Das Flüstern der Schatten – Jan-Philipp Sendker

Sendker hat eine schöne, bildhafte Art zu schreiben, trotzdem hat es mich bei diesem Roman nicht so gepackt, wie beim Herzenhören. Hier stehen einfach andere Aspekte der Beziehungen zwischen Menschen im Vordergrund: Vertrauen, Verrat, Freundschaft und eine leichte Krimi-Handlung – manchmal war es mir ein bisschen zu „voll“. Ich hab es ganz gerne gelesen, muss aber den Nachfolger nicht unbedingt  lesen.

Die geheime Sammlung – Polly Shulman

Eine kleine Perle im Jugendbuch und für alle Märchenfans ein Muss! Das „New Yorker Repositorium der verleihbaren Schätze“ ist so anschaulich von der Autorin beschrieben, das man das Gefühl hat, dieses ungewöhnliche Museum müsste es wirklich geben…Was es mit diesem zauberhaften Ort auf sich hat, erfährt Elizabeth, als sie dort einen Aushilfsjob angeboten bekommt – und das Märchen manchmal eben nicht nur Märchen sind. Eine wunderbar erzählte Geschichte mit ganz vielen liebevollen Details – das Lesen macht einfach großen Spaß!

Und im Zweifel für Dich selbst – Elisabeth Rank

Ein toll gestaltetes Kleinod bei Suhrkamp. Eine ganz junge Autorin, ein schmales, kleines Buch und ein ganz großes Thema: der Tod. Elisabeth Rank hat hier einen ganz wunderbaren Roman geschrieben, mit trauriger, so schöner Sprache, ganzen Sätzen die ich mir herausschreiben wollte, weil sie so sehr den Kern der Sache trafen. Und sie hat es geschafft über ein tiefes, trauriges Thema, den Tod eines geliebten Menschen und die Verzweiflung so berührend zu schreiben, das ich immer mal innehalten musste, weil es mich berührte. Sie hat darüber hinaus aber noch die Generation der jungen Menschen heute so passend gezeichnet und über Freundschaft so intensiv geschrieben, das ich eigentlich nur noch frage: Und was schreiben Sie als nächstes? Ich will es lesen!

Und hier gehts zum ebenfalls tollen Blog: http://mevme.com/lizblog/

Ferien auf Saltkrokan – Astrid Lindgren

Immer wenn ich erwähnte, das ich diesen absoluten Klassiker nicht kenne, dann seufzten die Leute in meiner Umgebung laut, verdrehten schwärmerisch die Augen und meinten „Das musst Du unbedingt mal lesen…“. Nun passte meine Stimmung, ich hatte Zeit und las dieses herrliche Buch. Wenn auch einiges sich mittlerweile in unserer Welt geändert hat – es spielt für die Bücher von Lindgren keine Rolle. Dort gibt es noch keine Handys, kein Facebook – und dennoch kennt auf der kleinen Insel Saltkrokan jeder jeden und Verabredungen werden eben so getroffen, wie der Tag verläuft. Das Buch läßt einen den Sommer riechen, diesen typischen, verschwenderischen schwedischen Sommer, läßt einen laut auflachen, wenn die Familie Melcherson ihr etwas verrücktes und ungewöhnliches, aber so herzerfrischend anderes Leben auf der Insel erlebt. Die Kinder wachsen einem ans Herz, ebenso die Tiere und Bewohner der Insel. Endlich verstehe ich, warum alle immer so schwärmerisch seufzen…ich gehöre nun auch dazu! Mein besonderer Liebling ist Pelle – und alle seine Äußerungen zu Haustieren – ein Kind das sogar Wespen als Haustiere zählt, das kann man doch nur liebhaben, oder? Und nun sage ich allen zimtfisch.net Lesern…„Solltet Ihr unbedingt mal lesen…oder auch mal-wieder-lesen…!“

Kaputte Suppe – Jenny Valentine

Einfühlsam erzählt Valentine die Geschichte von Rowan, die eigentlich völlig damit beschäftigt ist, nach dem Tod ihres Bruders die Familienstruktur aufrecht zu erhalten – sich um ihre kleine Schwester zu kümmern und den Zustand ihrer Mutter zu „vertuschen“, die schwer depressiv kaum noch am Leben teilnimmt. Als sie von einem unbekannten Jungen ein Foto-Negativ geradezu aufgedrängt bekommt, verändert dieses Foto alles und Rowan lernt durch das Foto Bee, eine ungewöhnliche junge Frau und auch den Jungen, der ihr das Negativ gab, sehr viel besser kennen als sie es je geglaubt hätte.

Valentine hat ein Händchen für die Tragik die im Leben junger Menschen herrschen kann. Sie hat auch hier wieder bewiesen, wie großartig sie die Schwierigkeiten, die das Leben bietet in eine Geschichte verpacken kann, die den Leser anspricht und weiterlesen lässt. Ein ganz wunderbares Jugendbuch!

Umgarnt – Kate Jacobs

Die Fortsetzung von „Die Maschen der Frauen„. Wieder begegnen wir den Mitgliedern des Strickclubs, allerdings einige Jahre später. Da man nicht viel sagen kann ohne zu spoilern, halte ich es kurz: alle sind älter geworden, es gibt einiges an Veränderungen in den  Freundschaften – insgesamt bricht das vertraute Gefüge auf und macht Platz für neues. Es war als Fortsetzung in Ordnung, interessant zu erfahren, was die Zukunft bereithielt, für einen netten Nachmittag in der Badewanne. Mehr aber leider auch nicht – der Erstling hatte für mich doch deutlich mehr Charme.

Geschichte einer Ehe – Andrew Sean Greer

Eine Dreiecksgeschichte der ganz anderen Art, angesiedelt in den USA der 50ger Jahre. Eine sehr dichte Sprache, unheimliche viele Gedanken, Erinnerungen, wunderschöne, traurig-ziehende Beschreibungen über die Ehe, die Liebe, das Leben. Die Geschichte tritt, obwohl sie wirklich von Anfang an Neugier und Spannung erzeugt, oft etwas in den Hintergrund, aufgrund dieser intensiven Beschreibungen, aber da diese so mitreissen, tut das keinen Abbruch. Ein toller Roman über die Liebe, vielleicht grade für diejenigen, die von der großen, perfekten Liebe mal eine Pause brauchen.

House of Night: Gezeichnet – P.C. Cast/Kristin Cast

Schon lange bevor das Leseexemplar eintraf, wurde hier die Werbetrommel gerührt – der einzig wahre Bis(s)-Nachfolger, DIE Vampirserie überhaupt – verständlich das die Erwartungen dementsprechend hoch gesteckt waren – ist die Reihe doch in den USA ein absoluter Renner.

Wie gewohnt halte ich mich nicht mit den großen Inhaltsangaben auf, die kann man überall zur Genüge nachlesen. Mein Eindruck ist: Internatsgeschichte (ob nun Harry Potter oder Hanni und Nanni..;-)) trifft Biss, trifft amerikanische Klischees und tiefere Wurzeln in Indiandertradition und nicht zuletzt natürlich: Vampirgeschichte.

Was mir so gut gefällt – das Buch macht einem nichts vor, das es nicht ist. Es ist keine hohe Literatur, es lässt sich leicht weglesen, auch durch das sehr gewollte „jugendliche“, es macht definitiv viele Anleihen bei den großen dieses Genres. Das Mutter-Tochter-Gespann kann man durchweg erkennen – aber hey – es ist spannend, mitreissend und es vermischt alles schon dagewesene mit einer neuen Idee (eine große Faszination ist für mich dabei durchaus die äußere Gestaltung, die auch im Buch eine Rolle spielt) . Ich fühlte mich einfach gut unterhalten und statt nur zu schmachten, hat die Story definitiv Potential, die Charaktere werden soweit angerissen, das man sich auf die nächsten Bände stürzen möchte.

Und für mich fast der größte Vorteil und Hauptgrund, das ich das Buch gut bewerte – die Heldin hat was im Kopf und wirkt durchweg sympathisch. Weiter so, Zoey!

Es wird mir fehlen, das Leben – Ruth Picardie

Zu diesem Buch kann ich eigentlich nur sagen, das es mich sehr tief berührt hat. Ruth Picardie war Journalistin, frischgebackene Mutter von Zwillingen und hatte eine so wunderbare Schreibe. Sie nahm den Kampf gegen den Krebs an, schrieb gegen ihn an, schrieb über das Leben mit ihm und die Angst vorm Sterben und das ganze so entwaffnend ehrlich, so berührend, das ich das ganze Buch über immer wieder Tränen wegwischen musste. In diesem Buch sind ihre Kolumnen und viele Mails und Briefe versammelt, die sie in dieser Zeit schrieb. Das Buch hat mich bewegt und ist etwas, was ich immer wieder aus dem Schrank holen werde…

Herztier – Herta Müller

Sprachlich ganz groß. Beeindruckend. Beklemmend, betrachtend, beobachtend. Wahrscheinlich könnte diese ungewöhnliche Frau auch über Kachelöfen schreiben, ich wäre begeistert. Aber das wäre ihr Unrecht getan, denn sie greift Geschichte auf, harte Zeiten in denen Freundschaft, Durchhaltevermögen und Vertrauen die wichtigsten Güter sind. Wo aber auch Leid regiert und die Menschen unten gehalten werden. Ein beeindruckendes Portrait und ganz sicher hat die Jury für den Literaturnobelpreis diesen Preis an die absolut Richtige vergeben. Sicherlich nicht mein letztes Buch von ihr.