Murail hat eine ganz eigene Art Jugendbücher zu schreiben – leichtfüßig aber nie banal. Hier wagt sie sich an das schwierige Thema einer ungewollten Schwangerschaft mit 17. Aber nur allein dieses Thema würde den Roman nur unzureichend beschreiben. Der Umgang mit dieser Schwangerschaft, eine Familie die aneinander vorbei lebt und sich schon lange nichts mehr sagen hat und zwei sehr gegensätzliche Ärzte komplettieren das Bild. Ein bisschen ratlos lässt mich das Buch zurück, es wartet zwar mit einer Lösung auf, lässt aber doch sovieles offen. Als Diskussionsstoff für die Schule durchaus geeignet, hat es doch viel Zündstoff, als Jugendbuch lässt es mich doch leise enttäuscht zurück, was aber auch an einer etwas konträren Meinung zum Thema liegen kann.
Autor: Sarah
Blinde Weide, schlafende Frau – Haruki Murakami
Was bleibt mir zu meinem Lieblingsautor noch zu sagen? Auch diese Sammlung von Kurzgeschichten (die so kurz garnicht sind) ist wieder Kunst, Liebe auf den ersten Blick, die Wörter hallen lange nach, Murkami beschreibt das Leben wie es kein anderer kann und tut. Ich kann mich vor diesem Großmeister der Sprache und genauem Beobachter der Menschen nur immer wieder verbeugen und mir wünschen das er noch verdammt viel schreibt.
Und jedem anraten, einen Murakami so zu lesen wie ich: in völliger Stille, mit Lieblingsgetränk, wach und aufmerksam um alle Gedanken und Gefühle nur auf dieses Buch zu konzentrieren. Wer sich auf Murakami einlässt, der verliebt sich. Für immer.
Allmen und die Libellen – Martin Suter
Suter schreibt jetzt Krimis. Eine ganze Reihe soll sich um Allmen, seinen etwas ungewöhnlichen Ermittler drehen. Kann das etwas werden? Mit angehaltenem Atem habe ich auf diesen Einstiegsband gewartet, würde er mich überzeugen? Ja, das hat er getan. Suter schreibt im üblichen, genialen Stil so lesenswert über den ständig verarmten Allmen, der jedoch stets die äußere Fassade wahrt, das man das Buch einfach nur so einatmet. Die Krimi-Handlung ist zunächst nicht so ausgefuchst, allerdings ist hier auch meiner Meinung nach nicht der Schwerpunkt gesetzt. Es ist dafür aber ein sehr gelungener Auftakt, ein Versprechen auf mehr, was mich sofort damit versöhnt. Ich freue mich schon auf die weiteren Fälle, die den Weg Johann Friedrich von Allmens kreuzen werden.
Zuhause – Kristof Magnusson
Ein netter Roman, nicht aufsehenserregend, wer Island-Fan ist wird Spaß haben an einigen Schilderungen, für alle anderen ist es schnell gelesen und an einigen Stellen merkt man durchaus, das Magnusson mehr kann, es hat Witz und Charme. Allerdings schafft er es nicht dieses Niveau durchzuhalten. Aber dafür das es sein Debüt ist, ist es auf jeden Fall gelungen.
Hello Kitty muss sterben – Angela S. Choi
Schnell, böse und gut – nichts für zart besaitete Gemüter, aber herrlich für Freunde des Ungewöhnlichen. Wer Spaß an schrägen Szenarien, Ironie und perfiden Plänen hat, der sollte hier unbedingt zugreifen! Eine herrliche Abrechnung mit der so sanften „Hello Kitty“-immer-lächeln-und-das-tun-was-deine-Familie-sagt-Mentalität!
Wenn Du stirbst zieht dein ganzes Leben an Dir vorbei, sagen sie – Lauren Oliver
Bei diesem Buch hat mich zuerst der Titel und die tolle Covergestaltung angesprochen….ich glaube ich habe einfach ein bisschen was anderes erwartet, mehr Philosophie, mehr tiefere Fragen über Leben und Sterben. Oliver erzählt die Geschichte im Leben eines jungen Mädchens einem einzigen Tag, der immer wieder seinen Lauf nimmt. Obwohl erzählerisch durchaus eine Kunst, die gleiche Geschichte so oft zu erzählen und immer wieder neue Facetten einzubauen, hat es mich einfach nicht mitgerissen. Die Figuren blieben für mich unnahbar, die Hauptperson über weite Strecken unsympathisch – viele waren zwar durchaus realistisch gezeichnet, mich verband aber wenig mit diesen Jugendlichen. Die Idee durch wenige Änderungen im Verhalten auch dem Leben einen anderen Verlauf zu geben ist zwar gut – mir hat die Umsetzung nicht gefallen.
Die Hassliste – Jennifer Brown
Was passiert, wenn der Mensch den Du auf der Welt am meisten liebst, eure gemeinsam erstellte Hassliste ernster nimmt als Du es je getan hast – und in deiner Schule ein Blutbad anrichtet? Vor diesen Fragen steht Val als ihr Freund Nick anfängt um sich zu schießen und sie den Amoklauf beendet indem sie sich vor eine Mitschülerin wirft. Anders als viele andere Bücher zum Thema beschäftigt sich dieses Buch vorallem mit der Zeit vor und nach dem Amoklauf. Den Valerie steht vor der unüberwindbar scheinenden Aufgabe, zurück ins Leben zu finden – als was? Als Trauernde um Nick, für den sie trotz der Tat noch Gefühle hat? Als Mittäterin? Als Opfer, weil sie selbst verletzt wird? Dieses Buch schafft es für jegliche Beteiligte ob Mitschüler, Eltern, Medien und auch Valerie und Nick selbst unterschiedliste Positionen zu beziehen. Und das ist es, was es so herausstechen lässt – es lässt viel Platz für Grautöne und zeichnet kein schwarz-weisses Bild. Auch wenn man sicherlich einige Male hart schluckt, weil die Autorin unangenehme Gedanken portraitiert, so ist es doch eine äußerst gelungene Auseinandersetzung mit diesem so schwierigen Thema.
Das Buch wird ganz sicher Schullektüre werden und ich kann das nur unterstützen, denn die Diskussionen werden kontrovers sein, zum Nachdenken bringen . Mich hat dieses Buch lange nicht losgelassen.
Nichts (was wirklich wichtig ist) – Janne Teller
Dieses Buch spaltet so ziemlich alles: in Dänemark, der Heimat der Autorin, hat das Buch einen Kulturpreis gewonnen und wird häufig als Schullektüre herangezogen, in Frankreich hingegen ist es als Schullektüre verboten. So unterschiedlich können die Empfindungen sein. In einem bin ich mir jedenfalls mit den meisten Lesern einig: dieses Buch ist heftig und ich hatte nach dem Lesen doch sehr unterschiedliche Empfindungen – von einer gewissen Begeisterung für den geschickt angelegten Plot, die schleichende Entwicklung von einem Schülerprojekt zu einer Katastrophe bis hin zu Entsetzen und Abscheu war bei mir alles dabei. Eines kann dieses Buch definitiv, polarisieren und schockieren. Und es regt verdammt zum Nachdenken an – und ist es nicht das, was gute Jugendliteratur tun sollte? Aber auch Eltern sollten einen Blick hinein werfen – und mit ihren Kindern darüber sprechen.
Ostrich Boys – Keith Gray
Zu diesem großartigen Jugendbuch gibt es auch wieder ein Video von mir:
Hühnersuppe für die Seele: Für Mütter – Hansen/Canfield
Das ich generell ein Fan der Hühnersuppen-Bücher bin ist ja durchaus bekannt. Also bleibt mir auch hier nur wieder zu sagen: was für wunderbare Geschichten – für die Seele, nach einem anstrengenden Tag, zum Kraftspenden, zum Tränenabwischen, zum Lachen. Und zum merken, das es soviele andere Mütter gibt, die genau verstehen, wie es manchmal ist, eine Mutter zu sein – weder schwarz noch weiss, anstrengend, wunderbar, nervenzehrend und spannend. Die Hühnersuppen Bücher mögen nichts für Realisten und Zyniker sein – für mich sind sie aber ein Quell an Inspiration, echte Soulfood-Bücher eben…;-)