And the mountains echoed – Khaled Hosseini

Wenn jemand den Titel „Geschichtenerzähler“ verdient, so ist es eindeutig Khaled Hosseini. Auch in seinem dritten Buch schafft er es wieder, ein ganzes Kaleidoskop an Geschichten, Schicksalen, Menschen, Gefühlen zu offenbaren. Anders als in vorherigen Büchern spielt dieser Roman an mehr Orten, umfasst eine größere Zeitspanne. Das tut dem Lesegenuß aber keinerlei Abbruch. Wieder ein sehr gelungener Roman!

Allmen und die Dahlien – Martin Suter

Fand ich die ersten beiden Bände rund um den Ermittler Allmen noch herrlich originell, schlich sich hier ein leichter Ermüdungseffekt ein. Der Fall riss mich nicht wirklich mit, Allmen war gemütlich geworden, es fehlte an Spannung. Ein wenig klärte sich das: dieser Teil ist wohl als Zweiteiler gedacht, was ein wenig das ruhige Daherkommen erklärt. Ein bisschen verstimmt es mich aber auch: ich bin kein Fan von solchen unerwarteten Unterbrechungen. Das können Sie doch besser, Herr Suter!

Die Besteigung des Rum Doodle – William E. Bowman

Bill Bryson wird zu diesem Buch zitiert „Das witzigste Buch, was Sie in ihrem Leben lesen werden“. Ich sage es mal so: Er könnte Recht haben! Diese Bergsteiger-Parodie ist so grandios! Running Gags (153) wetteifern mit Wortspielen, abstruse Szenen wechseln sich mit herrlicher Verblendung des Expeditionsleiters ab: ich habe mich selten so amüsiert! Nicht nur für Bergsteiger, sehr wohl aber für alle, die einen ironischen Unterton und die perfekt aufs Korn genommene Gruppendynamik einer zum Scheitern verurteilten Unternehmung zu schätzen wissen. Ein Geheimtipp, der sicher alles mögliche bleibt, nur hoffentlich eines nicht mehr: Geheim!

Mami, ist das vegan? – Jumana Mattukat

Hier interessierte mich vorallem, dass die Autorin für sich einen Weg suchte, vegan zu leben und trotzdem mit ihrer Familie einen Konsens zu finden. Ihr Ringen um gute Entscheidungen fand ich nachvollziehbar, es ist entspannend, zu sehen, wie andere die Schwierigkeiten und neuen Situationen in die Hand nehmen. Der Tonfall war mir manchmal ein kleines bisschen zu flapsig, aber trotzdem wirkte Frau Mattukat sympathisch. Auch einige der Rezepte im Anhang lohnen sich, gerade für Einsteiger und Interessierte an der veganen Küche.

Vergiss den Sommer nicht – Morgan Matson

Bitte, tut euren Teenie-Mädchen einen Gefallen. Besorgt dieses Buch für euren Sommerurlaub. Und gebt den Mädels gleich noch eine Packung Taschentücher mit und wenn ihr das Buch abends aus der Strandtasche fischt, um selbst mal reinzulesen, wundert euch nicht, wenn ihr gegen 4 Uhr morgens mit den Tränen kämpfend, immer noch lesend auf dem Sofa eures Ferienhauses sitzt. Aber es wäre zuwenig gesagt, wenn man das Buch nur auf seine traurigen Ereignisse reduziert. Es ist eine besondere Familiengeschichte, in der lange nicht alles ausgesprochen wird, in der schlimmes passieren muss, bevor sich etwas verändert. In der es um Schuld, um Trauer, um Treue und Beständigkeit geht, um Freundschaften und Annäherung innerhalb einer fremd gewordenen Familie. Und doch ist es von zarter Schönheit, ohne dass Zuckerguss über die Ereignisse gegossen wird. Ach, ich wünsche diesem Jugendbuch soviele Leser!

Über ein Mädchen – Joanne Horniman

Eine zarte Liebesgeschichte zweier junger Frauen, beide auf der Schwelle zu einem ganz eigenen Leben. Die sich begegnen, sich öffnen und doch immer wieder voneinander wegdriften. Leise Melancholie zieht sich durch das Buch, Gitarrenklänge und Stapel voller Bücher, eine Teekanne mit Namen und die Erkenntnis, dass man wieder aufstehen muss, auch wenn man tief fällt.

Bartimäus und der Ring des Salomo – Jonathan Stroud

Ich war sehr skeptisch. Die Lektüre der Bartimäus-Trilogie ist schon einige Jahre her, andere Bücher von Stroud hatten mich lange nicht mehr so begeistert. Und überhaupt: würde ich wieder reinkommen? Nach den ersten Seiten hatte sich meine Sorge verflüchtigt, denn die Geschichte spielt zeitlich noch vor der Trilogie und somit gibt es keine Erinnerungs-Problematik ;-) Und ansonsten: Bartimäus wie er leibt und lebt, besserwisserisch, eingebildet und man muss ihn einfach lieben! Ich habe mich wieder bestens amüsiert über dieses Unikum in der Welt der Dschinn…

Drei Fragen: Wer bin ich? Wohin gehe ich? Und mit wem? – Jorge Bucay

In einer sehr unkonventionellen Weise vermischt der Gestalttherapeut Bucay Ideen aus seiner psychologischen Praxis mit Geschichten, Erfahrungen und Anekdoten. Definitiv kein Buch, was man nur einmal liest – ich glaube, es kann einem in unterschiedlichen Lebensphasen jeweils einen ganz anderen Zugang gewähren. So einige Fragen stellen sich beim Lesen und wer ehrlich zu sich selbst ist, wird sicherlich einige Antworten finden, die überraschen. Wie der Titel schon verrät, stützt sich Bucay auf drei Fragen, die der Leser für sich beantworten soll und die auch aufeinander aufbauen. Für Leser, die an einem Scheideweg im Leben stehen, vor großen Entscheidungen, aber auch für diejenigen, die ihren gewählten Weg prüfen wollen.

Die wilden Piroggenpiraten – Maris Putninš

Ein mehr als nur leckeres Abenteuer. Herrliches Fabulieren, wunderbare Bilder im Kopf, Gewürze in der Nase, Hunger im Bauch, die ganze Zeit über. Ein Sieg der Phantasie, eine wilde Abenteuergeschichte und über 600 Seiten kulinarischer Lesespaß! Einzig die Leseempfehlung ab 8 Jahren kann ich so nicht teilen: das Buch ist schon enorm anspruchsvoll und durch seine Dicke dürfte es Leseanfänger vielleicht etwas einschüchtern. Aber geübte Leser ab 10 dürften hier voll auf ihre Kosten kommen – oder gemeinsames Vorlesen, denn die Eltern werden ihren Spaß dabei haben, das kann ich garantieren!

Anständig essen – Karen Duve

Bei meiner momentan, neben dem Lesen, größten Beschäftigung, mit Kochen und Ernährung, war die Duve ja quasi Pflichtlektüre. Speziell ihre Verbindung von persönlichen Erfahrungen, sehr ehrlichen Statements und auch mal Ratlosigkeit, gepaart mit ihrem Selbstversuch verschiedener Ernährungsweisen machten das Buch für mich zu einer runden Sache – spannend zu lesen, für den ein oder anderen in der Entscheidungsphase sicherlich ein Augenöffner. Ausreichend provokant, der moralische Zeigefinger taucht so nicht direkt auf, viel mehr eine offene Empörung, ein Anprangern von Missständen, das ganze in einem direkten und ansprechenden Stil.