Hier hat mich der Titel beim Auspacken der Neuheiten angesprochen und nachdem meine Kollegin dann auch noch meinte, sie könne mir ja ihr Leseexemplar mitbringen, nahm ich das zum Anlass, doch mal wieder einen Krimi zu lesen, was ich ja zugegebenermaßen selten tue. Und oftmals sind ja diese „Zufallsbücher“, die einem so über den Weg laufen, gerade genau das richtige. Ich sage nur: über 600 Seiten, ein Sofa und ein Sonntag – und ich war durch! Ein sehr sympathisches Ermittlerteam in Schweden, dazu ein unausstehlicher, eigenbrötlerischer Polizeipsychologe der seine ganz eigenen Gründe hat, sich in die Ermittlungen einzumischen – spannend bis zur letzten Seite, toller Plot und der Leser weiss sehr lange nicht, woran er ist. Definitiv meine Krimiempfehlung für 2011!
Autor: Sarah
Den Mond aus den Angeln heben – Gregory Hughes
Eine vorwitzige, altkluge Heldin namens Ratte und ihr Bruder Bob, ein irrwitziger Roadtrip nach dem Tod des Vaters, Vorhersehungen und ein fluchender Rapper – eigentlich hatte das Buch sovieles, was es für mich lesenswert machen würde. Und über weite Strecken hält es auch, was es verspricht, einige Szenen waren so schön und witzig! Es wurde am Ende einfach zuviel, zu schnell, es wirkte so als ob man auf der Landstraße unterwegs sei und dann von 100 auf 220 ging, ohne Vorwarnung und dann war auch schon Schluss. Das ist jammerschade, denn Ratte und ihr Bruder sind mir ans Herz gewachsen. Obwohl ab 12 empfohlen, würde ich es doch eher etwas älteren Lesern empfehlen, die Themen sind nicht ohne. Also eine vorsichtige Empfehlung mit kleineren Haken.
Apostoloff – Sibylle Lewitscharoff
Nachdem Sibylle Lewitscharoff 2011 mit Preisen und Nominierungen für „Blumenberg“ geradezu überhäuft wurde, wollte ich mit dem Werk, für das sie den Leipziger Buchpreis gewann, anfangen. Und ich wurde nicht enttäuscht. Wenn diese Autorin zwei Dinge kann, sind es diese: mit ungeheurer Wucht schreiben, das ganze Buch ist ein einziger, schnellverfeuerter Rundumschlag, böse und mit vielen Spitzen versehen.
Und zum zweiten geht sie kreativ und mit viel Verve mit Sprache um…manchmal auch geradezu zärtlich. Was für Sätze! Was konnte man in diesem Roman schwelgen! Zeit muss man sich für ihn nehmen, das sei unbestritten, auch das etwas schräge Thema mag nicht jedermanns Sache sein. Ich aber war hingerissen, noch mehr weil ich die Autorin dieses Jahr live erleben dürfte und von ihrer Präsenz, ihrem Humor und ihrer Lesung absolut begeistert war! Ich freue mich auf alle weiteren Werke von ihr!
Einer meiner liebsten Sätze:
„Eine weitere Spezialität der Kellnerinnen, überhaupt der Bulgarinnen: sie sind parfümfreudig. So riecht mein Salätchen, sonst eher eine neutrale Angelegenheit, als hätte es im Regal einer Drogerie übernachtet.“
Tausend kleine Schritte – Toni Jordan
Am Cover bin ich schon mehrfach hängen geblieben, der Titel klang gut und so habe ich mich gefreut als es in meinem Lesekreis gewählt wurde. Es ist ein bisschen schwierig meine Enttäuschung zu schildern ohne etwas zu verraten – insgesamt fand ich es ganz okay zu lesen, ein ungewöhnliches Thema wurde angeschnitten … aber es bleib hölzern, schwer zu fassen und ich wurde einfach mit dem ganzen Buch nicht warm. Der ein oder andere Aspekt gefiel mir gut, mein Gesamteindruck blieb aber flach.
Columbus war ein Engländer – Stephen Fry
Die Jugendjahre des Stephen Fry – ein braver Chorknabe war der Gute sicherlich nicht. Witzig, charmant erzählt und ab und an ganz schön derb – so kommt diese Biographie daher. Ein paar kleine Längen hat sie, vorallem wenn man Stephen Fry und seine Geschichte kaum kennt, trotzdem hatte ich beim Lesen gute Unterhaltung und auch die Entwicklung die Fry durch macht ist fesselnd beschrieben. Danach kam jedenfalls gleich der Wunsch auf, auch die Fortsetzung (hier beschränkt er sich auf seine Jugendzeit) zu lesen.
Acht Minuten – Péter Farkas
Sie sind schon lange ein Paar. Der Mann und die Frau. Doch eines Tages fangen die Dinge an sich zu verändern. Wer sind diese Menschen in ihrer Wohnung, die dem Mann zwar vage bekannt vorkommen, aber doch eher stören? Und warum wollen ihm alle erzählen was das Beste ist, für ihn und die Frau? Sie kommen doch gut zurecht und vor die Tür gehen…das müssen sie doch schon lange nicht mehr…
Wir alle kennen den Blick auf Demenz von aussen. Farkas wählt einen ganz anderen Ansatz – er beschreibt die Krankheit aus der Sicht des Betroffenen – und dieser sieht sich auch eher als Beobachter der ebenfalls erkrankten Frau. Die kleinen Rituale dieses Paares, der Kampf um Würde, um Selbstbestimmung – fein gezeichnet, sehr intensiv wird hier ein ganz neues Bild entworfen und die Frage, was das „Beste“ ist wird nochmal auf andere Art und Weise aufgerollt!
Ein kleines, wichtiges Buch für alle die sich mit dem Thema auseinandersetzen.
Rico, Oscar und der Diebstahlstein – Andreas Steinhöfel
So manchen Autor mag man einfach so sehr, das man richtiggehend leidet, wenn ein neues Buch auf sich warten lässt. Auf Andreas Steinhöfel und seine zwei Helden Rico und Oscar allerdings würde ich auch 10 Jahre warten, wenn er denn nur weiterschreibt. Diese zwei – hochbegabt und tieferbegabt – sind einfach absolut herrlich und ich versteige mich mal zu der Behauptung das die Reihe um diese beiden definitiv Klassiker-Status im Kinder und Jugendbuch erreichen wird. Wiedermal hat mich Steinhöfel begeistert, bezaubert, nachdenklich gemacht und das Buch wurde danach zärtlich zu seinen beiden Vorgängern in meine Steinhöfel-Ecke gestellt. Aus tiefstem Herzen – Danke und schreiben Sie weiter!
(Und ja, ich bin ganz knapp davor mein Autogramm von der Messe einzurahmen…)
Noahs Kuss/Und plötzlich ist alles anders – David Levithan
Es wird wohl nicht mein Lieblingsjugendbuch – dafür war es ein bisschen zu sehr heile Welt und es ist sprachlich nicht soo sehr anspruchsvoll. Aber ich finde das Levithan einfach so tolle Figuren erfinden kann, wo man richtig schön mitleidet und mitfiebert. Und er glaubt eben an die Liebe, was ich sehr mag ?. Hier gehts ja um Andersein, Coming-Out und eine schwule Liebesgeschichte – ich fand er hat die Töne gut getroffen und ich werde definitiv noch mehr von ihm lesen.
Sieben Minuten nach Mitternacht – Patrick Ness/Siobhan Dowd
Ein Buch über eine Krankheit. Ein Buch über das Sterben. Ein Buch über den Tod. Ein Buch über die Liebe eines Sohnes zu seiner Mutter. Ein Buch über Angst. Ein Buch über Liebe. Ein Buch über Loslassen.
Und all diese Dinge machen dieses Buch zu einem besonderen. Die Ausstattung ist sehr auffällig, die Illustrationen bringen die Geschichte noch näher an den Leser heran. Es ist ein Buch das gleich auf drei Ebenen an ein sehr sensibles Thema rührt – Erzähltext, Grafik und Fabeln. Es gab einen kleinen Punkt der mich störte, der mir das ganze zu unrealistisch erscheinen lies, das mag aber auch Geschmackssache sein. Wichtig war, das ich zum Schluss doch etwas erschlagen von der Wucht die dieses Buch hinterlässt dasaß und ein wenig weinen musste.Was dieses Buch schafft ist, zu zeigen, das es im Angesicht des Todes einer geliebten Person kein richtig oder falsch gibt. Das manchmal der Tod selbst uns am meisten über das Leben lehren kann.
Two Weeks with the queen – Morris Gleitzman
Ein dünnes Jugendbuch über 2 ungleiche Brüder. Als der jüngere Bruder schwer erkrankt, schicken die Eltern den älteren, um ihm die harten Zeiten am Sterbebett zu ersparen, von Australien nach Großbritannien, zu Verwandten. Sein Bruder muss wieder gesund werden, hämmert es in seinem Kopf – was liegt da näher, als die Queen zu bitten, ihre besten Ärzte zu mobilisieren? Nur das so ein Rankommen an die Royales sich deutlich schwerer gestaltet als geplant… Der Titel lässt zunächst das offensichtliche vermuten, nach und nach entfaltet sich aber noch eine ganz andere Geschichte innerhalb der Geschichte. Ein bisschen ratlos bin ich – das Buch war schnell gelesen, aber die ein oder andere Handlung lief mir zunächst zuwider. Vielleicht hat Gleitzman das zeigen wollen – das nicht jede getroffene Entscheidung unbedingt die richtige ist oder auch sein muss, wenn man nur die Courage hat, am Ende auf sein Herz zu hören.