Zähl auf mich – Jorge Bucay

Viele Jahre sind vergangen, als der Patient aus „Komm, ich erzähl Dir eine Geschichte“ seinen alten Therapeuten aufsucht. Klüger ist er wohl geworden – aber auch weiser? Mit einer ganz anderen Art von Problemen und Sorgen konfrontiert er nun den alten Meister – und dieser antwortet auf die gewohnte Art: mit einer Geschichte… wieder sehr lesenswert, mit tollen Ansätzen, Ideen und faszinierenden Geschichten.

Komm, ich erzähl Dir eine Geschichte – Jorge Bucay

Schon seit Jahren kaufen einige Kunden dieses Buch immer mal wieder, was mich neugierig machte, aber dann doch nie zugreifen lies. Ich glaube, ich hatte etwas anderes erwartet, als ich bekam: und wie gut, dass ich dann mal zugriff, auf der Suche nach Urlaubslektüre. Fein verpackte Geschichten, eingebettet in eine Patienten-Therapeuten-Beziehung, welcher der Leser beiwohnen darf. Und zu sehen, wie bei unserem Ratsuchenden immer mal wieder der Groschen fällt (oder auch nicht ;-)) war aufschlussreich, mitunter vergnüglich und mit so einigen Aha-Effekten meinerseits verbunden. Die Gestalttherapie, die Bucay im Buch behandelt, hat durch die Lektüre für mich an Faszination gewonnen. Das Buch klingt angenehm lange nach, manche Geschichten las ich mehrfach und habe das Buch nun auch meinerseits schon einige Male weitergegeben.

What we talk about, when we talk about Anne Frank – Nathan Englander

Ein Buch, das lange nachhallt ist für dieses Werk fast zuwenig gesagt – an einige Geschichten erinnere ich mich nach Monaten noch und an das Gefühl der Gänsehaut und Bewegtheit beim Lesen. Ich bin kein großer Kurzgeschichtenfan, diese haben mich aber nicht nur begeistert, sondern auch nachdenklich werden lassen. Das Buch habe ich mehrfach verschenkt, behandelt es doch soviele große Themen: Schuld, Verantwortung, Liebe, Freundschaft, Sterben, Gerechtigkeit und den Spagat, den wir alle in der heutigen Zeit zwischen Ethik, Moral, unserer Geschichte, Religion und dem Zeitgeist machen. Sehr, sehr beeindruckend und ganz sicher nicht mein letztes Buch dieses Autors.

Ich nannte ihn Krawatte – Milena Michiko Flašar

Hat mir sehr, sehr gut gefallen. Ich hatte Gänsehaut, Tränen in den Augen – hier gehts um alles. Um das Leben, ums Überleben, mich hat es sehr berührt. Die Autorin malt in einer ganz unaufgeregten und doch poetischen Sprache so große Bilder. Hier treffen sich zwei Menschen, die der Gesellschaft verloren gegangen sind – im gemeinsamen Dialog finden die beiden ein wenig Halt im anderen und vielleicht auch ein wenig Weisheit. Dieses Buch ist so tieftraurig und auf der anderen Seite von so fragiler Schönheit… dieses Buch hat mich verändert und es wird auch andere Leser verändern, da bin ich mir sicher.

Fliehkräfte – Stephan Thome

Das Buch hat mich fast das ganze Jahr 2012 begleitet – zunächst als Leseexemplar im Frühjahr und wachsender Freude beim Lesen, dann, als die Kollegen es alle nacheinander lasen und aus den unterschiedlichsten Gründen begeistert waren, als wir es bei unseren Lieblingsbüchern vorstellten, als die Nominierung für den Deutschen Buchpreis kam und die Shortlist. Erschienen bei Suhrkamp, toll erzählt und gut zu lesen, eine Geschichte, die viele unterschiedliche Menschen ansprechen kann und es auch tat. Thome ist ein Glücksfall – er schreibt literarisch und doch nicht zu abgehoben, seine Figuren wirken so lebensnah und es bleibt schlicht zu sagen: das Buch lohnt sich einfach sehr!

Die Shakespeare-Schwestern – Eleanor Brown

(Lesekreis): Also – bisher gefällt es mir wirklich gut. Für mich verbucht das Buch einiges an Pluspunkten: ein kleiner, aber für mich immer spannender, dass es mal in einem ganz anderen Bundesstaat spielt – so gerne ich auch von NYC oder San Francisco lese, freue ich mich doch immer, mal etwas neues zu erkunden. Auch der Wechsel zwischen einer gewissen Flapsigkeit und wieder ernsthafteren Passagen, die die Familienbeziehungen durchleuchten, ist bisher gut gelungen. Dann natürlich der Vater und seine Shakespeare-Zitate, das ist einfach eine schön-schrullige Idee, die sich ja durch den ganzen Roman zieht. Und als eine Tochter und vorallem als Geschwisterkind, deren andere Geschwister und ich jeweils auch Namen im „Zusammenhang“ erhalten haben, kann ich auch das sehr gut nachvollziehen ;-).

Was mich ein wenig irritiert, jetzt nichtmal negativ, ist die Erzählstimme. Es ist ja eindeutig innerhalb der Schwestern, aber keine spezielle. Das finde ich etwas gewöhnungsbedürftig, aber auch nicht schlimm. Ansonsten lässt es sich einfach angenehm lesen, ich bin sehr gespannt auf die weiteren Entwicklungen und ob das Buch weiter so gemächlich voranschreitet und es einen großen Showdown gibt…oder es jetzt etwas an Schlagzahl aufnimmt. Ergo: es kam kein großer Sturm mehr auf, trotzdem liess es sich sehr nett lesen und geht als unterhaltsame Sommerlektüre durch.

Vollendet – Neal Shusterman

Spannende Jugendbuch-Dystopie, die sich mit dem Thema Leben und Tod und vorrangig der Frage beschäftigt: wielange lebt oder existiert man? Wovon hängt es ab, wieviel kann man verlieren, ohne sich selbst zu verlieren? Organspende und das Verbot von Abtreibung werden hier als Aufhänger für eine klassisch gestrickte Geschichte benutzt und bieten viel Stoff zum Nachdenken, wäre vielleicht sogar als Schullektüre interessant. Für mich einziger Wermutstropfen: der eine Band wäre für mich vollauf ausreichend gewesen, eine ganze Trilogie hatte ich nicht erwartet und werde wohl auch die weiteren Bände nicht lesen – dafür reicht mir die Thematik nicht weit genug.

Über uns Stille – Morton Rhue

Eigentlich mag ich Morton Rhue. Eigentlich mochte ich auch dieses Buch, welches sich mit einem fiktiven Atomangriff befasst – und der einzigen Familie innerhalb einer Straße, die wirklich einen Bunker baute, um zu überleben. Als der Angriff stattfindet, muss die Familie viele Entscheidungen treffen – zum Teil um Leben und Tod, denn der Zufluchtsort ist an sich nur auf die Familie ausgerichtet. Rhue hat hier ein, ich denke mal durchaus nicht ganz unrealistisches, Bild einer Katastrophe gezeichnet. Und doch überzeugt es mich nicht komplett – denn auch wenn es ein Jugendbuch ist, ist mir manches zu verknappt, zu vereinfacht gedacht (im Vergleich dazu ist „Die Welle“ obwohl nicht umfangreicher, viel anspruchsvoller, weil auch vieles zwischen den Zeilen stattfindet). Es ist insofern in Ordnung, weil es einen ganz guten Einstieg ins Thema bietet, allerdings würde ich es erst ab 14 empfehlen und mich dann fragen, ob mit 14, 15, 16 nicht schon deutlich „massivere“ Literatur zugemutet werden kann, mit mehr Inhalt und Gewicht.

Herzenstimmen – Jan-Philipp Sendker

Gelungene Fortsetzung eines Dauerbrenners. Ich verkaufe den Vorgänger „Das Herzenhören“ immer noch, nach Jahren, mit schöner Regelmäßigkeit. Der Spagat, einerseits wieder so ein bewegendes Buch zu schreiben, andererseits auch etwas Neues reinzubringen, hat funktioniert. Auch finde ich schön, dass Sendker hier klarmacht, das Julia in „Herzenhören“ zwar viel lernte und ihr Leben veränderte, aber nur den halben Weg ging – wie es oftmals ist, nach wichtigen Ereignissen, die im Laufe der Jahre und im Stress des Alltages doch wieder untergehen.

Abschied für Anfänger – Anne Tyler

Die Geschichte des Buches ist schnell erzählt, recht vorhersehbar und es war mir ein wenig zuviel „alles geht am Ende auf“-Gefühl. Bei einem anderen Autor würde ich es wohl als fast schon kitschig bezeichnen. Nicht so allerdings bei Anne Tyler – zum einen schreibt sie nicht seicht und zum anderen – das Leben kann durchaus diese Wendungen nehmen, „Geschichten die das Leben schrieb“ – und sie schreibt es so auf, dass ich es ihr abnehme.