28 Tage – David Safier

Safier stellt in seinem Roman, in dem er gewohnte Wege verlässt, eine Frage in den Vordergrund: Was für ein Mensch will ich sein? Es ist ihm anzurechnen, dass er aus persönlichen Gründen über eines der dunkelsten Kapitel deutscher Geschichte erzählen will. Ich kann mir vorstellen, dass er mit seinem Stil und seiner Perspektive vorallem Jugendliche ansprechen wird, denn eine gewisse Spannung und vorallem die Entscheidungen seiner jungen Protagonisten stehen im Vordergrund. Für mich ist aber genau da auch der Haken – ich find es schwierig, über eine wirklich grausame, menschenverachtende Zeit zu lesen und gleichzeitig das Gefühl zu haben, dass der Leser möglichst durch die erzeugte Spannung am Ball bleiben soll.

Der Allesforscher – Heinrich Steinfest

Jetzt wird es schwierig. Seit Jahren gibt es eingeschworene Steinfest-Fans in unserem Buchladen. Als dieses Leseexemplar hereinflatterte dachte ich: Nun, das wird jetzt dein erster Steinfest. Und insofern kann ich meinen begeisterten Kunden Recht geben: dieser Autor hat etwas Außerordentliches. Dieses Buch war geradezu irrwitzig und über weite Strecken habe ich es mit Vergnügen gelesen, habe die wilden Wenden und scheinbar wahllos eingestreuten Begebenheiten (die sich schlussendlich zum großen Ganzen fügten) atemlos verfolgt. Warum das Aber? Weil mich die Figuren nicht erreicht haben. Ich sah sie nicht vor mir, sie blieben mir fern. Ob das nun ein Kriterium sein sollte? Am besten – selber lesen!

Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra – Robin Sloan

Zunächst war ich begeistert, traf das Buch doch einen lakonisch-witzigen Ton. Im Verlauf des Buches wurde meine Begeisterung immer schwächer, denn die Geschichte trägt sich für mich als Roman einfach zuwenig. Wenn man sie als fantastische Reise und als augenzwinkernden Blick in die Zukunft nimmt (und oftmals ist dieser Ausblick gleichzeitig faszinierend als auch verstörend), war es ein kurzweiliges Leseerlebnis. Im Endeffekt ist es eben nicht mehr, als die übliche Auseinandersetzung zwischen dem romantisch-verklärten, gedrucktem Buch und der Hightech-Zukunfts-Horror-Gott-Vision. Auch wenn hier durchaus versucht wurde, ein wenig ironisch auch zwischen Schwarz und Weiss zu schauen, so bleib es doch an den meisten Stellen eher flach.

Die Verlobungen – J. Courtney Sullivan

Einer meiner absoluten Lieblinge im Frühjahrsprogramm. Vier unterschiedliche Zeitepochen, vier unterschiedliche Lebensentwürfe, vier unterschiedliche Arten von Liebe. Und immer wieder die Frage – was ist Liebe, wozu dient die Ehe? Was ist Erfolg? Und wofür leben wir? Mitreissend geschrieben, toll zu lesen, definitiv eine Autorin die man im Auge behalten sollte!

Das Rosie-Projekt – Graeme Simsion

Etwas zwiespältig. Eigentlich trifft es genau meinen Humor: „Nerd“ Don trifft auf weiblichen „Nerd“ Rosie und mit etwas Witz und Verwicklung entfaltet sich eine romantische Geschichte. Woher also der Zwiespalt? Don hat das Asperger-Syndrom. Und ich frage mich, und zwar genau deshalb, weil ich Respekt vor dieser Diagnose habe, ob ich seine Verhaltensweisen, die er ja im Endeffekt seiner Krankheit zu verdanken hat, so witzig finden kann, wie sie hier dargestellt werden? Denn auch wenn er seine Grenzen ausdehnt, so ist es für ihn ja doch von gewisser Wichtigkeit, dass Abläufe passen und stimmen – daran wird ein anderer Mensch nur in geringen Maßen etwas ändern können. Solche „Umkrempel“-Geschichten hinterlassen bei mir immer ein leicht schales Gefühl.

Es wird keine Helden geben – Anna Seidl

In Anbetracht des zarten Alters der Autorin, hat sie da ein ganz ordentliches Debüt vorgelegt. Ihre Sicht eines Amoklaufes und der Zeit danach war eindringlich geschildert und hat mich besonders beeindruckt, weil ihre Hauptfigur im Laufe des Buches eine Wandlung durchmacht, die sie mich immer besser verstehen ließ. Mal schauen, was von dieser jungen Frau noch kommt.

24 weihnachtliche Geschichten – Diana Steinbrede (Hrsg.)

Mein diesjähriger Adventskalender, der mir wiedermal gezeigt hat, warum ich seit Jahren dieses Werk aus dem Boje Verlag kaufe: tolle Kinder und Jugendbuchautoren sind hier versammelt, die Geschichten sind mal ernst, mal witzig und immer fühlt man sich ein Stückchen weihnachtlicher nach dem Lesen. Wieder sehr gelungen!

Leichte Turbulenzen bei erhöhter Strömungsgeschwindigkeit – Maggie Shipstead

Hier wurde ich nicht recht warm mit den Personen, die diese Geschichte bevölkern. Bei niemandem konnte ich mich wiederfinden, bei allen erzeugte die Lektüre eher eine grundlegende Antipathie. Die Oberflächlichkeit dieser Hochzeitsgesellschaft wurde insofern eindrucksvoll portraitiert, allerdings fehlte mir der rote Faden, das Buch zerfaserte für mich zu sehr. So richtig glücklich bin ich nicht mehr geworden beim Lesen, aber es war trotzdem nett für zwischendurch.