Kontrapunkt – Anna Enquist

Anna Enquist hat mit diesem Buch ein kleines, feines Meisterwerk geschaffen. Auf der Basis der Goldberg-Variationen von Bach beschreibt sie den Prozeß der Aufarbeitung einer Mutter, die ihre Tochter verloren hat. Fein verwebt in die Musik brechen Bruchstücke aus dem gemeinsamen Leben hervor, taucht man ein in Erinnerungen und immer wieder bringt die Partitur und das Spiel die Frau an ihre Grenzen.

Sehr schön zu lesen, eine ergreifende und doch so „normale“ Familiengeschichte. In jedem Satz spürt man die tiefen Gefühle die die Mutter für ihre Tochter hegt, die Beschreibungen der Musik, der Noten und der Paralellen zur Geschichte geht einem auch als Nicht-Musiker auf und berührt. Für mich eines der schönsten Bücher für den Herbst 2008 ! Lesen!

Das verlorene Leben – Frank Bresching

Las sich wirklich sehr gut durch, es gibt solche Bücher die man einfach ohne Kanten durchlesen kann – dieses gehört dazu. Anfangs noch fast naiv erzählt, fragt man sich, wo bleibt der Psychothriller? Nach und nach entblättert sich die Geschichte aber es bleibt doch sehr lange spannend…und man erwartet den Schluss meiner Meinung nach in dieser Form absolut nicht.

Doch, wirklich gelungen und noch dazu ein deutscher Krimi – bin angetan!

Sex2 – Sibylle Berg

Obwohl es mir mal wieder wirklich gut gefällt – es liest sich nicht so leicht, ist ziemlich deprimierend und traurig, diese Großstadt, jedes Einzelschicksal auf seine Art depressiv oder auch krankhaft…und doch finde ich, bringt Frau Berg es sehr auf den Punkt. Keine leichte Lektüre…werd wahrscheinlich in Etappen lesen, habe Lust zu lesen, aber den ganzen Tag über, da wird einem selbst irgendwann trüb…[…]

Nun ist die Berg auch durch – der obige Eindruck bleibt – ich find das Buch toll, aber es ist wirklich heftig – jedes Schicksal hat seine Leiche im Keller (fast schon wörtlich zu nehmen..), Sex, Drogen, Mordgelüste – alles dabei. Aber sowas muss man halt auch erstmal schreiben können …;-)

Stille in Montparnasse – Ariel Denis

Mhm, schwer zu sagen. Es ist ein Monolog, um Musik, die großen Themen des Lebens, eine Hommage an einer verstorbenen Freund, ein wenig Schrulligkeit…was mir sehr gut gefällt ist, wenn der Erzähler sich so in sein Erzählen hineinsteigert, immer „schneller“ wird. Andere Passagen sind eher zähflüssig, nicht für „Publikum“ geschrieben. Es ist kein sehr langes Buch und es hat irgendwie was – aber es ist nichts für „mal eben“.

Ghetto Kidz – Morton Rhue

Der Mann hat es einfach drauf. Erschreckend, gut geschrieben, sehr eindringlich. Und man „wacht“ aus diesem Buch auf und denkt: „Das ist keine Fiktion, so ähnlich passiert das Tag für Tag für Tag…“. Macht sehr, sehr nachdenklich das Buch. Es beschreibt den „Werdegang“ von Kalon, der in einem Ghetto aufwächst – hat er überhaupt eine Chance?