Mauerblümchen – Holly-Jane Rahlens

An einem gemütlichen Samstag Morgen hat dieses Buch mich fasziniert. Es erzählt (auch grafisch sehr schön aufgemacht, mit dem Streckennetz der Bahnen in Berlin) die Geschichte von Molly und Mick, die sich kurz nach dem Mauerfall in der Bahn kennenlernen. Mollys Eltern stammen aus Deutschland, sie selbst wächst in den USA auf, geht aber mit ihrem Vater für ein Jahr nach Berlin. Molly will im „Osten“ das Geburtshaus ihrer jüdischen Mutter, die damals nach Amerika floh besuchen. Mick stolpert ihr vor die Füße und zeigt ihr „sein“ Berlin – und auch die beiden kommen sich nach und nach näher…

Ich bin in einem Ort nahe Frankfurt aufgewachsen und war beim Fall der Mauer 3 Jahre alt – ich weiss eigentlich nicht viel mehr, als in der Schule erzählt wurde und selbst das ist eher spärlich – weil das alles auch so „weit weg“ war. Dieses Buch hat es geschafft, das ich mich in der Geschichte verlor, die Strecke die beide zurücklegen mit dem Finger nachfahre, neues entdeckte und ja – ein Stück Deutsche Geschichte mit anderen Augen betrachten konnte.

Es hat mir den Mauerfall und alles was dazugehört, ein ganzes Stück näher gebracht. Noch dazu ist das Buch toll geschrieben und wäre eine großartige Schullektüre, weder verstaubt noch langweilig. Eine toll erzählte Geschichte mit erlebter Geschichte – danke Frau Rahlens!

Super Agoraphobie Therapie – Tish Cohen

Dieses Buch war davon geprägt, das ich laut kichernd Sätze daraus vorgelesen habe und mich königlich amüsiert. Jack Madigan ist der Sohn eines berühmten, verstorbenen Sängers. Aufgrund seiner recht traumatischen Kindheit hat Jack sich zum Agoraphobiker entwickelt, verlässt seit Jahren nicht sein Haus und entwickelt mitunter recht eigentümliche Methoden um über die Runden zu kommen. Als sein Haus von der chaotischen (und völlig unbegabten) Immobilienmaklerin  Dorrie verkauft werden soll, weil die Tantiemen seines Vaters nicht mehr fließen, wehrt sich Jack. Und wie ein Agoraphobiker das tut, das ist mehr als lesenswert. So witzig, gleichzeitig sympathisch und locker wurde lange nicht mehr über einen augenscheinlichen „Loser“ geschrieben.

Das Herzenhören – Jan-Philipp Sendker

Hatte schon so oft davon gehört und nun kann ich mich den Lobeshymnen nur anschliessen:  Was ein tiefes, schönes Buch. Sehr innig und berührend. Habe an einigen Stellen Post-Its gebraucht, um schöne Stellen wiederzufinden…werde hier auch noch einige aufschreiben, habe das Buch aber sofort verliehen, weil ich es so toll fand. Eine wunderschöne Liebesgeschichte, für mich genau im richtigen Maße erzählt, vor dem Hintergrund Birmas. Einfach toll!

Garp und wie er die Welt sah – John Irving

Uff, das wird schwer. Weite Strecken des Buches: super! Grade der Anfang gefiel mir extrem gut. Irving hat einen unverwechselbaren Stil, er ist einfach ein großer Erzähler. Ich verstehe auch immer noch, warum ihn soviele Menschen lieben und gerne lesen. Zwischendrin kämpft man immer ein bisschen, ist aber am Ende immer froh, das man durchgehalten hat. Und trotzdem – ich stehe auf skurriles, mochte auch viele Personen im Buch gern (Jenny Fields, Roberta), die Ereignisse laufen toll zusammen – dennoch bin ich mit Garp selbst absolut nicht warm geworden. Auch einige Passagen waren für mich einfach zu heftig – ich habe mich wirklich gefragt, was der Autor da bezwecken wollte? Schockieren? Maybe…Als Gesamtkunstwerk ist es trotzdem lesenswert – den es geht einfach um die großen Themen, die Tabus, die Ängste – es gibt auch viele wunderbare Szenen und Metaphern. Ich glaube, ich werde Irving immer etwas anstrengend finden und trotzdem immer mehr von ihm lesen ;-)

Tagsüber dieses strahlende Blau – Stefan Mühldorfer

Wieder ein Buch das ich mit meinem bewährten Lesekreis zusammen gelesen habe. Ich kannte es vorher nur vom Sehen und mich hat der Titel aber sehr angesprochen. Ein Buch dessen Handlung sich über nur einen Tag erstreckt, ist gewagt. Hier bleibt jedoch nicht der Handlungsstrang auf der Strecke. Robert Ames ist Vertreter für Lebensversicherungen, hat einen scharfen Blick und neigt dazu, sehr vieles zu analysieren, im Kopf durchzuspielen. Man hat das Gefühl, das dieser eigentlich normale Tag für ihn einige Erkenntnisse für sein Leben und seine Ehe bereithält, die er zwar wahrnimmt und auch im Kopf gedanklich beackert und dennoch am Ende fast fassungslos und handlungsunfähig vor dem Trümmerhaufen steht. Für mich sprachlich toll zu lesen, hatte auch genau die richtige Länge um zu „wirken“.

Echte Vampire haben Kurven – Gerry Bartlett

Hier kann man eigentlich nur sagen: Endlich mal ein Vampirroman mit nicht ganz so typischen Vampiren (und vielen anderen obskuren Kreaturen), aber auch nicht ohne schöne Klischees. Sehr witzig und locker, eine ungewöhnliche Vampirdame mit Kurven und herrlich unperfekt als Hauptperson und lauter wirklich ungewöhnliche Einfälle, auch Sex kommt nicht zu kurz. Ich hab jedenfalls zwischendrin immer sehr gelacht, was ich nicht so oft tue, beim Lesen. Gekonnt mit den Zutaten in diesem Genre jongliert, ich fands genau richtig für den Sommer und den Garten.

Die Tribute von Panem. Tödliche Spiele – Suzanne Collins

Als dieses Buch in meine Hände kam, wusste ich: Das muss ich lesen! Die „Gregor“-Reihe“ von Suzanne Collins habe ich geliebt (ist auch weiterhin eine meiner absoluten Empfehlungen!) Hier nun ist ein Buch geschrieben worden, das ab 13 bis ins Erwachsenenalter sehr viele Leute restlos begeistern wird. In Panem werden jährlich die „Hungerspiele“ durchgeführt, um die Bewohner der einzelnen Distrikte daran zu erinnern, das ihre Regierung immer noch das Sagen hat. Die auserwählten „Tribute“ (per Los gewählt, 2 Kinder zwischen 12 und 18) werden vorher trainiert, müssen sich selbst darbieten, in einer Art Show (dahinter klingt doch die Kritik an Casting-Shows und ähnlichem sehr deutlich durch). Dann müssen in einer großen Arena alle und jeder gegen jeden antreten – bis  zum Schluss einer übrigbleibt…

Klingt grausam? Ist es auch. Das Buch ist aber einfach genial geschrieben, die Spannung erhöht sich von Kapitel zu Kapitel, ich habe total mitgefiebert! Die Geschichte von Katniss, die sich freiwillig meldet um ihre Schwester Prim vor dem sicheren Tod zu bewahren, hat einfach Sog-Wirkung.  Mehr möchte ich garnicht verraten, aber ich kann dieses Buch nur absolut empfehlen! Zum Glück wird es auch eine Fortsetzung geben!

Das Schweigen – Jan Costin Wagner

Nach Eismond musste ich doch sofort nachlegen. Ich bin nicht sicher, ob ich „Das Schweigen“ rein als Krimi werten würde, es ist fast mehr ein Roman. Ein bisschen verwundert war ich, das der Schwerpunkt diesemal mehr auf dem Ermittler Ketola lag, als auf Kimmo, aber das ist nur ein kleines Detail. Insgesamt wieder ein Fall, in dem es viel grau statt schwarz und weiss gibt. Sprachlich sehr ruhig und toll geschrieben, das fällt grade aufgrund des sehr heiklen Themas (Mißbrauch und Mord von Kindern..) ins Auge. Ich würde diesen Autor wirklich jedem Krimifan ans Herz legen und jedem literarische Interessierten mit Blick fürs Besondere erst recht! Der Krimi sticht aus einem großen Angebot von Krimis wirklich raus!

Der fremde Freund / Drachenblut – Christoph Hein

Eine Novelle die eine genaue Stimmung vermitteln kann, eine Kälte, eine Klarheit – außergewöhnlich. Nüchtern wird das leidenschaftslose Leben der Ärztin Claudia geschildert, ein Leben das sehr still und unaufgeregt geführt wird – das aber nicht als leer empfunden wird. Hein ist ein genauer Beobachter, hier ist jedes Wort genau abgestimmt worden. Lohnt sich!

Gefühlsecht – Andrea Russo

Einer der Gründe, weshalb ich dieses Buch anfing, war das die Autorin gebürtige Hanauerin ist & das ich das Cover ganz witzig fand. Tja, eigentlich ist die Geschichte recht unterhaltsam, es gibt nicht unbedingt große Überraschungen aber dennoch einige nette Einfälle. Handwerklich garnicht verkehrt, insgesamt hatte ich aber das Gefühl, hier wird eine Beziehungsgeschichte geschrieben und dann mit allem möglichen Kram aus der Sex-Welt ausstaffiert. Das wirkte doch ein bisschen arg bemüht. Eigentlich schade, denn als lockere Unterhaltung wars wirklich okay – nur das man eben das Gefühl hatte, es muss unbedingt noch ein bisschen was an Tabu-Themen rein, damit das Buch ein wenig PR bekommt. Kann man lesen, muss man aber nicht.