Märchen & Erzählungen – Astrid Lindgren

Astrid Lindgren kennt fast jedes Kind. Ihre Erzählungen und Märchen auch, die bekanntesten sind sicherlich die Geschichten rund um Lotta aus der „Krachmacherstrasse“ oder auch Nils-Karlsson Däumling. Aber Frau Lindgren hat noch viele mehr geschrieben und diese versammeln sich in diesem Jubiläumsband. Insgesamt kann ich nur sagen, das ich diese Autorin wirklich schätze – sie nimmt die Kinder ernst, gibt ihnen eine Stimme, eine ganz eigene Welt. Zugleich entwirft sie aber auch sehr traurige Szenerien, einige Märchen waren schon sehr berührend und für das ein oder andere Kind vielleicht zuviel zum verarbeiten. Trotzdem: grade das zeichnet sie auch aus: sie packt jedes Thema an, egal ob es „kindgerecht“ ist. Insgesamt bleibt auch nach diesem Band für mich klar: Lotta wird immer mein Liebling bleiben und auch (abgesehen von Pippi) meine liebste Lindgren-Figur: keck, lustig, naseweis und einfach zum Liebhaben!

Die Physiker – Friedrich Dürrenmatt

Endlich hatte ich mal Zeit für dieses Werk, zu meiner Schulzeit wurde das nämlich leider nicht gelesen. Was ein herrliches Stück! Ich habe die Protagonisten gradezu vor mir gesehen, möchte das unbedingt mal im Theater sehen. Wer ein kurzweiliges, intelligentes, witziges Stück haben möchte: Voila! 3 „verrückte“ Physiker in einer Nervenheilanstalt…und nichts ist so, wie es eigentlich scheint. Witzig, schnell gelesen, es gibt keinen Grund, es nicht zu lesen ;-)

Der Prediger von Fjällbacka – Camilla Läckberg

Wieder ein Krimi mit Erica Falck (Journalistin) und Patrik Hedström (Polizist) im idyllischen Fjällbacka. Der erste (Die Eisprinzessin schläft) gefiel mir gut, daher hatte ich keine Bedenken. Diesmal war ich ein bisschen enttäuscht. Der Fall an sich war ziemlich verdreht, fast habe ich mich mehr auf die persönlichen Episoden die eingestreut waren gefreut. Trotzdem – am Ende wurden alle Stränge zusammengeführt und das Durchhalten lohnte sich. Kein Krimi-Highlight aber für einen Zelturlaub in Schweden bestimmt bestens geeignet 8-)

Elf Minuten – Paulo Coelho

Schwierig. Am Anfang hat mir dieser Märchenstil gefallen, las sich locker weg, soweit, so gut. Ich wurde aber weder mit der Hauptperson warm, die für mich die „käufliche Liebe“ irgendwie „kleinredete“, noch mit den Geschehnissen. Ich habe die Handlungen nur in Ansätzen nachvollziehen können…mutete für mich mehr als seltsam an. Ich würde mich durchaus als einen Menschen bezeichnen, der offen ist für spirituelles und durchaus an einiges zwischen Himmel und Erde glaubt, aber hier? Für mich war es nichts. Der Stil war nett, aber das hat es für mich nicht rausgerissen. Ich glaube nicht alle Coelhos sind in dieser Richtung, ich werde als vielleicht noch anderes von ihm lesen. Aber das hat Zeit…

365 Nächte: Ein intimer Erfahrungsbericht – Charla Muller

Eigentlich ist mit ihrer Ehe alles soweit in Ordnung. Denkt Charla. Aber sie möchte ihrem Mann zu seinem 40gten etwas ganz besonderes schenken. Also schenkt sie ihm: 1 Jahr lang, jeden Tag Sex. Und das verändert nicht nur das Intimleben der beiden, sondern die ganze Beziehung grundlegend. Ist bestimmt nicht jedermanns Sache, auch kein Allheilmittel, wie die Autorin auch selbst erkennt. Aber an sich fand ich das Experiment und einige Ansätze durchaus überlegenswert und auch spannend.

Scherbenpark – Alina Bronsky

Für mich zunächst mal „dienstliche“ Lektüre, ist dieses Buch doch das Buch, welches unsere Stadt 2009 im Juni lesen wird. Hier wird eine Geschichte ehrlich und authentisch erzählt – die Geschichte von Sascha, die aus Moskau kommt, aber in Deutschland lebt. Sie hat 2 Ziele – sie will ein Buch über ihre ermordete Mutter schreiben und sie will den Mörder töten. Hier erzählt eine 17jährige mit unglaublicher Schlagkraft, so trocken, das es teilweise wehtut und doch so sensibel, das man das Gefühl hat, direkt in sie hineinzuschauen. Sie lebt in einer ganz eigenen Welt, hat neben der Trauer um die Mutter noch das Leben in ihrem russischen „Solitär“, die Aufsicht über die jüngeren Geschwister und die verwirrende Liebe zu meistern. Aber Sascha behauptet sich. Und das liest sich so packend, so überraschend, das ich das Buch wirklich nur empfehlen und durchaus als künftige Schullektüre empfehlen würde! Kein moralischer Zeigefinger, keine konstruierte Geschichte – es ist einfach überzeugend und „echt“.

Der Mann in der Schlange vor der Kinokasse – William Conescu

Endlich wieder ein Buch zum Jubeln! Daniel Fischer hört seit Jahren immer wieder das Kratzen eines Stiftes. Irgendwann ist er sicher: er spielt mit in Büchern, jedesmal wenn das Kratzen ertönt, schreibt der Autor einen Roman. Aber immer ist er nur Statist, unwichtige Nebenfigur. Als er eines Abends die unglückliche Sängerin Delia kennenlernt, ist das Kratzen lauter denn je. Ihm ist klar – jetzt oder nie, kann er die Geschichte seines Lebens schreiben – selbst wenn er dabei etwas nachhelfen muss und so die Geschichte von Delia und ihren Freunden gehörig durcheinanderwirbelt…

So frisch geschrieben, lustig, schräg und man liest mit Spannung bis zur letzten Seite! Auf dem Buchrücken steht „am Ende gewinnt weder Autor, noch Held, sondern der Leser!“ Und damit hat der Text verdammt recht!

Oben ohne (Die Entscheidung zu leben) – Evelyn Heeg

Erstaunlich gut! Hatte eher ein „Drama“-Buch erwartet, nicht so ausgeklügelt etc. Wurde positiv überrascht. Evelyn Heeg hatte in ihrer nächsten Familie mehrere Todesfälle, alle Frauen erkrankten an Brustkrebs. Nun stellt sich die Frage – ist auch sie erblich vorbelastet und läuft mit einer tickenden Zeitbombe durch die Gegend? Sie entscheidet sich für eine relativ radikale Methode und lässt sich das Brustgewebe vorsorglich entfernen. Wirklich angenehm geschrieben, ehrlich, klar, auch die ganze Geschichte „drumherum“ wird erzählt und gibt so ein Gesamtbild das Mut macht. Für Betroffene und Angehörige auch mit Infos versehen.

Die Mittwochsbriefe – Jason F. Wright

Jack & Laurel waren seit vielen Jahren verheiratet, leiten gemeinsam ein B&B. Alle dachten, das Jack, der an einem Tumor litt, vor Laurel stirbt, doch in einer Nacht sterben beide, Arm in Arm. Als ihre 3 Kinder anfangen, die Papiere zu sortieren, finden sie die „Mittwochsbriefe“ – Jack hat Laurel jeden Mittwoch einen Brief geschrieben. So wechselt sich erzählender Text mit Briefen ab und die sind wirklich richtig schön romantisch und zeugen von viel Arbeit und Liebe in dieser Ehe. Doch sie enthalten auch ein lang gehütetes Familiengeheimnis.
Eine einfache Sprache und liebenswerte Charaktere machen dieses Buch schnell lesbar, man ist gerührt und verfolgt die Geschichte mit Spannung. Ein bisschen sehr idealistisch, natürlich auch etwas kitschig ist es, aber an einem Regentag, allein auf dem Sofa stört das nicht wirklich…und eine kleine Überraschung birgt das Buch auch noch – fand ich eine tolle Idee!

Liebe ganz oder gar nicht – Peter Kihlgard

Dieses Buch zu beurteilen finde ich sehr schwierig. Hochgelobter schwedischer Autor, tolles Cover, schöner Titel und der Anfang – heftig aber ja…nach vielen Jahren der Ehe sitzen Kicki und Lasse zusammen im Auto. Kicki ist todkrank, Lasse will nicht weiter ohne sie. Also fahren sie, lösen die Sicherheitsgurte…Schnitt. Ab da wird im Roman erzählt, wie die beiden gemeinsam lebten, oder eben auch nicht gemeinsam. Seltsame Obsessionen von beiden, die Beziehung wirkt zwar schon liebevoll, aber auch ein bisschen „man kann nicht ohne den anderen, auch wenn man unheimlich leidet“. Manche Passagen fand ich sehr wirr. Insgesamt nicht so mein Fall, trotzdem gut genug, das ich es nicht weglegte, weil die Sprache schön und einige Begebenheiten aus beider Leben (die Lebensgeschichte der Eltern, vom anderen erzählt) dann auch wieder wunderschön waren.