Ein scharf gezeichnetes Portrait einer Frau, die das eigentlich „perfekte“ Leben lebt – und ständig Angst hat, es könnte jemand in ihr Innerstes sehen und die Fassade würde bröckeln und ihre Vergangenheit käme zum Vorschein. Bitter, aber nicht verbittert, von herrlicher Ironie und Sprachwitz durchdrungen, angenehm böse und mit starken Sätzen – eine mutige Geschichte, ein kraftvoller Roman.
Kategorie: K
Blasmusikpop – Vea Kaiser
Ich hatte das Buch bei den Leseexemplaren gesehen. Den Titel fand ich gewöhnungsbedürftig, das Cover ziemlich schlimm und ich dachte: „Naja, nimmste es mal mit, liest 30 Seiten und dann weisst Du auch, dass es nichts für Dich ist“ … tja, Pustekuchen! Ich habe es ganz gelesen, sehr schnell und mit wachsender Begeisterung – würde John Irving Heimatromane schreiben, er klänge ein wenig wie Vea Kaiser (die auch allen Ernstes zwei Jahre jünger ist als ich und schon so einen Wahnsinnsroman vorlegen kann, das deprimiert mich ein wenig…also, ich sollte mich mal ranhalten!). Was für ein herrlicher, herzerfrischender Roman, schräg aber mit viel Liebe zum Detail und den Menschen des kleinen Bergdörfchens St. Peter am Anger. Mir bleibt nur zu sagen: Dieses Buch ist so gut, wie die Alpen hoch sind, jawohl!
Landgericht – Ursula Krechel
Momentan stecke ich in diesem Buch fest. Und das ist nicht negativ gemeint. Es ist nur so, dass man Zeit und Ruhe zum Lesen braucht. Nach manchen Abschnitten muss ich das Buch einfach weglegen und verschnaufen, wirken lassen, drüber nachdenken. So liest es sich recht langsam, aber es brennt sich ein. Das Buch spielt ja nach dem zweiten Weltkrieg und die Atmosphäre haut einen wirklich um, verpasst mir sehr viel Stoff zum Nachdenken und ein ständiges innerliches „Gut, dass jemand sich damit auseinandersetzt – ein wichtiges Buch“-Nicken. Auch nachdem ich das Buch beendet hatte, hallte es lange nach. Seine reduzierte, sachliche Sprache, die dem Buch öfter angekrittelt wurde, war für mich das Besondere, das Wichtige: die schrecklichen Geschehnisse wirken, so völlig unverkleidet, um vielfaches stärker, bleiben beim Leser, nehmen einen gefangen. Auch das Erlebnis, Ursula Krechel selbst über das Buch sprechen zu hören, hat es für mich zu einem preiswürdigen Buch gemacht – als der Deutsche Buchpreis dann wirklich an sie vergeben wurde, habe ich gejubelt – die Auszeichnung ist sehr verdient!
Mörderische Bilderrätsel – Grunewald/Kögel
Für mich der beste der bisher drei Lokalkrimis aus der Feder des Autorenduos. Spannender Fall, Hanauer Geschichte die man so vielleicht noch nicht kannte, der Umbau wird amüsant und mit einer großen Prise Wahrheit aufs Korn genommen. Der etwas derbe Witz rund um die Liebschaften des jungen Kommissars war mir manchmal etwas zu dick aufgetragen, aber nu. Trotzdem, für lokal ansässige Leser, sehr vergnüglich und unterhaltsam zu lesen!
Shopaholic & Baby – Sophie Kinsella
Je weiter die Reihe voranschreitet, desto weniger muss ich dazu schreiben ;-) Ich poliere damit mein Englisch auf und schmunzle über den Einfallsreichtum der Autorin was Fettnäpfchen angeht. Insgesamt war ich hier ein wenig gedämpfter Stimmung, mag sein, weil so langsam das Ende der Fahnenstange erreicht ist oder der Band mich einfach nicht so angesprochen hat wie die vorherigen. Trotzdem werde ich den letzten Band auch noch lesen, die Reihe wird abgeschlossen.
Hikikomori – Kevin Kuhn
Es mag daran liegen, dass ich 2012 bereits ein anderes Buch zur Thematik las, was mich tief berührte (Ich nannte ihn Krawatte), dass mich dieses Buch nicht komplett überzeugen konnte. Der Anfang gefiel mir gut, auch die Aufmachung machte mich neugierig, aber im Verlaufe des Buches konnte ich Till, der sich in seinem Zimmer geradezu einbunkert, einfach nicht mehr fassen. Anfangs hatte ich das Gefühl, es ginge ihm um eine Art Demonstration des einfachen Lebens, ein bisschen wie Thoreau oder um eine Leistungsverweigerung. Mit Fortschreiten des Buches, verlor aber, so glaube ich, selbst Till aus den Augen, was genau er bezwecken wollte (da könnte man nun ketzerisch fragen, ob denn alles Zweck und Sinn haben muss, aber gut…) – und liess mich mit einem gewissen Frust zurück. Schade, weil ich nicht sicher bin, ob es an mir liegt – am besten selbst rausfinden ;-)
Germán Kratochwil – Scherbengericht
Dieses Buch stand auf der Longlist zum Deutschen Buchpreis 2012. Titel und Cover machten mich neugierig, also kam es in meine Auswahl der Bücher, die ich von der Longlist lesen würde. Im Gedächtnis blieb mir: eine gut erzählte, solide Familiengeschichte, in der jeder für sich alleine kämpft. Einige Episoden gefielen mir sehr, durch einige musste ich mich ein wenig durchbeissen, auch weil die handelnde Person mir nicht immer sympathisch war. Wenn ich ein Wort für das Buch finden müsste, wäre es wohl „grundsolide“ – das Fundament war da, die Bauträger an der richtigen Stelle, Fenster und Türen – und doch hatte mir zum Schluss ein wenig das Leben im „Haus“ gefehlt.
Hab ich selbst gemacht: 365 Tag, 2 Hände, 66 Projekte – Susanne Klingner
Dieses Buch hat eines geschafft: man bekommt sofort Lust darauf, selbst tätig zu werden, etwas herzustellen, zu bearbeiten, etwas neues zu lernen, beim Wachsen zuzusehen. Und in gewisser Weise auch selbst zu wachsen – an Herausforderungen und an der Lust, sich einfach zu trauen, sich etwas zu-zutrauen. Noch dazu schreibt Susanne Klingner sehr sympathisch, auch wenn einige ihrer Projekte auch mal schiefliefen, das machte es für mich nur noch angenehmer zu lesen, so manche Gärtnersorge von ihr habe ich auch schon erlebt oder in Begeisterung und Naivität mal einen Arbeitsschritt übersprungen…*hüstel* Einiges was sie probierte, habe ich mittlerweile auch probiert, vieles interessiert mich noch. Ein tolles Buch zur Inspiration und zumindest beim Lesen macht man es sich auf dem Sofa gemütlich – danach nicht mehr ;-)
Shopaholic & Sister – Sophie Kinsella
Mal wieder ein wenig englische Lektüre – und nochmals bleibe ich dabei: Kinsella kann mich einfach grandios unterhalten. Ich muss so oft kichern, auch wenn natürlich nichts wirklich unvorhersehbar ist. Aber darum geht es ja auch nicht – vorallem hat Becci Bloomwood einfach trotz Macken und Fehlern ein großes Herz und die Courage, sich aus den selbstverschuldeten Dramen auch wieder rauszuwühlen. Und das ungleiche Schwester-Gespann war ein schöner Einfall, der für die nächsten Bände sicherlich noch von Vorteil ist.
Eddies Bastard – William Kowalski
Fühlte mich gut unterhalten, spannendes Familiengeheimnis mit interessanten Details. Gerade zu Anfang flogen die Seiten nur so dahin. Ein wenig flachte es zum Ende hin ab, das mag aber den Geschehnissen geschuldet sein. Seitdem ich weiss, es gibt eine Fortsetzung, denke ich, dort werden auch noch einige offene Fragen geklärt. Angenehm zu lesender Schmöker für den Urlaub.