Und im Zweifel für Dich selbst – Elisabeth Rank

Ein toll gestaltetes Kleinod bei Suhrkamp. Eine ganz junge Autorin, ein schmales, kleines Buch und ein ganz großes Thema: der Tod. Elisabeth Rank hat hier einen ganz wunderbaren Roman geschrieben, mit trauriger, so schöner Sprache, ganzen Sätzen die ich mir herausschreiben wollte, weil sie so sehr den Kern der Sache trafen. Und sie hat es geschafft über ein tiefes, trauriges Thema, den Tod eines geliebten Menschen und die Verzweiflung so berührend zu schreiben, das ich immer mal innehalten musste, weil es mich berührte. Sie hat darüber hinaus aber noch die Generation der jungen Menschen heute so passend gezeichnet und über Freundschaft so intensiv geschrieben, das ich eigentlich nur noch frage: Und was schreiben Sie als nächstes? Ich will es lesen!

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Der Verwilderte Park – Jaques Roubaud

Ein kleines Werk aus dem wunderbaren Wagenbach Verlag. Beeindruckend, wie Roubaud anhand der Kindheitserinnerungen von Dora und Jaques die im Sommer 1942 auf dem Land untergebracht werden, die vorherrschenden Ereignisse schildert. Die Kinder verleben einen wilden Sommer, gelegentlich vom Murmeln der Erwachsenen und einigen aufgeschnappten Fetzen aus dem Radio unterbrochen. Man spürt unterschwellig,  das etwas im Busch sein muss – die ganze Tragweite ist den Kindern aber nicht klar und auch der Leser wird bis zum Schluss nur vage unterrichtet. Diese Atmosphäre zu erzeugen, das ist Kunst – auch die Beschreibungen der Streifzüge durch die Natur sind so wunderbar geschrieben. Für mich ein schönes Kleinod im Bücherwald, selten wird eine so kurze Zeitspanne so trefflich erzählt.

Köchin für einen Sommer – Bethan Roberts

Ein schöner, leichter Sommerroman. Im Jahre 1936 verdingt die junge Kitty sich als Köchin bei einer äußerst exzentrischen Amerikanerin, die sich mit ihrem Geliebten, einem Schriftsteller und ihrer Tochter in einem englischen Cottage einigelt. Eigentlich ist von Anfang an klar, das alle Figuren in dieser Konstellation nicht glücklich werden können. Große Überraschungen sind also nicht zu erwarten, aber es ist so schön „englisch“ geschrieben und die Gegend und das Cottage werden sehr bildhaft dargestellt. Ein weiter Pluspunkt sind sicherlich die liebevoll gezeichneten Protagonisten mit all ihren Schrullen und inneren Gefühlswirren.

Gefühlsecht – Andrea Russo

Einer der Gründe, weshalb ich dieses Buch anfing, war das die Autorin gebürtige Hanauerin ist & das ich das Cover ganz witzig fand. Tja, eigentlich ist die Geschichte recht unterhaltsam, es gibt nicht unbedingt große Überraschungen aber dennoch einige nette Einfälle. Handwerklich garnicht verkehrt, insgesamt hatte ich aber das Gefühl, hier wird eine Beziehungsgeschichte geschrieben und dann mit allem möglichen Kram aus der Sex-Welt ausstaffiert. Das wirkte doch ein bisschen arg bemüht. Eigentlich schade, denn als lockere Unterhaltung wars wirklich okay – nur das man eben das Gefühl hatte, es muss unbedingt noch ein bisschen was an Tabu-Themen rein, damit das Buch ein wenig PR bekommt. Kann man lesen, muss man aber nicht.

Die unsichtbaren Stimmen – Carolina de Robertis

Hier kommt ein Buch über das ich schwärmen werde! Ein toller, verschlungener Roman, der mystisch und opulent anfängt und zum Ende hin immer spannender wird. Über 3 Generationen hinweg werden 3 Frauen und ihre (Familien)-Geschichte beschrieben und das sehr mitreißend und packend. Lässt sich super lesen, macht immer Lust auf mehr und hat den Vergleich mit Allende absolut verdient! Auch das der Roman in Uruguay spielt und verschiedenste Kulturen sich im Laufe des Buches dazumischen macht das ganze einfach noch „runder“. Für mich eines der Highlights für diesen Sommer als Lektüre!

Krankmeldungen – Gwendoline Riley

„Mal wieder“ ein Buch über ein junges Mädchen, ohne Perspektive, in einer großen Stadt, die ihre Tage mit Teetrinken, sich betrinken, schreiben, schlafen und Rumhängen verbringt. Aber zum Glück schreibt Gwendoline Riley es so, das man wirklich das Gefühl hat, die Protagonistin hat sich ausgeklinkt, sich „krankgemeldet“, so wirkt das Bild das die Autorin entwirft, weniger hart, auch die Figur der Donna, ihrer besten Freundin die jeden Sturz „abfedert“ hilft dabei. Ein bisschen deprimierend finde ich eine so junge gescheiterte Existenz immer beim Lesen, aber das ist ja auch die Kunst: den Leser zu bannen und einfühlen zu lassen in diese Welt. Gut gemacht, Frau Riley!

Ich knall euch ab – Morton Rhue

Nicht Rhues bestes Buch, aber doch sehr bedrückend, wie er sich diesem (leider so aktuellem) Thema widmet. Er klärt nicht die Schuldfrage, er lässt in Fragmenten Mitschüler, Eltern, Freundinnen, Lehrer, Nachbarn zur Sprache kommen und jeder fragt sich, versucht zu erklären – wie konnte es zu dieser Tragödie kommen? Vielleicht gefällt mir das grade so daran – das klar wird, das eine solche Tat aus sovielen verschiedenen Punkten besteht und das man an sovielem arbeiten muss, wenn Schulen wieder ein sicherer Ort werden sollen, an dem Toleranz herrscht, an dem niemand „zurückbleibt“.

Empörung – Philip Roth

Wow! Mein erster Philip Roth und ich verstehe, warum der Mann so oft gelobt wird. Er hat einen sehr klaren Ausdruck, sehr einfach aber nicht ohne Anspruch. Erzählt wird in diesem kurzen Roman die Geschichte eines Metzgersohnes der im Jahre 1951, während des Koreakrieges, um der elterlichen Sorge zu entgehen, an ein weit entferntes College flieht. Klingt langweilig? Ist es aber nicht! Die verdrehten Moralvorstellungen, die eigentlich so „einfache Welt“ verdeckt das im Getriebe ganz gehörig Sand steckt. Toller Stil, regt zum Nachdenken an und vielen Fragen. Richtig gut!