Irisches Tagebuch – Heinrich Böll

Die verlorene Ehre der Katharina Blum gefiel mir ja in der Schule wirklich. Klar, hart &  gut. Irland ist ein wunderbares Stück Erde, die Beschreibungen von Böll treffen meiner Meinung nach zum Teil auch wunderbar den Alltag zu dieser Zeit, kleine skurrile Ereignisse die nur dieses Land zutage bringt. Trotzdem hatte ich mit einigen Abschweifungen, Verschachtelungen zu kämpfen, manches erschien mir doch recht wahllos aneinander gereiht. Wer sich für das Irland dieser Zeit interessiert und sich nicht an diesem Episoden/Tagebuch-Stil stört, für den ist es ein schönes, kleines Buch. Ich würde ihm eine 3 geben – nicht schlecht aber für mich auch nicht herausragend.

Requiem für einen Henker – Jaques Berndorf

Meine liebe Kollegin A. hatte mir bei einem Besuch bei ihr letztens folgenden Anfang vorgelesen:

Leonhard Cohen sang drohend „First we take Manhattan“, die Katze Krümel raste in einem Anfall von Schwangerschaftsfieber über den Küchentisch und warf den Honigtopf um, das Telefon schrillte, die Türglocke läutete, und ein Mann brüllte: Briketts!“

Gradezu begeistert musste ich also diesen Herrn Berndorf mal lesen. Der Band ist „Siggi Baumeister auf Abwegen, die Erste“ also ein guter Einstieg, wenn man die Eifel-Krimis auch noch nicht kennt. Habe mir nach dem Genuss erstmal die anderen „Auf Abwegen“ und den ersten Eifel-Krimi (Eifel-Blues) bestellt…

Ich bin und war begeistert. Baumeister ist eine herrliche Figur, sehr in sich ruhend, aber lässt nicht locker. Ausserdem mit trockenem Humor und Liebe zu seiner Katze Krümel (was ich besonders gut finde, hat mein Kater doch den gleichen Namen!) ausgestattet – herrlich. Der Fall gefiel mir auch sehr gut, spannend und packend und kommt ohne großes „Trara“ aus. Tolle Schreibe, toller Fall, genialer Humor. Ich werde da definitiv noch mehr lesen…

Zum Abschluss noch ein Zitat…

„Also machte ich mich gemächlich auf, um zu sehen, was denn da Furchtbares geschehen war. Vermutlich hatten sie eine alte Keksdose gefunden und wussten nicht ob es eine Bombe war, oder eine Keksdose.“

Die Fahrt – Sibylle Berg

Von Frau Berg erwarte ich ja schon einiges. Schnodderig-hingerotzt, mit einer Wut und im Endeffekt ist eh alles scheisse. Es wird geraucht, gesoffen, Drogen konsumiert und jeder tut es mit jedem. So ist es auch in „Die Fahrt“. Allerdings greift die Autorin hier ein etwas anderes Thema auf, die Rastlosigkeit und den Sinn des Lebens (so denn es überhaupt einen gibt). Das die Möglichkeit, alles zu tun und überall wohnen zu können, manchmal einsamer und unglücklicher macht als 30 Jahre im selben Dorf zu wohnen. Ihre Figuren sind miteinander verwoben, ohne es immer zu wissen. Jeder kennt jeden. Die Scheiss-Erde ist zu klein, so spielt dieses Buch in Berlin, Island, Amerika und noch vielen anderen Orten…. Mir hat diese, durchaus für echte Fans etwas zu gemässigte Frau Berg gut gefallen. Denn die lässt ein kleines Fünkchen Hoffnung sprühen. Und so „scheisse“ das Leben ihrer Protagonisten auch ist – irgendwo sind es doch alles Menschen mit diesem nur allzu menschlichen Durst nach Heimat.

Scherbenpark – Alina Bronsky

Für mich zunächst mal „dienstliche“ Lektüre, ist dieses Buch doch das Buch, welches unsere Stadt 2009 im Juni lesen wird. Hier wird eine Geschichte ehrlich und authentisch erzählt – die Geschichte von Sascha, die aus Moskau kommt, aber in Deutschland lebt. Sie hat 2 Ziele – sie will ein Buch über ihre ermordete Mutter schreiben und sie will den Mörder töten. Hier erzählt eine 17jährige mit unglaublicher Schlagkraft, so trocken, das es teilweise wehtut und doch so sensibel, das man das Gefühl hat, direkt in sie hineinzuschauen. Sie lebt in einer ganz eigenen Welt, hat neben der Trauer um die Mutter noch das Leben in ihrem russischen „Solitär“, die Aufsicht über die jüngeren Geschwister und die verwirrende Liebe zu meistern. Aber Sascha behauptet sich. Und das liest sich so packend, so überraschend, das ich das Buch wirklich nur empfehlen und durchaus als künftige Schullektüre empfehlen würde! Kein moralischer Zeigefinger, keine konstruierte Geschichte – es ist einfach überzeugend und „echt“.

Das verlorene Leben – Frank Bresching

Las sich wirklich sehr gut durch, es gibt solche Bücher die man einfach ohne Kanten durchlesen kann – dieses gehört dazu. Anfangs noch fast naiv erzählt, fragt man sich, wo bleibt der Psychothriller? Nach und nach entblättert sich die Geschichte aber es bleibt doch sehr lange spannend…und man erwartet den Schluss meiner Meinung nach in dieser Form absolut nicht.

Doch, wirklich gelungen und noch dazu ein deutscher Krimi – bin angetan!

Sex2 – Sibylle Berg

Obwohl es mir mal wieder wirklich gut gefällt – es liest sich nicht so leicht, ist ziemlich deprimierend und traurig, diese Großstadt, jedes Einzelschicksal auf seine Art depressiv oder auch krankhaft…und doch finde ich, bringt Frau Berg es sehr auf den Punkt. Keine leichte Lektüre…werd wahrscheinlich in Etappen lesen, habe Lust zu lesen, aber den ganzen Tag über, da wird einem selbst irgendwann trüb…[…]

Nun ist die Berg auch durch – der obige Eindruck bleibt – ich find das Buch toll, aber es ist wirklich heftig – jedes Schicksal hat seine Leiche im Keller (fast schon wörtlich zu nehmen..), Sex, Drogen, Mordgelüste – alles dabei. Aber sowas muss man halt auch erstmal schreiben können …;-)

Frühstück mit Känguruhs – Bill Bryson

Nachdem meine Siz doch schon vor 2 Jahren für ein Jahr in Australien war, muss ichs nun endlich mal lesen…;-) Zumal ich Bryson einfach herrlich zu lesen finde! Ausserdem holt es mir vielleicht etwas Sonne aufs Sofa […] Also, das macht ECHT Lust auf Australien. Mal wieder toll, interessant, witzig und gespickt mit Wissen. Sogar ich, der Reisemuffel, hab jetzt ein bisschen Fernweh…was ein interessantes Land, ehrlich. Bin ehrlich begeistert und fange an zu sparen…!

Die Penderwicks – Jeanne Birdsall

Ich habe ein neues Lieblingskinderbuch! Wow, ist das ein süsses, schönes Buch! Wundervoll altmodisch und doch zeitlos erzählt es die Geschichte der Penderwick-Schwestern, 4 unterschiedlicher Mädels im Alter von 4-13 und ihrem alleinerziehenden Vater. Die Penderwicks verbringen ihre Ferien in einem butteriggelben Ferienhaus – welches an das wunderschöne Anwesen von Miss Tifton angrenzt – die die Penderwick-Mädchen allerdings nicht grade sympathisch findet – ganz im Gegensatz zu ihrem Sohn Jeffrey – wunderbar erzählt, mit Witz, schöner Sprache, Spannung und herrlicher Komik. Ich habe sehr viel gelacht und geschmunzelt…für Mädchen ab 10 oder ab 8 zum Vorlesen bestens geeignet! Ein Sommer-Urlaubs-Wohlfühl-Buch!