Die Scanner – Robert M. Sonntag

Eine Dystopie im Jugendbuch, die erschreckend realistisch wirkt und durchaus vorstellbar. Sie verzichtet auf rasante Action-Szenen, die Bedrohlichkeit zeigt sich für den Leser schon im „normalen“ Alltag. An Orwells 1984 & Farenheit 451 angelehnt, für Jugendliche aufbereitet, spannend zu lesen – und mir als erwachsenem Leser stellt sich mit leisem Rückenkribbeln die Frage – was wird wohl in 50 Jahren sein?

Morgen vielleicht – Jessica Soffer

Liebe geht durch den Magen, so heisst es. Lorca wünscht sich eigentlich nichts mehr, als von ihrer Mutter, einer begnadeten Köchin wahrgenommen zu werden. Ein Lieblingsgericht der Mutter, an einem besonderen Ort genossen, scheint die Lösung zu sein. Dieser Roman ist vielschichtig und viel weniger vorhersehbar, als ich es zu Anfang erwartete. Denn ausser Lorca begegnen wir auch noch Victoria, deren Leben sich gerade im Aufuhr befindet. Kochen, Einsamkeit und Sehnsucht nach Liebe – eine Familientragödie, ein Buch über die Leidenschaft beim Kochen, ein New York Roman – dieses Buch hat wunderbar viel zu bieten!

Je schneller ich gehe, desto kleiner bin ich – Kjersti A. Skomsvold

Was wird aus einem selbst, wenn der geliebte Mann stirbt? Diese Erfahrung muss Mathea Martinsen machen, die hochbetagt nun plötzlich wieder auf sich allein gestellt ist. Ihre Versuche, sich wieder ein Stück der Welt zurückzuerobern, wirken verletzlich und manchmal anrührend, ein wenig spröde, fast eingerostet erscheinen ihre Bemühungen – kein Wunder, war sie doch über Jahrzehnte einzig mit ihrem Liebsten in engerem Kontakt. Dieser kurze Roman, fast mag ich es eine Novelle nennen, hält zudem ein paar feinfühlige Sätze parat, die im Ohr bleiben.

Nilowsky – Torsten Schulz

 

Dieses Buch hatte in der Verlagsvorschau dermaßen viele Vorschusslorbeeren, von renommierten Buchhändlern, davon einige, deren literarische Meinung ich sehr schätze. Also, obwohl mich spontan die Geschichte nicht sonderlich ansprach, zugegriffen. Zu Anfangs war ich noch optimistisch, dass sich meine Vorbehalte in Luft auflösen würden, je weiter ich kam, desto mehr verstärkten sie sich allerdings. Ich fand nicht den roten Faden, konnte nach kurzer Zeit die Protagonisten nicht mehr „fassen“ und fiel geradezu aus der Geschichte, die so vor sich hinplätscherte. Schade…das Wort „eigenwillig„, was ich desöfteren positiv in anderen Rezensionen las, passt für mich auch – nur das ich damit nicht warm wurde.

Indigo – Clemens J. Setz

Die Kurzbeschreibung sowie das erste Presseecho, was ich las, hatten mich nicht gerade ermuntert. Die Leseprobe hingegen sehr. Also habe ich mich darauf eingelassen und habe es nicht bereut: Setz bricht ein wenig die „Literatur, die wir kennen“ auf – er arbeitet mit unterschiedlichen Textarten/Schriften/Zetteln/Notitzen – (was mich zuvor abschreckte, machte im Roman einfach nur Sinn) und man lässt sich auf eine wilde Geschichte ein, die einen Sog entwickelte, dem ich mich nicht entziehen konnte. Spannendes Spiel um Wahrheit, Erleben und geheimnisvoll – ob zum Schluss alle Fäden zusammenlaufen, vermag ich nicht zu sagen, aber das Buch hat es in sich! Er hat mich durch seine neue Art, Literatur zu interpretieren überzeugt. Das Buch wagt etwas und trotzdem liest es sich nicht anstrengend sondern sehr fesselnd. Noch dazu wunderbar gestaltet, innen und aussen.

 

Die Zeit, die Zeit – Martin Suter

Ich bin großer, großer Verehrer von Martin Suter. So habe ich sein neuestes Werk mit Spannung erwartet und sage: Erwartungen voll erfüllt! Nicht nur, das Suter zu Anfang ein wenig mit einem neuen Stil spielt, welcher mir sehr zusagte, nein das Buch zieht einen in eine fast unmögliche Situation, man fragt sich die ganze Zeit: Wie, um alles in der Welt will man dieses komplexe Geflecht auflösen. Und zum Schluss fliegt einem das ganze schlicht um die Ohren! Ich saß da, fassungslos, kichernd ob dieser Absurdität, bewundernd: wiedermal SUPER SUTER!

 

Vollendet – Neal Shusterman

Spannende Jugendbuch-Dystopie, die sich mit dem Thema Leben und Tod und vorrangig der Frage beschäftigt: wielange lebt oder existiert man? Wovon hängt es ab, wieviel kann man verlieren, ohne sich selbst zu verlieren? Organspende und das Verbot von Abtreibung werden hier als Aufhänger für eine klassisch gestrickte Geschichte benutzt und bieten viel Stoff zum Nachdenken, wäre vielleicht sogar als Schullektüre interessant. Für mich einziger Wermutstropfen: der eine Band wäre für mich vollauf ausreichend gewesen, eine ganze Trilogie hatte ich nicht erwartet und werde wohl auch die weiteren Bände nicht lesen – dafür reicht mir die Thematik nicht weit genug.

Herzenstimmen – Jan-Philipp Sendker

Gelungene Fortsetzung eines Dauerbrenners. Ich verkaufe den Vorgänger „Das Herzenhören“ immer noch, nach Jahren, mit schöner Regelmäßigkeit. Der Spagat, einerseits wieder so ein bewegendes Buch zu schreiben, andererseits auch etwas Neues reinzubringen, hat funktioniert. Auch finde ich schön, dass Sendker hier klarmacht, das Julia in „Herzenhören“ zwar viel lernte und ihr Leben veränderte, aber nur den halben Weg ging – wie es oftmals ist, nach wichtigen Ereignissen, die im Laufe der Jahre und im Stress des Alltages doch wieder untergehen.