Die Hassliste – Jennifer Brown

Was passiert, wenn der Mensch den Du auf der Welt am meisten liebst, eure gemeinsam erstellte Hassliste ernster nimmt als Du es je getan hast – und in deiner Schule ein Blutbad anrichtet? Vor diesen Fragen steht Val als ihr Freund Nick anfängt um sich zu schießen und sie den Amoklauf beendet indem sie sich vor eine Mitschülerin wirft. Anders als viele andere Bücher zum Thema beschäftigt sich dieses Buch vorallem mit der Zeit vor und nach dem Amoklauf. Den Valerie steht vor der unüberwindbar scheinenden Aufgabe, zurück ins Leben zu finden – als was? Als Trauernde um Nick, für den sie trotz der Tat noch Gefühle hat? Als Mittäterin? Als Opfer, weil sie selbst verletzt wird? Dieses Buch schafft es für jegliche Beteiligte ob Mitschüler, Eltern, Medien und auch Valerie und Nick selbst unterschiedliste Positionen zu beziehen. Und das ist es, was es so herausstechen lässt – es lässt viel Platz für Grautöne und zeichnet kein schwarz-weisses Bild. Auch wenn man sicherlich einige Male hart schluckt, weil die Autorin unangenehme Gedanken portraitiert, so ist es doch eine äußerst gelungene Auseinandersetzung mit diesem so schwierigen Thema.

Das Buch wird ganz sicher Schullektüre werden und ich kann das nur unterstützen, denn die Diskussionen werden kontrovers sein, zum Nachdenken bringen . Mich hat dieses Buch lange nicht losgelassen.

Nichts (was wirklich wichtig ist) – Janne Teller

Dieses Buch spaltet so ziemlich alles: in Dänemark, der Heimat der Autorin, hat das Buch einen Kulturpreis gewonnen und wird häufig als Schullektüre herangezogen, in Frankreich hingegen ist es als Schullektüre verboten. So unterschiedlich können die Empfindungen sein. In einem bin ich mir jedenfalls mit den meisten Lesern einig: dieses Buch ist heftig und ich hatte nach dem Lesen doch sehr unterschiedliche Empfindungen – von einer gewissen Begeisterung für den geschickt angelegten Plot, die schleichende Entwicklung von einem Schülerprojekt zu einer Katastrophe bis hin zu Entsetzen und Abscheu war bei mir alles dabei. Eines kann dieses Buch definitiv, polarisieren und schockieren. Und es regt verdammt zum Nachdenken an – und ist es nicht das, was gute Jugendliteratur tun sollte? Aber auch Eltern sollten einen Blick hinein werfen – und mit ihren Kindern darüber sprechen.

Harry Potter 1-7 – Joanne K. Rowling

Eines der Dinge, die ich unbedingt in 2010 schaffen wollte, war Harry Potter nochmal von vorne zu lesen, alle 7 Bände am Stück. Da ich in der ersten Zeit mit Baby auch nicht wirklich zum Lesen kam bzw. nicht soviel Lust dazu hatte aber trotzdem immer beim nächtlichen Stillen und abends einige Seiten lesen wollte, bot sich an, etwas zu lesen was ich bereits kannte. Und auch wenn ich einige Bände nun locker zum zehnten Mal gelesen habe – mir bleibt in meinem Leseeindruck nur zu sagen: was hat Rowling da nur für ein Meisterwerk geschaffen? Soviele wunderbare Ideen, Figuren, diese ganze magische Welt – und wie habe ich wieder über die herrlichsten Lieblingsstellen gelacht, auch durchaus mal Tränen weggewischt und mich wieder ganz in diese Welt begeben. Wenn man alle Bände am Stück liest wird einem auch nochmal sehr bewusst, wie genial durchkomponiert diese ganze Reihe ist. Es bleibt einfach eine der besten Serien für lange, lange Zeit die man wirklich mehrfach und immer wieder lesen kann und sollte – es bleibt immer noch etwas zu entdecken!

Fillory: Die Zauberer – Lev Grossman

Das Buch sah toll aus, der Klappentext versprach einiges, der Titel auch. Und dann bin ich damit so reingefallen. War der Anfang noch vielversprechend, je weiter ich kam desto zäher wurde es. Zuviele Verschwurbelungen, viel, viel Füllsel-Material und ich habe immer nur noch weiter gelesen, weil ich hoffte der Autor bekommt die Kurve, war die Grundidee an sich ja eigentlich gut. Leider bekam er sie nicht. Insgesamt hat mich das Buch enttäuscht, ein dicker Schinken und nicht viel dahinter.

Die geheime Sammlung – Polly Shulman

Eine kleine Perle im Jugendbuch und für alle Märchenfans ein Muss! Das „New Yorker Repositorium der verleihbaren Schätze“ ist so anschaulich von der Autorin beschrieben, das man das Gefühl hat, dieses ungewöhnliche Museum müsste es wirklich geben…Was es mit diesem zauberhaften Ort auf sich hat, erfährt Elizabeth, als sie dort einen Aushilfsjob angeboten bekommt – und das Märchen manchmal eben nicht nur Märchen sind. Eine wunderbar erzählte Geschichte mit ganz vielen liebevollen Details – das Lesen macht einfach großen Spaß!

Numbers: Den Tod im Blick – Rachel Ward

Jem hat eine Gabe, die sie zur Aussenseiterin macht – sie kann in den Augen ihres Gegenüber sein Todesdatum lesen. Allein diese ungewöhnliche Idee liess mich sofort zu diesem Buch greifen und es dann nach recht atemlosen Lesen wieder absetzen. Hier stimmt einfach alles. Ein packender Plot, spannend und mitreissend, mit Jem und dem Jungen Spinne, den Jem eher widerwillig kennenlernt sind zwei sehr fesselnde Hauptfiguren gefunden worden. Rachel Ward hat hier nicht nur eine verdammt gute Geschichte erzählt sondern auch soviele Gefühle und Situationen geschildert, die Jugendliche meistern müssen – vielleicht nicht auf die komplett gleiche Art wie unsere Helden, aber doch, soviele Gedanken kommen einem bekannt vor. Das Buch gefiel mir einfach verdammt gut, bis zur letzten Seite war ich beeindruckt. Was für ein Debüt! Danke für dieses tolle Jugendbuch, ich kann es nur empfehlen!

Der letzte unsichtbare Junge – Evan Kuhlmann

Finn wird langsam aber sicher unsichtbar. Er hat fast schon Angst, selbst zu verschwinden. Kann diese seltsame Farblosigkeit etwas damit zu tun haben, das sein Vater gestorben ist? In seinem Tagebuch hält Finn die Erinnerungen fest, die er mit seinem Vater verbindet, die neue Struktur der Tage, die ihm so fremd vorkommt und fragt sich immer wieder: wird er irgendwann wieder sichtbar werden?  Finn gestaltet sein Tagebuch mit Zeichnungen und schreibt sich die ganzen Dinge, die er weder mit seiner Mutter noch mit seinem Bruder besprechen kann, von der Seele. Das zu lesen, das rührt einen an, man fragt sich zusammen mit Finn, warum manche Dinge so passieren. Es ist schwer ein Buch zu beurteilen, das etwas so individuelles wie Trauer behandelt. Es wählt jedenfalls eine sehr schöne Idee aus, mit der Finn seine Gefühle ausdrückt – vielleicht gibt es irgendwo einen anderen 12jährigen, dem es genauso geht…ich kanns mir jedenfalls vorstellen…

Saphirblau: Liebe geht durch alle Zeiten – Kerstin Gier

Nachdem „Rubinrot“ mich so begeistert hatte, musste ich einen kleinen Abstecher machen und dann am Sonntag noch in die Buchhandlung fahren (wozu hat man Schlüssel…) und mir den zweiten Teil besorgen – bis Montag hätte zu lange gedauert *hust*. Konnte mich von der Geschichte einfach schwer losreissen. Gier hat sich hier warmgeschrieben, die Figuren sind einem bereits vertraut und so langsam beginnt sich eine gewisse Spannung anzuschleichen – die Zeitreisenden Gideon und Gwendolyn bekommen immer mehr Einblicke in ihre „Mission“, werden aber gleichzeitig vor weitere Geheimnisse gestellt – genau wie der Leser. Gerade für Liebhaber des Miträtselns wird hier einiges geboten, es fallen immer mehr Hinweise und Theorien auf – und die Charaktere bekommen noch mehr Ecken und Kanten. Ich möchte hier garnicht weiter auf die Entwicklung eingehen um niemand zu spoilern – mir gefiel dieser zweite Teil ebenso gut und ich kann nur warnen: er hat einen sehr, sehr fiesen Cliffhanger am Schluss…wer das nicht mag sollte bis Oktober warten, da ist dann der dritte Teil angekündigt…;-)  Ich freue mich jedenfalls schon riesig darauf!

Rubinrot: Liebe geht durch alle Zeiten – Kerstin Gier

Hier bin ich einer ausdrücklichen Empfehlung von Eva  (http://teachocolateandbooks.blog.de/) gefolgt. Und liebe Eva – ich danke Dir! Gier hat ein tolles Jugendbuch geschrieben, das schon durch die Aufmachung ins Auge springt und auch im Inneren kein bisschen enttäuscht. Auch das Thema; Zeitsprünge und ihre Tücken, noch dazu im besten Teenie-Alter ist mal etwas erfrischend anderes und liest sich fesselnd. Das Buch hat Charme, viele nette Anspielungen die neugierig auf die nächsten beiden Bände Saphirblau (bereits erschienen) und Smaragdgrün (in Vorbereitung) machen. Die etwas schräge Familie rund um die 16jährige Protagonistin Gwendolyn lässt Zündstoff erahnen, der junge Gideon, der ebenfalls ein Zeitreisender ist (und noch dazu unverschämt gut aussieht) ist neben den Zeitreisen gleich das nächste „Problem„…

Das Buch hat für mich genau die richtige Mischung: ein bisschen Harry Potter Charakter, der liebevollen Details wegen und auch weil die Hauptfigur sich einige Geheimnisse erstmal erarbeiten muss, einen Schuss Buffy und Plötzlich Prinzessin (beide werden auserwählt, noch als Jugendliche und werden ins kalte Wasser geworfen). Dazu kommen noch interessante Details der Londoner Geschichte – toller Mix! Und dennoch hat Gier es geschafft – ihr Buch mag Handlungen aufgreifen, die man so eventuell schon kennt, wirkt aber kein bisschen abgekupfert – sie hat einen ganz eigenen, sehr sympathischen Stil und schafft es, das ganze in neuem Glanz darzustellen!

Freue mich schon auf den nächsten Teil!