Meine Meinung ist sehr, sehr zwiegespalten. Obwohl ich zu Anfang dachte: Mensch, liest sich ja doch ganz gut, so kamen mir im Verlauf des Buches immer mehr Zweifel, ob mir „Verwirrung“ auf allen Seiten (Leser, Autor, Protagonisten) als Stilmittel reicht. Am Schluss hat es mich regelrecht wütend gemacht, auch als ich im Anschluss Interviews las, Prognosen von literarischen Persönlichkeiten, über das Warum des Buches. Irgendwie eine Neuauflage von „Des Kaisers neue Kleider“, so kam es mir vor. Dieses Buch ist Roman, Krimi, Thriller, Verwirrspiel, Komödie – aber nichts halbes und nichts ganzes. Die Fäden verwirren sich so sehr – ich verzeihe es wenigen Autoren, wenn sie mich im Unklaren lassen, dafür muss mich das vorherige Leseerlebnis schon sehr beeindrucken. Herrndorf mag hier ein literarisches Experiment gestartet haben, was für ihn eventuell wirklich spannend und auch amüsant zu betrachten war: ich fühlte mich aber auf leise Art und Weise ausgenutzt: ich erwarte einen Roman, der mich unterhält, interessiert, fasziniert und trete doch nur auf der Stelle, in der Dunkelheit meiner Verwirrung. Mhm. Zumindest hat er eines geschafft: starke Gefühle erregt – aber ob Ärger und Enttäuschung so das richtige sind?
Kategorie: H
Unser Haus am Meer – Polly Horvath
Ich habe eine Schwäche für Kinderbücher, die skurril daherkommen. Als ich bei der wunderbaren Ada Mitsou dann von diesem Buch las, war klar: musste auch haben. Und ich bin sicher noch eine ganze Weile dankbar für diesen Tipp: das Buch hat soviel Herz, schräge Figuren und eine große Portion Witz und die ein oder andere wirklich ungewöhnliche Szene. Klasse! Und beim Schreiben sehe ich gerade, dass sie bereits den zweiten Band rezensiert hat und genauso begeistert war…na…der kommt dann wohl auch bald zu mir ;-)
Chicken Soup for the Mother’s Soul – Jack Canfield/ Mark Hansen
Entweder man mag die Hühnersuppen-Bücher oder man mag sie nicht, dazwischen gibt es nicht viel. Wer mich kennt weiss – ich mag sie sehr. Und auch dieser Band hat mich wieder gerührt und berührt, die englischen Originale sind immer noch einen Ticken besser. Und gerade das Thema ist natürlich nochmal ein Sahnehäubchen oben drauf – inspirierend, kraftgebend, berührend – einfach immer wieder herzerwärmend.
Die Frauen, die er kannte – Hjorth & Rosenfeldt
Der zweite Band der Krimi-Reihe rund um Sebastian Bergmann und sein „Team wider Willen“. Ich mache es kurz – der Cliffhanger aus Band Eins wird konsequent ausgearbeitet, der Fall ist spannend, das Team ist einem ja schon bekannt und ans Herz gewachsen – auch dieser Krimi ist einfach wieder saugut – und dank einer gewissen Dicke ein Garant für langanhaltende, tolle Unterhaltung.
Der Blaubeersommer – Polly Horvath
Zwei uralte Damen, die nicht besonders gut Auto fahren. Ein Wald voller Beeren und Bären. Skurrile Figuren, ein junges Mädchen, unangenehme Eltern. Eigentlich ist das ganze Buch vollgestopft mit seltsam anmutenden Ereignissen, die nicht zusammenpassen – und doch habe ich es mit großer Begeisterung gelesen, weil es so herrlich anders ist, sich so wohltuend abhebt von vielem anderem auf dem Kinderbuchmarkt. Weil hier zwar schlimme Dinge passieren, überzeichnet wird – aber trotz allem einfach durchdringt – Du kannst viel erleben und überstehen, wenn Du an Dich glaubst und über Dich hinauswächst. Ich fands einfach nur richtig klasse und habe schon Nachschub bestellt…
Mr. Chartwell – Rebecca Hunt
Die Idee, einer Depression eine feste Gestalt zu geben, nämlich die eines großen schwarzen Hundes, ist an sich garnicht verkehrt und ließ mich das Buch näher in Augenschein nehmen. Auf den ersten Seiten überzeugte es mich auch, allerdings – die Idee hätte sich vielleicht in einer Kurzgeschichte wohler gefühlt. Über ein ganzes Buch hinweg ist sie zu dünn und trägt nicht, weshalb ich dieses Buch eher ernüchtert zuklappte nach dem Lesen. Schade!
Harold and Maude – Colin Higgins
Hier bleibt mir nur zu sagen: ein wunderbares kleines Büchlein über das Sterben und das Leben – selten hat es jemand so gut auf den Punkt gebracht, wie diese beiden Ereignisse sich gegenseitig bedingen. Jeder sollte eine Maude in seinem Leben haben, jeder sollte singen und tanzen wenn ihm danach ist und sein ganz eigenes Leben leben. Ach, es ist einfach so ein großes JA zum Leben und nachdem ich den Film schon lange liebe, war diese Lektüre überfällig.
Der Mann, der kein Mörder war – Hjorth & Rosenfeldt
Hier hat mich der Titel beim Auspacken der Neuheiten angesprochen und nachdem meine Kollegin dann auch noch meinte, sie könne mir ja ihr Leseexemplar mitbringen, nahm ich das zum Anlass, doch mal wieder einen Krimi zu lesen, was ich ja zugegebenermaßen selten tue. Und oftmals sind ja diese „Zufallsbücher“, die einem so über den Weg laufen, gerade genau das richtige. Ich sage nur: über 600 Seiten, ein Sofa und ein Sonntag – und ich war durch! Ein sehr sympathisches Ermittlerteam in Schweden, dazu ein unausstehlicher, eigenbrötlerischer Polizeipsychologe der seine ganz eigenen Gründe hat, sich in die Ermittlungen einzumischen – spannend bis zur letzten Seite, toller Plot und der Leser weiss sehr lange nicht, woran er ist. Definitiv meine Krimiempfehlung für 2011!
Den Mond aus den Angeln heben – Gregory Hughes
Eine vorwitzige, altkluge Heldin namens Ratte und ihr Bruder Bob, ein irrwitziger Roadtrip nach dem Tod des Vaters, Vorhersehungen und ein fluchender Rapper – eigentlich hatte das Buch sovieles, was es für mich lesenswert machen würde. Und über weite Strecken hält es auch, was es verspricht, einige Szenen waren so schön und witzig! Es wurde am Ende einfach zuviel, zu schnell, es wirkte so als ob man auf der Landstraße unterwegs sei und dann von 100 auf 220 ging, ohne Vorwarnung und dann war auch schon Schluss. Das ist jammerschade, denn Ratte und ihr Bruder sind mir ans Herz gewachsen. Obwohl ab 12 empfohlen, würde ich es doch eher etwas älteren Lesern empfehlen, die Themen sind nicht ohne. Also eine vorsichtige Empfehlung mit kleineren Haken.
Die Seelen der Nacht – Deborah Harkness
Ich habe mich wirklich gefragt: will ich noch so eine Vampir-Hexen-Geschichte lesen, noch dazu über 800 Seiten? Habe das Buch dann aufgeschlagen, eher um mich davon zu überzeugen das ich es nicht lesen muss – und mir gefiel der Anfang. Na gut, also bekam es seine Chance. Und ich las…und las…und freute mich immer abends, zu meinem Schmöker zurückzukehren…fühlte mich bestens unterhalten – alles drin: Liebe, Drama, sehr viele tolle Szenen die in der Universitätsstadt Cambridge spiele, eher ungewöhnliche Sportarten und Szenarien (und für Weinkenner die ein oder andere Empfehlung…)
Auch die Hauptfiguren sind gut gezeichnet, die Hexe eine kluge Frau mit Biss, der Vampir nicht nur unwiderstehlich sondern ebenfalls von Widersprüchen gezeichnet. Spannend, äusserst unterhaltsam und mal wohltuend anders – für jeden der noch einen tollen Roman für lange Herbstabende sucht: unbedingt zugreifen! Habe es jetzt mehrfach verliehen an Testleser und nach kürzester Zeit zurückbekommen: es wurde verschlungen ;-)