Das Schicksal ist ein mieser Verräter – John Green

John Green beschreibt oft Jugendliche auf der Suche nach sich selbst. Dass er jetzt in seinem neuen Jugendbuch seinen beiden Protagonisten Hazel und Gus dasselbe passieren lässt, überrascht nicht weiter – wohl aber, dass beide zwar nach sich selbst, dem Sinn des Lebens und vielem mehr suchen – aber überhaupt nicht wissen, wie lange sie dafür noch Zeit haben. Denn die beiden haben etwas gemeinsam – eine tödliche Krankheit. Kann man ein Buch über todkranke Jugendliche schreiben, der Tod stets im Raum – und trotzdem den Leser dazu bringen, bei diesem Buch nicht nur zu weinen, sondern auch zu lachen? Ja, man kann. Wenn man John Green heisst, der Autor, der einen so wunderbaren Blick hat für das Besondere in jedem einzelnen seiner Protagonisten. Für Witz und Galgenhumor, für Wünsche und Träume.

Ja, ihr werdet ein Taschentuch brauchen. Aber auch irgendwas zum Festhalten, wenn ihr laut lachen müsst. Ein eindrucksvolles, unbedingt lesenswertes Buch!

Gleitflug – Anne-Gine Goemans

Ich liebe ungewöhnliche Figuren mit seltsamen Hobbies an schrägen Orten in einem Buch. Somit waren die Gegebenheiten von Gleitflug für mich einfach perfekt: ein Junge dessen Haustiere sich als Gänse herausstellen – welche nicht fliegen dürfen, weil die Familie direkt an einem Flughafen wohnt. Aber es wäre zu kurz gefasst, nur das ungewöhnliche herausstellen zu wollen: Gleitflug ist mehr als das: es ist ein Familienroman, eine Geschichte von Freundschaften und Aussenseitern, von Liebe und Sehnsucht, von Einsamkeit und kleinen, zerbrechlichen Momenten des Glücks. Unbedingt lesenswert!

Die erste Liebe [nach 19 vergeblichen Versuchen] – John Green

Ich mache es es ganz kurz: mir haben alle anderen Bücher von John Green unheimlich gut gefallen. Ich dürfte einen Autoren entdecken, der mich voll und ganz mitnimmt und begeistert. Von diesem Werk hier war ich einfach nicht begeistert: es enthält ganz viel, was ich an Green schätze: abstruse Situationen, Wortwitz, Protagonisten mit Herz und Schnauze. Und doch hat mich die Geschichte so garnicht angesprochen: leiderleiderleider.

Mörderische Bilderrätsel – Grunewald/Kögel

Für mich der beste der bisher drei Lokalkrimis aus der Feder des Autorenduos. Spannender Fall, Hanauer Geschichte die man so vielleicht noch nicht kannte, der Umbau wird amüsant und mit einer großen Prise Wahrheit aufs Korn genommen. Der etwas derbe Witz rund um die Liebschaften des jungen Kommissars war mir manchmal etwas zu dick aufgetragen, aber nu. Trotzdem, für lokal ansässige Leser, sehr vergnüglich und unterhaltsam zu lesen!

Da geht ein Mensch – Alexander Granach

(Lesekreis): Was für ein Buch! Ich bin sehr, sehr angetan. Und das mir, ich lese superselten Biographien. Aber hier ist so ein toller Stil vorhanden, die Seiten fliegen nur so dahin. Was ich faszinierend finde: der junge Granach hat ja schon die ein oder andere Schote auf dem Gewissen. Aber man verzeiht es ihm doch sehr schnell (Klauen, Prügeleien, Weglaufen), weil er so charmant, geradezu mit verzeihlichem Augenaufschlag erzählt. Das fasziniert mich. Und wie genau diese Bilder in meinem Kopf entstehen, ich habe auch zwischendurch die Augen geschlossen und sah alles vor mir, immer ein gutes Zeichen wenn ein Buch mich auch tagsüber begleitet.
Auch spannend wie man die unterschiedlichsten Stationen durchläuft in seinem Leben und es wirklich von sovielem abhängt was man später tut, wen man liebt, wer man wird. Es hätte für Granach auch komplett anders ausgehen können. Am liebsten war mir (von wirklich vielen Stellen) aber der Theaterbesuch und diese Begeisterung! Da geht mir das Herz auf, wie er schwärmt und weiss: das isses jetzt! Wow!

Gerade im ersten Teil (allein schon der Anfang) stecken einige so sprachlich besondere Sätze, auch ist die Sprache so bildhaft – vor meinem inneren Auge sind viele Bilder entstanden, was ich bei einer Biographie wirklich gut finde, ein Roman hat es da einfacher. Was mich zum Schluss hin sehr erstaunte – durch die Fotos wusste man ja schon, dass er später verheiratet ist und auch einen Sohn hat. Das dieser Teil seines Lebens komplett hintenüberfiel, hat mich erstaunt. Zunächst dachte ich, vielleicht ist es gewollt, die Familie nicht in den Mittelpunkt stellen, da aber sein Sohn ja auch ein Buch schrieb – vielleicht doch nur eigene Eitelkeit? ;-)  Er wirkt ja nicht wirklich wie ein eitler Geck, aber ist schon sehr selbstbewusst aufgetreten.
Der Kriegsteil war für mich auch anstrengender zu lesen. Andererseits war er auch wichtig für sein Leben und trotzte mir Respekt ab, wie er diese schwierige Zeit überstanden hat. Das er da rausgekommen ist – uff! Insgesamt war ich immer wieder erstaunt, wieviel passierte, wie sich an kleinsten Entscheidungen die Lebenswege verändern. Da denkt man dann schonmal – das Leben kann schon die verrücktesten Wege nehmen. Ein bisschen zu „charmant“ überspielt waren mir viele Diebstähle. Vielleicht war es die Zeit, allerdings hatte ich da das Gefühl, es wurde eher als Kavaliersdelikt gehandelt, so schreibt er auch darüber.

Jetzt – Morris Gleitzman

Nachdem ich zu den beiden Vorgängerbänden soviel schrieb, weil sie mich dermaßen beeindruckt haben, war ich ein wenig erstaunt, das dieser dritte Band in der Jetzt-Zeit spielen sollte, noch dazu weder in Deutschland, noch in Polen, sondern in Australien. Das tut meiner Begeisterung aber keinen Abbruch, im Gegenteil: Felix ist erwachsen geworden, er hat sich in Australien ein neues Leben aufgebaut. Gleitzman schafft es, Erinnerungen und die prägenden Erlebnisse in Felix‘ Leben mit den heutigen Ereignissen in Australien (Stichwort Buschfeuer) in Verbindung zu bringen – und mit den Sorgen und Nöten seiner Enkelin, die Zelda heisst…damit hat er für mich nicht nur einen überzeugenden Bogen geschlagen und eine ungewöhnliche Perspektive eingenommen sondern mich auch nochmal mehr sensibilisiert, für alles, was heute noch und wieder passiert. Also: gehört definitiv auch in eine Liga mit „Einmal“ und „Dann“.

Lieber Mischa: … der Du fast Schlomo Adolf Grinblum geheißen hättest, es tut mir so leid, dass ich Dir das nicht ersparen konnte: Du bist ein Jude – Lena Gorelik

Übertreiben, Überspitzen, Ironie – damit wird in diesem ja..was ist es nun – ein Sachbuch? Ein Brief? Ein Erfahrungsbericht? – jedenfalls wird mit obigen Stilmitteln nicht gespart. Aber genau das scheint mir der richtige Weg zu sein, darüber zu berichten, wie es heutzutage ist, als Jude in Deutschland zu leben und aufzuwachsen. Gorelik ist klug, hat viel Wortwitz und ist sich ihrer eigenen inneren Zerissenheit, die sie lebhaft zum Ausdruck bringt, voll bewusst. Ein beeindruckendes Buch, was so einiges an Fragen klärt und genausoviele aufwirft.

abends um 10 – Kate di Goldi

Was gibt es für einen Grund, ein trauriges Buch unbedingt lesen zu wollen, obwohl man ahnt, dass es einen traurig und leicht melancholisch zurücklassen wird? Meist ist es die Empfehlung einer Buchfreundin und so war es auch hier wieder der Fall – es war Christine von Lesemomente . Zum Lesen gab sie mir den Ratschlag „Lies „abends um 10“ bitte nur wenn du in passender Stimmung bist (ruhig, bereit für viel Atmosphäre und etwas nachdenklich vielleicht)“.

Diesen Ratschlag kann ich nur genauso weitergeben. Ein besonderes Buch, eines, das nicht unbedingt geradlinig verläuft, es fordert den Leser, setzt ihn einer Situation aus, die ich bisher noch nie in einem Buch vorgefunden habe. Und all das wird so sensibel und liebevoll erzählt, dass man die Figuren am Schluss ganz schwer loslassen kann. Und vielleicht die eine oder andere Träne rollt. Danke Christinchen! ?

Will & Will – John Green und David Levithan

Von beiden Autoren habe ich zuvor etwas gelesen und war angetan. Entsprechend hoch meine Erwartungen dieses gemeinsame Werk, zumal ich diese Art der Zusammenarbeit erstaunlich finde. Aber hier waren Zweifel unbegründet – die beiden Autoren ergänzen sich so perfekt, man könnte meinen es wäre eine Person. Gemeinsam haben sie definitiv die Liebe zu unangepassten Figuren, zu einer gewissen Tragik die oftmals fast ins Komödienfach wechselt. Und vorallem: man lebt mit den Figuren mit, sie bleiben nicht lange neu und fremd sondern werden schnell zu jemandem der auch auf unserem Sofa sitzen könnte. Dieses Buch hat mich durch seine Frische, seinen Witz, seine große Herzlichkeit und vorallem das Gefühl, hier wirklich einen Blick ins Teenagerleben zu werfen, überzeugt. Was für eine verrückte Story, einfach herrlich!

Mit Haut und Haaren – Arnon Grünberg

Hier wird das Konzept einer Dreiecksbeziehung enorm ausgeweitet – hier wird eine von der modernen Welt stark geprägte Beziehungsgeschichte mit vielen Beteiligten durchaus ausführlich (ein wenig Geduld braucht man dafür ehrlicherweise schon) geschildert – und wie wir es von Grünberg gewohnt sind, steuert schon in den ersten Kapiteln alles darauf hin, dass seine Figuren scheitern. Wie sie das tun – wird virtuos und mit einem Gespür für Timing erzählt. Grünberg mag Verzweiflung, er mag Menschen die von ihren innersten, verheererenden Wünschen getrieben werden, er mag Katastrophen. Und so düster es jetzt auch klingt – es ist für den Leser dennoch immer wieder ein Erlebnis, ihn dabei zu begleiten.