Die Zeit, die Zeit – Martin Suter

Ich bin großer, großer Verehrer von Martin Suter. So habe ich sein neuestes Werk mit Spannung erwartet und sage: Erwartungen voll erfüllt! Nicht nur, das Suter zu Anfang ein wenig mit einem neuen Stil spielt, welcher mir sehr zusagte, nein das Buch zieht einen in eine fast unmögliche Situation, man fragt sich die ganze Zeit: Wie, um alles in der Welt will man dieses komplexe Geflecht auflösen. Und zum Schluss fliegt einem das ganze schlicht um die Ohren! Ich saß da, fassungslos, kichernd ob dieser Absurdität, bewundernd: wiedermal SUPER SUTER!

 

Mörderische Bilderrätsel – Grunewald/Kögel

Für mich der beste der bisher drei Lokalkrimis aus der Feder des Autorenduos. Spannender Fall, Hanauer Geschichte die man so vielleicht noch nicht kannte, der Umbau wird amüsant und mit einer großen Prise Wahrheit aufs Korn genommen. Der etwas derbe Witz rund um die Liebschaften des jungen Kommissars war mir manchmal etwas zu dick aufgetragen, aber nu. Trotzdem, für lokal ansässige Leser, sehr vergnüglich und unterhaltsam zu lesen!

Blutsverdacht – Marie-Aude Murail

Die französische Autorin, die ich seit „Simpel“ sehr schätze, hat hier einen Jugendkrimi geschrieben. Und der hat alles, was es braucht: eine spannende Hintergrundgeschichte, Gänsehaut-Momente, die große Frage, wem man eigentlich trauen kann und ob die jahrelang für bare Münze gehaltenen Familiengeschichten einer Internetrecherche standhalten können… Spannend bis zur letzten Seite und der Fall durchaus nicht unknifflig – tolle Krimi-Empfehlung für Jugendliche!

Später Frost – Voosen/Danielsson

Wenn ich mal Krimis lese, dann gerne solche, die in Skandinavien beheimatet sind. So dachte ich, hier einen Volltreffer vorzufinden: Schweden, ungewöhnliche Ermittler, spannender Fall. Leider wurde ich ziemlich enttäuscht. Schweden stimmte, die ungewöhnlichen Ermittler waren allerdings so abgefahren (zumindest eine von ihnen), dass ich wirklich nur dachte: im normalen Leben wären solcherlei Methoden garantiert direkt mit Entlassung geahndet worden. Dichterische Freiheit in allen Ehren, auch Wallander hat oftmals seine Kompetenzen überschritten, aber doch nicht in diesem Ausmaße. Noch dazu las es sich manchmal sehr flapsig – hier wurden große Themen, Zeitsprünge und politische Verwicklungen abgehandelt – für meinen Geschmack allerdings zu kurz, das hätte ruhig länger sein können, was dem Buch die benötigte Tiefe verliehen hätte. Der Fall an sich war allerdings recht spannend. Ich bleibe also sehr zwiegespalten, werde aber vermutlich nichts mehr von beiden lesen.

Die Frauen, die er kannte – Hjorth & Rosenfeldt

Der zweite Band der Krimi-Reihe rund um Sebastian Bergmann und sein „Team wider Willen“. Ich mache es kurz – der Cliffhanger aus Band Eins wird konsequent ausgearbeitet, der Fall ist spannend, das Team ist einem ja schon bekannt und ans Herz gewachsen – auch dieser Krimi ist einfach wieder saugut – und dank einer gewissen Dicke ein Garant für langanhaltende, tolle Unterhaltung.

Das dunkle Lied des Todes – Bjarne Reuter

Bei diesem Buch saß ich aufrecht im Bett und konnte kaum aufhören – so spannend war es und vorallem gruselte es einen zwischendrin so richtig, da kann man dann nachts nicht einschlafen, bis man es zu Ende gelesen hat… Zudem toll geschrieben, es ist zwar als Jugendbuch deklariert, aber durchaus auch für Erwachsene zu empfehlen, die eine Vorliebe für Krimis haben. Der Autor breitet genüsslich die Geschichte aus, fügt hier ein Stück Information ein, dann dort ein Stück – und zieht dann den Erzählfaden immer enger, bis einem am Ende fast die Luft wegbleibt – Wow!

Vor dem Frost – Henning Mankell

In diesem Wallander-Krimi ermittelt nun erstmals nicht mehr nur Wallander selbst, sondern seine Tochter Linda, die sich nach einigen Jahren des ausprobierens entschloß, eine Ausbildung zur Polizistin zu machen. Der Fall an sich ist nach gewohnter Wallander-Manier recht schlüssig geschrieben, allerdings nicht allzu überraschend. Das Besondere steckt in der Sichtweise Lindas, die ihre ambivalenten Gefühle zum Vater mit sich herumträgt – man hat ein wenig das Gefühl, Wallander mal aus einer anderen Perspektive zu erleben, was nach Lektüre aller anderen Krimis einfach ein wenig wie „nach-Hause-kommen“ anmutet. Auch Linda, die ja in den Büchern rund um ihren Vater immer wieder auftaucht, wird greifbarer. Ein schönes Wiedersehen!

Flavia de Luce: Mord im Gurkenbeet – Alan Bradley

Lustigerweiser wollte ich meinen Leseeindruck mit „britischer Humor“ beginnen. Allerdings – der Autor ist Kanadier ;-) Nunja, abgesehen vom Humor (der also entweder angelesen oder einfach kanadisch ist, wer weiss? )  hat er eine herrlich schräge Krimi-Geschichte, angesiedelt in Großbritannien geschrieben und Flavia, die etwas anders ist, als die meisten Jugendlichen, eroberte mein Herz  schnell. Nette Krimihandlung, ein bisschen Spannung, ein bisschen Rätselraten und die dubiose Familie rund um Flavia machen es zu einem schönen Schmöker für Menschen wie mich, die selten zu einem „normalen“ Krimi greifen!

Fünf – Ursula Poznanski

Ich gebe ganz ehrlich zu: nach den ersten zehn Seiten wollte ich dieses Buch zuklappen und weglegen. Der Funke sprang nicht über, ich fand keinen Halt im Buch und hatte einen hohen Stapel verlockender anderer Bücher. Ich gab mir aber einen Ruck und siehe da: just in diesem Moment kam dann etwas Fahrt ins Geschehen und ich sah mich einem unterhaltsamen Krimi mit ausgefallender Thematik (Geocaching) gegenüber.

Ein bisschen genervt war ich von der weiblichen Ermittlerin, die mir doch in allzuviele Klischees hinein passte. Man sieht, ich bin ambivalent – für die Idee gibt es  Punkte, ebenso für die Spannung und Auflösung – da haben wir es mit einem guten Plot zu tun. Trotzdem kam mir dieses Buch manchmal zu oberflächlich daher, was aber bei einem Krimi nunmal nicht die Hauptparameter zur Beurteilung sind. Finde es sehr schwierig, diesen Leseeindruck zu schreiben, denn zu negativ soll er auch nicht klingen – dafür hatte ich dann doch zuviel Lust, immer wieder weiterzulesen. Also: kleine Kritikpunkte, dennoch eine Krimi-Empfehlung für verregnete Samstage und definitiv für Freunde des Geocachings! Und eines hat dieses Buch definitiv geschafft: die Lust am Geocaching zu entfachen ;-)