Die Shakespeare-Schwestern – Eleanor Brown

(Lesekreis): Also – bisher gefällt es mir wirklich gut. Für mich verbucht das Buch einiges an Pluspunkten: ein kleiner, aber für mich immer spannender, dass es mal in einem ganz anderen Bundesstaat spielt – so gerne ich auch von NYC oder San Francisco lese, freue ich mich doch immer, mal etwas neues zu erkunden. Auch der Wechsel zwischen einer gewissen Flapsigkeit und wieder ernsthafteren Passagen, die die Familienbeziehungen durchleuchten, ist bisher gut gelungen. Dann natürlich der Vater und seine Shakespeare-Zitate, das ist einfach eine schön-schrullige Idee, die sich ja durch den ganzen Roman zieht. Und als eine Tochter und vorallem als Geschwisterkind, deren andere Geschwister und ich jeweils auch Namen im „Zusammenhang“ erhalten haben, kann ich auch das sehr gut nachvollziehen ;-).

Was mich ein wenig irritiert, jetzt nichtmal negativ, ist die Erzählstimme. Es ist ja eindeutig innerhalb der Schwestern, aber keine spezielle. Das finde ich etwas gewöhnungsbedürftig, aber auch nicht schlimm. Ansonsten lässt es sich einfach angenehm lesen, ich bin sehr gespannt auf die weiteren Entwicklungen und ob das Buch weiter so gemächlich voranschreitet und es einen großen Showdown gibt…oder es jetzt etwas an Schlagzahl aufnimmt. Ergo: es kam kein großer Sturm mehr auf, trotzdem liess es sich sehr nett lesen und geht als unterhaltsame Sommerlektüre durch.

Ein menschliches Herz – Irvin D. Yalom/Bob Berger

Eigentlich mehr ein Essay oder eine Novelle, als gleich ein ganzes Buch – aber oft ist ja nicht die Länge entscheidend. Yalom erzählt in wenigen Worten, dafür mit Kraft die Geschichte seines Kollegen und Freundes Bob Berger, der seit Jahrzehnten die Erlebnisse des Holocausts in sich trägt und lässt den Leser dabei selbst entscheiden, wo die Grenze zwischen Gespräch, Erzählung, Erinnerung liegen mag. Beeindruckend.

Mein Hund Mister Matti – Michael Gerad Bauer

Auf den ersten Blick dachte ich: schöne, unaufgeregte Familiengeschichte rund um einen Hund. Das ist auch nicht ganz falsch, allerdings ist Mister Matti mehr als nur ein Hund – er gehört samt und sonders zur Familie. Und in dieser ist längst nicht alles immer bonbonfarben. Nein, hier gibt es auch Streit, Mißverständnisse und Spannungen. Bauer versteht es, diese Dinge einfließen zu lassen, ohne sie überhand nehmen zu lassen und gibt dem Leser damit die Möglichkeit, sich sehr mit dem jungen Protagonisten zu identifizieren. Aber die Zeit mit Mister Matti ist auch witzig und zum Schmunzeln – zum Schluss hin – und das hat länger kein Buch mehr geschafft – musste ich allerdings auch die Tränen wegwischen – und ich bin froh, dass sich dieses Buch mehr ist, als nur ein paar Anekdoten um ein Haustier – nämlich eine wunderbare Geschichte für Kinder, die sich mit dem ganzen Leben auseinandersetzt!

Picknick mit Bären – Bill Bryson

Was soll ich sagen – ich MAG Bill Bryson einfach. Seine Fähigkeit, sich selbst auf den Arm zu nehmen, seine Ideen, seinen Schreibstil – mit ihm kann ich die Welt bereisen, ohne mein Bett zu verlassen. Auch in diesem Werk, in dem er den Versuch startet, den Appalachian Trail zu laufen, den längsten Trail in den USA, war es wieder so, dass ich einfach genoßen habe, als „dritte Frau“ mit dabei zu sein. Andere Bücher mochte ich vielleicht einen Ticken lieber, weil die USA jetzt nicht mein Favorit sind, was Reisen angeht, aber gerade deswegen ist es ja auch spannend, dieses Land mal von einer ganz anderen Seite kennenzulernen.

Laqua – Nina Blazon

Ein Kinderbuch ab etwa 10 Jahren, angesiedelt in Venedig. Diese Stadt habe ich bereits besucht und finde, die Autorin hat die Örtlichkeiten sehr authentisch beschrieben. Es kommt eine spannende Atmosphäre auf und die unheimlichen Ereignisse um das alte Hotel von Kristina und Jans Urgroßmutter sind packend geschrieben. Ein runder und fantasievoller Abenteuerroman für Kinder, mit genau der richtigen Portion Grusel, den man schön wegschmökern kann.

Der Hochstapler – David Belbin

Ein herrlicher Schelmenroman eines ungewöhnlich sympathischen Hochstaplers. So ein Buch, welches man unbedingt in die Tasche stecken sollte für den Urlaub: unterhaltsam ohne seicht zu sein, mit vielen Anspielungen auf Literatur, einem gewissen Witz und man liest es einfach in einem Rutsch und mit Vergnügen! Im Laden erzähle ich mittlerweile immer die Anfangssequenz und spätestens danach nehmen mir die Kunden das Buch aus der Hand und tragen es glücklich zur Kasse…

Ismael Trilogie – Michael Gerad Bauer

Achtung, es folgt ein Begeisterungssturm! Diese wunderbare Trilogie hat mich wieder daran glauben lassen, dass es einfach wunderbare Jugendbücher (die gerade Jungs gerne lesen werden!) gibt. Die Bücher strotzen nur so vor Humor, ich habe gegrinst, lauthals gelacht, geschmunzelt – die ganze Palette vergnügten Lesens! Die Figuren rund um Ismael Leseur wachsen einem so ans Herz und begleiten den Leser zum Glück durch die ganzen drei Bände.

Was macht das Spezielle dieser Bücher aus? Ich würde sagen: der Autor hatte richtig viel Spaß am Schreiben gehabt, das spürt man in jedem Satz. Noch dazu verliert er über alle drei Bände nicht das Besondere, es wurde eher noch besser, weil man mit allen mitfieberte und die Eigenheiten der Agierenden schon kannte. Wer einen leseunwilligen Teenager zuhause hat – zugreifen. Wer sich mal wieder richtig amüsieren will – zugreifen. Wer gerne gut geschriebene, noch dazu die großen Themen betreffende Jugendliteratur lesen will – zugreifen. Ach, was sag ich: einfach bitte alle zugreifen, kaufen, lesen!

Nenn mich nicht Ismael / Ismael und der Auftritt der Seekühe / Ismael: Bereit sein ist alles

Liebe usw. – Julian Barnes

Wie kein zweiter Autor den ich bisher gelesen habe, versteht sich Barnes darauf, Beziehungsgeflechte genau zu sezieren. Seine Spezialität: das Erleben der einzelnen Figuren in dieser Dreiecksgeschichte gegeneinander zu stellen und immer wieder die Frage an den Leser zu richten: gibt es eine allumfassende Wahrheit? Oder ist es nicht vielmehr so, dass unsere Wahrnehmung und unsere Erinnerungen und Empfindungen nur von uns aus genau dieser Perspektive gefühlt werden können? Und je mehr man von Barnes liest, desto mehr merkt man: nein, es gibt kein Richtig, Falsch oder auch nur eine objektive Wahrheit. Ein Buch von ihm lässt einen nachdenklich zurück, lässt einen Sätze mehrfach lesen – und fordert heraus. Allerdings eine Herausforderung, die ich nur allzugerne annehme!

Die Penderwicks am Meer – Jeanne Birdsall

Die Penderwicks (von denen es bereits 2 Bände gab die ich heiss geliebt habe!) stehen für mich für eine ganz spezielle Art des Kinderbuchs. Es ist eine Herausforderung geworden, Kinderbücher zu schreiben, die weder traurige Themen scheuen, aber auch nicht davon beherrscht werden. Und in denen keine fantastischen Elemente Einzug halten – in denen aber auch nicht die ganze Welt ein Strom langsam dahinplätschernder positiver Ereignisse ist. Die Penderwicks sind 4 Schwestern, die man schon nach den ersten Seiten direkt vor seinen Augen sieht und sofort ins Herz schließt – und was sie zusammenhält, was sie stark macht, das sind sie eigentlich selbst – mit allem Mut, Lachen und Freundschaft. Wiedermal ein ganz wunderbares Leseerlebnis. Ich freue mich so auf die weiteren Bände und bin mir sicher: diese Bücher werde ich meinen Kindern wieder und wieder vorlesen.