Allmen und die Libellen – Martin Suter

Suter schreibt jetzt Krimis. Eine ganze Reihe soll sich um Allmen, seinen etwas ungewöhnlichen Ermittler drehen. Kann das etwas werden? Mit angehaltenem Atem habe ich auf diesen Einstiegsband gewartet, würde er mich überzeugen? Ja, das hat er getan. Suter schreibt im üblichen, genialen Stil so lesenswert über den ständig verarmten Allmen, der jedoch stets die äußere Fassade wahrt, das man das Buch einfach nur so einatmet. Die Krimi-Handlung ist zunächst nicht so ausgefuchst, allerdings ist hier auch meiner Meinung nach nicht der Schwerpunkt gesetzt. Es ist dafür aber ein sehr gelungener Auftakt, ein Versprechen auf mehr, was mich sofort damit versöhnt. Ich freue mich schon auf die weiteren Fälle, die den Weg Johann Friedrich von Allmens kreuzen werden.

Die Hebammensprechstunde – Ingeborg Stadelmann

Dieses Buch zählt ja zu DEN Standard-Werken wenn man schwanger ist und sich auch von Hebammen betreuen lässt, ein wenig offen ist für alternative/naturheilkundliche Methoden und generell Interesse hat, was im Körper abläuft. Logisch das ich es mir besorgt hatte. Nach der Lektüre war ich etwas zwiegespalten: die vielen Beispiele haben mir gut gefallen, auch konnte ich während der Schwangerschaft immer mal den einen oder anderen Tipp aus diesem Buch nutzen. Es legt aber auch einen Fokus auf bestimmte Aspekte der Schwangerschaft und Geburt, die für meinen Geschmack sehr einseitig sind – und zudem nichtmal unbedingt bewiesen. Ein Buch das Frauen ein schlechtes Gewissen macht, weil sie manche Dinge anders handhaben (und oftmals das garnichtmal in der Hand haben!) finde ich nicht sehr förderlich – ich habe mich jedenfalls beim Lesen einige Male wirklich geärgert. Natürlich berichtet Stadelmann aus jahrelanger Erfahrung, andererseits gibt es auch unter Hebammen äußerst unterschiedliche Herangehensweisen – ich habe Ärzte und Hebammen im Krankenhaus eindeutig als gemeinschaftlich arbeitend empfunden, was laut Stadelmann ein Ding der Unmöglichkeit ist…. Ich hätte mir etwas mehr Toleranz gewünscht. Trotzdem würde ich das Buch jeder Schwangeren empfehlen, weil der Nutzen doch überwiegt. Man kann sich ja noch eine zusätzliche Lektüre, die genau die eigene Einstellung trifft suchen und es als nützliche Ergänzung sehen.

Das Flüstern der Schatten – Jan-Philipp Sendker

Sendker hat eine schöne, bildhafte Art zu schreiben, trotzdem hat es mich bei diesem Roman nicht so gepackt, wie beim Herzenhören. Hier stehen einfach andere Aspekte der Beziehungen zwischen Menschen im Vordergrund: Vertrauen, Verrat, Freundschaft und eine leichte Krimi-Handlung – manchmal war es mir ein bisschen zu „voll“. Ich hab es ganz gerne gelesen, muss aber den Nachfolger nicht unbedingt  lesen.

Deine Juliet – Mary Ann Shaffer

Was für ein wunderbares Buch! Ein Briefroman der mich total begeistert hat und somit zu einem der schönsten Sommerbücher 2010 für mich wurde. Der Briefwechsel zwischen einer Schriftstellerin und einer ganzen Insel in den späten 40ger Jahren bezaubert durch seinen Charme, die herrlichen Eigenheiten der Hauptpersonen und viel Gefühl ohne dabei zu kitschig zu werden. Ein Buch das man seiner besten Freundin schenken möchte, ein Buch das man im Regal stehen sieht und anfängt zu lächeln. Wenn Sie es noch nicht kennen – bitte lesen Sie es!

Mit Blick aufs Meer – Elizabeth Strout

Ich tue mich ein bisschen schwer damit diesen Roman zu beschreiben. Zum einen ist er klug und auf leise Zwischentöne bedacht. Zum  anderen war er mir manchmal ein bisschen zu zerstückelt. Ich hab ihn schnell gelesen, fand einige Stellen so schön, die Beobachtungen die die Hauptperson Olive anstellt in ihrem kleinen, verschlafenen Dorf scharfsinnig und erfrischend. Trotzdem blieb nach dem Lesen insgesamt das Gefühl, einiges war zu „sperrig“, etwas unfertig.

Die geheime Sammlung – Polly Shulman

Eine kleine Perle im Jugendbuch und für alle Märchenfans ein Muss! Das „New Yorker Repositorium der verleihbaren Schätze“ ist so anschaulich von der Autorin beschrieben, das man das Gefühl hat, dieses ungewöhnliche Museum müsste es wirklich geben…Was es mit diesem zauberhaften Ort auf sich hat, erfährt Elizabeth, als sie dort einen Aushilfsjob angeboten bekommt – und das Märchen manchmal eben nicht nur Märchen sind. Eine wunderbar erzählte Geschichte mit ganz vielen liebevollen Details – das Lesen macht einfach großen Spaß!

Tödlicher Mittsommer – Viveca Sten

Ein ganz angenehm geschriebener, kurzweiliger Krimi, der eine kleine Insel in den schwedischen Schären, Sandhamn zu ihrem Schauplatz wählt. Spielt im Sommer, fängt die flirrende Atmosphäre Schwedens gut ein und ist nicht ganz so durchsichtig wie man meinen könnte. Ich bin ja keine große Krimi-Leserin und bevorzuge immer Krimis, in denen die Ermittler eine etwas größere Rolle spielen – hier kam ich da voll auf meine Kosten. Habe den Krimi sehr genoßen!

Die Akte Rosenherz – Jan Seghers

Der mittlerweile 4. Marthaler-Krimi von Jan Seghers alias Matthias Altenburg ist da – und wieder ist es ihm gelungen, mich, den nicht-so-sehr-Krimi-Fan zu fesseln. Ich finde es hier sehr schwer, nicht vorweg zu greifen, daher nur so viel: ein spannender Fall der auf einem echten Kriminalfall beruht, verknüpft mit der Kunst-Szene – und Marthaler bricht ein wenig aus der gewohnten Routine aus und grade das verleiht dem Fall eine ganz eigene Qualität.

Mir hat dieser Marthaler wieder sehr gefallen, tolle Figuren und Szenerien, nicht zu durchsichtig, intelligent und mit Verve geschrieben – besonders beeindruckend fand ich einige Schilderungen aus dem Privatleben Marthalers – wers gelesen hat, wird mich verstehen.

Kam in den Genuß einer Lesung bei uns und kann nur wieder betonen, das Jan Seghers durch und durch ein sympathischer und angenehmer Zeitgenosse ist. Auch war es wieder ein Vergnügen, einige Aspekte des Buches mit dem Autor durchzudiskutieren! Ich kanns jedenfalls allen Krimi-Fans empfehlen, nicht nur die Hessen werden ihren Spaß haben!

Das Regenorchester – Hans-Jörg Schertenleib

Zwei wunderschöne Geschichten werden hier verwoben: die des Schweizer Schriftstellers, der nach Irland ausgewandert ist um hier zum Schreiben zu finden. Nachdem seine Frau ihn verlässt, trifft er auf Niahm, eine etwas rätselhafte Irin, die ihn, es scheint fast so als spüre sie, er braucht eine Aufgabe, zum Chronisten ihres Lebens macht. Wunderschöne Sprache, die Verletzbarkeit einer Trennung fast zu schmerzlich geschildert… Mit der Lebensgeschichte von Niahm entsteht vor einem ein ganzes Leben das nicht immer war, wie es sein sollte. Wer von beiden mehr von dieser Freundschaft hat, weiss man garnicht zu sagen. Traurig, schön und ein aussergewöhnliches Buch, das in einer Ecke Hoffnung aufblitzen lässt…