Eine Tochter in Berlin – Otto de Kat

Obwohl dieses schmale Büchlein zu einer recht gefährlichen Zeit spielt und ein explosives Geheimnis enthält, hat es mich doch nicht recht fesseln können. Während des Lesens fand ich so einige bemerkenswerte Sätze und Gefallen am Buch, aber nach der Lektüre war dieses Buch doch recht schnell wieder weiter weggerückt. Tut mir irgendwie ein bisschen leid darum, weil ich nichts wirklich kritisieren kann oder möchte – manchmal passen Buch und Mensch eben einfach nicht zusammen.

Mutter des Monats – Gill Hornby

Der Wahnsinn des Mutter-Daseins – schön bissig, böse und mit scharfer Feder skizziert. Das Höher, Schneller, Weiter, die Abgründe von Engagement und Cliquenwirtschaft. Unterhaltsam, mit dem ein oder anderen Körnchen Wahrheit, die perfekte Strandlektüre, während die Brut sich im Wasser tummelt und anderen Leuten Sandeimer aufs Handtuch kippt…

Ein ganzes, halbes Jahr – Jojo Moyes

Ein schwieriges Thema, leichtfüßig erzählt und mit einer symphatischen Hauptfigur besetzt: das liest sich gut und schnell, auch die eine oder andere rührende Stelle war für mich dabei. Das Buch hat mir gefallen, seinen vielen, vielen Vorschusslorbeeren (ein Buch hat es damit ja immer schwer…) wurde es (für mich) aber nicht gerecht, dafür gab es dann doch zuviele Kleinigkeiten, die mich nicht so sehr ansprachen.

Der Stundenzähler – Mitch Albom

Leider ist Albom eher Reporter, als Schrifsteller. Ich merke das wirklich deutlich: bei seinen beiden Büchern, bei denen er sich einer wahren Begebenheit annähert, mit lebenden Personen in Kontakt kommt und Recherche betreibt, bin ich begeistert. Versucht er, eine erfundene Geschichte zu schreiben, liest sich das für mich eher anstrengend. Obwohl die Ideen dahinter immer ganz schön sind, kann er es für mich nicht so transpotieren, wie er es in den beiden oben genannnten Büchern tat. Es bleibt an der Oberfläche. Schade!

And the mountains echoed – Khaled Hosseini

Wenn jemand den Titel „Geschichtenerzähler“ verdient, so ist es eindeutig Khaled Hosseini. Auch in seinem dritten Buch schafft er es wieder, ein ganzes Kaleidoskop an Geschichten, Schicksalen, Menschen, Gefühlen zu offenbaren. Anders als in vorherigen Büchern spielt dieser Roman an mehr Orten, umfasst eine größere Zeitspanne. Das tut dem Lesegenuß aber keinerlei Abbruch. Wieder ein sehr gelungener Roman!

Allmen und die Dahlien – Martin Suter

Fand ich die ersten beiden Bände rund um den Ermittler Allmen noch herrlich originell, schlich sich hier ein leichter Ermüdungseffekt ein. Der Fall riss mich nicht wirklich mit, Allmen war gemütlich geworden, es fehlte an Spannung. Ein wenig klärte sich das: dieser Teil ist wohl als Zweiteiler gedacht, was ein wenig das ruhige Daherkommen erklärt. Ein bisschen verstimmt es mich aber auch: ich bin kein Fan von solchen unerwarteten Unterbrechungen. Das können Sie doch besser, Herr Suter!

Die Besteigung des Rum Doodle – William E. Bowman

Bill Bryson wird zu diesem Buch zitiert „Das witzigste Buch, was Sie in ihrem Leben lesen werden“. Ich sage es mal so: Er könnte Recht haben! Diese Bergsteiger-Parodie ist so grandios! Running Gags (153) wetteifern mit Wortspielen, abstruse Szenen wechseln sich mit herrlicher Verblendung des Expeditionsleiters ab: ich habe mich selten so amüsiert! Nicht nur für Bergsteiger, sehr wohl aber für alle, die einen ironischen Unterton und die perfekt aufs Korn genommene Gruppendynamik einer zum Scheitern verurteilten Unternehmung zu schätzen wissen. Ein Geheimtipp, der sicher alles mögliche bleibt, nur hoffentlich eines nicht mehr: Geheim!

Machloikes – Michel Bergmann

Ein bisschen habe ich hier ja die Reihenfolge umgekehrt und werde die Trilogie sicher nochmal in der richtigen Reihenfolge lesen. Hier also der zweite Teil der „Teilacher“. Da ich mich über die beiden anderen Bände ja schon lobend und voller Freude ausgelassen habe, bleibt hier nur zu sagen: eine sowas von runde Sache! Ganz großartig geschrieben, mit viel Herzblut und eine Figur hat es mir besonders angetan. Hach. Leseempfehlung, Leseempfehlung, ihr müsst das einfach lesen, alle drei!

Liebe am Papierrand – Yoko Ogawa

Wieder wunderbar unaufgeregt und die vielen Anspielungen und Geschichten rund ums Ohr haben mich glücklich gemacht, man fühlte diesen leisen Hauch Murakami…jeder, der ihn mal gelesen hat, wird wissen, was ich meine. Und doch hat Ogawa ihren ganz eigenen Stil, ein bisschen entrückt, leise und präzise erzählt sie ihre Geschichten und ihre Figuren setzen sich beim Lesen leise neben mich. Gefällt mir einfach sehr gut!

Tonspuren – Elliot Perlman

Es ist sehr gewagt, bereits im April ein Buch definitiv zu einem der Besten des Jahres zu küren. Allerdings weiß ich ehrlich gestanden nicht, was da noch kommen soll, was Perlman diesen Rang ablaufen sollte. Ich bin so tief beeindruckt, so dermaßen bewegt von diesem Buch. Es ist so intensiv, dass ich beim Lesen immer wieder Pausen eingelegt habe – um die Wörter wirken zu lassen, Sätze leise vor mich hinzusprechen, mich ergreifen zu lassen, die Tränen liefen. Ich habe in dieser Geschichte gelebt und konnte, trotz fast körperlicher Anstrengung beim Lesen, das Buch kaum weglegen. Was ist dieser Autor für ein Sprachvirtuose! Was für eine Geschichte, welch Kunstwerk hält man mit diesem Buch in den Händen. Es ist ein absolutes Muss für jeden, der sich auf eine einmalige Begegnung mit außergewöhnlichen Menschen einlassen will, der erleben möchte,  wie unfassbare Schrecken eine Form bekommen und wie Erinnerungen so lebendig werden, dass man das Gefühl hat, sie greifen zu können. Wenn ich davon spreche und schwärme, bekomme ich eine Gänsehaut. Dieses Buch hat mich schlicht überwältigt!