Fein gezeichneter, kleiner Roman. Viel mehr kann man eigentlich kaum sagen, ohne diesem Buch etwas vorwegzunehmen, hat mir gut gefallen.
Schlagwort: Roman
City of thieves – David Benioff
Manchmal gibt es Bücher, zu denen einem spontan ein Wort, eine Umschreibung einfällt. In diesem Falle wäre es „derb“ – denn sowohl die Erzählweise als auch die Geschehnisse, als auch der Humor sind es. Kalt ist auch der russische Winter, in dem zwei junge Männer versuchen, das Unmögliche wahr zu machen: mitten im Krieg ein Dutzend Eier zu ergattern. Das Buch hat mich ganz schön mitgenommen, einige heftige Szenen blieben im Gedächtnis haften und wirkten vielleicht auch im Original nochmal eindrücklicher. Nichts für Zartbesaitete, wohl aber für diejenigen, die ungewöhnliche Helden schätzen, die selbst aus der Not noch etwas zaubern können.
Zähl auf mich – Jorge Bucay
Viele Jahre sind vergangen, als der Patient aus „Komm, ich erzähl Dir eine Geschichte“ seinen alten Therapeuten aufsucht. Klüger ist er wohl geworden – aber auch weiser? Mit einer ganz anderen Art von Problemen und Sorgen konfrontiert er nun den alten Meister – und dieser antwortet auf die gewohnte Art: mit einer Geschichte… wieder sehr lesenswert, mit tollen Ansätzen, Ideen und faszinierenden Geschichten.
Komm, ich erzähl Dir eine Geschichte – Jorge Bucay
Schon seit Jahren kaufen einige Kunden dieses Buch immer mal wieder, was mich neugierig machte, aber dann doch nie zugreifen lies. Ich glaube, ich hatte etwas anderes erwartet, als ich bekam: und wie gut, dass ich dann mal zugriff, auf der Suche nach Urlaubslektüre. Fein verpackte Geschichten, eingebettet in eine Patienten-Therapeuten-Beziehung, welcher der Leser beiwohnen darf. Und zu sehen, wie bei unserem Ratsuchenden immer mal wieder der Groschen fällt (oder auch nicht ;-)) war aufschlussreich, mitunter vergnüglich und mit so einigen Aha-Effekten meinerseits verbunden. Die Gestalttherapie, die Bucay im Buch behandelt, hat durch die Lektüre für mich an Faszination gewonnen. Das Buch klingt angenehm lange nach, manche Geschichten las ich mehrfach und habe das Buch nun auch meinerseits schon einige Male weitergegeben.
Erdenrund – Oliver Uschmann/Sylvia Witt
Ich mag die Reihe ja sehr, das kann man nicht verleugnen. Dieser Band war auch noch erfreulich dick, also versprach ich mir Lesevergnügen, welches ich auch hatte. Und wieder Spaß an vielen abstrusen Ideen. Allerdings hatte die ein oder andere Episode (obwohl ich es toll fand, die verschiedenen Perspektiven zu erfahren) einfach Längen. Diese mögen der Entwicklung und der deutlich ernsteren Töne der Figuren geschuldet sein. Das war ein wenig schade, weil ich dadurch deutlich öfter Pausen gemacht habe und das Buch ne Weile gebraucht hat, bis es durchgelesen war. Fürs nächste Buch wünsche ich mir : etwas kompakter – back to the roots ;-)
Ein plötzlicher Todesfall – J.K. Rowling
Mit Spannung habe ich die neue Rowling erwartet – wie soviele andere auch. Abschliessend kann ich sagen: ich war lange nicht so enttäuscht, wie ich (laut diversen Zeitungen) hätte sein müssen, leider aber auch nicht so begeistert, wie ich hätte sein können. Rowling hat einen großen Gesellschaftsroman geschrieben und sie hat sich damit freigeschwommen, indem sie alles hineingepackt hat: sie provoziert und ist unheimlich plakativ das kann einem schnell zuviel werden. Trotzdem hat es mir Spaß gemacht, Schicht um Schicht die Personen des Dorfes zu enthüllen, Rowling tut ihren Helden ganz schön was an… das Buch hat definitiv einige Längen, zieht zur Mitte hin aber nochmals an und der Schluss ist heftig und liess meine Gesamtwertung nochmals steigen. Einige Figuren und Szenerien sind ihr unheimlich gut gelungen, da ziehe ich den Hut vor ihr. Ich freue mich auf ihr nächstes Buch, weil dieses sich dann nicht mehr so stark „abgrenzen“ muss von Harry Potter – und dann wohl ziemlich sicher meinen Geschmack treffen wird.
The Curious Incident of the Dog in the Night-Time – Mark Haddon
Eines der Bücher, die ewig und drei Tage im Regal standen, seit ich es vor wirklich Ewigkeiten in einem kleinen Dubliner Antiquariat gekauft habe…und es endlich erlöst zu haben, war eine gute Entscheidung. Ich hatte noch nie etwas von Haddon gelesen und glaube, es ist der perfekte Einstieg: skurril, ernsthaft, witzig und ungewöhnlich. Hab ich gerne gelesen!
Ich nannte ihn Krawatte – Milena Michiko Flašar
Hat mir sehr, sehr gut gefallen. Ich hatte Gänsehaut, Tränen in den Augen – hier gehts um alles. Um das Leben, ums Überleben, mich hat es sehr berührt. Die Autorin malt in einer ganz unaufgeregten und doch poetischen Sprache so große Bilder. Hier treffen sich zwei Menschen, die der Gesellschaft verloren gegangen sind – im gemeinsamen Dialog finden die beiden ein wenig Halt im anderen und vielleicht auch ein wenig Weisheit. Dieses Buch ist so tieftraurig und auf der anderen Seite von so fragiler Schönheit… dieses Buch hat mich verändert und es wird auch andere Leser verändern, da bin ich mir sicher.
die laute – Michael Roes
Noch ein Buch, welches ich von der Longlist des Deutschen Buchpreises 2012 gelesen habe. Ich war auch ziemlich enttäuscht, dass es nicht auf der Shorlist landete, es hatte zwar harte Konkurrenz, aber hätte es durchaus verdient gehabt. Die Geschichte einer gehörlosen Komponisten klang für mich schon so abstrakt, dass ich allein deswegen das Buch lesen wollte – und es hat sich gelohnt. Die Leseprobe führte mich in eine der beiden Erzählstränge, die Gegenwart des Protagonisten, der versucht, sein Leben zu führen, seiner Begabung nachzugehen, seiner Musik und damit mehr als einmal aneckt. Diese Episoden haben mir recht gut gefallen – was das Buch für mich aber wirklich sehr lesenswert machte, waren die Kindheitserinnerungen des Komponisten, die mich stark (und damit lehne ich mich sicher aus dem Fenster, aber gut) an Khaled Hosseinis „Drachenläufer“ erinnerten. Was für eine Sprache, was für eine Geschichte, ich habe mitgefiebert, mitgelitten, mitgeträumt und eine mir fremde Welt fast berühren können, während ich lesend in ihr versank. Wirklich aussergewöhnlich und ganz unbedingt eine Leseempfehlung von mir!
Indigo – Clemens J. Setz
Die Kurzbeschreibung sowie das erste Presseecho, was ich las, hatten mich nicht gerade ermuntert. Die Leseprobe hingegen sehr. Also habe ich mich darauf eingelassen und habe es nicht bereut: Setz bricht ein wenig die „Literatur, die wir kennen“ auf – er arbeitet mit unterschiedlichen Textarten/Schriften/Zetteln/Notitzen – (was mich zuvor abschreckte, machte im Roman einfach nur Sinn) und man lässt sich auf eine wilde Geschichte ein, die einen Sog entwickelte, dem ich mich nicht entziehen konnte. Spannendes Spiel um Wahrheit, Erleben und geheimnisvoll – ob zum Schluss alle Fäden zusammenlaufen, vermag ich nicht zu sagen, aber das Buch hat es in sich! Er hat mich durch seine neue Art, Literatur zu interpretieren überzeugt. Das Buch wagt etwas und trotzdem liest es sich nicht anstrengend sondern sehr fesselnd. Noch dazu wunderbar gestaltet, innen und aussen.