Ein zauberhaftes Kinderbuch mit gelingsicheren Zutaten: einer leicht chaotisch-sympathischen Familie, einer Bäckerei, der magische Kräfte zugeschrieben werden und einer ungewohnten Situation, die mit viel Kreativität gemeistert wird und aus der alle Familienmitglieder ein klein wenig anders hervorgehen. Schön geschrieben, ein wirklich liebenswürdiges Cover, was die jungen Leser bei uns im Laden immer geradezu „magisch“ anzieht – feines Buch!
Besser – Doris Knecht
Ein scharf gezeichnetes Portrait einer Frau, die das eigentlich „perfekte“ Leben lebt – und ständig Angst hat, es könnte jemand in ihr Innerstes sehen und die Fassade würde bröckeln und ihre Vergangenheit käme zum Vorschein. Bitter, aber nicht verbittert, von herrlicher Ironie und Sprachwitz durchdrungen, angenehm böse und mit starken Sätzen – eine mutige Geschichte, ein kraftvoller Roman.
Nilowsky – Torsten Schulz
Dieses Buch hatte in der Verlagsvorschau dermaßen viele Vorschusslorbeeren, von renommierten Buchhändlern, davon einige, deren literarische Meinung ich sehr schätze. Also, obwohl mich spontan die Geschichte nicht sonderlich ansprach, zugegriffen. Zu Anfangs war ich noch optimistisch, dass sich meine Vorbehalte in Luft auflösen würden, je weiter ich kam, desto mehr verstärkten sie sich allerdings. Ich fand nicht den roten Faden, konnte nach kurzer Zeit die Protagonisten nicht mehr „fassen“ und fiel geradezu aus der Geschichte, die so vor sich hinplätscherte. Schade…das Wort „eigenwillig„, was ich desöfteren positiv in anderen Rezensionen las, passt für mich auch – nur das ich damit nicht warm wurde.
Die irren Fahrten des Gabriel Delacruz – Jordi Punti
Für jeden Fan einer turbulenten Familiengeschichte, für Barcelona-Liebhaber, für diejenigen auf der Suche nach einer unterhaltsamen Urlaubslektüre für den Sommer … hier bitte zugreifen. Eine irrwitzige Geschichte, mit großem Schmöker-Faktor.
Jakobs Mantel – Eva Weaver
Als ich die ersten Seiten dieses Romanes einer lieben Freundin am Telefon vorlas, hatten wir beide Gänsehaut. Und diese hält sich den ganzen Roman über. Die Geschichte eines Mantels und seiner mutigen Besitzer geht unter die Haut, die Schrecken werden lebendig. Was die Autorin aber vorallem schafft und das rechne ich ihr hoch an, ist eine Geschichte zu erzählen mit vielen Grautönen zwischen Schwarz und Weiss. Das ist, gerade bei diesem Thema, eine Gratwanderung, die sie schafft – allein dafür gebührt ihr schon mein Dank. Was für ein berührendes und großartiges Buch – Ein Buch über Menschlichkeit in tiefster Dunkelheit!
Pardon, Monsieur, ist dieser Hund blind? – Hervé Jaouen
Eine sensible Auseinandersetzung im Jugendbuch mit dem Thema Alzheimer. Lebensklug und liebevoll geschrieben, erzählt das Buch von einer Familie, die zusammenhält, auch wenn die Großmutter durch die Krankheit die Nerven aller ordentlich fordert – trotzdem verlieren die Beteiligten nicht ihren Humor und erfahren durch die neue Situation eine ganz neue Rolle innerhalb der Familie. Tolle Umsetzung eines schwierigen Themas.
Das Glücksprojekt – Alexandra Reinwarth
Die Autorin auf der Suche nach dem Glück. Zurück bei mir bleibt: hat sie denn eigentlich überhaupt etwas gefunden, was sie glücklich macht? Der ein oder andere Exkurs war nett zu lesen, hier und da mal eine Anregung dabei. Aber ich glaube, über dem ganzen Suchen nach Methoden, blieb das Zurückbesinnen, auf das, was man schon hat und die Dankbarkeit dafür, ein wenig auf der Strecke, zumindest ging es mir beim Lesen so. Im Endeffekt bleibt das Glück flüchtig und liegt für jeden woanders.
Der amerikanische Architekt – Amy Waldman
Was wäre, wenn die anonyme Ausschreibung für die Gedenkstätte, die nach 9/11 am Ground Zero entstehen sollte, ein Mann namens Mohammed Khan gewinnt? Dieses Gedankenexperiment wagt Amy Waldman in ihrem Roman – und es gelingt ihr schnell, den Leser zu fordern: was würde ich tun? Auf welcher Seite stände ich? Welche Überzeugung kann ich vertreten, ethisch, moralisch, menschlich? Die Menschen, die vor dieser Entscheidung stehen: eine Jury, Überlebende, Zurückgebliebene, Politiker, der Architekt selbst – und dazu kommt die delikate Auseinandersetzung über Religion, Macht und Aussenwirkung. Für mich hält Waldman das Tempo, wird dem sensiblen Thema gerecht und schafft es bis zum Schluss, das Niveau zu halten und dem Buch einen runden Abschluss zu geben, was für mich oft die Achillesferse eines Romanes ist. Hat mir sehr gut gefallen, empfehle ich gerne weiter.
Ich gegen Osbourne – Joey Goebel
Ich verehre Joey Goebel. Ich habe alle seine Bücher gelesen und extrem hohe Erwartungen an dieses Buch. Klang auch wirklich gut in der Kurzbeschreibung. Und was war – ich habe mich durch so einige Längen wirklich durchgequält. Das mir das, mit einem Autor den ich so schätze, passiert, ist schon ein Trauerspiel. Dabei kann er durchaus einen langen Wälzer füllen, man denke nur an Heartland – grandios! Aber hier hat er sich auf den Mikrokosmos eines einzigen Tages geworfen und das war einfach zuviel für mich: zu detailreich, zu wenig Inhalt. Trotzdem muss ich zu seiner Ehrenrettung anführen, dass ich seine geschaffene Figur durchaus glaubhaft finde, einige Szenen in der gewohnten Manier brillieren (Stichwort: Literaturkurs). Wäre das Buch auf mehr als einen Tag verteilt gewesen, hätte es bei mir wohl mehr Begeiszterung entfacht. Auch im Nachgang, ich habe das Buch ein Weile wirken lassen … mir ist der Gedanke, den Alltag einer Highschool und ihrer Schüler spitzzüngig zu portraitieren, schon bewusst geworden. Aber die Umsetzung scheiterte leider für mich.
Wunder – Raquel J. Palacio
Dieses Buch nimmt einen von der ersten Seite an für sich ein. Der Ich-Erzähler August, der sein Aussehen so beschreibt, dass man es sich nichtmal so schlimm vorstellen könnte, wie es wirklich ist. Sein Gesicht ist von Geburt an und trotz vieler Operationen „entstellt“ und August muss von Kindesbeinen an Blicke, Geflüster, Lästereien und Unsicherheiten erleben. Was dieses Buch besonders macht? Zum einen ist es August, der sich dem ganzen unerschrocken stellt und auch nach Tiefschlägen wieder aufsteht und eine erstaunliche Sicht der Dinge aufweist. Aber auch die Menschen, die mit August in Kontakt stehen, kommen zu Wort und so ergibt sich für den Leser eine Sicht auf das grosse Ganze. Zum Schluss hin standen mir die Tränen in den Augen und ich dachte noch: Mensch, das ist jetzt aber ein wenig dick aufgetragen. Und dann dachte ich: Was für ein Blödsinn. Ich will solche Bücher! Ich will Bücher die mich zum Weinen bringen, Bücher wo ich die Hand in die Luft strecke, zur Faust geballt und JAAAA brülle, weil es sich gut ausgeht. Weil es mich berührt, weil ich will, dass solche Dinge geschehen und passieren können und dass es stets Menschen mit großen Herzen und klugem Verstand geben wird. Oh ja!