Ich habe schon länger immer mal wieder nach einem gemütlichen Beziehungsroman gesucht, etwas fürs Sofa, den Urlaub, mit einem gewissen Witz, ohne dabei platt zu sein, wie das ja leider oft passiert. Bei Juli Rautenberg wurde ich fündig: eine frische Schreibe mit Wortwitz, sympathische Protagonisten und der ganz normale (schonungslos ehrlich betrachtete) Beziehungswahnsinn. Hat mir Spaß gemacht!
Kategorie: R
Der Liebhaber meines Mannes – Bethan Roberts
Ich kannte bereits ein anderes Buch von ihr, was mir soweit ganz gut gefiel. Bei diesem Roman gab es auch eine Gemeinsamkeit: die Autorin hat die Gabe, eine bestimmte Zeitspanne, die Stimmung einer Epoche sehr plastisch und authentisch rüberzubringen. Trotzdem wirkt ihr Schreiben und ihre Figuren manchmal sperrig, obwohl die Geschichten gut durchdacht sind und sich auch entfalten, bleibt so ein bisschen das Gefühl, hier und da ein wenig ins Straucheln zu geraten. Trotzdem, allein für das Aufgreifen eines Tabu-Themas habe ich das Lesen dieses Romanes nicht bereut.
Das Glücksprojekt – Alexandra Reinwarth
Die Autorin auf der Suche nach dem Glück. Zurück bei mir bleibt: hat sie denn eigentlich überhaupt etwas gefunden, was sie glücklich macht? Der ein oder andere Exkurs war nett zu lesen, hier und da mal eine Anregung dabei. Aber ich glaube, über dem ganzen Suchen nach Methoden, blieb das Zurückbesinnen, auf das, was man schon hat und die Dankbarkeit dafür, ein wenig auf der Strecke, zumindest ging es mir beim Lesen so. Im Endeffekt bleibt das Glück flüchtig und liegt für jeden woanders.
Elsa ungeheuer – Astrid Rosenfeld
Es tut mir in der Seele weh… Ich fing das Buch an: war gleich wieder gefangen vom tollen Stil Rosenfelds. Die Beschreibung der Kinder und Jugendjahre, vermischt mit den Skurrilitäten, die ein kleines Dorf mit sich bringt. Bis dahin dachte ich: klasse, ein schöner Roman mit viel Potential. Doch dann kam der Sprung ins Erwachsenenleben der Protagonisten und für mich der Bruch – hier war noch ein Hauch der wirklich tollen Ideen des ersten Teils zu spüren, meine Begeisterung nahm aber immer mehr ab – wohin sollte dieser Roman führen – war das wirklich alles? Irgendwie hatte ich nach dem Auftakt anderes, soviel mehr erwartet. Das Buch plätscherte nur noch so vor sich hin, die Ereignisse kamen mir nicht mehr nahe. Wie gesagt – es tut mir richtiggehend weh, diesen Leseeindruck zu schreiben, hatte ich doch mit „Adams Erbe“ ein so großartiges Buch gelesen. Aber: ich werde auch das nächste lesen und auch wieder große Erwartungen haben – denn schreiben, das kann Rosenfeld definitiv.
Die Abenteuer meines ehemaligen Bankberaters – Tilman Rammstedt
Wenn ich einen jungen, deutschen Autoren nennen müsste, der es schafft, witzig zu schreiben, ohne dabei platt zu wirken, der intelligent schreibt und mit einer wunderbaren Komik und dabei stets sein Niveau hält – Tilman Rammstedt! Wiedermal fühlte ich mich herrlich unterhalten, eine absurde Geschichte die mich begeistert hat: wer hätte nicht gerne einen solchen Bankberater? Ich kann nur sagen: bitte, bitte bleiben Sie dem Schreiben gewogen, lieber Herr Rammstedt – mein Bücherregal braucht Sie!
Ein plötzlicher Todesfall – J.K. Rowling
Mit Spannung habe ich die neue Rowling erwartet – wie soviele andere auch. Abschliessend kann ich sagen: ich war lange nicht so enttäuscht, wie ich (laut diversen Zeitungen) hätte sein müssen, leider aber auch nicht so begeistert, wie ich hätte sein können. Rowling hat einen großen Gesellschaftsroman geschrieben und sie hat sich damit freigeschwommen, indem sie alles hineingepackt hat: sie provoziert und ist unheimlich plakativ das kann einem schnell zuviel werden. Trotzdem hat es mir Spaß gemacht, Schicht um Schicht die Personen des Dorfes zu enthüllen, Rowling tut ihren Helden ganz schön was an… das Buch hat definitiv einige Längen, zieht zur Mitte hin aber nochmals an und der Schluss ist heftig und liess meine Gesamtwertung nochmals steigen. Einige Figuren und Szenerien sind ihr unheimlich gut gelungen, da ziehe ich den Hut vor ihr. Ich freue mich auf ihr nächstes Buch, weil dieses sich dann nicht mehr so stark „abgrenzen“ muss von Harry Potter – und dann wohl ziemlich sicher meinen Geschmack treffen wird.
die laute – Michael Roes
Noch ein Buch, welches ich von der Longlist des Deutschen Buchpreises 2012 gelesen habe. Ich war auch ziemlich enttäuscht, dass es nicht auf der Shorlist landete, es hatte zwar harte Konkurrenz, aber hätte es durchaus verdient gehabt. Die Geschichte einer gehörlosen Komponisten klang für mich schon so abstrakt, dass ich allein deswegen das Buch lesen wollte – und es hat sich gelohnt. Die Leseprobe führte mich in eine der beiden Erzählstränge, die Gegenwart des Protagonisten, der versucht, sein Leben zu führen, seiner Begabung nachzugehen, seiner Musik und damit mehr als einmal aneckt. Diese Episoden haben mir recht gut gefallen – was das Buch für mich aber wirklich sehr lesenswert machte, waren die Kindheitserinnerungen des Komponisten, die mich stark (und damit lehne ich mich sicher aus dem Fenster, aber gut) an Khaled Hosseinis „Drachenläufer“ erinnerten. Was für eine Sprache, was für eine Geschichte, ich habe mitgefiebert, mitgelitten, mitgeträumt und eine mir fremde Welt fast berühren können, während ich lesend in ihr versank. Wirklich aussergewöhnlich und ganz unbedingt eine Leseempfehlung von mir!
Der Gefangene des Himmels – Carlos Ruiz Zafón
Der dritte Teil der insgesamt vier Bände der Barcelona-Saga oder soll man sagen – rund um den Friedhof der vergessenen Bücher? Der erste Teil (Der Schatten des Windes) war wirklich ein eindrucksvolles Buch, der Nachfolger (Spiel des Engels) wurde von vielen kritisch beurteilt, ich mochte ihn, trotz kleiner Durststrecken. Hier verhält es sich nun so: es hat nicht die Dichte des ersten Bandes, aber liest sich sehr viel leichter, als der doch sehr verworrene zweite Teil. Es hat eine Leichtigkeit, die es einen schnell wegschmökern lässt. Vorallem hat mir dieser Band aber einige Aha-Erlebnisse im Bezug auf Teil 1&2 erbracht, er schliesst einiges an Lücken. Ich würde einem Neueinsteiger fast empfehlen, erst Band Eins, dann Band Drei und dann Band Zwei zu lesen – mal schauen, wie sich der vierte Band in dieses Gefüge packen lässt. Jedenfalls: toller Schmöker, humorvoll und spannend!Und Barcelona…es ist einfach so toll, wenn man viele dieser Orte im Buch bereits mit eigenen Augen gesehen hat – man fühlt sich, als wäre man dort!
Über uns Stille – Morton Rhue
Eigentlich mag ich Morton Rhue. Eigentlich mochte ich auch dieses Buch, welches sich mit einem fiktiven Atomangriff befasst – und der einzigen Familie innerhalb einer Straße, die wirklich einen Bunker baute, um zu überleben. Als der Angriff stattfindet, muss die Familie viele Entscheidungen treffen – zum Teil um Leben und Tod, denn der Zufluchtsort ist an sich nur auf die Familie ausgerichtet. Rhue hat hier ein, ich denke mal durchaus nicht ganz unrealistisches, Bild einer Katastrophe gezeichnet. Und doch überzeugt es mich nicht komplett – denn auch wenn es ein Jugendbuch ist, ist mir manches zu verknappt, zu vereinfacht gedacht (im Vergleich dazu ist „Die Welle“ obwohl nicht umfangreicher, viel anspruchsvoller, weil auch vieles zwischen den Zeilen stattfindet). Es ist insofern in Ordnung, weil es einen ganz guten Einstieg ins Thema bietet, allerdings würde ich es erst ab 14 empfehlen und mich dann fragen, ob mit 14, 15, 16 nicht schon deutlich „massivere“ Literatur zugemutet werden kann, mit mehr Inhalt und Gewicht.
Hilfe, die Herdmanns kommen! – Barbara Robinson
Von diesem Weihnachtsklassiker wird mir seit Jahren vorgeschwärmt – von Kollegen, von Kunden, von Freunden. Dieses Jahr habe ich dann endlich zugegriffen und was soll ich sagen? Sie hatten alle recht! Urkomisch, dabei gleichzeitig aber so rührend zum Schluss hin – das werde ich ganz definitiv meinen Kindern vorlesen (und der eine oder andere Erwachsene könnte die Lektüre, gerade zur Weihnachtszeit, auch durchaus vertragen). Diese wilde Herdmann-Truppe hat Potential und mir sehr viel Spaß gemacht!