Wie immer schwierig über eine Fortsetzung zu schreiben ohne zu spoilern, daher in gewohnter Kürze: für mich ein würdiger Nachfolger, etwas schwächer als der erste Band, damit aber immer noch packend, spannend und vorallem enthüllt sich hier einfach nochmal mehr, wieviele unterschiedliche Kräfte rund um die Gesellschaft in der Cassia & Ky leben wirken. Ich habs wieder in einem Rutsch gelesen, klasse Jugendbuch-Unterhaltung, wieder sticht die Geschichte aus den Massen der Dystopien, die der Markt gerade so hergibt heraus. Und wieder will ich wissen – wie geht es weiter?
Autor: Sarah
Wiegenlied für kleine Ganoven – Heather O’Neill
Wenn man ein Buch beim Lesen immer wieder weglegt, spricht das nicht unbedingt für das Buch. Wenn man es aber weglegen muss, weil es einem ganz schön nahegeht, sieht der Fall schon wieder anders aus. Bei diesem Buch hat mich sofort das Cover angesprochen, der Titel, alles zusammen liess mich auf eine ungewöhnliche Geschichte hoffen. Die habe ich auch bekommen – allerdings ist hier wahrlich nicht mit einem launigen Handlungsverlauf zu rechnen. Ein Mann der mit 15 Vater wird und seine Tochter Baby nennt, die Mutter die es nach ihrem Tod den beiden überläßt, sich durchs Leben zu schlagen. Drogen, Sozialarbeiter, Wohnen in Absteigen die der Beschreibung spotten – aus der Sicht von Baby wird eine Kindheit erzählt, die mich ziemlich mitgenommen hat. Ob es nun der völlig überforderte, drogensüchtige Vater ist, Babys Klugheit, die durchblitzt und es ihr ermöglicht, in den Kleinigkeiten das Schöne zu sehen – es war ein ziemlich deprimierender Mix aus Faszination und Mitleid. Ich war fast ein wenig erleichtert, als ich das Buch zuklappte. Aber auch nur fast: Bücher sollen ja eigentlich genau diese Qualität haben: einen mitziehen, in die Geschichte, in die Atmosphäre, in die Gefühlswelt seiner Protagonisten. Das ich mich meist lieber in eine andere Art Geschichte ziehen lasse, kann ich dem Buch schwerlich anlasten.
Wie ein Flügelschlag – Jutta Wilke
Eine gespannte Erwartung erfüllte mich, als ich das neue, wunderbar gestaltete Buch von Jutta Wilke endlich in den Händen hielt! Vom ersten Moment an steckte ich in der Geschichte von Jana, die als Leistungsschwimmerin ein Sportinternat besucht. Als ihre Klassenkameradin Melanie tot in der Schwimmhalle aufgefunden wird, ist Jana entschlossen den Tod der Freundin aufzuklären – denn die offizielle Begründung eines Herzversagens schluckt sie nach einigen seltsamen Begebenheiten zuvor nicht mehr…
Dieser Jugendkrimi lebt aber nicht nur von der bis zum Schluss großen Spannung, er zeichnet sich besonders dadurch aus, das er einen ganz nah heran lässt an Janas Gefühle. Ich spürte die Wasserperlen auf meiner Haut, tauchte unter und fühlte die Freiheit die Jana im Wasser empfindet, weit weg von der klammernden Mutter, dem Leistungsdruck und der ganzen Welt. Die Atmosphäre in der Schwimmhalle, die Verzweiflung Janas die gegen Mauern des Schweigens anrennt — all das hat Jutta Wilke zu einem packenden Jugendkrimi verarbeitet, den ich an einem Abend verschlungen habe! Dieses Buch ist kein Sprung ins kalte Wasser, sondern in bestes Lesegewässer!
Leseliste 2011
Vom Ende einer Geschichte – Julian Barnes
Es wundert mich absolut nicht, das Barnes für diesen Roman den Booker Prize bekommen hat. Von der ersten Seite an war ich in der Szenerie, es enthüllt sich nach und nach das Gesamtkunstwerk dieses Romans, es ist spannend, voller Wendungen und doch so schmerzlich nah an eigenen Erfahrungen, die man mit dem Protagonisten teilt – wow! Hier hat für mich wirklich alles gepasst – die Sprache, der Aufbau, die Geschichte, einfach alles. Das Buch hat mich berührt und begeistert zurückgelassen und jedesmal wenn ich darüber rede, gerate ich ins Schwärmen und bin ziemlich ergriffen. Wirklich, empfehlenswert, bitte kaufen, bitte ausleihen, Hauptsache – lesen!
Wie lange noch? – Hrsg. Sabine Ludwig
Ich bin ja ein großer Fan von Adventskalenderbüchern zum Vorlesen und pflege diese Tradition auch schon seit Jahren. Hier habe ich nun zu einem, liebevoll von Isabel Pin illustrierten Hausbuch gegriffen mit 24 Geschichten und einer Kleinigkeit zum Basteln im Umschlag. Der Mix aus alten, klassischen Geschichten und etwas neueren Autoren und Ansätzen, eingestreuten Rezepten, Liedern und Gedichten haben mir dieses Jahr die Weihnachtszeit versüßt. Das ist so ein Buch, das man jedes Jahr wieder hervorholen kann um seine liebsten Geschichten nochmal zu lesen. Eine gute Investition und ganz sicher nicht nur für Kinder.
Die wundersame Reise des kleinen Kröterichs – Yaakov Shabtai
Ein Kinderbuch das ich allein wegen des Anfangs kaufen musste – ein Buch indem die Hauptfigur ein kleiner Kröterich, genannt Klein-K. ist, kann doch nur wunderbar werden. Diese Geschichte, die ein wenig wie eine Fabel anmutet ist die Geschichte einer Reise, vom Erwachsen-werden, von falschen Freunden, bunten Erlebnissen, anstrengenden Tagen und der Suche nach sich selbst und dem schönsten Ort der Welt. Fast nebenbei fliessen so manche Lebensweisheiten ein und man kann diese Geschichte sicherlich mehrmals lesen und jedesmal wieder eine neue Facette entdecken. Definitiv nicht nur für Kinder sondern auch eine große Empfehlung für Erwachsene – eine besondere Perle im Kinderbuch, unangepasst, anders und erkenntnisreich.
Wachstumsschmerz – Sarah Kuttner
Wenn ich dieses Buch im Laden empfehle, beginne ich meist mit der Frage ob Sarah Kuttner bekannt ist. Oft genug bekomme ich die Antwort, Ja, wäre bekannt aber nicht soooo sehr das Ding des jeweiligen Befragten. Dann kommt meine persönliche Meinung zum Tragen: meines ist Sarah Kuttner nämlich auch nicht so unbedingt, zumindest nicht im Fernsehen. ABER die gute Nachricht: Romane schreiben – das kann sie. Wie beim Vorgänger Mängelexemplar hat sich Kuttner auch hier wieder ein Problem der heutigen twenty-something-Generation rausgepickt. Die „Quarter-Life-Crisis“, die sich in Zweifeln, Beziehungsstress, Druck und Hilflosigkeit breit macht. Mit bildhafter Sprache, ein bisschen derb-schnodderig aber durchaus ehrlich wirkend setzt sich hier ein Paar nach dem Zusammenziehen mit sich auseinander, mit seinen Erwartungen, Lebensplänen und der Herausforderung, mit jemandem wirklich so ziemlich alles zu teilen.
Obwohl ich diese Erfahrung so nicht erlebt habe, schafft Kuttner es, das ich mich reinversetzen kann in die Gefühlsachterbahn in die ihre Heldin gerät. Ein bisschen beklommen, ein bisschen deprimiert wird man beim Lesen, es ist eine traurige Geschichte mit kleinem Silberstreif am Horizont. Garniert mit markigen Sätzen und Lebensanschauungen ist es ein recht gelungener Mix geworden, den ich, wie ich oben schrieb, auch ganz gern empfehle.
Dash und Lilys Winterwunder – Rachel Cohn/David Levithan
Wenn eine süße, romantische Wintergeschichte gesucht wird, mit ein paar popkulturellen Anspielungen, einer charmanten Mischung aus überdreht-niedlicher weiblicher Protagonistin mit schräger Familie und ernsthaftem, sich selbst etwas zu ernst nehmendem männlichen Buchliebhaber – zugreifen. Die Idee des Buches, eine Art Spiel das beide quer durch New York führt, ist eigentlich ganz schön. Aber die große Verzauberung blieb nach anfänglicher Begeisterung bei mir aus. Was vorallem daran lag, das es mir irgendwann zu überdreht wurde. Lustigerweise geht es mir wohl konträr zu anderen Meinungen: viele fanden Lilly ganz entzückend und Dash eher seltsam, ich fand Dash toll und Lilly eher anstrengend. Es ist dennoch ein nettes Jugendbuch, schöner Winterschmöker und wer eine romantische Ader hat, kommt sicherlich auf seine Kosten!
Ich bin so Fry – Stephen Fry
Und weiter geht es mit der Biographie des Stephen Fry – hier werden nun seine College-Jahre und alles was danach folgt, Theater, Comedy, Radio, schriftstellerische Tätigkeiten geschildert. Fry ist recht gnadenlos mit sich selbst und im Verlaufe des Buches habe ich den Eindruck das er sich wirklich nicht gerade schont und versucht einen möglichst ungeschönten Einblick zu geben. Dieser zweite Teil seiner Biographie zog sich etwas mehr als der erste, was aber vorallem daran lag das ich die Medienlandschaft Großbritanniens zu dieser Zeit nicht besonders gut kenne und daher manchmal etwas erschlagen war von den ganzen Namen und Interna. Trotzdem – für jeden Stephen Fry Fan, für jeden Fan von feinem, britischen Humor und alle die schon immer mal wissen wollten wie Stephen Fry und Hugh Laurie Freunde wurden.