Totenfrau – Bernhard Aichner

Wenn ich drei Wörter für dieses Buch finden wollte, würde ich die folgenden wählen: Heftig, schnell, hart. Denn Blum, die seit ihrer Jugend ihren eigenen Weg knallhart geht und als Bestatterin arbeitet, ist definitiv keine Frauenfigur für Zartbesaitete. Hier und da muss man schon einiges vertragen können und auch aushalten können. Mir hat der Krimi gut gefallen, auch wenn ich hier und da ein bestimmtes Stilmittel etwas zu viel fand, aber das hat dem recht atemlosen Lesen keinen Abbruch getan. Spannend, aber wie gesagt – nichts für sensible Leser.

Killmousky – Sibylle Lewitscharoff

Lewitscharoff schreibt einen Krimi. Nun, da war ich gespannt, liebe ich doch ihre Sprache und ihre Wortgewaltigkeit. Für diesen Krimi bedient sie sich allerdings einer sehr viel gängigeren Tonart, was ich einerseits schade finde, andererseits blitzt hier und da doch der gewohnte Stil durch – vielleicht ist diese Art zu schreiben auch für einen Krimi eher abträglich. Die Beteiligung des Katers hält sich in erfreulichen Grenzen, so dass hier kein weiterer tierischer Ermittler herangezüchtet wird, der Kriminfall selbst ist eher klassisch,  fast schon ein wenig altmodisch. Lewitscharoff hat nicht den Krimi neuerfunden – aber sie hat etwas gewagt, ist in ein neues Genre gesprungen und hat damit einiges riskiert. Dafür und für den an sich soliden Krimi, zolle ich ihr Respekt.

Verdacht ist ein unheimlicher Nachbar – Louise Welsh

Was haben wir hier – einen Krimi, einen Roman? Endgültig kann ich das Buch nicht einordnen, wohl aber meinen Eindruck. Es geht unter die Haut, schraubt die Spannung geradezu aufreizend langsam hoch, während man selbst schon nicht mehr weiss – ist es Einbildung oder spüren wir auch wie uns die Bedrohung beim Lesen langsam Gänsehaut verursacht? Stark!

Im Winter der Löwen – Jan Costin Wagner

Ein wenig ausserhalb der Reihenfolge lese ich Jan Costins Wagners Krimis – nachdem ich seine ersten beiden und seinen aktuellen Krimi gelesen habe, hatte ich nun auch dringenden Nachholbedarf, vorallem, nachdem ich ihn als sympathischen Autor bei unserer Lesung kennenlernen dürfte. Nun also der dritte Krimi aus seiner Feder – und wieder zieht seine Figur Kimmo mich von Anfang an in einen Krimi der ungewohnten Art.

Die Wahrheit und andere Lügen – Sascha Arango –

Der Plot sprach mich anfangs enorm an: auch die ersten Seiten versprachen einen angenehm durchkomponierten Krimi. Über die nächsten Kapitel verlor sich der erstmal gute Eindruck allerdings immer weiter, bis ich zum Schluss eher erleichtert war, das Buch zuklappen zu können. Im Nachgang las ich, dass der Autor sonst unter anderem für Fernsehproduktionen schreibt. Als Verfilmung könnte ich es mir besser vorstellen, als Buch bleibt es mir zu dürr, zu wenig.

Teufelsgrinsen – Annelie Wendberg

Für mich, als riesiger Sherlock-Holmes-Fan, ein Muss! Und Annelie Wendberg (die übrigens dieses Buch zuerst selbst veröffentlichte!) ist hier wirklich eine neue Annäherung an die ehrwürdige Figur Holmes gelungen – mit einer weiblichen Wissenschaftlerin im Herrenkostüm als Heldin. Packend, ein solider Kriminalfall und wir lernen eine ganz neue Seite an unserem Lieblingsdetektiv kennen. Dass die Autorin (selbst Umweltmikrobiologin) einiges aus ihrer Praxis einfliessen lässt, gibt dem Buch noch den letzten Schliff.

Heilige Mörderin – Keigo Higashino

Nach „Verdächtige Geliebte“ waren meine Erwartungen naturgemäß sehr hoch. Und Higashino hat sie, zum meinem großen Glück, nicht enttäuscht. Ein wenig anders setzt sich diesmal das Team zusammen, aber das war nur eine kurze Irritation. Die japanische Art zu ermitteln unterscheidet sich deutlich von jenen, die wir aus nordischen, deutschen oder amerikanischen Krimis kennen. Ein wenig Geduld muss man mitbringen, sich auf den Roman einlassen. Dann allerdings wird man belohnt, denn die Auflösung glich für mich einem echten Glanzstück – von langer Hand ermittelt und dargelegt. Chapeau!

Das Geständnis – John Grisham

So langsam lese ich auch ein paar Grishams aus meinem Regal, die ich bisher noch nicht kannte, denn bei seinen Romanen muss für mich immer eine gewisse Pause dazwischen liegen. Und auch wenn man ihm vorwerfen könnte, sich immer doch recht ähnlicher Strickmuster zu bedienen – ich finde ihn jedesmal wieder spannend und rechne es ihm in diesem Roman hoch an, dass er eine ungewöhnliche Entscheidung trifft, die so nicht jeder Autor hätte schreiben können.