Fliehkräfte – Stephan Thome

Das Buch hat mich fast das ganze Jahr 2012 begleitet – zunächst als Leseexemplar im Frühjahr und wachsender Freude beim Lesen, dann, als die Kollegen es alle nacheinander lasen und aus den unterschiedlichsten Gründen begeistert waren, als wir es bei unseren Lieblingsbüchern vorstellten, als die Nominierung für den Deutschen Buchpreis kam und die Shortlist. Erschienen bei Suhrkamp, toll erzählt und gut zu lesen, eine Geschichte, die viele unterschiedliche Menschen ansprechen kann und es auch tat. Thome ist ein Glücksfall – er schreibt literarisch und doch nicht zu abgehoben, seine Figuren wirken so lebensnah und es bleibt schlicht zu sagen: das Buch lohnt sich einfach sehr!

Sand – Wolfgang Herrndorf

Meine Meinung ist sehr, sehr zwiegespalten. Obwohl ich zu Anfang dachte: Mensch, liest sich ja doch ganz gut, so kamen mir im Verlauf des Buches immer mehr Zweifel, ob mir „Verwirrung“ auf allen Seiten (Leser, Autor, Protagonisten) als Stilmittel reicht. Am Schluss hat es mich regelrecht wütend gemacht, auch als ich im Anschluss Interviews las, Prognosen von literarischen Persönlichkeiten, über das Warum des Buches. Irgendwie eine Neuauflage von „Des Kaisers neue Kleider“, so kam es mir vor. Dieses Buch ist Roman, Krimi, Thriller, Verwirrspiel, Komödie – aber nichts halbes und nichts ganzes. Die Fäden verwirren sich so sehr – ich verzeihe es wenigen Autoren, wenn sie mich im Unklaren lassen, dafür muss mich das vorherige Leseerlebnis schon sehr beeindrucken. Herrndorf mag hier ein literarisches Experiment gestartet haben, was für ihn eventuell wirklich spannend und auch amüsant zu betrachten war: ich fühlte mich aber auf leise Art und Weise ausgenutzt: ich erwarte einen Roman, der mich unterhält, interessiert, fasziniert und trete doch nur auf der Stelle, in der Dunkelheit meiner Verwirrung. Mhm. Zumindest hat er eines geschafft: starke Gefühle erregt – aber ob Ärger und Enttäuschung so das richtige sind?

Die Zeit, die Zeit – Martin Suter

Ich bin großer, großer Verehrer von Martin Suter. So habe ich sein neuestes Werk mit Spannung erwartet und sage: Erwartungen voll erfüllt! Nicht nur, das Suter zu Anfang ein wenig mit einem neuen Stil spielt, welcher mir sehr zusagte, nein das Buch zieht einen in eine fast unmögliche Situation, man fragt sich die ganze Zeit: Wie, um alles in der Welt will man dieses komplexe Geflecht auflösen. Und zum Schluss fliegt einem das ganze schlicht um die Ohren! Ich saß da, fassungslos, kichernd ob dieser Absurdität, bewundernd: wiedermal SUPER SUTER!

 

Die Shakespeare-Schwestern – Eleanor Brown

(Lesekreis): Also – bisher gefällt es mir wirklich gut. Für mich verbucht das Buch einiges an Pluspunkten: ein kleiner, aber für mich immer spannender, dass es mal in einem ganz anderen Bundesstaat spielt – so gerne ich auch von NYC oder San Francisco lese, freue ich mich doch immer, mal etwas neues zu erkunden. Auch der Wechsel zwischen einer gewissen Flapsigkeit und wieder ernsthafteren Passagen, die die Familienbeziehungen durchleuchten, ist bisher gut gelungen. Dann natürlich der Vater und seine Shakespeare-Zitate, das ist einfach eine schön-schrullige Idee, die sich ja durch den ganzen Roman zieht. Und als eine Tochter und vorallem als Geschwisterkind, deren andere Geschwister und ich jeweils auch Namen im „Zusammenhang“ erhalten haben, kann ich auch das sehr gut nachvollziehen ;-).

Was mich ein wenig irritiert, jetzt nichtmal negativ, ist die Erzählstimme. Es ist ja eindeutig innerhalb der Schwestern, aber keine spezielle. Das finde ich etwas gewöhnungsbedürftig, aber auch nicht schlimm. Ansonsten lässt es sich einfach angenehm lesen, ich bin sehr gespannt auf die weiteren Entwicklungen und ob das Buch weiter so gemächlich voranschreitet und es einen großen Showdown gibt…oder es jetzt etwas an Schlagzahl aufnimmt. Ergo: es kam kein großer Sturm mehr auf, trotzdem liess es sich sehr nett lesen und geht als unterhaltsame Sommerlektüre durch.

Nichts Weisses – Ulf Erdmann Ziegler

Hier hatte mich die Leseprobe sehr angesprochen, leider muss man sagen: auch etwas in die Irre geführt, denn sie findet erst weit hinten im Buch statt. Das Buch selbst war wie eine Achterbahnfahrt: manche wunderschöne Sätze, gerade über das Kunsthandwerk, was die Hauptfigur lernt, waren so toll geschrieben. Und vieles andere war für mich eher ein Grund, das Buch erstmal beiseite zu legen, die Achterbahn bleibt stehen, ruckelt, zuckelt nach unten. So richtig kam ich in die Geschichte nicht rein, die Motive der Personen, die Personen selbst blieben mir fremd, unnahbar. Verstärkt wurde mein Eindruck (leider) auch durch die Lesung der sechs Finalisten: Herr Ziegler las, eine zwar recht witzige, aber auch etwas abstruse Episode vor – in der seine Hauptperson nicht einmal vorkommt. Ob er sich damit einen Gefallen getan hat, weiss ich nicht, ich fand es irritierend. Im Interview reagierte er relativ schnell auf nur leiseste Andeutungen von Kritik bzw. manchmal nur reine Nachfrage, recht…ungehalten, mit Gegenfragen, mit einem gewissen verletzten Stolz, das kam nicht sehr sympathisch rüber, zumal sein Interviewer sehr positiv eingestellt war. Es mag sicherlich auch damit zu tun haben, dass mir die Zeit, die Ziegler einzufangen versucht, nicht nahesteht, das möchte ich nicht ausschliessen.

Der Gefangene des Himmels – Carlos Ruiz Zafón

Der dritte Teil der insgesamt vier Bände der Barcelona-Saga oder soll man sagen – rund um den Friedhof der vergessenen Bücher? Der erste Teil (Der Schatten des Windes) war wirklich ein eindrucksvolles Buch, der Nachfolger (Spiel des Engels) wurde von vielen kritisch beurteilt, ich mochte ihn, trotz kleiner Durststrecken. Hier verhält es sich nun so: es hat nicht die Dichte des ersten Bandes, aber liest sich sehr viel leichter, als der doch sehr verworrene zweite Teil. Es hat eine Leichtigkeit, die es einen schnell wegschmökern lässt. Vorallem hat mir dieser Band aber einige Aha-Erlebnisse im Bezug auf Teil 1&2 erbracht, er schliesst einiges an Lücken. Ich würde einem Neueinsteiger fast empfehlen, erst Band Eins, dann Band Drei und dann Band Zwei zu lesen – mal schauen, wie sich der vierte Band in dieses Gefüge packen lässt. Jedenfalls: toller Schmöker, humorvoll und spannend!Und Barcelona…es ist einfach so toll, wenn man viele dieser Orte im Buch bereits mit eigenen Augen gesehen hat – man fühlt sich, als wäre man dort!

Shopaholic & Baby – Sophie Kinsella

Je weiter die Reihe voranschreitet, desto weniger muss ich dazu schreiben ;-) Ich poliere damit mein Englisch auf und schmunzle über den Einfallsreichtum der Autorin was Fettnäpfchen angeht. Insgesamt war ich hier ein wenig gedämpfter Stimmung, mag sein, weil so langsam das Ende der Fahnenstange erreicht ist oder der Band mich einfach nicht so angesprochen hat wie die vorherigen. Trotzdem werde ich den letzten Band auch noch lesen, die Reihe wird abgeschlossen.

Hikikomori – Kevin Kuhn

Es mag daran liegen, dass ich 2012 bereits ein anderes Buch zur Thematik las, was mich tief berührte (Ich nannte ihn Krawatte), dass mich dieses Buch nicht komplett überzeugen konnte. Der Anfang gefiel mir gut, auch die Aufmachung machte mich neugierig, aber im Verlaufe des Buches konnte ich Till, der sich in seinem Zimmer geradezu einbunkert, einfach nicht mehr fassen. Anfangs hatte ich das Gefühl, es ginge ihm um eine Art Demonstration des einfachen Lebens, ein bisschen wie Thoreau oder um eine Leistungsverweigerung. Mit Fortschreiten des Buches, verlor aber, so glaube ich, selbst Till aus den Augen, was genau er bezwecken wollte (da könnte man nun ketzerisch fragen, ob denn alles Zweck und Sinn haben muss, aber gut…) – und liess mich mit einem gewissen Frust zurück. Schade, weil ich nicht sicher bin, ob es an mir liegt – am besten selbst rausfinden ;-)

Zimtzuckerherz – Heike Abidi

Ich wollte mal wieder einen netten Roman lesen, mit ein wenig Spaß, witzig-verrückten Situationen und Herz. Und da ich ein riesiger Zimtfan bin, konnte ich an diesem Buchtitel nicht vorbei. Das Buch habe ich gemütlich durchgeschmökert, wurde gut unterhalten, fand das Setting sympathisch, die Hauptfigur genau richtig chaotisch und die Liebesgeschichte einfach schön. Mission erfüllt, Leserschmökerherz glücklich.

Herzenstimmen – Jan-Philipp Sendker

Gelungene Fortsetzung eines Dauerbrenners. Ich verkaufe den Vorgänger „Das Herzenhören“ immer noch, nach Jahren, mit schöner Regelmäßigkeit. Der Spagat, einerseits wieder so ein bewegendes Buch zu schreiben, andererseits auch etwas Neues reinzubringen, hat funktioniert. Auch finde ich schön, dass Sendker hier klarmacht, das Julia in „Herzenhören“ zwar viel lernte und ihr Leben veränderte, aber nur den halben Weg ging – wie es oftmals ist, nach wichtigen Ereignissen, die im Laufe der Jahre und im Stress des Alltages doch wieder untergehen.