag nur so inhaliert..ich war im Rausch. Und da sind wir wieder: Ich kann über Murakami nicht schreiben, ohne Superlative zu benutzen, ich kann nicht über ihn schreiben ohne das mein Herz schneller schlägt. Seine Geschichten sind so intensiv erzählt, er ist so konsequent in seinen Beschreibungen und Personen wie wenige Schriftsteller es schaffen. Auch hier bin ich wieder in der Geschichte versunken, habe mich besonders gefreut das in diesem Buch auch die Literatur eine große Rolle spielt, begegnete alten bekannten Motiven aus vorhergegangenen Romanen…Ich habe die letzten Seiten umgeblättert und musste sofort nochmal von vorne beginnen, nochmal im Buch stöbern, es umarmen – Murakami ist hier wieder so groß, verdammt groß. DANKE!