Umgarnt – Kate Jacobs

Die Fortsetzung von „Die Maschen der Frauen„. Wieder begegnen wir den Mitgliedern des Strickclubs, allerdings einige Jahre später. Da man nicht viel sagen kann ohne zu spoilern, halte ich es kurz: alle sind älter geworden, es gibt einiges an Veränderungen in den  Freundschaften – insgesamt bricht das vertraute Gefüge auf und macht Platz für neues. Es war als Fortsetzung in Ordnung, interessant zu erfahren, was die Zukunft bereithielt, für einen netten Nachmittag in der Badewanne. Mehr aber leider auch nicht – der Erstling hatte für mich doch deutlich mehr Charme.

Engel des letzten Tages – Michal Viewegh

Dieses Buch habe ich aus der Verlagsvorschau „gefischt“ allein wegen des wunderschönen Covers. Und gut das dies passierte – eine kleine Perle dieses Buch! Viewegh beschreibt eine kleine Gruppe von Engeln in Prag, deren Aufgabe es ist, die Menschen in ihren letzten Stunden vor ihrem Tod zu begleiten. Und das tun diese nicht unbedingt auf die übliche Weise – da wird durchaus mit dem eigenen Schicksal gefochten – wieviel darf man den Sterbenden noch „helfen“ in Ordnung zu bringen? Wer bestimmt die Lebensdauer? Die Schicksale der Sterbenden sind miteinander verwoben – und obwohl das Buch einige Tränen hat rollen lassen, so gab es doch wunderschöne Momente der Hoffnung, wenn die Engel noch durch scheinbare Kleinigkeiten, das Leben der Überlebenden verändern…

Hat mir sehr gefallen und wird sicher einige Male verschenkt werden…

Ein geschenkter Tag – Anna Gavalda

Gavalda ist zurück und zwar so, wie wir sie lieben. Mit leiser Ironie, herrlich französisch und es bringt schonmal einen Hauch von Sommer…. Dieses Buch erzählt von einem geschenkten, ich mag fast sagen, einem geklauten Tag. Schon die ersten Seiten offenbaren den wundervollen Stil Gavaldas und das Buch verzaubert mit der Geschichte der 4 unterschiedlichen Geschwister und ihrem Leben. Ein Geschenk für die beste Freundin, die Schwester, die Mutter, die liebenswerte Arbeitskollegin – ach was, alle sollten in den Genuß dieses Buches kommen…!!!

Das Regenorchester – Hans-Jörg Schertenleib

Zwei wunderschöne Geschichten werden hier verwoben: die des Schweizer Schriftstellers, der nach Irland ausgewandert ist um hier zum Schreiben zu finden. Nachdem seine Frau ihn verlässt, trifft er auf Niahm, eine etwas rätselhafte Irin, die ihn, es scheint fast so als spüre sie, er braucht eine Aufgabe, zum Chronisten ihres Lebens macht. Wunderschöne Sprache, die Verletzbarkeit einer Trennung fast zu schmerzlich geschildert… Mit der Lebensgeschichte von Niahm entsteht vor einem ein ganzes Leben das nicht immer war, wie es sein sollte. Wer von beiden mehr von dieser Freundschaft hat, weiss man garnicht zu sagen. Traurig, schön und ein aussergewöhnliches Buch, das in einer Ecke Hoffnung aufblitzen lässt…

Becks letzter Sommer – Benedict Wells

Ich kann mich hier kurzfassen: dieses Buch muss in jede Reisetasche im Sommer 2010. Wells schreibt rasant und mit einer Kraft, das man von Anfang an gefesselt ist, von der Geschichte des Lehrers Beck, der statt mit eigener Band durchzustarten, dann doch „nur“ Lehrer wurde. Liest sich super, lässt einen laut lachen und mitleiden, ob der obskuren Entwicklungen, die schlussendlich zu einem Roadtrip quer durch Europa führen…die kleine Anmerkung sei mir erlaubt, das ich zuerst nach Beenden des Buches etwas enttäuscht war, das Beck das rasante zum Schluss hin verlor, fast schon unerträglich langsam wurde und so einige schriftstellerische „Breaks“ drin hatte. Nach einer Nacht darüber schlafen bin ich jedoch froh darum – die Schreibweise hat sich der Entwicklung des Romans angepasst – Beck würde sagen – ein langsames „fade out…“

Es wird mir fehlen, das Leben – Ruth Picardie

Zu diesem Buch kann ich eigentlich nur sagen, das es mich sehr tief berührt hat. Ruth Picardie war Journalistin, frischgebackene Mutter von Zwillingen und hatte eine so wunderbare Schreibe. Sie nahm den Kampf gegen den Krebs an, schrieb gegen ihn an, schrieb über das Leben mit ihm und die Angst vorm Sterben und das ganze so entwaffnend ehrlich, so berührend, das ich das ganze Buch über immer wieder Tränen wegwischen musste. In diesem Buch sind ihre Kolumnen und viele Mails und Briefe versammelt, die sie in dieser Zeit schrieb. Das Buch hat mich bewegt und ist etwas, was ich immer wieder aus dem Schrank holen werde…

So schön wie hier, kanns im Himmel gar nicht sein – Christoph Schlingensief

Dieses Buch hat mich einfach nur tief beeindruckt. Ich habe wirklich nicht so viele schöne, erhebende, intensive und ja, auch durchaus spirituelle Gedanken erwartet (und gerade diese haben es in sich!). Er trifft in so vielem genau den Punkt. Ein sehr eindringliches Buch, das ich jedem, der sich mit dem Thema Krebs auseinandersetzt ans Herz legen möchte.

Zwei Frauen – Diana Beate Hellmann

Dieses Buch ist ja schon ein wenig älter, die Thematik – die Auseinandersetzung mit Krebs, Tod, Lebenswillen allerdings immer aktuell. Auch wenn einige medizinische Details sich sicherlich heutzutage gewandelt haben, tut das der Intensivität dieses Buches keinen Abbruch. Als die junge Tänzerin Eva Martin die Diagnose Krebs bekommt, bricht eine Welt zusammen. Als sie im Krankenhaus mit Claudia Jakoby in ein Zimmer gelegt wird, kann sie mit dieser Person, die schimpft und zetert, sich über alles lustig macht und fluchend ereifert erstmal wenig anfangen. Doch gemeinsam geraten die beiden in einen Prozeß der klarmacht – so unterschiedlich sind beide nicht.

Das Buch hat mich zunächst mit seinem starken Schreibstil fasziniert. Später empfand ich ihn etwas weniger stark, was vielleicht aber auch an den Geschehnissen liegen mag. Das Buch ist teilweise ganz schön heftig, ich würde es sicherlich nicht jedem in jeder Lebensphase empfehlen. Man will es mal in die Ecke werfen, mal heult man und man ist mal voll Bewunderung für Claudia, mal ist man entnervt von Evas Höhenflügen und doch – hier kämpfen zwei Frauen und sie kämpfen um so viel.Hier geht es um Leben, Tod, um den Willen zu leben, um Schmerzen und um die Frage, was man eigentlich will.

Eine Empfehlung mit Vorwarnung, aber definitiv eine Empfehlung!

Die Fahrt – Sibylle Berg

Von Frau Berg erwarte ich ja schon einiges. Schnodderig-hingerotzt, mit einer Wut und im Endeffekt ist eh alles scheisse. Es wird geraucht, gesoffen, Drogen konsumiert und jeder tut es mit jedem. So ist es auch in „Die Fahrt“. Allerdings greift die Autorin hier ein etwas anderes Thema auf, die Rastlosigkeit und den Sinn des Lebens (so denn es überhaupt einen gibt). Das die Möglichkeit, alles zu tun und überall wohnen zu können, manchmal einsamer und unglücklicher macht als 30 Jahre im selben Dorf zu wohnen. Ihre Figuren sind miteinander verwoben, ohne es immer zu wissen. Jeder kennt jeden. Die Scheiss-Erde ist zu klein, so spielt dieses Buch in Berlin, Island, Amerika und noch vielen anderen Orten…. Mir hat diese, durchaus für echte Fans etwas zu gemässigte Frau Berg gut gefallen. Denn die lässt ein kleines Fünkchen Hoffnung sprühen. Und so „scheisse“ das Leben ihrer Protagonisten auch ist – irgendwo sind es doch alles Menschen mit diesem nur allzu menschlichen Durst nach Heimat.

Die Stille danach – Katrin Stehle

Sophia und Uli – die unzertrennlichen Zwillinge. Irgendwann, als sie älter werden, zerbricht das enge Band zwischen Ihnen. Als Uli einen Unfall hat, wird Sophia nachdenklich – kann ihre Familie wirklich mit diesem Schicksalsschlag umgehen? Wird alles totgeschwiegen, oder kommen sie schon klar? Und wer war Uli eigentlich? Bei dem Versuch, ihn und sei Leben zu verstehen, ist nicht klar, ob Sophia ihm näher kommt, oder sich immer mehr verliert – sie muss ihren eigenen Weg finden. Ein ziemlich trauriges, aber auch sehr nachdenkliches Jugendbuch, das mehr als nur eine Frage für den Leser aufwirft und einem ziemlich an die Nieren geht.