Die Stunde in der ich zu glauben begann – Wally Lamb

Als mir dieses Buch ins Haus flatterte, hatte ich noch nichts anderes von Wally Lamb gelesen.Nach der Lektüre werde ich das aber definitiv nachholen.Wally Lamb verwebt die Ereignisse von dem Amoklauf in der Columbine High School  (und dort benutzt er die echten Namen und Geschehnisse) mit der persönlichen (fiktiven) Familiengeschichte seiner Protagonisten. Maureen, eine Schulkrankenschwester die in der Bibliothek in einem Schrank versteckt miterleben muss, wie Schüler erschossen werden, leidet nach den Ereignissen, ist traumatisiert und rutscht immer mehr ab. Maureen und ihr Mann Caelum, der diese Geschichte erzählt, werden über einen langen Zeitraum hinweg begleitet, seine Figuren suchen nach Sinn und einem Neuanfang – immer wieder. Lamb hat hier ein großes Werk geschaffen, wo nicht nur ein roter Faden sondern viele gesponnen werden. Die Moral und Handlungsweisen der Menschen stellen sich in Frage und nicht zuletzt ist der Roman sehr bewegend und ich bin sicher das nicht nur mir an einigen Stellen des Romans die Tränen kamen.

Schnörkellos, dafür aber genau und detailreich beschreibt Wally Lamb diese Auseinandersetzungen mit Ereignissen, Tragödien und Geheimnissen. Auch Briefe, Emails und Erzählungen aus der Vergangenheit der Figuren haben ihren Platz und lockern so die Geschichte noch etwas auf. Dieses wirklich dicke Buch lohnt aber jede Seite – ein großer Roman über Menschlichkeit.

Die Fahrt – Sibylle Berg

Von Frau Berg erwarte ich ja schon einiges. Schnodderig-hingerotzt, mit einer Wut und im Endeffekt ist eh alles scheisse. Es wird geraucht, gesoffen, Drogen konsumiert und jeder tut es mit jedem. So ist es auch in „Die Fahrt“. Allerdings greift die Autorin hier ein etwas anderes Thema auf, die Rastlosigkeit und den Sinn des Lebens (so denn es überhaupt einen gibt). Das die Möglichkeit, alles zu tun und überall wohnen zu können, manchmal einsamer und unglücklicher macht als 30 Jahre im selben Dorf zu wohnen. Ihre Figuren sind miteinander verwoben, ohne es immer zu wissen. Jeder kennt jeden. Die Scheiss-Erde ist zu klein, so spielt dieses Buch in Berlin, Island, Amerika und noch vielen anderen Orten…. Mir hat diese, durchaus für echte Fans etwas zu gemässigte Frau Berg gut gefallen. Denn die lässt ein kleines Fünkchen Hoffnung sprühen. Und so „scheisse“ das Leben ihrer Protagonisten auch ist – irgendwo sind es doch alles Menschen mit diesem nur allzu menschlichen Durst nach Heimat.

Hühnersuppe für die Seele: Für Frauen – Canfield/Hansen

Ja, von der Hühnersuppe kann ich persönlich einfach nicht genug bekommen. Zu schön und bewegend sind diese Geschichten für mich. Hühnersuppe für Frauen speziell hat mir wieder sehr gut gefallen, viele Geschichten rühren spezielle Punkte an, ob das der Verlust ist, die Beziehung zwischen Müttern und Töchtern oder die Geschichten von beeindruckenden Frauen, die ihr Leben zu etwas besonderem gemacht haben, auch für alle Menschen um sie herum. Ich kann diese Hühnersuppe nur wieder empfehlen!

Wie man unsterblich wird: Jede Minute zählt – Sally Nicholls

Kann ein Buch über das Sterben, das Sterben eines jungen Menschen schön sein? Manchmal sogar witzig? Und einen dann wieder zu Tränen rühren? Klug und sensibel? Ja! Dieses Buch ist eine wunderschöne Sammlung an Fragen, an Gedanken des 11jährigen Sam, der voller Herz seine Krankheit schildert. Die Gefühle und Beschreibungen aus seiner Sicht gingen mir nahe, machten mich nachdenklich und berührten mich. Ein ganz besonderes Buch!

Jeremy James oder Im Sand, am Strand und anderswo – David Henry Wilson

Jeremy James ist eine herrliche Kinderbuchserie aus GB. Ein kleiner, etwas naseweiser Junge, seine leicht verplanten Eltern und einfach nur Abenteuer des Alltags. Ich liebe diese Reihe! In diesem Buch macht die ganze Familie einen Kurztrip ans Meer…da kann schon so einiges passieren…vorallem wenn man jeremy James heisst! Wirklich liebenswert und toll gemacht!

Mängelexemplar – Sarah Kuttner

Eines vorweg: Ich finde Sarah Kuttner zwar im Interview gut – im Fernsehen so lala. Ihre vorigen Bücher fand ich nicht wirklich den Kracher. Aber dieses Buch, liebe Namensgenossin- das haben Sie verdammt gut hinbekommen! Wow! Ich bin wirklich beeindruckt, mit welcher Präsenz und Klarheit hier eine Angststörung/Depression/Panikattacken beschrieben werden. Nichts da mit Friede,, Freude, Eierkuchen, nichts mit einfachem Happy-End. Nur das pure Leben, wie es um uns herum passiert und doch immer noch nicht wahrgenommen wird.Karo, die Progtagonistin ist so gut getroffen, das wir sie alle in unserer Clique haben könnten, das Buch zeigt viele Wege und einige verdammt kluge Gedanken auf. Und trotzdem besitzt es eine Leichtigkeit und eine Ironie die einen anspricht.  Ich fand es sehr gut und sage: Lesen, Lesen und verdammt nochmal: Lesen!

btw: Bitte dieses Werk auf gar keinen Fall im gleichen Satz wie Feuchtgebiete erwähnen. Dazwischen liegen Lichtjahre!