Schwarz wie Schnee – Jutta Wilke

Wenn Du nach einem Unfall erwachst und das Gefühl immer stärker wird, dass dein Fremdfühlen und die seltsamen Reaktionen deiner Umwelt nicht nur mit deiner Kopfverletzung zu tun haben…dann bist Du wohl in einem Jugendthriller von Jutta Wilke gelandet. Mit langsam aufgebauter Spannung die bis zum Schluss gehalten wird und leisen, philosophischen Überlegungen über das eigene Sein und Identität hebt sich dieses Jugendbuch wiedermal wohltuend ab von vielen anderen Büchern auf dem Markt.

 

Log out! – Oliver Uschmann/Sylvia Witt

Hier haben die beiden Autoren wieder ein Jugendbuch nach meinem Geschmack geschrieben: interessanter Plot, die Verbindung von moderner Technik mit dem gleichzeitigen Wunsch, etwas eigenes, anderes zu tun und auszubrechen. 100 Tage „Log out“ – ohne Geld, ohne Arbeit, ohne Wohnung aber mit einem Blog, der über die Geschehnisse berichtet. Mir gefällt es, wie die beiden die aktuelle Nachrichtenkultur und Trends ein wenig demontieren, mit leiser oder auch mal lauterer Kritik, aber stets mit viel Witz und unerwarteten Wendungen. Wieder ein schöner Schmöker, meiner Meinung nach auch für Jugendliche, die sonst eher weniger zum Buch greifen – hier bekommen sie intelligente Unterhaltung ohne moralischen Zeigefinger, dafür mit viel Identifikationspotential.

Gleitflug – Anne-Gine Goemans

Ich liebe ungewöhnliche Figuren mit seltsamen Hobbies an schrägen Orten in einem Buch. Somit waren die Gegebenheiten von Gleitflug für mich einfach perfekt: ein Junge dessen Haustiere sich als Gänse herausstellen – welche nicht fliegen dürfen, weil die Familie direkt an einem Flughafen wohnt. Aber es wäre zu kurz gefasst, nur das ungewöhnliche herausstellen zu wollen: Gleitflug ist mehr als das: es ist ein Familienroman, eine Geschichte von Freundschaften und Aussenseitern, von Liebe und Sehnsucht, von Einsamkeit und kleinen, zerbrechlichen Momenten des Glücks. Unbedingt lesenswert!

Liebesdienst – Howard Jacobsen

Wie findet man sich damit ab, dass man ungeliebt ist und ungeliebt bleiben wird, ausgestoßen, nicht, weil man selber nichts taugt, sondern weil man dem Glück zweier anderer im Wege steht; dass man bis in alle Ewigkeit einsam bleiben muss, damit die beiden anderen bis in alle Ewigkeit zusammenbleiben können?

(S. 26)

Dieser (Liebes)-Roman ist ein perfides Spiel zwischen Schein und Sein – zum Teil voller Sehnsucht, Zerrissenheit, dem Wunsch nach Liebe und Lust, zwischen Leidenschaft und Eifersucht. Einige Szenerien waren ganz schön heftig, andere, schöngeistiger Art zogen sich ein wenig in die Länge, auch wenn mir der Protagonist aufgrund seines Berufs natürlich erstmal sympathisch war ;-) . Mit dem Schluss hatte mich der Autor dann aber wieder in der Tasche – ich habe das Buch ein wenig fassungslos zugeklappt – was für eine Idee!

In einer Person – John Irving

Mit diesem Irving war es wie mit einem alten Ledersofa: draufsetzen, sich heimelig fühlen, jede Falte kennen, über den Stoff streichen…und sich doch vielleicht mal ein wenig Abwechslung wünschen. Auch wenn ich noch nicht alle vorigen Bücher von John Irving kenne, begegnen mir doch in diesem Buch soviele alte Bekannte, Themen und Motive aus vorigen Büchern, dass ich ein kleines bisschen enttäuscht war, weil es mich nicht mehr so „zog“. Trotzdem: ich habe das Buch in einem Rutsch gelesen und gerade die Theaterbezüge konnten mich begeistern, genauso wie die wunderbare Bibliothekarin, mit der Irving wieder eine herrliche Figur geschaffen hat.

City of thieves – David Benioff

Manchmal gibt es Bücher, zu denen einem spontan ein Wort, eine Umschreibung einfällt. In diesem Falle wäre es „derb“ – denn sowohl die Erzählweise als auch die Geschehnisse, als auch der Humor sind es. Kalt ist auch der russische Winter, in dem zwei junge Männer versuchen, das Unmögliche wahr zu machen: mitten im Krieg ein Dutzend Eier zu ergattern. Das Buch hat mich ganz schön mitgenommen, einige heftige Szenen blieben im Gedächtnis haften und wirkten vielleicht auch im Original nochmal eindrücklicher. Nichts für Zartbesaitete, wohl aber für diejenigen, die ungewöhnliche Helden schätzen, die selbst aus der Not noch etwas zaubern können.

Zähl auf mich – Jorge Bucay

Viele Jahre sind vergangen, als der Patient aus „Komm, ich erzähl Dir eine Geschichte“ seinen alten Therapeuten aufsucht. Klüger ist er wohl geworden – aber auch weiser? Mit einer ganz anderen Art von Problemen und Sorgen konfrontiert er nun den alten Meister – und dieser antwortet auf die gewohnte Art: mit einer Geschichte… wieder sehr lesenswert, mit tollen Ansätzen, Ideen und faszinierenden Geschichten.

Komm, ich erzähl Dir eine Geschichte – Jorge Bucay

Schon seit Jahren kaufen einige Kunden dieses Buch immer mal wieder, was mich neugierig machte, aber dann doch nie zugreifen lies. Ich glaube, ich hatte etwas anderes erwartet, als ich bekam: und wie gut, dass ich dann mal zugriff, auf der Suche nach Urlaubslektüre. Fein verpackte Geschichten, eingebettet in eine Patienten-Therapeuten-Beziehung, welcher der Leser beiwohnen darf. Und zu sehen, wie bei unserem Ratsuchenden immer mal wieder der Groschen fällt (oder auch nicht ;-)) war aufschlussreich, mitunter vergnüglich und mit so einigen Aha-Effekten meinerseits verbunden. Die Gestalttherapie, die Bucay im Buch behandelt, hat durch die Lektüre für mich an Faszination gewonnen. Das Buch klingt angenehm lange nach, manche Geschichten las ich mehrfach und habe das Buch nun auch meinerseits schon einige Male weitergegeben.

Erdenrund – Oliver Uschmann/Sylvia Witt

Ich mag die Reihe ja sehr, das kann man nicht verleugnen. Dieser Band war auch noch erfreulich dick, also versprach ich mir Lesevergnügen, welches ich auch hatte. Und wieder Spaß an vielen abstrusen Ideen. Allerdings hatte die ein oder andere Episode (obwohl ich es toll fand, die verschiedenen Perspektiven zu erfahren) einfach Längen. Diese mögen der Entwicklung und der deutlich ernsteren Töne der Figuren geschuldet sein. Das war ein wenig schade, weil ich dadurch deutlich öfter Pausen gemacht habe und das Buch ne Weile gebraucht hat, bis es durchgelesen war. Fürs nächste Buch wünsche ich mir : etwas kompakter – back to the roots ;-)