Eigentlich mehr ein Essay oder eine Novelle, als gleich ein ganzes Buch – aber oft ist ja nicht die Länge entscheidend. Yalom erzählt in wenigen Worten, dafür mit Kraft die Geschichte seines Kollegen und Freundes Bob Berger, der seit Jahrzehnten die Erlebnisse des Holocausts in sich trägt und lässt den Leser dabei selbst entscheiden, wo die Grenze zwischen Gespräch, Erzählung, Erinnerung liegen mag. Beeindruckend.
Schlagwort: Freundschaft
Überlebensgroß – Mark Watson
Das Buch konnte mich von vorne bis hinten nicht überzeugen – was schade ist. Obwohl große Namen es auf der Rückseite lobten, so kam es bei mir doch zu gewollt, zu angestrengt herüber. Es ist wenigen gegeben, die Dramen des Lebens mit einer gewissen Leichtfüßigkeit beschreiben zu können – und wenn man es nicht kann, endet es eher in Tragikkomik… denn manches kann man nicht locker-leicht beschreiben, ohne dass man das Gefühl bekommt, der Autor nehme seine Figuren nicht ernst. Hier erschienen mir die Probleme zu hausgemacht, ich konnte mich mit niemandem richtig anfreunden und auch wenn ein paar Dinge es immer so rausrissen, dass ich es zuende gelesen habe – so richtig Freude hatte ich nicht daran. Und obwohl ich oftmals mit Christine Westermann übereinstimme – diesmal leider nicht.
Muminvaters wildbewegte Jugend – Tove Jansson
Als Kind habe ich öfter von den Mumins gehört, allerdings hatte ich die Bücher wohl immer nur bei Freunden ausgeliehen, so dass ich mich erst jetzt durch die eigenen Ausgaben pflügen kann und meine nur sehr vagen Erinnerungen auffrischen. Dafür taugte dieser Band sehr – denn er erklärt vieles, auf das in späteren Bänden Bezug genommen wird. Die Mumins kann man einfach nur ins Herz schliessen und ich freue mich, wenn mein Sohn bald mit mir ihre Welt erkunden wird.
Gefährliche Kaninchen – Kirsten John
Familientausch der ganz anderen Sorte. Ein ganz entzückendes Kinderbuch, mit leisen, ernsten Tönen, in dem sich zwei Freunde finden, die jeweils das Leben des anderen bewundern – bis sie versuchsweise mal die Familien tauschen. Aber vielleicht lässt sich ja doch das eine oder andere daran ändern – oder?
Wir beide, irgendwann – Jay Asher/Carolyn Mackler
Das war nett. Will sagen: die Idee war witzig aufgemacht, besonders für jemanden wie mich, der auch durchaus noch den Ton eines sich verbindenden Modems kennt, war es ein schöner Flashback, zurück in eine Zeit in der es zwar Computer gab, aber eben kein Facebook… und auch, wie anders die Jugendlichen, die damit konfrontiert werden, zunächst reagieren. Ich glaube, ich hätte es als Jugendliche gerne gelesen, liess sich gut wegschmökern. Mehr war es für mich allerdings dann auch nicht, es blieb nicht haften.
Madita – Astrid Lindgren
Von Madita hatte ich als Kind nur ein oder zwei Bilderbücher, so dass ich mir vor Jahren eine schöne gebundene Ausgabe von Oetinger zulegte, mit allen Geschichten – jetzt war die Zeit dafür. Lindgren ist einfach ein Ausnahmephänomen, ich mag sovieles von ihr – und auch dieses Buch mochte ich. Allerdings muss ich sagen, nicht ganz so gerne, wie zum Beispiel Pippi Langstrumpf oder auch Ferien auf Saltkrokan (was ich ja ebenso erst später entdeckte). Ein bisschen verwöhnt fand ich Madita dann doch, dass konnte ich nicht überlesen. Trotzdem, es ist Meckern auf hohem Niveau ;-)
abends um 10 – Kate di Goldi
Was gibt es für einen Grund, ein trauriges Buch unbedingt lesen zu wollen, obwohl man ahnt, dass es einen traurig und leicht melancholisch zurücklassen wird? Meist ist es die Empfehlung einer Buchfreundin und so war es auch hier wieder der Fall – es war Christine von Lesemomente . Zum Lesen gab sie mir den Ratschlag „Lies „abends um 10“ bitte nur wenn du in passender Stimmung bist (ruhig, bereit für viel Atmosphäre und etwas nachdenklich vielleicht)“.
Diesen Ratschlag kann ich nur genauso weitergeben. Ein besonderes Buch, eines, das nicht unbedingt geradlinig verläuft, es fordert den Leser, setzt ihn einer Situation aus, die ich bisher noch nie in einem Buch vorgefunden habe. Und all das wird so sensibel und liebevoll erzählt, dass man die Figuren am Schluss ganz schwer loslassen kann. Und vielleicht die eine oder andere Träne rollt. Danke Christinchen! ?
Der Blaubeersommer – Polly Horvath
Zwei uralte Damen, die nicht besonders gut Auto fahren. Ein Wald voller Beeren und Bären. Skurrile Figuren, ein junges Mädchen, unangenehme Eltern. Eigentlich ist das ganze Buch vollgestopft mit seltsam anmutenden Ereignissen, die nicht zusammenpassen – und doch habe ich es mit großer Begeisterung gelesen, weil es so herrlich anders ist, sich so wohltuend abhebt von vielem anderem auf dem Kinderbuchmarkt. Weil hier zwar schlimme Dinge passieren, überzeichnet wird – aber trotz allem einfach durchdringt – Du kannst viel erleben und überstehen, wenn Du an Dich glaubst und über Dich hinauswächst. Ich fands einfach nur richtig klasse und habe schon Nachschub bestellt…
Die Lektionen – Naomi Alderman
Ein reicher, junger Student mit viel Charisma, die altehrwürdige Atmosphäre von Oxford und Studenten, die die Nähe von diesem jungen Mann suchen, wie Motten das Licht. Was passiert, wenn Geld keine Rolle spielt? Wie lange halten Freundschaften, die sich auf diesem Fundament gründen? Wie offen kann man sein (auch in sexueller Hinsicht), was ist Spiel, was ist Ernst? Das Buch hat mich nicht völlig begeistert, jedoch einiges an Fragen aufgeworfen, was ich ja immer wertschätze. Spitze und pointierte Beobachtung, die sicherlich auch aus eigenem Erleben gespeist wurde, ist die Autorin doch selbst Absolventin von Oxford.
Will & Will – John Green und David Levithan
Von beiden Autoren habe ich zuvor etwas gelesen und war angetan. Entsprechend hoch meine Erwartungen dieses gemeinsame Werk, zumal ich diese Art der Zusammenarbeit erstaunlich finde. Aber hier waren Zweifel unbegründet – die beiden Autoren ergänzen sich so perfekt, man könnte meinen es wäre eine Person. Gemeinsam haben sie definitiv die Liebe zu unangepassten Figuren, zu einer gewissen Tragik die oftmals fast ins Komödienfach wechselt. Und vorallem: man lebt mit den Figuren mit, sie bleiben nicht lange neu und fremd sondern werden schnell zu jemandem der auch auf unserem Sofa sitzen könnte. Dieses Buch hat mich durch seine Frische, seinen Witz, seine große Herzlichkeit und vorallem das Gefühl, hier wirklich einen Blick ins Teenagerleben zu werfen, überzeugt. Was für eine verrückte Story, einfach herrlich!