Ich gebe ja zu, ich habe das Buch im Stapel immer wieder nach unten rutschen lassen. Schräger Titel, auf dem Cover das Portrait eines älteren Herren dem mit Klebeband ein pinker BH aufgeklebt wurde – ich erwartete Internats-Klamauk und eine eher leicht-lockere Liebesgeschichte. Weit gefehlt. Zwar fehlt es nicht an Internats-Atmosphäre und auch eine Liebesgeschichte gibt es. Allerdings mit einer Heldin, die zur Clique der Reichen und Schönen zwar dazugehören möchte – jedoch nicht um jeden Preis. Und wenn sich ihr öffentlich die Gelegenheiten nicht bieten, ihre Meinung zu sagen, agiert sie eben anders…viel Wortwitz, tolle Reflektion der Hauptperson, klasse erzählt – gehört in den Koffer eines Teenies im Sommerurlaub!
Autor: Sarah
Freak City – Kathrin Schrocke
Wieder ein Buch auf das ich durch die Nominierung für den deutschen Jugendliteraturpreis aufmerksam geworden bin. Eine Liebesgeschichte für Jugendliche mit einem ungewöhnlichen Thema. Denn Lea, die Mika kurz nach der Trennung von seiner Freundin Sandra kennenlernt ist gehörlos….Was Schrocke hier schafft ist eine Gratwanderung der besonderen Art. Sie erzählt eine Liebesgeschichte wie sie wohl fast jedem Jugendlichen mal widerfährt – von der ersten großen Liebe, die auseinandergeht, von neuen Anfängen und Eifersucht, vom Wieder-wollen und Sich-entscheiden müssen. Was dieses Buch aber zu einem echten Juwel macht, ist die Auseinandersetzung Mikas mit der Gehörlosigkeit von Lea – eine neue Welt die er entdecken muss (und mit ihm der Leser) – und in der es ihm durchaus nicht leicht gemacht wird. Das Buch vereint einige „goldene Szenen“ die einem im Gedächtnis bleiben, einiges an Gedankenanstößen und letztendlich – es ist verdammt gut erzählt! Ganz große Empfehlung!
Handauflegen – Alan Bennett
Kurz, böse, gut! Bennett macht nicht viele Worte und das hat er auch nicht nötig – seine Geschichten sind so schön skurril und doch so nah dran am heutigen Geschehen. Sodass man sich bisweilen erschrocken fragt, ob er nicht gar den geneigten Leser selbst schonmal zur Vorlage hatte…Was ich an Bennett mag ist, wie er mit wenigen Worten jegliche Charakterschwächen, die zumeist doch nur allzumenschlich sind herausarbeitet – und diebischen Spaß dabei hat!
Super Mom: Zwischen Kind und Karriere – Katharina Mahrenholtz
Tja, was soll ich sagen – vielleicht hätte ich den Ratgeber eher lesen sollen, so wusste ich schon ungefähr wie das so geht, mit Kind, Arbeiten, Ehe, Freizeit und Haushalt…;-) Zudem falle ich nicht direkt in die Zielgruppe, die meisten Probleme die dort angesprochen werden kenne ich so nicht, da komplett andere Ausgangssituation. Es war ein bisschen was zum Schmunzeln dabei, ein paar nette Illustrationen und bei einigen Beschreibungen rund um den Alltag in dem man Kind und Job vereinbart konnte ich nur nicken. Aber im Endeffekt wars eher ein humorvolles, mit einem Schuss Ironie gewürztes Geschenkbuch als ein Ratgeber.
Ein kleines Stück Himmel – Brenda A. Ferber
Ein kleines, tieftrauriges und doch so schönes Jugendbuch. Über eine Familie, die durch einen Brand zerstört wird – wie soll Cara nach dem Verlust ihrer Mutter und Schwester weitermachen, zumal ihr Vater sich ganz in seiner Trauer zurückzieht? Sensibel, einfühlsam und mit viel Wärme schreibt Ferber sich in mein Herz – und kommt dabei ohne Kitsch aus. Dafür beeindruckt sie mit sehr viel Offenheit, intensiven Gedanken und einfachen und gerade deshalb eindringlichen Beschreibungen jüdischer Bräuche. Selten liest man ein so gutes Zusammenspiel….
Kluge Babys, schlaue Kinder – Katharina Bäcker-Braun
Bitte nicht vom Titel abschrecken lassen – Das Buch hat nichts mit überzogener Frühförderung oder ähnlich überambitionierten Zielen zu tun. Es bietet einen guten Überblick über die verschiedenen Elemente der geistigen Entwicklung und verknüpft sie miteinander. Zudem ist das Buch gespickt mit Ideen für Kinder von 0 bis 3 Jahren, Liedern, Spielen, Bastelideen und Ritualen. Eine wahre Fundgrube für Eltern. Noch dazu machte es Spaß es zu lesen – ich bin sehr zufrieden und es wird uns sicher noch die nächsten Jahre begleiten!
Nobody knows – Amanda Taylor
Von einer, die losging, sich mit 13 Jahren an den eigenen wunderschönen langen Haaren aus dem Sumpf ihrer Kindheit zu ziehen. So heisst es auf dem Klappentext. Treffender kann man eigentlich kaum beschreiben was dieses Buch ausmacht. Fast wünscht man sich eigentlich, das dieses Buch nicht auf einer wahren Geschichte fußt…den diese hat es in sich. Eine Mutter die immer wieder an die falschen Männer gerät, zusammengewürfelte Geschwister und stets ein Leben im Umbruch – alles aus der Sicht eines aufwachsenden Kindes. Das Buch lässt einen betroffen zurück, machte mich wütend und traurig. Und doch, es hatte einen starken Sog, weil die Hauptperson eines nie verlor – ihre Hoffnung, unerschütterlich, auf ein besseres Leben. Könnte ich ihr heute die Hand schütteln und ihr all meinen Respekt darbieten, für das was sie durchgestanden hat – ich würde es gerne tun.
Schrödinger, Dr. Linda und eine Leiche im Kühlhaus – Jan de Leeuw
Der Titel lässt erahnen, das wir es hier nicht gerade mit dem üblichen 0815-Jugendbuch zu tun haben. Und auch beim Lesen kann ich mich nicht dem Eindruck verwehren, das es ein Buch ist, das ich schwer „einfach so, als nettes Geschenk“ empfehlen kann. Nicht weil es nicht gut wäre (das ist es!), sondern weil hier ein so schwieriges Thema auf sehr unkonventionelle Weise angegangen wird. Es ist eines dieser Bücher, das die Jugendlichen selbst aus dem Regal ziehen sollten, wenn sie bereit dafür sind. An uns Erwachsenen liegt es, das Regal das für diese Jugendlichen zur Verfügung steht, mit solchen Titeln zu füllen.
Tarmac: Apokalypse für Anfänger – Nicolas Dickner
Eines von den Büchern, die einem vielleicht durchrutschen – der Autor in Deutschland nicht allzubekannt, der Titel etwas seltsam. Das ich es lesen konnte liegt an einer netten eMail der Kollegen von der Frankfurter Verlagsanstalt in der sie dieses Buch so witzig und treffend beschrieben, das ich es sofort lesen wollte. Thanx for that! Wie man sich nach der Einleitung denken kann, bin ich sehr angetan. Ein atmosphärisch so dichtes Buch mit verrückten Einfällen, zwei Helden die man sofort liebgewinnt und nicht zuletzt ein schräges Roadmovie. Wenn man dann noch auf skurrile Ereignisse, ein bisschen nerdige Naturwissenschaft und Weltuntergangsszenarieren steht – Treffer! Dieses Buch hat soviel, was ihm einen Platz im Regal der Bücher sichert, die man gerne als Geheimtipp weiterempfiehlt.
Town: Irgendwo in Australien – James Roy
Nominiert für den deutschen Jugendliteraturpreis 2011, spielt in Australien, erschienen bei Gerstenberg – sprich, ich musste es haben. Und meine Erwartungen wurden nicht enttäuscht! Was mir an diesem Querschnitt aus dem Leben von 13 Jugendlichen die in der gleichen Kleinstadt aufwachsen so gut gefiel war das es verdammt ehrlich wirkte. Manche Einblicke waren miteinander verwoben, manche Handlungsfäden wurden auch nicht aufgeklärt. So entsteht aber ein ganz besonderes Geflecht einer Erzählung darüber, wie schwierig, großartig und spannend es sein kann, in der heutigen Zeit erwachsen zu werden. Speziell der Aspekt des „Es ist nicht alles unbedingt so, wie es scheint“ und das der erste Eindruck oft doch täuschen kann, ist meisterhaft eingefangen.