Wir tun uns gut: Das Wohlfühlbuch für Schwangere – Jennifer Louden

Das dieses hervorragende Buch vergriffen ist, ist sehr, sehr schade. Ich habe einiges an Schwangerschaftsliteratur gelesen, tolle, informative Bücher. Aber die seelische Seite der Schwangerschaft, die Gefühle der Mutter und des werdenden Vaters, alles was da so auf einen einprasselt – das hat mir dieses Buch nahegebracht. Es ist sehr liebevoll geschrieben ohne dabei betulich zu wirken – es ist ein toller Ratgeber, eine beste Freundin, hat viele Anregungen für Übungen, egal ob man durch Schreiben oder andere Hilfsmittel lernt, mit all diesen Veränderungen umzugehen.Ob es jetzt um die Kleiderfrage, die Geburt, die Stimmungsschwankungen, die Einstellung zum eigenen Körper oder Überforderung in den ersten Wochen geht – das Buch geht alle Aspekte an, ohne zu beschönigen, aber auch ohne Horrorvisonen.

Ausserdem hat das Buch Humor und vermittelt einem eine gewisse Gelassenheit und das man mit all dem nicht alleine da steht und schon garnicht verrückt ist…auch wenn sichs manchmal so anfühlt. Für mich bisher das Buch in dem ich am meisten geblättert habe, in dem sehr viele Post-Its stecken, ich wahnsinnig viel angestrichen habe und auch mitgenommen habe.

Ich würde es jeder Freundin zur Schwangerschaft schenken: als Hilfe, als Wegbegleiter, als Idee, als liebevolle Geste! Wer es sich gebraucht besorgen kann, sollte das tun!

Dinge geregelt kriegen – ohne einen Funken Selbstdiziplin – Kathrin Passig/Sascha Lobo

Die beiden Autoren befassen sich bei diesem Sachbuch vorallem mit dem Begriff des http://de.wikipedia.org/wiki/Prokrastinieren. Aufgelockert durch einige Beispiele, aber auch relativ ernsthaft, wird hier teilweise fast schon philosophisch versucht zu ergründen, wo er denn liegt, der schmale Grad zwischen „zuviel“ und „zuwenig“ tun. Klar ist einiges überzogen, aber es waren doch viele „AHA“-Erlebnisse für mich dabei und ich hab viel angestrichen. Es ist ein wenig der Gegenentwurf zu Selbstdisziplin, geregelten Haushaltplänen, trotz allem aber keine Totalverweigerung. Warum To-Do-Listen manchmal mehr hindern und manches sich von selbst erledigt, wenn man nur lange genug wartet – und warum „Aufschieben“ nicht unbedingt etwas schlechtes bedeuten muss. Auch die Anfänge der Überlegungen zur Arbeit an sich, der 4-Tage-Woche und dem „Weniger-ist-mehr“ habe ich sehr gerne gelesen (und würde davon gerne noch mehr lesen…) Wer einen „richtigen“ Ratgeber sucht ist sicher falsch. Dieses Buch gibt eher Anhaltspunkte, Ideen, Theorien. Diese haben mich aber sehr gut unterhalten und zu einigen Teilen auch Einzug in mein Leben gehalten.

Danke an meinen Bruder, der mir dieses Buch innig ans Herz gelegt hat und nach den Regeln der Autoren, soweit ich das beurteilen kann, wirklich „Die Dinge geregelt bekommt“ – ohne das es sehr stressig aussieht…;-)

Hectors Reise oder Die Suche nach dem Glück – Francois Lelord

Dieses Buch stand seit über einem Jahr harmlos im Regal herum. Nun hatte es mich gefunden und auch genau die richtige Zeit um es zu lesen…mir hat es sehr gefallen. Ich denke vieles was Hector, der Psychater auf seiner Reise herausfindet, wussten wir im tiefsten Inneren schon, aber wie wir Menschen so sind – wir schauen gerne anderen dabei zu, wie sie etwas herausfinden und haben Erkenntnisse gerne schön verpackt. Wenn man danach geht hat dieses Buch aber eine doppelte Schleife und schönes Geschenkpapier gehabt.Die Schreibweise ist gekonnt naiv, aber nie zu einfach – aber gerade durch diesen Kunstgriff wirken die Glückslektionen von Hector nur noch mehr. Auch wenn ich Hector an wenigen Stellen aus eigener Erfahrung innerlich widersprach, so habe ich dieses Buch doch innig ans Herz gedrückt und so einige Menschen, denen ich dieses Buch gerne schenken möchte.

Die Musik der Wale – Wally Lamb

Was ein Wälzer. Und auf über 600 Seiten passiert unserer Hauptperson so ziemlich alles, was so schiefgehen kann. Glaubt man anfangs noch, das die Dinge für Dolores Price sich noch gut entwickeln werden, so entdeckt man mit Schrecken, das die Abwärtsspirale sich noch viel weiter nach unten drehen kann. Ich muss ganz ehrlich gestehen, das ich nicht so glücklich mit dem Roman war und nicht ganz warm mit ihm wurde. Es ist andererseits aber auch faszinierend, in wieviel Drama sich eine Person manövrieren kann und wie weit Menschen gehen…es ist ein wenig unentschieden mit diesem Buch: nicht verkehrt, aber auch für mich kein Buch über das ich Freudenschreie ausstoße. Am besten – selber lesen, über dieses Buch könnte man sicher gut diskutieren, also los ;-) .

Die Karte meiner Träume – Reif Larsen

Dieses Buch ist eines meiner absoluten Highlights dieses Jahr. Eigentlich müsste es der geneigte Leser jetzt einmal in die Hand nehmen um allein schon das ungewöhnliche Format und die Ausstattung zu spüren. Beim ersten Durchblättern…doch halt ich greife vor.

Unser Held ist T.S. Spivet der mit seiner schrägen Familie auf der Coppertop Ranch, irgendwo in Montana wohnt. Seine Schwester träumt von einer Karriere, weit ab von der Landwirtschaft, der Vater ist durch und durch Farmer und Westernfan. Seine Mutter selbst ist Wissenschaftlerin. Doch was ist nun so besonders an T.S? Er ist ein genialer Kartograph.

Die Geschehnisse auf der Ranch werden graphisch dargelegt, der Whiskeykonsum des Vaters in Diagrammen aufgezeichnet, er schickt detaillierte Flora und Fauna Zeichnungen an das Smithsonian, das große Naturwissenschaftsmuseum im fernen Washington. Eines Tages bekomtm T.S. den Anruf der alles verändert: aufgrund seiner Leistungen soll er den renommierten Baird-Preis erhalten und dafür nach Washington reisen. Was keiner der Museumsangestellten ahnt: T.S. ist erst 12 Jahre alt.

Er begibt sich auf eigene Faust auf eine abenteuerliche Reise, quer durch Amerika. Ein Roadtrip, auf den er uns mitnimmt, der einen mitreißt, der einen nicht kalt lässt. Wie dieser ungewöhnliche, kluge Kopf versucht anhand seiner Karten das Leben, Gefühle und Ereignisse zu erklären, das ist magisch, brillant und unbedingt lesenswert. Wer nun das Buch aufschlägt, wird sehen, das T.S. seitlich der Geschichte alles kartographiert, kleine Ereignisse „dazwischenerzählt“ und so dieses Buch noch mehr zu dem macht, was es ist – ein brillanter Roman!

Ohne etwas verraten zu wollen – mich hat das Buch gerade durch seine vielen Facetten bis zum Schluss gefesselt und durchaus einige Kehrtwendungen enthalten, wo ich nur sagen kann: Hut ab – ich wurde immer wieder überrascht. Was bleibt mir als zu sagen – ich liebe es!

Schimmer – Ingrid Law

Dieses Buch hat mich wirklich begeistert! Ich habe es mir vordergründig deshalb gekauft, weil ich es vorgelesen bekam:  im Rahmen des Finales vom Vorlesewettbewerb, der in Berlin stattfand. Diese Veranstaltung dürfte ich aufgrund eines gewonnenen Schaufensterwettbewerbes besuchen – es war absolut genial. Aber zurück zum Buch: Das Mädchen das aus diesem Buch vorlas, hat mir eine Gänsehaut verpasst und ich wollte das Buch danach unbedingt lesen. Kompliment an Dich!

Mit 13 bekommen die Mitglieder der Familie Beaumont ihren „Schimmer“. Ihr Bruder Fish kann Stürme herbeirufen, Rocket verursacht Stromausfälle. Ihre Mutter ist vollkommen in dem was sie tut. Mibs kann es kaum erwarten, selbst 13 zu werden und ihren „Schimmer“ zu bekommen – das kann so gut wie alles sein. Als kurz vor ihrem Geburtstag ihr Vater, genannt Poppa einen schweren Unfall hat, braucht Mibs allerdings mehr als ihren Schimmer, um zu ihrem Poppa zu kommen.Eine abenteuerliche Reise beginnt.

Was zunächst anmutet wie Fantasy, ist sehr bodenständig. Eine Reise die alle Mitglieder der Familie Beaumont und ihre Freunde verändert, die sich dem Thema Älter werden, Verantwortung und sich selbst erkennen auf eine ganz andere Weise nähert. Die Figuren haben mir alle sehr gut gefallen und ich habe das Buch in einem Rutsch durchgelesen. Tolles Jugendbuch das Spaß macht, eine tolle Grundidee hat und sich sehr angenehm von vielen anderen Neuerscheinungen abhebt!

Ein Apfel ist ein komischer Pfirsich – Cynthia Lord

Catherine hat ein Regelbuch. Dort sammelt sie alle Regeln, die ihr kleiner Bruder David nicht behalten kann. David ist autistisch und solche Dinge wie „Hosen anlassen“ „Kein Spielzeug ins Aquarium“ „Nicht alles was man denkt, muss man sagen“ sind für ihn schwer zu merken, Pünktlichkeit hingegen ist fast überlebenswichtig. Catherine liebt ihren Bruder, fühlt sich aber wie sein Schatten und nicht wahrgenommen. Als sie im Therapiezentrum Jason kennenlernt und seine spezielle Art der Kommunikation, lernt Catherine nicht nur, was Freundschaft ist, sondern auch sehr viel über sich selbst und ihre Familie.

Ein ganz tolles Jugendbuch über das „Anders-Sein“, das „Akzeptiert-Werden“ in Gesellschaft, über Ausdruck – sehr sensibel erzählt, ohne jeglichen moralischen Zeigefinger! Dieses Buch möchte ich meinen Kindern gerne vorlesen!

Die Stunde in der ich zu glauben begann – Wally Lamb

Als mir dieses Buch ins Haus flatterte, hatte ich noch nichts anderes von Wally Lamb gelesen.Nach der Lektüre werde ich das aber definitiv nachholen.Wally Lamb verwebt die Ereignisse von dem Amoklauf in der Columbine High School  (und dort benutzt er die echten Namen und Geschehnisse) mit der persönlichen (fiktiven) Familiengeschichte seiner Protagonisten. Maureen, eine Schulkrankenschwester die in der Bibliothek in einem Schrank versteckt miterleben muss, wie Schüler erschossen werden, leidet nach den Ereignissen, ist traumatisiert und rutscht immer mehr ab. Maureen und ihr Mann Caelum, der diese Geschichte erzählt, werden über einen langen Zeitraum hinweg begleitet, seine Figuren suchen nach Sinn und einem Neuanfang – immer wieder. Lamb hat hier ein großes Werk geschaffen, wo nicht nur ein roter Faden sondern viele gesponnen werden. Die Moral und Handlungsweisen der Menschen stellen sich in Frage und nicht zuletzt ist der Roman sehr bewegend und ich bin sicher das nicht nur mir an einigen Stellen des Romans die Tränen kamen.

Schnörkellos, dafür aber genau und detailreich beschreibt Wally Lamb diese Auseinandersetzungen mit Ereignissen, Tragödien und Geheimnissen. Auch Briefe, Emails und Erzählungen aus der Vergangenheit der Figuren haben ihren Platz und lockern so die Geschichte noch etwas auf. Dieses wirklich dicke Buch lohnt aber jede Seite – ein großer Roman über Menschlichkeit.

15 Jungs, 4 Frösche + 1 Kuss – E. Lockhart

Ein Jugendbuch das mich aufgrund des Titels irgendwie anlachte…und das ausnahmsweise mal nicht von der einzig wahren, perfekten ersten Liebe heiratet, sondern eben davon, das Liebe Freundschaften zerstören kann, nicht jeder Junge der „richtige“ ist und welche Mißverständnisse es noch so an einer Highschool geben kann. Ruby hat ziemlich Mist gebaut, was Jungs angeht und landet so bei einer Psychologin, die sie „Dr Z“ nennt. Für diese soll sie eine Liste aufstellen…und damit werden die Probleme nur noch größer. Allerdings lernt Ruby dabei eine ganze Menge über sich selbst und auch die Leute um sie herum. Fand ich wirklich recht gut, wegen sehr wenig Schwarz/Weiss und viel Selbstreflektion der Protagonistin.