Ich habe eine Schwäche für Kinderbücher, die skurril daherkommen. Als ich bei der wunderbaren Ada Mitsou dann von diesem Buch las, war klar: musste auch haben. Und ich bin sicher noch eine ganze Weile dankbar für diesen Tipp: das Buch hat soviel Herz, schräge Figuren und eine große Portion Witz und die ein oder andere wirklich ungewöhnliche Szene. Klasse! Und beim Schreiben sehe ich gerade, dass sie bereits den zweiten Band rezensiert hat und genauso begeistert war…na…der kommt dann wohl auch bald zu mir ;-)
Schlagwort: Schräg
Das Hotel New Hampshire – John Irving
Wie immer nach einem Irving bin ich ziemlich platt. Man muss ihn bewundern, für sein Fabulieren, seine Fantasie, seine schrägen und doch so glaubhaften Charaktere…und diese Fähigkeit, seitenweise genauestens alles auseinanderzuklamüsern, um einem dann in 3 lapidaren Nebensätzen eine Bombe vorzusetzen. Und es ist so schräg und dermaßen überzeichnet – ich schwanke immer zwischen Lachen und Entsetzen. Und er hat die Fähigkeit, mir eine Geschichte zu erzählen die ich nach einer kurzen Inhaltsangabe nie lesen würde, und die mich doch nicht loslässt. Wahnsinn. Einfach verrückt der Mann, aber in guter Weise. Wobei ich sagen muss, seine späteren Werke wirken dann doch angepasster und „Letzte Nacht in Twisted River“ war auch unheimlich abgedreht, hat mir aber supergut gefallen.
Flavia de Luce: Mord im Gurkenbeet – Alan Bradley
Lustigerweiser wollte ich meinen Leseeindruck mit „britischer Humor“ beginnen. Allerdings – der Autor ist Kanadier ;-) Nunja, abgesehen vom Humor (der also entweder angelesen oder einfach kanadisch ist, wer weiss? ) hat er eine herrlich schräge Krimi-Geschichte, angesiedelt in Großbritannien geschrieben und Flavia, die etwas anders ist, als die meisten Jugendlichen, eroberte mein Herz schnell. Nette Krimihandlung, ein bisschen Spannung, ein bisschen Rätselraten und die dubiose Familie rund um Flavia machen es zu einem schönen Schmöker für Menschen wie mich, die selten zu einem „normalen“ Krimi greifen!
Ich bin so Fry – Stephen Fry
Und weiter geht es mit der Biographie des Stephen Fry – hier werden nun seine College-Jahre und alles was danach folgt, Theater, Comedy, Radio, schriftstellerische Tätigkeiten geschildert. Fry ist recht gnadenlos mit sich selbst und im Verlaufe des Buches habe ich den Eindruck das er sich wirklich nicht gerade schont und versucht einen möglichst ungeschönten Einblick zu geben. Dieser zweite Teil seiner Biographie zog sich etwas mehr als der erste, was aber vorallem daran lag das ich die Medienlandschaft Großbritanniens zu dieser Zeit nicht besonders gut kenne und daher manchmal etwas erschlagen war von den ganzen Namen und Interna. Trotzdem – für jeden Stephen Fry Fan, für jeden Fan von feinem, britischen Humor und alle die schon immer mal wissen wollten wie Stephen Fry und Hugh Laurie Freunde wurden.
Columbus war ein Engländer – Stephen Fry
Die Jugendjahre des Stephen Fry – ein braver Chorknabe war der Gute sicherlich nicht. Witzig, charmant erzählt und ab und an ganz schön derb – so kommt diese Biographie daher. Ein paar kleine Längen hat sie, vorallem wenn man Stephen Fry und seine Geschichte kaum kennt, trotzdem hatte ich beim Lesen gute Unterhaltung und auch die Entwicklung die Fry durch macht ist fesselnd beschrieben. Danach kam jedenfalls gleich der Wunsch auf, auch die Fortsetzung (hier beschränkt er sich auf seine Jugendzeit) zu lesen.
Der Hundertjährige der aus dem Fenster sprang und verschwand – Jonas Jonasson
Für mich hat es Dennis Scheck perfekt formuliert –
Ein gelungener Unterhaltungsroman – nicht mehr, nicht weniger.
Und für alles weitere habe ich das Buch bei unserer Herbstlese vorgestellt und somit gibt es ausnahmsweise auch mal ein Video von mir: Klick!
Fast genial – Benedict Wells
Wenn ich sage, das ich mir von diesem Autor noch viel erwarte, greife ich sicher nicht zu hoch! Schon von der ersten Seite an war ich wieder gefangen in diesem ganz eigenen Stil – und ebenso rasant wie schon in seinen Vorgänger-Romanen nimmt uns Wells mit auf eine geradezu irrwitzige Entdeckungsreise – die von Francis. Dieser lebt in einem Trailerpark, gehört eher zur Sorte der Verlierer und hat sich in seinem trostlosen Leben schon gut eingerichtet. Als er unerwartet erfährt, das sein ihm unbekannter Vater ein Genie sein soll, macht sich Francis auf die Suche. Und das es dabei um soviel mehr als seinen Vater geht wird schnell klar. Das ganze pralle Leben passiert, widerfährt und begegnet ihm auf unterschiedlichste Weise . Dieser Roman lebt von Schnelligkeit und einer leisen Spannung die zum Schluss hin fast unerträglich wird – den Rest lest ihr lieber selbst. Diesen Roman sollte man im Herbst 2011 definitiv lesen!
Am Ende der Welt – Anthony McCarten
McCarten ist ja ein Liebling von mir – ich liebe seine schrägen Ideen, seine unangepassten Charaktere. Eigentlich stimmt hier auch wieder alles: schräge Protagonisten, eine ziemlich abgedrehte Grundidee inkl. Aliens um die sich die Handlung rankt. Aber irgendwie hat mir das Buch auch Schwierigkeiten bereitet – vielleicht weil ich von McCarten eher halbwegs realistische Romane gewohnt bin und mir nicht vorstellen konnte, wie er die Kurve aus dem SciFi-Bereich bekommen würde? Ich kann den Finger nicht drauf legen – ich habs gern gelesen, die Kurve hat er bekommen und zwar richtig gut. Aber zwischendrin hab ichs auch mal weggelegt und fand das nicht so dramatisch. Ein bisschen Schade, andererseits – vielleicht wars einfach diesmal nicht mein Fall.
Letzte Nacht in Twisted River – John Irving
Es juckt einen ja in den Fingern, ganz viel zu diesem wieder äußerst epischen Roman von Irving zu schreiben – gibt es doch soviel zu interpretieren, zu bemerken, zu entdecken. Und doch kann ich kurz sagen: Hat mir sehr gut gefallen, las sich schnell und mit Vergnügen! Der Roman hat zwar, irvingtypisch durchaus ein paar kleinere Längen, über diese kann ich jedoch großzügig hinwegsehen. Irving hat hier seine (für mich persönlich) am liebenswertesten Charaktere erschaffen. Seine Spielerei mit Namen und vorallem die Beschreibungen von kulinarischem haben Charme und wecken immer wieder die Lust auf mehr. Trotzdem hat der Roman seine Ecken und Kanten, sein Unangepasstes, einige Schrägheiten und Skurrilitäten, wie man das von Irving gewohnt ist. Ich denke sowohl alte Irving-Fans kommen voll auf ihre Kosten als auch Neueinsteiger – ich jedenfalls war nach diesem Irving wieder absolut von seinem Können überzeugt. Wer mich auf 832 Seiten immer wieder zu überraschen weiss, trotz das einige Motive bereits aus früheren Romanen bekannt sind und mich trotzdem auf hohem, literarischen Niveau unterhält und mich zwischendurch lachen und weinen läßt – der kann es einfach!
Gargoyle – Andrew Davidson
Ein schwer zu beschreibendes Buch. Keine wirkliche Fantasy, aber auch nicht „real“ genug um rein als normaler Roman gehandelt zu werden. Davidson vermischt die Lebensgeschichte seines Protagonisten, einem Brandopfer das sein Schicksal kaum zynischer bewerten könnte, mit der Geschichte einer ungewöhnlichen Bildhauerin, Marieanne Engel. Diese steht eines Tages am Krankenbett und behauptet, beide würden sich schon lange kennen – aus früheren Leben, wo beide ein Liebespaar waren. Der Autor benutzt Rückblenden, Rauschzustände und Erzählungen um so nach und nach ein irrwitziges Konstrukt zu bauen – und nicht nur der Leser fragt sich – wieviel davon ist „wahr“? Ist Marieanne Engel wirklich so alt oder hat sie einfach nur eine wahnsinnige Vorstellungskraft, vermischt mit Geisteskrankheit?
Ich habe mich etwas schwer getan, dennoch zu Ende gelesen, was für mich bei fast 600 Seiten durchaus ein Merkmal dafür ist, das es mir stellenweise sehr gefallen hat. Allerdings ist die Geschichte zeitweise wirklich sehr abgedreht und nicht jedermanns Sache – auch die einzelnen Erzählperspektiven haben unterschiedliches Kaliber.
Wer gern ungewöhnliches liest, eine Vorliebe für Sagen und Historisches hat und viel Sarkasmus, dem sei Gargoyle durchweg empfohlen. Wer eine innige Liebesgeschichte erwartet, wie es zum Teil beworben wird, dem würde ich eher etwas anderes in die Hand drücken.