Dieses Buch hatte ich auf der Buchmesse in der Hand, das Cover zog mich gleich an. Längere Zeit blieb es dann aber vergessen, bis ich es im Regal einer Freundin erspähte, die es mir auslieh und fast zeitgleich eine hymnische Rezension las. Leider kann ich mich dieser nicht vollumfänglich anschliessen: die Geschichte hatte mich einfach nicht so sehr gepackt, irgendwo blieb ein schaler Nachgeschmack. Ich merke immer wieder, dass ich dieses Gefühl öfter bei französischen Autoren habe…daher – Geschmackssache, wie so oft.
Die Scanner – Robert M. Sonntag
Eine Dystopie im Jugendbuch, die erschreckend realistisch wirkt und durchaus vorstellbar. Sie verzichtet auf rasante Action-Szenen, die Bedrohlichkeit zeigt sich für den Leser schon im „normalen“ Alltag. An Orwells 1984 & Farenheit 451 angelehnt, für Jugendliche aufbereitet, spannend zu lesen – und mir als erwachsenem Leser stellt sich mit leisem Rückenkribbeln die Frage – was wird wohl in 50 Jahren sein?
Morgen vielleicht – Jessica Soffer
Liebe geht durch den Magen, so heisst es. Lorca wünscht sich eigentlich nichts mehr, als von ihrer Mutter, einer begnadeten Köchin wahrgenommen zu werden. Ein Lieblingsgericht der Mutter, an einem besonderen Ort genossen, scheint die Lösung zu sein. Dieser Roman ist vielschichtig und viel weniger vorhersehbar, als ich es zu Anfang erwartete. Denn ausser Lorca begegnen wir auch noch Victoria, deren Leben sich gerade im Aufuhr befindet. Kochen, Einsamkeit und Sehnsucht nach Liebe – eine Familientragödie, ein Buch über die Leidenschaft beim Kochen, ein New York Roman – dieses Buch hat wunderbar viel zu bieten!
Meine Schwester lebt auf dem Kaminsims – Annabel Pitcher
Ehrlich gestanden habe ich mir von diesem Buch mehr erwartet. Das Cover, der Titel, eigentlich alles sprach für ein Jugendbuch nach meinem Geschmack. Warum es nicht gepasst hat? Ich kann den Finger leider nicht genau darauflegen, aber während des Lesens merkte ich: das kommt nicht an mich ran (dabei werde ich es belassen, weil ich dem Leser sonst zuviel vorweg nehmen würde, wenn ich genauer auf bestimmte Stellen eingehe). Insbesondere schade finde ich das, weil eine liebe Freundin dieses Buch sehr mochte und wir häufig den gleichen Lesegeschmack haben.
Ich nehme alles zurück und behaupte das Gegenteil – Juli Rautenberg
Ich habe schon länger immer mal wieder nach einem gemütlichen Beziehungsroman gesucht, etwas fürs Sofa, den Urlaub, mit einem gewissen Witz, ohne dabei platt zu sein, wie das ja leider oft passiert. Bei Juli Rautenberg wurde ich fündig: eine frische Schreibe mit Wortwitz, sympathische Protagonisten und der ganz normale (schonungslos ehrlich betrachtete) Beziehungswahnsinn. Hat mir Spaß gemacht!
Die Kunst des Feldspiels – Chad Harbach
Ein oft bemühter Ausdruck ist ja „der große, amerikanische Roman“. Aber hier passt er einfach so unheimlich gut. Es ist erstaunlich, wie Harbach rund um den Sport Baseball eine ganz eigene Welt aufgebaut hat, in der die Figuren zwischen Macht, Erfolg, Versagensängsten,persönlichen Krisen und der Liebe hin und hergeworfen werden. Teilweise waren die Spiele so anschaulich beschrieben, dass ich das Buch, ohne besonders bewandert in der Sportart zu sein, kaum weglegen konnte, so spannend war es. Ein sauberer Querschnitt durch eine ganz eigene Welt, die mich völlig absorbierte und ja – es ist wirklich der nächste, große, amerikanische Roman!
Suna – Pia Ziefle
Eine Familiengeschichte, eine Suche nach Antworten, durchwachte Nächte, starke Figuren und Schicksale, Eintauchen in andere Lebenswelten und Kulturen – dieses Buch ist wahrlich etwas Besonderes und ihr könnt euch darauf freuen. Habe ich mit großem Genuß gelesen!
Leben – David Wagner
Literarisch gesehen fand ich es durchaus lesenswert, die Umsetzung ist gut, die Spitzen da, Sprache etc, das stimmt alles. Aber ich werde mit Wagner nicht warm. Ich meine: das MUSS ich ja auch nicht, ich mag ja nicht jeden. Aber irgendwie schaue ich mir sein Leben an und meines und denke: naja, uns trennen zwar ein paar Jahre, aber sag mal: hattest Du mal ein Ziel im Leben? Wieviele Frauen gab es da – worum ging es Dir? Wo ist dein Rück-Halt? Irgendwie weiss ich nicht wofür und warum er lebt, woran sein Herz hängt. Vielleicht kann/will er das dann nicht öffentlich machen, aber ich finde keinen Bezug zur Person, was ich schade finde, weil ich die Idee des Buches mag, auch die Fragen rund um so eine Organspende spannend finde. Ich hab das Lesen nicht bereut, aber es hat mich nicht berührt.
Die Eulersche Formel – Yoko Ogawa
Was haben japanische Autoren an sich, was mich so glücklich macht? Ich bin total froh darüber, diese Autorin entdeckt zu haben und werde noch mehr von ihr lesen! Mit ganz feiner Tinte zeichnet sie das Portrait eines aussergewöhnlichen Mathematikprofessors und seiner neuen Haushälterin. Eine ungewöhnliche Freundschaft nimmt ihren Lauf – alle 80 Minuten neu. Ein Kleinod und wahrlich ein Buch, was man auch nochmal aus dem Regal ziehen wird.
Der Liebhaber meines Mannes – Bethan Roberts
Ich kannte bereits ein anderes Buch von ihr, was mir soweit ganz gut gefiel. Bei diesem Roman gab es auch eine Gemeinsamkeit: die Autorin hat die Gabe, eine bestimmte Zeitspanne, die Stimmung einer Epoche sehr plastisch und authentisch rüberzubringen. Trotzdem wirkt ihr Schreiben und ihre Figuren manchmal sperrig, obwohl die Geschichten gut durchdacht sind und sich auch entfalten, bleibt so ein bisschen das Gefühl, hier und da ein wenig ins Straucheln zu geraten. Trotzdem, allein für das Aufgreifen eines Tabu-Themas habe ich das Lesen dieses Romanes nicht bereut.