Kühlfach 4 – Jutta Profijt

Ein kurzweiliger Krimi der nicht gerade durch seine Krimi-Handlung besticht sondern durch das Zusammenspiel der 2 sehr unterschiedlichen Protagonisten: Da wäre Dr. Martin Gänsewein, der Ente fährt und immer mit seinem Dufflecoat anzutreffen ist – und der Kleinkriminelle Pascha. Allerdings ist der Ort ihrer Begegnung etwas ungewöhnlich: im Keller der Pathologie…und Pascha ist eigentlich tot! Sicherlich ist einiges in diesem Krimi schon so überspitzt, das man es durchaus auch als satirische Anspielung verstehen kann. Trotzdem, die ungewöhnliche Idee hat mich angesprochen und es war nett zu lesen.

Die Leber wächst mit ihren Aufgaben – Eckart von Hirschhausen

Muss man zu diesem Buch noch viel sagen? So wie es sich in den Bestseller-Listen hält, hat es ja ganz Deutschland schon lange vor mir gelesen. Ich fühlte mich jedenfalls gut unterhalten, mit Spaß und dem ein oder anderen „Aha, das wusste ich noch nicht“-Effekt. Ich fühlte mich zwar insgesamt mehr von Hirschhausens „Glücksbuch“ angesprochen, aber das ist sicherlich auch Geschmackssache.

Dein Herzensprinz, Prinzessin – Meg Cabot

Mit diesem zehnten Band findet die Reihe um Prinzessin Mia ihren Abschluss, pünktlich zur Volljährigkeit der Prinzessin. Mir hat er wieder deutlich besser gefallen als Band 9, den ich als etwas karg empfand. Hier ist wieder der Charme der Vorgängerbände zu spüren, das Drama, die herrische Grandmeré von Mia, die Liebe und die Frage – wer ist denn nun der Herzensprinz? Und natürlich: jede Menge Chaos. Außerdem sorgen Mias erste schriftstellerische Versuche für Abwechslung. Für mich ein gelungenes Ende!

Juliet, Naked – Nick Hornby

Eins vorweg: Hornby hat sich mit diesem Buch wieder in mein Herz geschrieben (wo er nach der Lektüre von Slam kurzzeitig nicht mehr war ;-)). Allein das es wieder um Musik geht, macht das Buch schon lesenswert. Annie und Duncan sind schon lange ein Paar. Doch eigentlich sind sie zu dritt, denn Dincan schwärmt geradezu besessen von Tucker Crowe, einem Rockstar der 1986 untr mysteriösen Umständen von der Bildfläche verschwand. Als eine spezielle Version eines früheren Albums auftaucht, schreibt Duncan auf seiner eigenen Fanseite eine euphorische Rezension, wohingegen Annie, genervt von Duncans Fantum, eine kritische Besprechung ins Netz stellt. Auf der anderen Seite der Welt liest Tucker diese Besprechung und fühlt sich zum ersten Mal seit langer Zeit verstanden. Kurz entschlossen nimmt er Kontakt auf…

Besonders ist auf jeden Fall, wie genial Hornby es schafft mit relativ wenig Handlung, doch so ein Gefühlsspektrum zu entfalten. Leidenschaft, Musik, Liebe und kantige Situationen, das sind die großen Themen dieses Romans.

Die Lady im Lieferwagen – Alan Bennett

Das Buch vereint gleich 3 Vorzüge in einem: erschienen im Wagenbach Verlag, den ich sehr schätze, geschrieben von Alan Bennett, den ich seit „Die souveräne Leserin“ einfach klasse finde UND: es ist einfach eine tolle, irrwitzige Geschichte. Miss Shepherd gehört der Lieferwagen, der irgendwann in der Einfahrt steht – und dort bleibt er 20(!) Jahre. Bennett hat über die Schrullen und Einfälle dieser sehr ungewöhnlichen Frau Tagebuch geführt…die in diesem Lieferwagen Kommandozentrale, Wohnstatt und Denkerklause vereint. Einfach ein herrliches Stück britischer Komik.

Ein kleines Interview

Auf lillyberry.de gibt es seit heute ein kleines Interview mit mir zu lesen.Vielen Dank Lilly! :-)

http://www.lillyberry.de/2009/09/eine-fusgangerzone-ohne-buchladen-ware-gruselig/

Und anbei noch eine kleine Frage, die mir beim Stöbern einfiel: Wieviele gelesene Bücher pro Jahr findet ihr, einfach mal grob über den Daumen gepeilt viel? Und wieviel sollte ein Buchhändler im allgemeinen lesen?

Zeit deines Lebens – Cecilia Ahern

Ich mag kitschige Bücher. Doch, durchaus. Ich hab auch was für große Gefühle übrig. Für Liebe. Für Freundschaft. Aber trotzdem hat mich die neue Ahern wirklich kaum berührt. Dieses Buch ist so dermaßen voll mit übersättigten Sätzen, das es schade drum ist. Wenn jede Kleinigkeit so übertrieben mit Metaphern und Vergleichen beladen wird, kommt man kaum hinterher, mit dem Kopfkino. Ich habe alle Aherns gelesen, ich mag ihre beiden ersten Bücher (P.S. Ich liebe dich & Für immer vielleicht) wirklich gern. Danach gleitet Ahern für mich ins magisch-esoterisch angehauchte ab und ich hab sie zwar gelesen, aber es hat für nenn netten Nachmittag gerreicht, mehr nicht. In diesem Buch konnte ich am allerwenigsten irgendwas spüren. Das Thema – Lebe dein Leben, solange Du Zeit dafür hast, kümmere Dich um Familie, Freunde, stell den Job hinten an, schau mal nach links und nach rechts – das hätte was ganz großes werden können. Wenn es nur nicht so unglaublich offensichtlich gewesen wäre. Die Handlung läßt sich in diesem einen Satz zusammenfassen. Und alles drumherum, auch Figuren und Schauplätze, wurden einfach nicht warm mit mir. Ich habe ein wenig das Gefühl, ein Buch zu lesen, das als Film ein netter Weihnachtsfilm wäre, den man gerne einmal anschaut. Aber ich möchte kein Drehbuch lesen, sondern einen Roman.

Das Herz ihrer Tochter – Jodi Picoult

Eine neue Picoult ist ja an sich ein Grund zur Freude. Fans ihrer Schreibe werden auch von diesem Buch sicherlich nicht enttäuscht werden, es ist wieder gut recherchiert, soweit ich das überblicken kann, absolut süffig zu lesen und ja, auch spannend. Die Grundidee ist die Organspende (Herz) eines Todeszelleninsassen. Allerdings möchte er sein Herz nicht irgendwem spenden – sondern der schwerkranken Tochter von June Nealon, deren Ehemann und andere Tochter er vor Jahren erschoß. Echte Reue? Was steckt dahinter?

Picoult berichtet wieder aus den unterschiedlichen Sichtweisen der handelnden Personen, stellt diesmal die männliche Sicht etwas in den Vordergrund. Was mich zu einer etwas verhaltenen Reaktion bringt, ist das sie nicht nur ein oder zwei Hauptthemen bzw. „heisse Eisen“ im Feuer hat, sondern gleich 3 große Themen, die viel Erklärung und Wissen brauchen. Den ein oder anderen mag dieses Konstrukt ein wenig erschlagen, zumal eines der großen Themen die unterschiedlichen Weltreligionen recht intensiv beleuchtet. Das ist einfach nicht jedermanns Sache. Wer Picoult noch nicht kennt, dem würde ich eher andere Werke von ihr empfehlen, für den Einstieg. Trotz allem hat dieser Schmöker absolut das Recht, im Bücherregal zu stehen. Diskussionsbedarf bietet er jedenfalls reichlich!

Das Gegenteil von oben – Oliver Uschmann

Man kennt diesen Autor eigentlich von der „Hartmut und Ich“ -Reihe. Als ich las, das er ein Jugendbuch geschrieben hat, musste ich es haben. Und ich sage: endlich mal ein  Jugendbuch, das aktuelle Themen wie Kindesentführung/Mißbrauch, Stalking, Zocken behandelt, den moralischen Zeigefinger weglässt und trotzdem zum Nachdenken anregt. Fabelhafte Schullektüre wäre das! Dennis hat ein etwas schräges Hobby – er beobachtet Leute im Hochhaus gegenüber mit dem Fernglas. Allerdings geht er noch einen Schritt weiter: er verschickt Codes, kleine Nachrichten an die Leute im Haus gegenüber, wenn diese sich streiten, Sudokus an die einsame Dame von gegenüber… Am liebsten beobachtet er allerdings die Hausmeisterfamilie, die so harmonisch wirkt – Dennis vermisst seinen Vater, von dem seine Mutter fast nie spricht.

Als sich im Haus gegenüber etwas verändert, wird Dennis stutzig.  Beobachtet er grade ein Verbrechen? Oder gibt es für alles einfache Erklärungen? Die Ereignisse im anderen Turm bringen sein Leben gehörig durcheinander und ja – Dennis muss auch ein Leben selbst in die Hand nehmen und es verändern.

Klasse Jugendbuch, toll geschrieben, spannend bis zum Schluss!