Endlich wieder Stroud, wie man ihn kennt und liebt. Was soll ich sagen: hier kommt wieder der herrliche Witz des Autors zum Tragen, die Geisterumgebung ist mal etwas erfrischend anderes, das Team rund um Lockwood ein schön skurriles: hat mir rundherum gefallen. Einzig: es ist definitiv ein Jugendbuch, weniger erwachsen als Bartimäus. Aber: wer schert sich darum? Ich jedenfalls nicht: ich freue mich auf eine tolle neue Jugendbuch-Reihe mit gruseligem Einschlag!
Schlagwort: Witzig
Die Frau, die ein Jahr im Bett blieb – Sue Townsend
Britischer, bitterböser Humor bei der Betrachtung einer eigentlich ganz normalen, spießigen Familie. Als Familienoberhaupt Eva beschliesst, nach dem Auszug ihrer Kinder einfach im Bett zu bleiben, bricht ein Chaos aus, mit dem wohl niemand gerechnet hatte – am wenigsten Eva selbst. Eine hundertprozentige Empfehlung wird es nicht werden, man muss diese spezielle Art von Humor schon sehr mögen. Für Freunde des Skurrilen kann ich allerdings sagen: hier ist die Verweigerung des alltäglichen Alltagsbreis trefflich auf die Spitze getrieben worden.
Die inneren Werte von Tanjas BH – Alex Haas
Unter dem Pseudonym “Alex Haas” verbirgt sich die bekannte Hanauer Kinder- und Jugendbuchautorin Jutta Wilke. Sie hat den perfekten Schmöker für alle Jungs zwischen Stimmbruch und Oberstufe geschrieben: Es geht um Ben, der hauptsächlich an seine Flamme Tanja denkt – denn mal ehrlich, in einem bestimmten Alter dreht sich nun mal alles um die Mädchen… Und obwohl der angekündigte Dänemarkurlaub (Oh Schreck – weit weg von Tanja und kein W-LAN im Ferienhaus!) Langeweile pur verspricht, kommt doch alles ganz anders! Ein witzig-rasanter Lesespaß, denn unser Held Ben tritt, auf der Suche nach der Liebe, in so manches Fettnäpfchen . . .
SuperTex – Leon de Winter
Ein Autor von dem ich schon länger etwas lesen wollte. Nachdem ich dann dieses Buch auf einem der letzten Bücherflohmärkte fand, stand es nun ein Weilchen im Regal – bis jetzt! Und eigentlich bleibt nur zu sagen: die lange Wartezeit hatte es nicht verdient. Definitiv wird das nicht mein letzter Leon de Winter bleiben – fabelhaft geschrieben, man will dranbleiben, will mehr erfahren. Der Autor hat einen Sinn für Szenen, die sich einem wie ein Gemälde im Kopf einprägen und einen Blick für die großen Tragödien im Kleinen.
Die Flüsse von London – Ben Aaronovitch
Schwierig. Am Anfang habe ich mich noch gekugelt, herrlicher Stil, britischer Witz und genau das richtige, für eine Wenig-Krimileserin, ein Krimi verpackt in schräges Geschehen und Übersinnliches. Leider wurde mir genau das dann irgendwann zuviel, zu überzeichnet, auch die Geschichte stagnierte und ich erwischte mich dabei, dass ich das Buch eher widerwillig zur Hand nahm. Ich glaube, für Fans von schrägem Humor und abgedrehten Figuren ist es ganz sicher eine Empfehlung, ich war irgendwann einfach etwas ermüdet. Ob ich den anderen Bänden noch eine Chance gebe, mal schauen.
Silber – Kerstin Gier
Endlich wieder Neues im Jugendbuch von Kerstin Gier! Was ich an dieser Autorin schätze? Ihren Humor, der so ganz auf meiner Wellenlänge liegt. Und auch davon findet sich in „Silber“ eine ganze Menge. Spannender Plot, Figuren mit denen man gerne mal ein Eis essen gehen würde, eine Prise Grusel und Geheimnis – die bewährte Gier-Mischung funktioniert wieder. Und ich freue mich über tollen Schmökerstoff für meine jugendlichen Leserinnen.
Mutter des Monats – Gill Hornby
Der Wahnsinn des Mutter-Daseins – schön bissig, böse und mit scharfer Feder skizziert. Das Höher, Schneller, Weiter, die Abgründe von Engagement und Cliquenwirtschaft. Unterhaltsam, mit dem ein oder anderen Körnchen Wahrheit, die perfekte Strandlektüre, während die Brut sich im Wasser tummelt und anderen Leuten Sandeimer aufs Handtuch kippt…
Die Besteigung des Rum Doodle – William E. Bowman
Bill Bryson wird zu diesem Buch zitiert „Das witzigste Buch, was Sie in ihrem Leben lesen werden“. Ich sage es mal so: Er könnte Recht haben! Diese Bergsteiger-Parodie ist so grandios! Running Gags (153) wetteifern mit Wortspielen, abstruse Szenen wechseln sich mit herrlicher Verblendung des Expeditionsleiters ab: ich habe mich selten so amüsiert! Nicht nur für Bergsteiger, sehr wohl aber für alle, die einen ironischen Unterton und die perfekt aufs Korn genommene Gruppendynamik einer zum Scheitern verurteilten Unternehmung zu schätzen wissen. Ein Geheimtipp, der sicher alles mögliche bleibt, nur hoffentlich eines nicht mehr: Geheim!
Bartimäus und der Ring des Salomo – Jonathan Stroud
Ich war sehr skeptisch. Die Lektüre der Bartimäus-Trilogie ist schon einige Jahre her, andere Bücher von Stroud hatten mich lange nicht mehr so begeistert. Und überhaupt: würde ich wieder reinkommen? Nach den ersten Seiten hatte sich meine Sorge verflüchtigt, denn die Geschichte spielt zeitlich noch vor der Trilogie und somit gibt es keine Erinnerungs-Problematik ;-) Und ansonsten: Bartimäus wie er leibt und lebt, besserwisserisch, eingebildet und man muss ihn einfach lieben! Ich habe mich wieder bestens amüsiert über dieses Unikum in der Welt der Dschinn…
Die wilden Piroggenpiraten – Maris Putninš
Ein mehr als nur leckeres Abenteuer. Herrliches Fabulieren, wunderbare Bilder im Kopf, Gewürze in der Nase, Hunger im Bauch, die ganze Zeit über. Ein Sieg der Phantasie, eine wilde Abenteuergeschichte und über 600 Seiten kulinarischer Lesespaß! Einzig die Leseempfehlung ab 8 Jahren kann ich so nicht teilen: das Buch ist schon enorm anspruchsvoll und durch seine Dicke dürfte es Leseanfänger vielleicht etwas einschüchtern. Aber geübte Leser ab 10 dürften hier voll auf ihre Kosten kommen – oder gemeinsames Vorlesen, denn die Eltern werden ihren Spaß dabei haben, das kann ich garantieren!