Endlich gibt es etwas Neues vom Erfinder des wohl berühmtesten Kängurus der Buchwelt, Marc-Uwe Kling hat wieder einen Roman geschrieben. Einen, den es gleich in zwei Ausführungen (helles und dunkles Cover) und in einer Hörbuchfassung gibt – die dreifache Freude für alle Fans quasi. Wir tauchen also tief ein, in dieses Qualityland, in dem fast alles per TouchKiss auf dem Qualitypad zu regeln ist, alles immer OK ist, und in dem Maschinen unsere tiefsten Wünsche erfüllen, lange bevor wir überhaupt wissen, dass wir sie haben. Eine Welt voller Superlative. Was soll da noch schiefgehen? Continue reading Qualityland – Marc-Uwe Kling
Autor: Sarah
Wir hier draußen (Eine Familie zieht in den Wald) – Andrea Hejlskov
Manchmal begegnet einem ein Buch, welches man aufschlägt, es nur kurz aus der Hand legt, um sich ein Käsebrot zu machen um dann direkt weiterzulesen. Ehrlich gestanden hatte ich das bei diesem Buch so nicht erwartet und je weiter ich las, desto mehr wuchs meine Begeisterung, weil mich diese Geschichte so überraschte!
Ich bin nun wahrlich nicht das, was man einen waschechten Outdoor-Fan nennt, keine enthusiastische Camperin oder stundenlange Waldspaziergängerin. Aber mich fasziniert es, angefangen bei Thoreaus Walden, dass Menschen sich in dieses einfache Leben in der Natur begeben – und diese Natur kann nicht nur wunderschön, sondern auch sehr unbarmherzig sein. Continue reading Wir hier draußen (Eine Familie zieht in den Wald) – Andrea Hejlskov
Die Kieferninseln – Marion Poschmann
Am Anfang stürzte ich fast kopfüber in den Roman hinein – denn es ging so schnell los, dass sich bei mir zunächst leise Verwirrung breit machte. Der hastige Aufbruch von Gilbert Silvester, seines Zeichens Privatdozent und Bartforscher, der nagende Verdacht, dass seine Frau ihn betrügt, das alles passiert in einer fließenden Bewegung und ich folge ihm auf seine Reise, deren plötzlichen Auslöser ich nicht unbedingt nachvollziehen kann. Continue reading Die Kieferninseln – Marion Poschmann
Sechs Fragen zu „Schau mich an, wenn ich mit dir rede“ von Monika Helfer
Eine Autorin, ein Buch, zwei Frauen, sechs Fragen,zwei Meinungen.
Österreich ist weit weg, zu schade, denn sonst hätten Mareike und ich uns sicherlich auf ein leckeres Stück Kuchen getroffen, beide mit dem Longlist-Roman in der Hand und hätten engagiert debattiert, welche Aspekte den Roman für uns haben herausstechen beziehungsweise haben durchfallen lassen. So behalfen wir uns mit sechs Fragen – die Antworten hätten wohl nicht unterschiedlicher ausfallen können!
Vorhang auf! Continue reading Sechs Fragen zu „Schau mich an, wenn ich mit dir rede“ von Monika Helfer
Flugschnee – Birgit Müller-Wieland
Lucy. Lorenz. Helene. Vera. Arnold. Das sind die Stimmen, die in einem Zeitraum von rund 20 Jahren eine Familiengeschichte erzählen. Und auch der abwesende Simon, der Bruder von Lucy, erzählt durch sein Fehlen auf ganz eigene Art seinen Teil der Geschichte. Flugschnee, so heißt der Roman und auch das Cover passt zur Erzählweise des Buches. Viele einzelne Schneeflocken fliegen umher, Erinnerungsfetzen, Kindheitseindrücke, Erzähltes, Gehörtes, Gesagtes. Nach und nach bilden sich Muster in diesem wilden Erzählsturm, um dann doch gleich wieder im Weiss zu verschwinden. Aber je weiter man vordringt, desto klarer wird die Sicht und die Ahnung, dass all diese Schneeflocken zusammengesetzt ein Bild ergeben werden, die Geschichte einer Familie, die ein Geheimnis viel zu lange verbarg und nun droht, an ihm zu zerbrechen.
Kunstvoll erzählt, in einem ruhigen Stil, der mir sehr gut gefallen hat. Für mich zurecht auf der Longlist!
Kraft – Jonas Lüscher
So schön es ist, gemeinsam über Bücher zu schwärmen, so sehr genieße ich es dann auch, mich über ein Buch auszutauschen mit jemandem, der nach der Lektüre anderer Meinung war. Mein Buchpreisblogger Kollege Frank hat mit mir über den Roman von Jonas Lüscher gesprochen – Vielen Dank bereits an dieser Stelle!
Weltalphabetisierungstag – International Literacy Day [Werbung]
Die Firma Viking hat mir im Zuge einer Blog-Aktion zum Weltalphabetisierungstag am 8. September verschiedene Produkte kostenlos zur Verfügung gestellt. Dieser Beitrag enthält Werbung.

Meine ersten Gedanken zum Weltalphabetisierungstag oder auch International Literacy Day gingen in die gleiche Richtung wie vermutlich die von vielen. Recherche, Zahlen heraussuchen zum Thema Analphabeten in Deutschland (2 Millionen totale, 7,5 Millionen funktionale Analphabeten – eine viel zu hohe Zahl!) und so weiter. Für viele, die diesen Beitrag lesen werden, ist Lesen und Schreiben können so selbstverständlich wie Laufen und Atmen. Wir lieben Bücher und sind dankbar für all die Dinge, die wir aufgrund von Sprache und ihrer Anwendung tun können. Für viele dürfte die Erinnerung verblasst sein, an die Zeit, als das noch nicht selbstverständlich war.
Und dann kam mein Sohn in die Schule. Und ich erlebe gerade 1:1 noch einmal, wie die Tür zu einer neuen Welt aufgestoßen wird. Während er seine Hausaufgaben am Esstisch macht, sitze ich mit einem Buch daneben. Ab und an schaue ich flüchtig herüber und sehe zu, wie er sich einen neuen Buchstaben langsam erobert. Und obwohl er das ABC schon kennt, so ist das schreiben lernen, zusammenziehen der Buchstaben, das Silbenklatschen und die Betonung eine große Herausforderung. Und trotzdem kommt er freudestrahlend nach Hause, wenn es „endlich“ mit dem nächsten Buchstaben weitergeht. Continue reading Weltalphabetisierungstag – International Literacy Day [Werbung]
Fünf Longlist-Favoritinnen! Deutscher Buchpreis 2017
Nun dauert es nicht mehr lange, denn am 15. August wird die Longlist des Deutschen Buchpreises bekanntgegeben. Höchste Zeit, den Blick auf einige Romane zu werfen, die es auf die Longlist schaffen könnten. Continue reading Fünf Longlist-Favoritinnen! Deutscher Buchpreis 2017
Roofer – Jutta Wilke
Irgendwann wird jemand den Halt verlieren. Wieviel ist Dir die Anerkennung und die schwindelerregende Freiheit wert, wenn Du doch mit nur einem einzigen Schritt alles verlieren kannst?
„Ich hätte es verhindern müssen. Ich hätte irgendetwas tun müssen, um es zu stoppen. Man muss doch etwas tun. Man konnte doch nicht einfach nur zusehen. Aber genau das habt ihr getan, flüstert die Stimme in mir. Ihr habt zugesehen. Alle. Immer wieder.“ (aus „Roofer“ von Jutta Wilke, Seite 10/11)
Ich bin ein Mensch, der generell eher lieber am Boden bleibt, eine latente Höhenangst begleitet mich bei jedem Aussichtsturm. Die Protagonisten in Jutta Wilkes Roofer hingegen lieben die Höhe, in der sie sich unendlich frei fühlen – eine Freiheit, die sich allerdings in Sekunden in einen tiefen Fall verwandeln kann. Als Alice durch ihre beste Freundin Nasti die „Roofer“ kennenlernt, kommt sie in Berühung mit dieser ihr noch fremden Welt, die sich hoch über ihr auf Dächern, Baukränen und Gerüsten abspielt. Doch der Kick, den die Clique aus diesen Abenteuern zieht, überträgt sich nicht auf Alice. Im Gegenteil, ihre Sorge um ihre Freunde wächst ständig und sie versucht verzweifelt, diese zur Vernunft zu bringen. Auch will sie sich nicht damit abfinden, ihre beste Freundin nach und nach an einen der waghalsigsten Roofer zu verlieren – Trasher, in den Nasti wahnsinnig verliebt ist. Aber da ist auch noch Nik, der auf der Straße lebt und dem Alice langsam näherkommt.

Wilke schafft es, die halsbrecherischen Mutproben über den Dächern äußerst authentisch zu schildern, die Dramatik mancher Situationen ist mit Händen greifbar. Genauso greifbar bleibt aber auch die Gefahr, die Wilke niemals verklärt oder romantisiert, ein Aspekt, der gerade im Jugendbuch für mich eine wichtige Rolle spielt. Im Gegenteil, sie zeigt eindrucksvoll, zu welchen Taten Gruppenzwang, angebliche Liebesbeweise und gegenseitiges Übertrumpfen wollen führen können. Und ihren jugendlichen Lesern stellt sie mehr als einmal unausgesprochen die Frage – was würdest Du tun? Und welcher Schritt ist ein Schritt zuviel in die falsche Richtung?
Ein dramatischer Jugendroman über den Dächern Frankurt am Mains ab 14 Jahren.
Was man von hier aus sehen kann – Mariana Leky
Wir sind begeistert und hingerissen von Mariana Leky! Denn dieser Roman hatte uns Buchhändlerinnen und Buchhändler im Buchladen nacheinander wie eine Kettenreaktion erfasst – und wir ergaben uns gerne. Dieser Roman wird die Herzen erobern – da sind wir uns schon jetzt ganz sicher! Ein sprachverliebtes Buch über ein kleines Dorf und seine Bewohner, mit all ihren Eigenheiten. Eine Liebesgeschichte und eine Familiengeschichte, bei der man abwechselnd lacht und weint. Kurzum – ein heißer Anwärter auf ein Lieblingsbuch.
Und mittlerweile ein kleiner Nachtrag – aus unserer Begeisterung heraus hat sich das Buch zum internen Bestseller entwickelt, yay! Noch dazu wurde es im Rahmen der „WuB“ (Woche der unabhängigen Buchhandlungen) zum Lieblingsbuch der Unabhängigen gewählt. Wenn das nichts ist! (Ergänzung Ende Oktober 2017)