Eine fast perfekte Affäre – Elizabeth Subercaseaux

Ich lese ja ab und an gerne mal ein Buch, was in einer Ecke der Welt spielt, die ich mit jemandem verbinde. In diesem Fall ist es meine Schwester, die für einige Zeit in Chile war. Schön in ähnlichen Straßen unterwegs zu sein. Der Titel beschreibt eigentlich den Inhalt schon perfekt – eine Affäre zwischen einer verheiraten Frau, Amalia und einem angesehenen Richter. Eines Morgens ist Amalia tot – erschossen von ihrem Geliebten. Doch die Affäre, die sie so sorgfältig unter Verschluss hielt, berührt doch noch 2 andere Menschen und ihre eigenen Geheimnisse – einen Reporter der unfreiwillig den Mörder flüchten sieht und durch den Vorall in einen Gewissenskonflikt gerät und die beste Freundin von Amalia – die verzweifelt versucht, die Wahrheit herauszufinden. Die „perfekte“ Lösung ist Subercaseaux nicht so wichtig, vielmehr lotet sie die Grenzen zwischen den handelnden Personen aus, die eigenen Untiefen die durch das Verbrechen zutage treten und auch die Frage – wie hat Amalia gelebt und geliebt?

Liest sich sehr angenehm, eine leichte Sprache, aber nicht belanglos oder seicht. Keine typische Liebesgeschichte, sehr wohl aber eine Geschichte um die Liebe und ihre Auswirkungen…

Kaputte Suppe – Jenny Valentine

Einfühlsam erzählt Valentine die Geschichte von Rowan, die eigentlich völlig damit beschäftigt ist, nach dem Tod ihres Bruders die Familienstruktur aufrecht zu erhalten – sich um ihre kleine Schwester zu kümmern und den Zustand ihrer Mutter zu „vertuschen“, die schwer depressiv kaum noch am Leben teilnimmt. Als sie von einem unbekannten Jungen ein Foto-Negativ geradezu aufgedrängt bekommt, verändert dieses Foto alles und Rowan lernt durch das Foto Bee, eine ungewöhnliche junge Frau und auch den Jungen, der ihr das Negativ gab, sehr viel besser kennen als sie es je geglaubt hätte.

Valentine hat ein Händchen für die Tragik die im Leben junger Menschen herrschen kann. Sie hat auch hier wieder bewiesen, wie großartig sie die Schwierigkeiten, die das Leben bietet in eine Geschichte verpacken kann, die den Leser anspricht und weiterlesen lässt. Ein ganz wunderbares Jugendbuch!

Zeit der Gespenster – Jodi Picoult

Diese Picoult hat mir wieder deutlich besser gefallen! Die Figuren sind zwar nicht ganz so stark gezeichnet wie in anderen Werken von ihr, aber das ist auch nicht unbedingt notwendig – der Spannung tut es wenig Abbruch. Wie der Titel schon ahnen läßt, dreht sich das Buch unter anderem um übersinnliche Phänomen – oder Gespenster, wie man es auch nennen mag. Ein bisschen darauf einlassen muss man sich schon – dann erzählt Picoult wieder eine meisterhaft verknüpfte Geschichte, zwischen Gegenwart und Zukunft, Liebe und Sterben, vermischt mit der Kultur eines alten Indianerstammes und einem recht unbekannten Kapitel amerikanischer Geschichte: einem Eugenik-Projekt, das sich unter anderem mit dem Sterilisationsgesetz und Minderheiten der Bevölkerung auseinandersetzt – gewohnt heißes Eisen für Picoult. Gerade diese Episoden, deren Handlungsstränge bis in die heutige Zeit zu künstlicher Befruchtung und Forschung reichen sind hochinteressant.Das Buch hätte auch noch 100-200 Seiten länger sein können, um die ganze Komplexität noch mehr zu erfassen. War sehr schnell durchgelesen, Picoult lässt einen einfach nicht los – echte Schmöker!

Wir tun uns gut: Das Wohlfühlbuch für Schwangere – Jennifer Louden

Das dieses hervorragende Buch vergriffen ist, ist sehr, sehr schade. Ich habe einiges an Schwangerschaftsliteratur gelesen, tolle, informative Bücher. Aber die seelische Seite der Schwangerschaft, die Gefühle der Mutter und des werdenden Vaters, alles was da so auf einen einprasselt – das hat mir dieses Buch nahegebracht. Es ist sehr liebevoll geschrieben ohne dabei betulich zu wirken – es ist ein toller Ratgeber, eine beste Freundin, hat viele Anregungen für Übungen, egal ob man durch Schreiben oder andere Hilfsmittel lernt, mit all diesen Veränderungen umzugehen.Ob es jetzt um die Kleiderfrage, die Geburt, die Stimmungsschwankungen, die Einstellung zum eigenen Körper oder Überforderung in den ersten Wochen geht – das Buch geht alle Aspekte an, ohne zu beschönigen, aber auch ohne Horrorvisonen.

Ausserdem hat das Buch Humor und vermittelt einem eine gewisse Gelassenheit und das man mit all dem nicht alleine da steht und schon garnicht verrückt ist…auch wenn sichs manchmal so anfühlt. Für mich bisher das Buch in dem ich am meisten geblättert habe, in dem sehr viele Post-Its stecken, ich wahnsinnig viel angestrichen habe und auch mitgenommen habe.

Ich würde es jeder Freundin zur Schwangerschaft schenken: als Hilfe, als Wegbegleiter, als Idee, als liebevolle Geste! Wer es sich gebraucht besorgen kann, sollte das tun!

Umgarnt – Kate Jacobs

Die Fortsetzung von „Die Maschen der Frauen„. Wieder begegnen wir den Mitgliedern des Strickclubs, allerdings einige Jahre später. Da man nicht viel sagen kann ohne zu spoilern, halte ich es kurz: alle sind älter geworden, es gibt einiges an Veränderungen in den  Freundschaften – insgesamt bricht das vertraute Gefüge auf und macht Platz für neues. Es war als Fortsetzung in Ordnung, interessant zu erfahren, was die Zukunft bereithielt, für einen netten Nachmittag in der Badewanne. Mehr aber leider auch nicht – der Erstling hatte für mich doch deutlich mehr Charme.

Engel des letzten Tages – Michal Viewegh

Dieses Buch habe ich aus der Verlagsvorschau „gefischt“ allein wegen des wunderschönen Covers. Und gut das dies passierte – eine kleine Perle dieses Buch! Viewegh beschreibt eine kleine Gruppe von Engeln in Prag, deren Aufgabe es ist, die Menschen in ihren letzten Stunden vor ihrem Tod zu begleiten. Und das tun diese nicht unbedingt auf die übliche Weise – da wird durchaus mit dem eigenen Schicksal gefochten – wieviel darf man den Sterbenden noch „helfen“ in Ordnung zu bringen? Wer bestimmt die Lebensdauer? Die Schicksale der Sterbenden sind miteinander verwoben – und obwohl das Buch einige Tränen hat rollen lassen, so gab es doch wunderschöne Momente der Hoffnung, wenn die Engel noch durch scheinbare Kleinigkeiten, das Leben der Überlebenden verändern…

Hat mir sehr gefallen und wird sicher einige Male verschenkt werden…

Der Himmel ist blau, die Erde ist weiss – Hiromi Kawakami

Dieses Buch wird untertitelt mit „Eine Liebesgeschichte“ – und was für eine! Bin ja ein Fan von japanischen Liebesgeschichten, sind die Rituale des umeinander werbens, des Gespräches, der Annäherung doch so ganz anders als hier in Deutschland. Ich tauchte in dieses Buch ein, ließ mich von der Poetik der Sprache verzaubern, faszinieren vom Umgang der Liebenden miteinander und verliebte mich – in dieses Buch.

Eine wunderbare Geschichte, die mich zum Schwärmen und zum Weinen brachte, ohne das sie jemals ins kitschige abgleiten würde. Klare Empfehlung für alle mit Frühlingsgefühlen – noch dazu ist die Taschenbuchausgabe von DTV in gewohnter Weise mit einem sehr passenden Cover versehen worden. Also auch äußerlich ein Genuß!

Und vielleicht nicht für jeden so wichtig, für mich aber eine Erwähnung wert: ich mag die intensiven Beschreibungen, wenn es ums Essen geht. Und da das japanische Essen sich ja doch grundlegend von der westlichen Küche unterscheidet, habe ich diese Passagen besonders genoßen…

Eve Green – Susan Fletcher

Als ich versuchte, der Kollegin die mir diesen Roman vor Jahren empfahl, meinen Eindruck zu schildern, fiel mir zu Anfang erstmal nur das Wort „sperrig“ ein. Denn obwohl mich die Geschichte von Anfang an fesselte, so hatten einige Absätze doch ihre Tücken, das leichtfüßige fehlte. Obwohl das einem etwas mehr Mühe abverlangt beim Lesen – es lohnt sich. Eve Green verliert in jungen Jahren ihre Mutter und wächst fortan im Geburtsort der Mutter bei ihren Großeltern auf. Doch die Idylle des abgelegenen Dorfes trügt – und als eine Schulfreundin von Eve verschwindet, gerät alles aus den Fugen. Der Roman hat einige wunderbare Stellen und auch die Entwicklung von Eve, ihre Gedankengänge und Ideen sind spannend zu verfolgen, je älter sie wird. Da das Buch den Deutschen Jugendliteraturpreis gewann, findet man es ab und an auch im Jugendbuch, ich würde es aber deutlich mehr den Romanen zuschreiben. Insgesamt hat mich die Geschichte überzeugt, nicht unbedingt der Schreibstil.

Das Haus an der Bunker Street – Helen Garner

Klang eigentlich gut – eine „ganz normale“ Familie trifft auf eine eher exzentrische Familie, das ganze verstrickt sich, Patchwork ist das Stichwort und die Entwicklungen geraten aus dem Ruder. Es war schnell gelesen, aber so einen richtig bleibenden Eindruck hat es bei mir nicht hinterlassen. Trotzdem sind die Ereignisse gut erzählt und stimmig – vorallem gefällt mir ihre unaufgeregte Art, die Menschen und ihre Beweggründe zu schildern. Ich mochte ja „Das Zimmer“ sehr, hier handelt es sich um ein deutlich früheres Werk (1984). Vielleicht lag da meine Erwartungshaltung auch etwas verkehrt.

Hectors Reise oder Die Suche nach dem Glück – Francois Lelord

Dieses Buch stand seit über einem Jahr harmlos im Regal herum. Nun hatte es mich gefunden und auch genau die richtige Zeit um es zu lesen…mir hat es sehr gefallen. Ich denke vieles was Hector, der Psychater auf seiner Reise herausfindet, wussten wir im tiefsten Inneren schon, aber wie wir Menschen so sind – wir schauen gerne anderen dabei zu, wie sie etwas herausfinden und haben Erkenntnisse gerne schön verpackt. Wenn man danach geht hat dieses Buch aber eine doppelte Schleife und schönes Geschenkpapier gehabt.Die Schreibweise ist gekonnt naiv, aber nie zu einfach – aber gerade durch diesen Kunstgriff wirken die Glückslektionen von Hector nur noch mehr. Auch wenn ich Hector an wenigen Stellen aus eigener Erfahrung innerlich widersprach, so habe ich dieses Buch doch innig ans Herz gedrückt und so einige Menschen, denen ich dieses Buch gerne schenken möchte.