Eigentlich sollte Stoner genau zu mir passen: ich mag diese Romane mit Campus-Atmosphäre, denen der Ruf anhaftet, ein Klassiker zu sein. Was mich unterschwellig bei diesem Roman begleitete, war die Hoffnungslosigkeit. Williams beschreibt einen Mann, der eigentlich nur alles richtig machen wollte. Unauffällig leben, tun was er gerne tat. Und dem von allen Seiten Gegenwind entgegenbläst, der leidet, der, statt zu kämpfen, sich einfach seinem Leben ergibt. Das zu lesen, hat mir fast körperlich wehgetan. Und doch muss ich den Autor bewundern. Eine so genaue literarische Zeichnung eines verbrauchten Menschen anzufertigen, der vom Leben nicht gerade gut behandelt wurde, ohne nach den glitzerigen Effekten eines Romanes zu greifen, um das ganze zu glätten – das ist ein schweres Handwerk. Auch wenn mich der Roman schwermütig zurücklies, kann ich doch nicht umhin, genau diese Folge zu bewundern.
Schlagwort: Roman
Der Fälscher, die Spionin und der Bombenbauer – Alex Capus
Ein Unterhaltsungsroman, der auf leichtfüßige Weise drei Schicksale miteinander verwebt – für mich besonders spannend der Bombenbauer, aber auch der Fälscher, der sich auf einem mir recht unbekannten Feld betätigt. Und es ist ein Buch über Entscheidungen und ihre Folgen, über Lebensläufe, die nicht am Reißbrett entstanden sind. Originell zu lesen.
SuperTex – Leon de Winter
Ein Autor von dem ich schon länger etwas lesen wollte. Nachdem ich dann dieses Buch auf einem der letzten Bücherflohmärkte fand, stand es nun ein Weilchen im Regal – bis jetzt! Und eigentlich bleibt nur zu sagen: die lange Wartezeit hatte es nicht verdient. Definitiv wird das nicht mein letzter Leon de Winter bleiben – fabelhaft geschrieben, man will dranbleiben, will mehr erfahren. Der Autor hat einen Sinn für Szenen, die sich einem wie ein Gemälde im Kopf einprägen und einen Blick für die großen Tragödien im Kleinen.
Raum – Emma Donoghue
Selten hat mich ein Buch so zerissen zurückgelassen. Kein Wunder, hatte ich es doch vor diesem Versuch bereits zweimal begonnen und wieder ins Regal zurückgestellt. Mit dem ersten Abschnitt, in dem eine junge Frau und ihr Sohn, eingesperrt von einem hochgradig gestörten Mann, in „Raum“ versuchen, ihr Leben so gut es geht auf wenigen qm zu bestehen, hatte ich so meine Probleme. Das lag vorallem an der Beschreibung, der sehr kindlichen Sprache, die wohl als Stilmittel dienen sollte, sich für mich aber enorm anstrengend las. Rausgerissen hat es für mich der zweite Teil, nachdem sich die Situation verändert – das fand ich einnehmend zu lesen, ein besonderer Einblick. Insofern – ich frage mich, wem ich dieses Buch empfehlen kann, der eine Teil kann nicht ohne den anderen und doch hält er mich davon ab, das Buch allzu enthusiastisch zu beschreiben.
Und Nietzsche weinte – Irvin D. Yalom
Mittlerweile würde ich mich als durchaus Yalom-Fan bezeichnen, umso härter traf es mich, dass ich mit diesem, einem seiner meistverkauftesten Bücher, wirklich kaum etwas anfangen konnte. Sperrig, schwer zu lesen und man bekam keinen rechten Bezug zu den Figuren, ich habe mich wirklich ein wenig durch das Buch gequält und wären nicht einige psychologische Gedanken erzählenswert gewesen und zum Nachdenken angeregt, hätte ich vielleicht doch aufgegeben…Schade, Schade, Schade..!
Die andere Seite des Glücks – Seré Prince Halverson
Familie einmal anders – als ihr Mann stirbt, steht Ella mit den beiden kleinen Kindern alleine da. Nur – sie ist nicht die Mutter. Diese hatte sich vor einigen Jahren, obwohl die Kinder noch sehr klein waren, von der Familie getrennt und Ella nahm ihren Platz ein. Nun beginnt eine ganze Stadt zu überlegen: wen brauchen die Kinder? Die Frau, die sie großgezogen hat? Oder doch die Mutter, die plötzlich wieder auftaucht… Eine einfühlsame Geschichte darüber, dass es soviel mehr gibt als nur Schwarz oder Weiss. Dass Verletzungen und Liebe gleichzeitig existieren können. Und darüber, dass man einen anderen Menschen manchmal doch nicht so gut kannte, wie man dachte. Hat mir gut gefallen, weil das Stiefmutter-Thema mal ganz anders aufgezogen wurde und viele Facetten aufgezeigt wurden.
Ein Lied für meine Tochter – Jodi Picoult
Es geht hier wieder mehr in Richtung ihrer ersten Romane, schnell durchgeschmökert, aber auch hier: ein oder zwei heisse Eisen weniger hätten es auch getan, aber nu…unterhaltsam ist und bleibt sie.
Blumenberg – Sibylle Lewitscharoff
Ich verbeuge mich vor dieser Autorin: Dieser Roman ist nichts zum mal eben weglesen (das wäre auch Verschwendung!). Wohl aber etwas, um Sprache, Wortwitz und spielerischen Umgang mit Literatur zu genießen. Noch dazu fand ich die Geschichte einfach richtig gelungen, absolut rund! Hach…?
Der Duft des Regens – Francis Greenslade
Vielleicht tue ich dem Buch ein wenig unrecht, aber es konnte mich nicht ganz so sehr beeindrucken, wie andere Geschichten mit ähnlicher Thematik (von denen ich einige kurz zuvor las). Es mag also dem direkten Vergleich mit „The Silver Star“ geschuldet sein…Wunderschön allerdings: die Beschreibungen der kanadischen Landschaft und die Atmosphäre einer Traurigkeit…
The Silver Star – Jeannette Walls
Ich werde dieses Buch mit einem meiner Lieblingsbücher vergleichen und mir ist klar, dass ich damit einen hohen Standard setze. Als ich begann zu lesen, fühlte ich mich sofort an „Wer die Nachtigall stört“ erinnert. Walls kann wunderbar erzählen und erstaunlicherweise schafft sie es, den einzigartigen Ton in ihren Bücher zu behalten und trotzdem eine ganz eigene Erzählung zu schaffen, die sich nicht mit vorherigen Werken vergleichen lässt. Ein ganz großer Roman, eine Geschwistergeschichte, eine Geschichte über die Liebe, das Loslassen, die eigenen Wurzeln und verdammt viel Mut. Große, große Leseempfehlung!