Es wird mir fehlen, das Leben – Ruth Picardie

Zu diesem Buch kann ich eigentlich nur sagen, das es mich sehr tief berührt hat. Ruth Picardie war Journalistin, frischgebackene Mutter von Zwillingen und hatte eine so wunderbare Schreibe. Sie nahm den Kampf gegen den Krebs an, schrieb gegen ihn an, schrieb über das Leben mit ihm und die Angst vorm Sterben und das ganze so entwaffnend ehrlich, so berührend, das ich das ganze Buch über immer wieder Tränen wegwischen musste. In diesem Buch sind ihre Kolumnen und viele Mails und Briefe versammelt, die sie in dieser Zeit schrieb. Das Buch hat mich bewegt und ist etwas, was ich immer wieder aus dem Schrank holen werde…

Du stirbst nicht – Kathrin Schmidt

Über diesen Roman wurde nach dem Gewinn des Deutschen Buchpreises ja mehr als genug geschrieben. Insgesamt wurde ich nicht enttäuscht – es ist nicht unbedingt meine Genre, aber auch nicht so weit entfernt. Was mir gut gefallen hat, ist das Schmidt ein Randthema oder eher: gleich mehrere davon aufgegriffen hat und es verstanden hat, diese in eine Geschichte zu verweben, die einem noch lange nachhängt. Die Strukturen innerhalb einer Familie und auch die Fallstricke, Ängste und Verlust, das alles wird hier auf ungewöhnliche Weise dargestellt. Auch sprachlich hat Schmidt einige wunderbare Passagen in diesem Roman, interessante Wortschöpfungen und vorallem: glasklare Gedanken, gerade zu Anfang, es ist ausgefeilt. Der Deutsche Buchpreis wurde meiner bescheidenen Meinung nach verdient vergeben!

Himmel und Hölle – Malorie Blackman

In der Welt dieses Buches gibt es zwei Arten von Menschen. Die Alphas und die Zeros. Die Zeros sind Bürger zweiter Klasse, sie haben deutlich weniger Möglichkeiten und Rechte als die Alphas. Sephi ist eine Alpha. Callum ist ein Zero. Beide sind seid ihrer Kindheit befreundet – aber als sie älter werden und aus Freundschaft Liebe entsteht, wird der Druck der Gesellschaft, diese Verbindung zu zerstören immer stärker…

Dieses Buch ist heftig. Die Sprache erinnert zunächst wirklich an ein Jugendbuch, einfach und klar. Ich habe allerdings mehrfach heftig schlucken müssen. Was Blackman hier zunächst sanft und später immer heftiger anprangert, das ist erschreckend realistisch, atemberaubend spannend und für mich wirklich ganz großes Kino. Was ein Buch! Für mich die absolute Empfehlung sowohl für Jugendlich ab 15 aber auch Erwachsene. Blackman hat hier Themen angeschnitten, die uns alle angehen!

Zeit deines Lebens – Cecilia Ahern

Ich mag kitschige Bücher. Doch, durchaus. Ich hab auch was für große Gefühle übrig. Für Liebe. Für Freundschaft. Aber trotzdem hat mich die neue Ahern wirklich kaum berührt. Dieses Buch ist so dermaßen voll mit übersättigten Sätzen, das es schade drum ist. Wenn jede Kleinigkeit so übertrieben mit Metaphern und Vergleichen beladen wird, kommt man kaum hinterher, mit dem Kopfkino. Ich habe alle Aherns gelesen, ich mag ihre beiden ersten Bücher (P.S. Ich liebe dich & Für immer vielleicht) wirklich gern. Danach gleitet Ahern für mich ins magisch-esoterisch angehauchte ab und ich hab sie zwar gelesen, aber es hat für nenn netten Nachmittag gerreicht, mehr nicht. In diesem Buch konnte ich am allerwenigsten irgendwas spüren. Das Thema – Lebe dein Leben, solange Du Zeit dafür hast, kümmere Dich um Familie, Freunde, stell den Job hinten an, schau mal nach links und nach rechts – das hätte was ganz großes werden können. Wenn es nur nicht so unglaublich offensichtlich gewesen wäre. Die Handlung läßt sich in diesem einen Satz zusammenfassen. Und alles drumherum, auch Figuren und Schauplätze, wurden einfach nicht warm mit mir. Ich habe ein wenig das Gefühl, ein Buch zu lesen, das als Film ein netter Weihnachtsfilm wäre, den man gerne einmal anschaut. Aber ich möchte kein Drehbuch lesen, sondern einen Roman.

Das Gegenteil von oben – Oliver Uschmann

Man kennt diesen Autor eigentlich von der „Hartmut und Ich“ -Reihe. Als ich las, das er ein Jugendbuch geschrieben hat, musste ich es haben. Und ich sage: endlich mal ein  Jugendbuch, das aktuelle Themen wie Kindesentführung/Mißbrauch, Stalking, Zocken behandelt, den moralischen Zeigefinger weglässt und trotzdem zum Nachdenken anregt. Fabelhafte Schullektüre wäre das! Dennis hat ein etwas schräges Hobby – er beobachtet Leute im Hochhaus gegenüber mit dem Fernglas. Allerdings geht er noch einen Schritt weiter: er verschickt Codes, kleine Nachrichten an die Leute im Haus gegenüber, wenn diese sich streiten, Sudokus an die einsame Dame von gegenüber… Am liebsten beobachtet er allerdings die Hausmeisterfamilie, die so harmonisch wirkt – Dennis vermisst seinen Vater, von dem seine Mutter fast nie spricht.

Als sich im Haus gegenüber etwas verändert, wird Dennis stutzig.  Beobachtet er grade ein Verbrechen? Oder gibt es für alles einfache Erklärungen? Die Ereignisse im anderen Turm bringen sein Leben gehörig durcheinander und ja – Dennis muss auch ein Leben selbst in die Hand nehmen und es verändern.

Klasse Jugendbuch, toll geschrieben, spannend bis zum Schluss!

Die Penderwicks zu Hause – Jeanne Birdsall

Nachdem ich „Die Penderwicks“ so sehr geliebt habe, musste dieses Buch natürlich bei mir einziehen. Und wieder sind die 4 Penderwick-Schwestern einfach fabelhaft – witzig, spritzig, liebenswert und immer wieder um keine Idee verlegen. So einfühlsam und liebevoll schreibt niemand über 4 Mädchen die zusammen mit ihrem Vater aufwachsen. Diesmal sind die Penderwicks, wie der Name erahnen lässt, zu Hause. Und auch dort gibt es mehr als genug Dinge, die „geklärt“ werden müssen – auf die unnachahmliche Art der Penderwick-Schwestern.

Wer diese 4 nicht kennt, der hat was verpasst!

Ihr kriegt mich nicht – Mikael Engström

Miks Aufgabe ist einfach: Niemand darf merken das sein Vater nur noch trinkt und sein Bruder so langsam in die Kriminalität abrutscht. Aber die Aufgabe ist nicht einfach: das Kartenhaus bricht zusammen. Statt bei seiner Tante im hohen Norden untergebracht zu werden, soll Mik zu einer Pflegefamilie und wehrt sich heftig. Was folgt ist eine einzigartige Geschichte über das Dazugehören, Familie, Freunde, ein klitzekleines skurriles Dörfchen und die Frage: „Wissen die Erwachsenen wirklich, wo ein Kind zuhause ist?“.

Das Buch berührt sehr, es ist intensiv und voller Kraft geschrieben. Kinder sind so stark und nicht immer ist die Lösung nach Schema F die richtige für die Seele. Ein großartiges Jugendbuch!

Die unsichtbaren Stimmen – Carolina de Robertis

Hier kommt ein Buch über das ich schwärmen werde! Ein toller, verschlungener Roman, der mystisch und opulent anfängt und zum Ende hin immer spannender wird. Über 3 Generationen hinweg werden 3 Frauen und ihre (Familien)-Geschichte beschrieben und das sehr mitreißend und packend. Lässt sich super lesen, macht immer Lust auf mehr und hat den Vergleich mit Allende absolut verdient! Auch das der Roman in Uruguay spielt und verschiedenste Kulturen sich im Laufe des Buches dazumischen macht das ganze einfach noch „runder“. Für mich eines der Highlights für diesen Sommer als Lektüre!

Schimmer – Ingrid Law

Dieses Buch hat mich wirklich begeistert! Ich habe es mir vordergründig deshalb gekauft, weil ich es vorgelesen bekam:  im Rahmen des Finales vom Vorlesewettbewerb, der in Berlin stattfand. Diese Veranstaltung dürfte ich aufgrund eines gewonnenen Schaufensterwettbewerbes besuchen – es war absolut genial. Aber zurück zum Buch: Das Mädchen das aus diesem Buch vorlas, hat mir eine Gänsehaut verpasst und ich wollte das Buch danach unbedingt lesen. Kompliment an Dich!

Mit 13 bekommen die Mitglieder der Familie Beaumont ihren „Schimmer“. Ihr Bruder Fish kann Stürme herbeirufen, Rocket verursacht Stromausfälle. Ihre Mutter ist vollkommen in dem was sie tut. Mibs kann es kaum erwarten, selbst 13 zu werden und ihren „Schimmer“ zu bekommen – das kann so gut wie alles sein. Als kurz vor ihrem Geburtstag ihr Vater, genannt Poppa einen schweren Unfall hat, braucht Mibs allerdings mehr als ihren Schimmer, um zu ihrem Poppa zu kommen.Eine abenteuerliche Reise beginnt.

Was zunächst anmutet wie Fantasy, ist sehr bodenständig. Eine Reise die alle Mitglieder der Familie Beaumont und ihre Freunde verändert, die sich dem Thema Älter werden, Verantwortung und sich selbst erkennen auf eine ganz andere Weise nähert. Die Figuren haben mir alle sehr gut gefallen und ich habe das Buch in einem Rutsch durchgelesen. Tolles Jugendbuch das Spaß macht, eine tolle Grundidee hat und sich sehr angenehm von vielen anderen Neuerscheinungen abhebt!

Die Stunde in der ich zu glauben begann – Wally Lamb

Als mir dieses Buch ins Haus flatterte, hatte ich noch nichts anderes von Wally Lamb gelesen.Nach der Lektüre werde ich das aber definitiv nachholen.Wally Lamb verwebt die Ereignisse von dem Amoklauf in der Columbine High School  (und dort benutzt er die echten Namen und Geschehnisse) mit der persönlichen (fiktiven) Familiengeschichte seiner Protagonisten. Maureen, eine Schulkrankenschwester die in der Bibliothek in einem Schrank versteckt miterleben muss, wie Schüler erschossen werden, leidet nach den Ereignissen, ist traumatisiert und rutscht immer mehr ab. Maureen und ihr Mann Caelum, der diese Geschichte erzählt, werden über einen langen Zeitraum hinweg begleitet, seine Figuren suchen nach Sinn und einem Neuanfang – immer wieder. Lamb hat hier ein großes Werk geschaffen, wo nicht nur ein roter Faden sondern viele gesponnen werden. Die Moral und Handlungsweisen der Menschen stellen sich in Frage und nicht zuletzt ist der Roman sehr bewegend und ich bin sicher das nicht nur mir an einigen Stellen des Romans die Tränen kamen.

Schnörkellos, dafür aber genau und detailreich beschreibt Wally Lamb diese Auseinandersetzungen mit Ereignissen, Tragödien und Geheimnissen. Auch Briefe, Emails und Erzählungen aus der Vergangenheit der Figuren haben ihren Platz und lockern so die Geschichte noch etwas auf. Dieses wirklich dicke Buch lohnt aber jede Seite – ein großer Roman über Menschlichkeit.